Wishbone Ash - There's The Rub | 1974

 
badger
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Wishbone Ash - There's The Rub | 1974

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Gepostet: 02.05.2024 - 16:35 Uhr  ·  #1
Wishbone Ash - There's The Rub (MCA 1974)

1970 war uns das Debut als die neue Sensation am Rockhimmel angepriesen worden,
mit neuartigen Doppelleadgitarren. Und tatsächlich, es paßte wunderbar zu einem perfekten Sommer und
den dazugehörenden Cricket-Länderspielen (die, wer es nicht weiß, sich jeweils über 5 ganze Tage hinziehen).
Vielfach Gelegenheit, dieses erste W.A. während der Spielpausen aus dem Sofasessel heraus immer wieder abzuspielen.

(der Bandname hatte einen starken Bezug zum Cricket, die Jungs waren Fans, wie eigentlich alle Engländer es sind;
die Mucke paßte also) .



Die zweite und Dritte waren fast noch besser, aber 'Four' (trotz 2 persönlicher W.A.-Lieblingsstücke:
'Ballad Of The Beacon' und 'Everybody Needs A Friend'), sah die Band im Krisenmodus..., zerstritten.
Ted Turner stieg aus und damit schien die Zukunft schon vorbei zu sein.

Laurie Wisefield, Gitarrist der von Kritikern hochgelobten 'Home' wurde abgeworben und sollte
das Ruder herumwerfen.
Schon der Plattentitel bekräftigte den neuen Enthusiasmus; Cricketfans war man ja noch immer.
'There's The Rub' sagten die Fernseh-Kommentatoren;
und man sah, wie der Bowler den Ball zum Werfen sauber rieb.
Gleich läuft er an und dann wird ganz sicher das nächste Wicket fallen;
Ash werden wieder auf dem Siegespfad sein.



Tatsächlich, die Bälle wurden geworfen und trafen auch.
Ein Angriffsdurchgang umfaßt je sechs Bälle und daher auch auf T.T.R:
Sechs meist mittellange Stücke,
die Laurie genügend Zeit gaben, seine Riffs mit denen von Andy Powell auszutauschen. Das war nun
zwar ähnlich wie das frühere Duell Ted Turner/Powell, aber keinesfalls eine *opie.

Eine sehr melodieorientierte Platte wurde es; tatsächlich waren diese Melodien etwas funkier und
polierter; aber mit Lady Jay kam auch das folkige Element nicht zu kurz. Akkustische und Elektrische
Gitarren-Couplets paßten perfekt und auch ein wenig Hard Rock (z.B. im instrumentalen Inferno zum
Ende von F.U.B.B.) begeisterte.

Etwas ungewöhnlich: mit 'Silver Shoes' begann es verhältnismäßig verhalten um sich dann zu ersten
Riffwechseln der Gitarristen zu steigern; ohne daß ein hart rockender Abräumer daraus wurde.

Denselben gibt es bei 'Don't Come Back' zum einzigen Mal auf T.T.R.: schneller, härter, aggressiver
im Zusammenspiel.

'Persephone' nimmt das Tempo gar noch ein wenig mehr zurück und glänzt dafür durch emotionale
Melodieführung.
Auch bei 'Hometown' geht man nicht in die Vollen; hier wird über 'free and easy'
gesungen und genau diese Stimmung trifft zu.

Es bleibt verhalten: 'Lady Jay' besingt eine Verflossene, die man nie wieder gesehen hat und haut dabei die
vollen Emotionen raus. Schon der fünfte Beweis, das Gitarrenduelle sehr 'nachhaltig' sein können.
Wenn man da einem Badger mit Taschentuch vor der Nase begegnet, kennt man den Grund.

Man kann sich in der Stückebeschreibung wiederholen: 'F.U.B.B' weicht nicht vom Muster der
ruhigen und wunderschönen Riffs ab; hier aber von einem sehr dominanten Bass untermalt, bevor
es zum Ende noch ein wirklich aufregendes und sogar dampfendes Gitarrenduell gibt.
Falls es interessiert: Fucked Up Beyond Belief = eine sich endlos und unkorrigierbar verschlechternde Situation.

01 Silver Shoes 6:32
02 Don't Come Back 5:08
03 Persephone 6:40
04 Hometown 4:42
05 Lady Jay 5:35
06 F*u*b*b* 9:24

Drums, Percussion – Steve Upton
Electric, Acoustic, Steel Guitar, Banjo, Vocals – Laurie Wisefield
Electric, Acoustic Guitar, Mandolin, Vocals – Andy Powell
Lead Vocals, Bass Guitar – Martin Turner

Ein Klasse-Teil also und sicherlich der Beginn einer neuen Ära für die Ash...?

Nee, leider nein. Für Laurie war die Bürde als Ted-Ersatz auf die Dauer zu hoch; er war nicht die
starke Persönlichkeit, die man für neue Erfolge gebraucht hätte.

Nachfolgende Platten wurden immer schwächer; es gibt kaum eine, die nicht dutzendweise Verrisse erhielt
(ich lese sie immer mal wieder ganz gern, denn sie sind stimmig);
Laurie stieg bald aus und verschwand aus dem Gesichtskreis.

Umbesetzungen folgten, aber ohne Ted kam man niemals mehr an alte Qualitäten heran.
Auf Herzberg, mit immerhin noch zwei Originalmitgliedern, prügelten sie meine Lieblings-Nummern mit der
Geschwindigkeit einer Speed-Metall-Band herunter;
grau-en-haft!

Zu Zeiten operierten gleichzeitig zwei verschiedene Wishbones mit je einem Urmitglied (!)
und hetzten dabei kräftig gegeneinander.

Wie man in ihrem geliebten Cricket sagen würde:
man brachte nie mehr ein Wicket zu Fall und konnte nie wieder 'die Asche zurückerobern'.

Tom Cody
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Re: Wishbone Ash - There's The Rub | 1974

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Gepostet: 02.05.2024 - 19:22 Uhr  ·  #2
Wishbone Ash ist mir in jungen Jahren erstmals durchs Radio bekannt geworden: "Jail Bait" lief da. Die Alben "Pilgrimage" und "Argus" haben danach ihren Platz in mein Regal gefunden. Das Gitarrenduo Powell und Turner hatte schon einen starken Eindruck bei mir hinterlassen. Die Kombination Powell und Wisefield fand ich jedoch ebenfalls gut.

Das von dir vorgestellte Album gefällt mir auch und ist in der heimischen Sammlung gelandet. "F.U.B.B." ist da so mein Liebling.

Deine Vorstellung hat mir, wie immer, sehr gut gefallen. Es macht mir einfach Spaß, deinen Zeilen - gefüllt mit zahlreichen Details und vielen Informationen - zu folgen.

Danke, Jürgen ! :-D
frimp
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Re: Wishbone Ash - There's The Rub | 1974

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Gepostet: 02.05.2024 - 19:47 Uhr  ·  #3
Von den Wunschknochen habe ich auch einige Alben, genauer bis zur „No Smoke without Fire“. In der 80ern hatte ich dann aufgegeben.
Waren die ersten Alben bis zu diesem hier noch nahezu ohne Ausfälle, kam danach schon manchmal ziemlicher Murks auf die Alben.
Es gibt sie wohl immer noch, aber der Zug ist für mich abgefahren.
So einen Zauber wie die ersten drei Alben gab es für mich nicht mehr.

Twin Guitars fand ich schon immer klasse, deswegen steht hier auch einiges von den Allmans und Thin Lizzy, wenn wir schon beim Thema sind, und ja, auch Iron Maiden konnte das gut.
freaksound
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Re: Wishbone Ash - There's The Rub | 1974

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Gepostet: 03.05.2024 - 10:44 Uhr  ·  #4
Ist ja witzig, die ersten 3 Wishbone Ash Scheiben zieren auch mein Regal.
Seltsamerweise hat die Band für mich danach aufgehört zu existieren.
ich kann nicht mal mehr sagen warum.

Ich denke mal mit dem Cover hätte ich der Scheibe auch keine Change gegeben.
Ohne das Hintergrundwissen, welches Badger hier mit uns teilt, fände ich es einfach nur seltsam.

So aber hat mich die Beschreibung wirklich neugierig gemacht und ich werde bei Gelegenheit mal ein Ohr riskieren.
badger
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Re: Wishbone Ash - There's The Rub | 1974

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Gepostet: 03.05.2024 - 18:02 Uhr  ·  #5
Zitat geschrieben von Tom Cody

Wishbone Ash ist mir in jungen Jahren erstmals durchs Radio bekannt geworden: "Jail Bait" lief da. Die Alben "Pilgrimage" und "Argus" haben danach ihren Platz in mein Regal gefunden. Das Gitarrenduo Powell und Turner hatte schon einen starken Eindruck bei mir hinterlassen. Die Kombination Powell und Wisefield fand ich jedoch ebenfalls gut.

Das von dir vorgestellte Album gefällt mir auch und ist in der heimischen Sammlung gelandet. "F.U.B.B." ist da so mein Liebling.

Deine Vorstellung hat mir, wie immer, sehr gut gefallen. Es macht mir einfach Spaß, deinen Zeilen - gefüllt mit zahlreichen Details und vielen Informationen - zu folgen.

Danke, Jürgen ! :-D


von einem Jürgen zum anderen: Danke Das Du Dich Bedankst, denn während Du Spaß
am Lesen hast, hab ich den Spaß am Schreiben ;-)
mitsamt der Details, die eine Platte einfach noch viel nachvollziehbarer machen (meiner Meinung nach).
das gibt mehr fürs selbe Geld. :-P

übrigens auch für mich, denn zu Besprechungszwecken mußte ich T.T.R, dreimal 'genießen'.
badger
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Re: Wishbone Ash - There's The Rub | 1974

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Gepostet: 03.05.2024 - 18:07 Uhr  ·  #6
Zitat geschrieben von frimp

Von den Wunschknochen habe ich auch einige Alben, genauer bis zur „No Smoke without Fire“. In der 80ern hatte ich dann aufgegeben.
Waren die ersten Alben bis zu diesem hier noch nahezu ohne Ausfälle, kam danach schon manchmal ziemlicher Murks auf die Alben.
Es gibt sie wohl immer noch, aber der Zug ist für mich abgefahren.
So einen Zauber wie die ersten drei Alben gab es für mich nicht mehr.

Twin Guitars fand ich schon immer klasse, deswegen steht hier auch einiges von den Allmans und Thin Lizzy, wenn wir schon beim Thema sind, und ja, auch Iron Maiden konnte das gut.


ich würde das, wenn du gestattest, auf die ersten 5 alben erweitern, wobei ich allerdings ganz DICK betone,
daß die 4., 'Wishbone Four' aus einer ganzen Reihe von sentimentalen und emotionalen Gründen bei mir einen
viel höheren Stellenwert hat, als bei den meisten anderen Ash-Fans.
badger
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Re: Wishbone Ash - There's The Rub | 1974

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Gepostet: 03.05.2024 - 18:09 Uhr  ·  #7
Zitat geschrieben von freaksound

Ist ja witzig, die ersten 3 Wishbone Ash Scheiben zieren auch mein Regal.
Seltsamerweise hat die Band für mich danach aufgehört zu existieren.
ich kann nicht mal mehr sagen warum.

Ich denke mal mit dem Cover hätte ich der Scheibe auch keine Change gegeben.
Ohne das Hintergrundwissen, welches Badger hier mit uns teilt, fände ich es einfach nur seltsam.

So aber hat mich die Beschreibung wirklich neugierig gemacht und ich werde bei Gelegenheit mal ein Ohr riskieren.


also ich könnte dir schon sagen, warum W.A. dann aufgehört hat zu existieren; habs in der besprechung auch
getan.... ;-) bei mir war es nur etwas später als bei dir und mit schmerzlichem wehmut.
holger_fischer
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Re: Wishbone Ash - There's The Rub | 1974

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Gepostet: 03.05.2024 - 20:04 Uhr  ·  #8
Hallo Jürgen,
danke für die Vorstellung verbunden mit den interessanten Informationen zum Cricket. Unser Englischlehrer, ein gebürtiger Engländer, hat uns das Spiel seinerzeit nahe gebracht. Wishbone Ash gehört definitiv zu meinen Lieblingsbands (zum Glück muss ich mich da nicht bescheiden :-)). Bis auf die eine oder andere neuere stehen hier alle rum. 19 an der Zahl. Ganz klar, die ersten Alben waren die stärksten. Aber ich möchte doch noch New England und auch No Smoke Without Fire ins Spiel bringen. Finde ich auch sehr stark. Vor allem Letztere hat mit The Way of the World (Part 1 + 2) einen tollen Track, der auch live gut rüberkommt (höre Live Dates II) Er wurde nach Aussagen der Band extra so gestaltet, dass er live offen für Improvisationen ist.
Live habe ich sie zweimal auf dem Herzberg-Festival gesehen und gehört. Also da passte alles. Einerseits natürlich professionell und perfekt, aber trotzdem gefühlvoll, erdig und spannend (und im richtigen Tempo) dargeboten. Phoenix live ist ein Erlebnis. Leider hatten sie F.U.B.B. nicht gespielt. Aber ich werde sie bei nächster Gelegenheit noch einmal heimsuchen. Vielleicht habe ich diesbezüglich dann Glück.
Hmcoels
 
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Re: Wishbone Ash - There's The Rub | 1974

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Gepostet: 12.05.2024 - 10:05 Uhr  ·  #9
Klasse Vorstellung.
King will Comedy war mein erster Kontakt zur Band.
Einige Alben befinden sich in meiner Sammlung.
Welche reiche ich nach.

Ist eine gute Gelegenheit mal neu zu prüfen, ob mir ihre Musik noch gefällt.
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