Frank Zappa - Apostrophe | 1974

 
badger
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Frank Zappa - Apostrophe | 1974

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Gepostet: 14.05.2024 - 16:49 Uhr  ·  #1
Frank Zappa - Apostrophe (Discreet 1974)

Man mag es kaum glauben, aber Frankie-Baby hatte es geschafft, kommerziell erfolgreich zu werden
und eine Goldene LP für 'Over-Nite Sensation' einzuheimsen. Die nachfolgende Apostrophe'
wurde gar noch erfolgreicher und landete in den LP-Charts unter den Top 10.
Sogar ein Single-Hit ('Don't Eat The Yellow Snow') war drin!

Das war nun aber kein Beweis dafür, daß der durchschnittliche US-IQ der möglichen Zappa-Hörer nach
oben geschnellt wäre (sagen wir mal von '0' auf vielleicht '10'....). :happy:
Vielmehr hatte Frankie seine Musik 'hörbarer' und massenkompatibler gemacht.... wohlgemerkt 'hörbarer'
als auf früheren und sehr viel experimentelleren Alben, aber noch lange nicht 'hörbar' im Teenybopper-Stil.

Eine (sogenannte) Solo-LP war es, obwohl die meisten Mitmusiker auch zur aktuellen Besetzung der Mothers gehörten,
mit denen FZ fast gleichzeitig noch eine Do-Live-Scheibe herausbrachte (die auch noch vorzustellen wäre...)

Die u.a. Namensliste verdeutlicht, daß nur ausgesuchtes Personal ins Studio eingeladen wurde;
Dunbar, Duke, die beiden Underwoods, S.C. Harris, Jack Bruce... usw.
Alles bekannte und glänzende Leute, die auf ihren Instrumenten tatsächlich auch immer wieder glänzen durften...,
aber nur nach Aufforderung durch dem Meister selbst (der natürlich auch jedes Stück geschrieben hatte).

Selbstredent: Frankie-Baby höchstselbst glänzte noch über allen Anderen, denn er war schon längst zu einem
absoluten Spitzengitarristen gereift.
(wieder einer für die Liste der Besten Aller Saitenzupfer)



Musikalisch ausgeflippt ist eigentlich nichts. Zu hören ist Zappaesker Jazz-Rock mit raschen Stil- und Tempo-
wechseln, bei dem immer wieder (siehe oben) der ein oder andere Mitspieler sein Solo hinlegt.
Ungewöhnlich ist allerdings, daß diese Soli auch schon mal von Marimba oder Trombone stammen können.

Textlich fehlt es natürlich nicht an den üblichen FZ-Scherzen:
Sex-mit-Hunden, schon öfter ein beliebtes Klamaukthema, jetzt auch der von Hunden verunreinigte
'gelbe' Schnee, den Nanook der Eskimo nicht essen soll, es aber doch tut, davon blind wird...
Auch für irische Prister gibts eine Breitseite (Father O'Blivion).
Und das man seine Stiefel doch gelegentlich ausziehen und lüften sollte ('Stink-Foot').

Im Endeffekt kann man alle 9 Stücke auch individuell genießen, denn das wirklich Verquerte ist hier
bis auf ein paar Tupfer ausgeschaltet.

Hatte sich also was mit 'Freak Out' oder 'Absolutely Free'.
Diese, meine Lieblings- und Früh-Phase lag immer weiter in der Vergangenheit... für immer vorbei.
Mit jedem weiteren Werk wurde FZ jetzt immer offener und damit weniger genial.
Aber doch immer noch so genial, daß meine Begeisterung sich nicht reduzierte.
(Erst in den 80ern verging sie Zug um Zug).

Für mich war es damals die 17. MUSS-HABEN Zappa-LP hintereinander; die üblichen 5 Sterne waren
zu vergeben und zum Glück gab es einen großen Frankie-Baby-Freundeskreis, der das genauso sah.
Da brauchte man nicht erst zur Zaunlatte zu greifen, die hatten es schon selbst begriffen.... :devil:

Ungefähr zum Apostrophe-Zeitpunkt beglückte FZ die Düsseldorfer Philipshalle. Natürlich war ich hellauf
begeistert; natürlich auch 5 Sterne für das Konzert.
Leider war es mein einziges Live-Erlebnis.

1 Don't Eat The Yellow Snow 2:07 https://www.youtube.com/watch?v=IobtCDkJKDc
2 Nanook Rubs It 4:37
3 St. Alfonzo's Pancake Breakfast 1:50
4 Father O'Blivion 2:18
5 Cosmik Debris 4:14
6 Excentrifugal Forz 1:33
7 Apostrophe' 5:50 https://www.youtube.com/watch?v=zXP_pr7np-o
8 Uncle Remus 2:44
9 Stink-Foot 6:32 https://www.youtube.com/watch?v=EmVu-Wxe-Uw

Bass – Erroneous (= Jack Bruce), FZ, Jack Bruce, Tom Fowler
Drums – Aynsley Dunbar, Jim Gordon, Johnny Guerin, Ralph Humphrey
Keyboards – George Duke
Lead Vocals, Guitar – FZ
Percussion – Ruth Underwood
Saxophone – Ian Underwood, Napoleon Murphy Brock
Trombone – Bruce Fowler
Trumpet – Sal Marquez
Violin – Sugar Cane Harris, Jean-Luc Ponty
freaksound
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Re: Frank Zappa - Apostrophe | 1974

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Gepostet: 16.05.2024 - 08:00 Uhr  ·  #2
Ahhhh, die Mitsiebziger Phase vom Meister.

Wie immer kompetent und lebendig beschrieben - dankeschön.

Gerade live ist mir das fast die liebste Zeit. Nicht mehr ganz so frei (und manchmal anstrengen) wie früher, und noch nicht so selbstverliebt "hochkünstlerisch" wie später.

Sind natürlich nur meine persönlichen Einordnungen, FZ macht es dem Hörer nicht immer leicht und so kommt vermutlich ein jeder geneigte Hörer zu einer spezifischen Einordnung.

Was jedoch immer galt: FZ war irre kreativ, manisch produktiv, nonkonformistisch und hatte ein unglaubliches Händchen spitze Musiker um sich zu scharen.
holger_fischer
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Re: Frank Zappa - Apostrophe | 1974

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Gepostet: 28.05.2024 - 21:05 Uhr  ·  #3
Danke für die informative Rezi. Das Album kenne ich nicht, jedenfalls nicht vom Hören. Ich habe mal nachgesehen. Tatsächlich klafft in der ersten Hälfte der 70er bei Zappa eine unfassbare Lücke. Nach der Hot Rats kommen erst wieder Bongo Fury, Zoot Allures usw.. Hier muss ich definitiv nachlegen. Zumal mir die genannten drei ausgesprochen gut gefallen. Dazwischen muss es auch noch etwas geben. Z.B. Apostrophe .

Danke für die Erinnerung!
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