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Tipp des Monats

September 2021 - The Samurai of Prog

»Once upon a time«, ...so fängt jedes Märchen an, auch wenn es musikalisch vertont wird. Das Intro "In To The Wood" entführt uns nicht nur in eine Welt von Prinzessinnen, Königen, Elfen und bösen Hexen, sondern auch in eine perfekte Rock-Jazz Expedition. Dieses Dreier-Kollektiv um die Herren Marco Bernard, Kimmo Pörsti und Steve Unruh legen ein enormes Arbeitspensum vor. Jährlich ein Album, 2020 sogar zwei in kürzester Zeit und zwischendrin bleibt auch noch Zeit für andere großartige Projekte wie La Tierra oder "The Guildmaster".

Nun nehmen sich The Samurai Of Prog die Grimm-Brüder zur Brust. Verschiedene bekannte und weniger bekannte Märchen werden musikalisch in gewohnter Manier zum Besten gegeben.

Wiederentdeckt

September 2021 - Tom Waits - Heartattack And Vine

Mit "Heartattack And Vine" verabschiedet sich Waits 1980 von seinem bisherigen Plattenlabel "Asylum". Es ist sein siebtes Studioalbum, und wenngleich es in den Billboard Charts nicht über eine 96er Dotierung hinauskam, zähle ich es zu seinen besten Alben. Wie auch auf seinen bisherigen (und folgenden) Werken gibt sich Waits hier als der lonesome Kneipenbarde, der Anti-Star, der mit seiner rostigen, knarzigen Stimme die Stimmung des Volkes einfängt, diese in herzzerreißenden Balladen oder rotzig gespielten Rocknummern ins Mikro haucht oder schreit...
...Meist ist zu hören - der kann ja gar nicht singen. Na und? Dylan kann auch nicht singen. Hummeln können eigentlich nicht fliegen. Und tun tun sie es trotzdem. Welch ein Glück!

Der Sound der 70er! 50 Jahre ...

Amber - Pearls Of Amber | 1971

Das Duo Amber präsentiert Folk der 60er mit Psychelementen und einen Hauch indischer/ orientalischer Musik, der ausschließlich akustisch vorgetragen wurde. Es ist Musik, die gefühlvoll, gradlinig, rhythmisch und voller Harmonien herüberkommt. Man spürt geradezu die versprühende Freude, Melancholie und Nachdenklichkeit in den einzelnen Musikstücken. Es entwickelt sich ein Kosmos der berührenden Wohligkeit, zu der man bestens Abtauchen, Innehalten und in sich gehen kann. Letztlich vermittelt diese Musik Ruhe und Zufriedenheit.

Budgie "Same" | 1971

Mit dem anschließenden Stück „Nude Disintegrating Parachutist Woman“ wird in meinen Augen eines der absoluten Höhepunkte des Albums eingeläutet. Ein Riff für die Ewigkeit, das auch aus der Feder von Tony Iommi stammen könnte, eröffnet das Stück und wird zugleich von zarten Schlagzeugtupfern begleitet. Was dann erfolgt, ist pure hardrockende Magie, die wie ein nicht endender Lavastrom vorantreibt. Gepaart wird alles durch das druckvolle Drumming von Ray Phillips und dem energischen Gesang von Burke Shelley. Hier zeigt sich auch, welch einen talentierten Gitarristen die Band hatte...

Marvin Gaye - What's going on? | 1971

Nur wenige Alben habe ich im Doppel als CD und LP, diese hier ist eine davon. Dabei hat dieses epochale Werk erst spät (2002) Einzug in mein CD-Regal gefunden und zwar in Form der seinerzeit veröffentlichten remasterten Version der Serie „Motown Classic Albums“ . In den LP-Ständer wurde die Scheibe 2016 aufgenommen. Hier steht seitdem das Reissue aus 2016 in der 180 g coloured Version.

Neu im Portal

Michael Johnathon - The Painter

Jeder Song atmet einen eigenen Charakter, und stets sind es Kleinigkeiten und Nuancen, die die Atmosphäre perfekt abrunden, sei es das zarte Flötenspiel von Sharon Ohler, die Streicherarrangements, ein tupfendes Piano oder ein Akkordeon. Nicht jeder Song erinnert direkt an McLean, denn Johnathan verfolgt durchaus einen eigenen Ansatz, gelegentlich erinnert mich die Ausprägung einiger Titel stilistisch an solch eher unbekannte Kollegen wie Bat McGrath oder John Coster.

TRIALOGOS - Stroh zu Gold

Neo Doom Kraut? Doom und Krautrock haben hier klar ihre Spuren hinterlassen, die Musik von Trialogos nimmt allerdings auch weitere Einflüsse auf, die den einzelnen Stücken jeweils einen sehr unterschiedlichen Charakter verleihen. So geht es mit Lavu Santu recht „doomig“ los, langgezogene, kratzige Gitarrenschleifen über flächigen Synthies erwecken den Eindruck einer postapokalyptischen Szenerie. Das Titelstück zeigt sich dann von einer klar krautrockigen Seite, ganz im Stil von Bands wie Neu! liegen über einem motorisch treibenden, monotonen Rhythmus allerlei elektronische Geräusche.

Christopher Paul Stelling „Best Of Luck“ -2020-

Nach den Jahren der Rastlosigkeit legte Stelling vor der Entstehung seines 5. Albums „Best Of Luck“ eine längere Pause ein, um wieder zu sich selbst zu finden. Dadurch fand er die nötige Ruhe und Gelassenheit, die sich auf diesem Album perfekt widerspiegelt. Die isolierende und meditative Erfahrung erwies sich als fruchtbar und ein leuchtendes Beispiel dafür, wozu Stelling als Songwriter fähig war. An der Entstehung war Ben Harper maßgeblich mitbeteiligt, der nicht nur als Produzent, sondern auch als Mitmusiker auftrat.
Es ist im Großen und Ganzen wieder einen Schritt zu seinen musikalischen Wurzeln zurückgekehrt, also die Musik, die durch ihre spärliche Begleitung ihre Strahlkraft vermittelt bekommt.

Kungens Män - Trappmusik | Schweden 2020 | Psychedelic-, Kraut-, Spacerock

Man nehme einen ausreichend großen Shaker und fülle ihn mit erlesenen Zutaten: Ein Happen Kraut, eine Prise Psychedelic, ein kräftiger Schuss Space, eine kleine Schippe Jazz. Füge ein dickes, fettes Saxophon hinzu, ergänzt durch Drums und Gitarre, Synthie und Bass. Nun fehlt ein erfahrener Keeper, der das ganze ordentlich durchschüttelt und voilà - fertig ist ein schmackhaftes Gebräu aus schwedischen Landen.
Ein Kunststück dieser Scheibe macht für mich aus, wie es ebenso von Psychedelic-Freunden und auch Krautern, Spacerockern oder Proggern gehört werden kann. Ein herrliches Gebräu!

Ralph Mothwurf Orchestra - Zelt

Heute lässt mich das Ralph Mothwurf Orchestra in sein "Zelt". Der aus Linz stammende österreichische Komponist, Dirigent und Musiker Ralph Mothwurf stellt mit seinem zweiundzwanzig-köpfigen Orchester etwas vor, dass Grenzen zu sprengen scheint. Zunächst vermutet man anhand der Vielzahl der Musiker sicherlich gewohnte Bigband-Klänge, doch außer, dass entsprechende Arrangements solcher Formationen hier sicher auch Anwendung finden, hat der Komponist hier offensichtlich angestrebt, eine Verschmelzung von Traditionen zeitgenössischer Moderne und Jazz zu vollstrecken. Dieses gelingt mit den verschiedenen Musikern/innen vorzüglich...

Arabs In Aspic | First (2003) and Last (2020) | Norwegen

Schwere, satte Gitarrenläufe, fette Orgelklänge, prog- und psychedelicdurchtränkter Sound kennzeichnen das Debut der Norweger. Ja, die tonnenschweren Gitarrenriffs erinnern an BLACK SABBATH. Das war es aber noch nicht mit der Reminiszenz an diese Band - der Band, die ARABS IN ASPIC möglicherweise erst begründete. Deren Verehrung lauert in vielen Einzelheiten der Stücke auf dieser EP um die Ecke.
Mit "Madness and Magic" ist 2020 das derzeit letzte Album der Band erschienen. Nach dem freudig aufgenommenen Debut war ich sehr neugierig darauf, was sich bei ARABS IN ASPIC in den vergangenen 17 Jahren getan hat. Ist die Band ihren Wurzeln treu geblieben? Wie hat sie sich entwickelt, ist das noch die Band der Anfangszeit?

Wrekmeister Harmonies - Light Falls

Die Spannung zwischen leisen Parts, fast friedlichen und sanften Klängen und lauten Ausbrüchen, verstärkt mit Schlagzeug und brazenden metallischen Gitarrenklängen zieht sich durch das komplette Album.
Mit den Musikern von Godspeed You! Black Empereor ist es Wrekmeister Harmonies gelungen, die von Levi beschriebenen Grausamkeiten in Töne, in eine nachempfindbare Klangwelt zu verwandeln. Eine auch ohne viele Worte auskommende nicht nur als bedrückend und düstere empfundene Welt, die jedenfalls die Aufmerksamkeit des Hörers fordert um verstanden zu werden.

Dool - Here Now, There Then (2017)

Dool wurden 2015 in den Niederlanden gegründet und sind durch die Rhytmusgruppe der verblichenen The Devil´s Blood mit gewissen Vorschusslorbeeren gestartet. Im Jahr darauf spielte man schon auf den Roadburn, also ein durchaus respektabler Start. 2017 erschien dann mit „Here Now, There Then” das Debut-Album, welches sehr gut angenommen wurde.
Die Hinweise Metal Hammer und Devils Blood führen musikalisch aber ein bischen in die Irre wie ich finde. Da schwirren Label wie Occult-Rock oder Progressive-Metal durch den Raum, die Band selbst nennt wohl Sisters of Mercy und Sonic Youth als Einflüsse.

Erik Cohen - Northern Soul | Deutschland 2021

Kurz und knackig auf den Punkt gebracht: Das Album hätte locker in der Schublade "Neue Deutsche Welle" einsortiert werden können. Kräftig auf die Lauscher drücken die Songs, die auch ein Plätzchen in der Kategorie Punk, Hardrock oder Metal beanspruchen könnten. Mich hatte es sofort an beispielsweise Extrabreit, streckenweise an Achim Reichel erinnert. Allzeit dominant, natürlich neben der markanten Stimme, ist die Starkstromgitarre, die permanent unter Stress zu stehen scheint. Feinste Rocksongs, immer nur geradeaus, keine Schlenker oder Umwege, Speed ist angesagt. Das ganze gewürzt mit feinen Texten.

Logan Richardson - Afrofuturism

Ist es Jazz? Oder nicht? Jedenfalls gilt der 1980 in Kansas City geborene Saxofonist Logan Richardson als Jazzmusiker. Denn nach einer kurzen Ansage von Stefon Harris hört man zwar ein Saxofon, doch vernehme ich harte Fusion-Klänge im Jazz Rock-Gewand. Dabei steht das wummernde Schlagzeug ziemlich stark im Vordergrund, ich meine, etwas zu präsent, weil sich dahinter teilweise ein verflochtener Klangbrei verbirgt, der einen breiten Klangteppich dazu bildet. Zu dem Song hat sich Richardson wie folgt geäußert: Frank Zappa, Queen, Brian Wilson and Radiohead meets Schoenberg in a sci-fi 80s lounge.

Annie Keating - Bristol County Tides

Der Songreigen startet mit knochentrockenem Rock, satte Riffs und ein treibender Groove, so hätten ihn unter anderem auch die Rolling Stones oder etwa Dave Edmunds spielen können, "Third Street" setzt Zeichen. Doch "Kindred Spirit" ist schon anders, hier assoziiere ich spontan Songs von The Band, in deren schleppenden und lasziven Stil, aber auch das andere aus dem großen Topf Americana könnte ich hervorzaubern, um diesen Sound zu beschreiben, der total cool kommt.
Ja, das achte Album bietet erneut Americana vom Feinsten. Mittels einer herrlich entspannten Atmosphäre, die mich gedanklich mitunter auch in Richtung Lucinda Williams oder Kate Campbell führt, ...

Helsinki-Cotonou-Ensemble - Same

Wie las ich jüngst zur musikalischen Einschätzung dieser Band? Weather Report meets Fela. Also stellt man sich diese besondere Art der Fusion von Weather Report (nur - welcher Zeitraum war gemeint?) vor in Verbindung mit der afrikanischen Fusion-Musik von Fela Kuti. Das Helsinki-Cotonou Ensemble besteht auf finnischen und afrikanischen (aus Benin, Westafrika) Musikern.
Entstanden ist die Band im Jahre 2012, als drei finnische Musiker nach Benin reisten, und sich mit dem Sänger und Perkussionisten Noel Saizonou zusammenschlossen. Musiker aus der Stadt Cotonou wirkten nachfolgend mit und der Name der Band war geboren, Helsinki-Cotonou-Ensemble.

Fabrice Martinez, Laurent Bardainne & Thomas de Pourquery - Drôles de Dames

Und schon wieder bin ich auf der Suche. Auf der Suche nach einer Schublade. Nach einer Schublade, in die ich diese Musik stecken kann. Hinter dem Ganzen steckt der französische Saxophonist, Sänger und Komponist Thomas de Pourquery, bekannt als "New Prophet of Jazz". Mit zwei weiteren Musikern hat er das gemeinsame Album "Drôles de Dames" veröffentlicht.
Den Begriff "Drôles de Dames" kenne ich in Verbindung mit der US-amerikanischen Fernsehserie "Charlie's Angels". Ob und inwieweit diese Produktion damit in Verbindung gebracht werden sollte oder in Verbindung gebracht werden sollte, ist mir nicht bekannt. Darum lasse ich es einfach einmal so stehen und verweise auf die einleitenden Worte von Éric Delhaye im Booklet der CD.

Will Stratton - The Changing Wilderness

Vom Sound der Akustikgitarre geführt startet die Platte mit "Tokens", und rasch stellt sich eine beschauliche und sehr angenehme Stimmung ein. Und wenn dann der zurückhaltende, fast schon nah am Rand des Hauchens befindliche, Gesang einsetzt, dann kann man sehr wohl an Nick Drake denken. Doch klang Drake sehr stark in seiner Melancholie und einer Art Trauer verhaftet, so wirkt es bei Will Stratton anders. Im Übrigen ist dieser Auftaktsong ein sehr schöner, und hinsichtlich des Arrangements ist man sehr subtil und nuanciert vorgegangen, zum Beispiel meine ich den Einsatz des Vibrafons, ganz sanft, ganz sacht im Hintergrund.

Vanessa Peters - Modern Age

Letztlich strotzt die Musik voller Energie, wirkt sehr entgegenkommend und ist voller Harmonie und Melodienreichtum. Man spürt eine Art unbekümmerter Leidenschaft, die nahtlose Annäherung an den Bereich des Power Pops, einzig eine Zutat würde für mich diese Musik absolut perfekt machen - eine jingelnde Rickenbacker 12 string! Vielleicht das nächste Mal, Vanessa???
Ach, in der Tat reihen sich die Songs wie eine Reihe kostbarer Perlen aneinander, gerade läuft schon wieder "Never Really Gone" und fasziniert mich, das gibt einen richtig warm strömenden Solarplexus! ...

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