Locomotiv GT-same

 
DJ
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Locomotiv GT-same

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Gepostet: 04.11.2019 - 18:09 Uhr  ·  #1
November 1980. Ich komme von der Arbeit nach Hause

„Seit wann hast du Brieffreunde in Ungarn?“
„???“
„Da ist ein riesiges Paket angekommen.
????
Aufmachen und wundern! Es müssen ungefähr 10 LPs gewesen sein und ein netter Brief in perfektem Brief geschrieben. Irgendwie hatte es eine Ausgabe des Musik Express nach Ungarn geschafft. Im Kleinanzeigenanteil hatte ich damals meine monatlichen Listen platziert. Darauf bezog sich der Absender und fragte nach, ob ich Interesse am Tausch ungarischer Schallplatten gegen gegen LPs von Deep Purple, UFO und ähnlichem hätte. Warum nicht? Das ging einige Jahre hin und her! Ist dann eingeschlafen und irgendwie hatte ich auch nicht mehr an Karthago, V`Moto Rock Locomotiv GT oder Edda Müvek gedacht! Dank der Algorithmen von YouTube wurde mir dieses längst vergessene Erlebnis ins Gedächtnis gerufen.
Aus der Idee des (ungarischen)Youth Magazine seine Leser eine musikalische Supergruppe zusammen zu stellen, die dann so nicht realisiert wurde, kristallisierte sich dann Locomotiv GT heraus. Zwei der Lokomotivführer waren vorher bei Omega aktiv und aus der fiktiven Supergruppe resultierte dann die Restmannschaft. Im April gegründet erschien dann schon im Dezember das Debüt von LGT.

Ich weiß nicht mehr, welche LP(s)ich seinerzeit von LGT bekommen hatte, aber das erste Problem was ich hatte war die Sprache! Wichtig ist nur die Musik, ich weiß. Aber die Sprache muss passen, weswegen mir englisch immer noch am liebsten ist. Wer Loksi(so der Spitzname für LGT)bis dato noch nicht kannte, kann sich beim Debüt auf progressive teils symphonische aber auch im Hard Rock wildernde Beschallung freuen. 1O Titel lang ist die Band um Eigenständigkeit bemüht, trotzdem sind die westlichen Vorbilder schnell aufgezählt, Deep Purple, Uriah Heep, aber auch Yes und ELP waren hier Geburtshelfer. Das liest sich nicht gerade wie die Einladung zu einer Hörprobe und ich hatte zu Anfang auch meine Schwierigkeiten mit den jeweiligen Titeln. Aber je öfter ich mich mit dieser LP und weiteren ungarischer Bands aus dem gleichen Zeitraum beschäftige, um so mehr überwiegt der Eindruck das hier weniger den westlichen Vorbildern nach geeifert wurde als vielmehr sich praktisch ohne Inspiration von außen als selbstständige Einheit zu präsentieren. Manchmal wird auch ein wenig übers Ziel geschossen wenn z. B bei „A Tengelykezű Félember „ die Rolling Stones auf die Hot Legs treffen und Jon Lord dazu wie wild orgelt. Nennen wir es künstlerische Freiheit! Alles in allem, haben LGT nicht nur mit diesem Debüt vieles richtig gemacht und nachfolgende LPs können auch gefahrlos gehört werden.

LGT

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Re: Locomotiv GT-same

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Gepostet: 04.11.2019 - 19:07 Uhr  ·  #2
Tja, die ungarische Sprache. :-o Habe ich mich nie mit anfreunden können, zumal die CD´s von Omega in englisch, erst 1991 erschienen sind, schnell vergriffen waren und dann unerschwinglich wurden. Dann gab es ja endlich die "Bückware" und auch noch in einem gutem Klang und mit diversen Bonus Tracks 2011/12. 8)
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Re: Locomotiv GT-same

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Gepostet: 04.11.2019 - 19:34 Uhr  ·  #3
Die Band kenne ich zu wenig, um hier etwas sachdienliches zu schreiben. Die Sprache an sich macht es aus meiner Sicht schon schwierig, egal wie gut auch die Musik seien mag. Beispiel: ich habe eine DVD von Omega, Gesang in Landessprache. :-/

Omega, NepStadion 1999:
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Re: Locomotiv GT-same

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Gepostet: 04.11.2019 - 20:31 Uhr  ·  #4
Englisch ist nach wie vor die Weltsprache! Exotisches wie Ungarisch oder Russisch ist zwar ein wenig zusätzliche Würze, aber wer möchte schon Musik mit einem Übersetzungsprogramm hören? Es ist schwierig im Fall von Omega oder LGT Musik von Sprache zu trennen! Nichts desto trotz eine musikalisch interessante Zeitreise!
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Re: Locomotiv GT-same

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Gepostet: 04.11.2019 - 23:16 Uhr  ·  #5
Im Grunde hat es mich noch nie gestört, wenn Bands in ihrer Landessprache singen. Warum auch nicht, das macht doch den Charme dieser Einspielungen aus. Als viel schlimmer habe ich es empfunden, wenn deutsche Bands im radebrechenden englisch oder auch denglisch ihre Lieder hervorgebracht haben und womöglich noch einer gelispelt hat.

Es ist schon interessant, wie du deine Ungarnconnection geknüpft hast, Hut ab dafür. Ich musste bis ins Internetzeitalter (2008) warten, um an Bands wie Locomotove GT, East, Piramis, Neoton, Mini, Illes oder Karthago heranzukommen. Von der Band Omega hatte ich bereits die frühen Platten, auch in englischer Sprache.

Wenn ich einen Vergleich anstellen sollte, haben Omega für mich in der Breite die interessanteren Platten herausgebracht und damit meine ich die Einspielungen bis ins Jahr 1974. Danach wurde sie für mich uninteressant. Von Locomotiv GT stehen hier die ersten drei Platten (1971- 1973), werden auch immer wieder gehört, aber eine weitere Ergänzung wird es nicht geben.
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Re: Locomotiv GT-same

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Gepostet: 05.11.2019 - 06:43 Uhr  ·  #6
Immerhin haben mir diese Verbindungen recht früh Bands wie Kalapacs oder Pokolgep näher gebracht.
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Re: Locomotiv GT-same

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Gepostet: 05.11.2019 - 16:57 Uhr  ·  #7
Ein nettes Geschichtchen bezüglich Plattentausch über Ländergrenzen hinweg. Von Ost nach West oder West nach Ost war ja damals nicht unbedingt üblich. Plattentausch DDR - BRD hin und zurück war bis Mitte der 70er verboten, dann Lockerung, Duldung. Heißt aber nicht, dass auch alle Platten durchkamen, wenn konfisziert dann konfisziert, also Totalverlust ohne Widerspruchsmöglichkeit. In der Zeit hatte ich mal einen Tauschpartner in Japan - der nahm sehr gerne DDR-Free Jazz, dito polnischen Jazz etc. Seine Rücksendungen waren aber ziemlich dürftig, viel Pop, unhörbarer noch dazu, wenig Jazz, Wünsche verhallten und die Platten waren prinzipiell gebraucht. Nix mit Neuware, wie ich sie versandte! Das Ganze hielt nicht lange, ganz klar.
LGT wie auch Omega und andere ungarische Bands wurden in der DDR (d.gr.d.Welt!) damals gerne gehört. Und zwar fast ausschließlich in der Landessprache. Es gab seitens Amiga ein paar Versuche, dass die Bands aus dem Ostblock ihre Songs auch auf Deutsch darboten, die Aufnahmen in den Amiga Studios oder Rundfunksälen machten. Dies war jedoch nicht so erfolgreich, verlief dann auch bald wieder im Sande. LGT, um die es hier geht, wurden lieber in der Landessprache, also Ungarisch gehört als auf Deutsch. War halt eben so, da die Platten im Original ja ungarisch eingesungen wurden. Auf Englisch ging gar nicht, das klang dann doch immer zu fremd.
Meine einzige noch verbliebene LGT Scheibe, als CD + zweier nachgekaufter Original LPs; die LPs aus den 70er wurden alle in Grund und Boden gespielt, ist diese hier:


Die CD bekam ich vor Jahren auch nur durch Zufall in einem Media Markt in Budapest, es muss das landesweit einzige Exemplar gewesen sein! Heute sieht die Sache anders aus, in Berlin gibt es sogar einen Typen, der explizit nur ungarische Musik anbietet:

http://www.azvuk-shop.de/theme…fertype=16

Ein Literaturhinweis noch, den ich schon mal gab:


https://www.amazon.de/brennt-W…oks&sr=1-1

Die vorgestellte LGT Scheibe klingt nicht mal schlecht. Vielleicht sollte ich aus Nostalgiegründne mal nachhaken?

radiot grüßt! 8)
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Re: Locomotiv GT-same

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Gepostet: 05.11.2019 - 17:43 Uhr  ·  #8
Das ganze von hinten nach vorne. Das Buch habe ich bestellt. Weniger interessant für alle im Zirkusrund, aber auch ein wichtiges Stück Musikgeschichte. Der Dreiteiler "Heavy Metal in der DDR" im Magazin "Deaf Forever". In der Tat war es schon verwunderlich, dass jemand aus Ungarn mich auf volles Risiko mit LPs eindeckte. Hätte ja auch sein können, dass ich gesagt hätte "Schönen Dank, selber schuld". Das z.B. in Ex-Jugoslawien eine recht aktive Szene existierte und in der besten DDR der Welt nicht nur Frank Schöbel und die Puhdys das Maß aller Dinge waren, habe ich dann Stück für Stück gelernt. Das was ich dem Kollegen in Györ zuschickte war zwar auch gebraucht, allerdings habe ich schon drauf geachtet, dass aus meinem Fundus an monatlichen Ankäufen "mint-" der Mindeststandard war. Was etwas schwieriger war, war die Tatsache, jemanden der sicherlich an die Unendlichkeit des Kapitalismus glaubte, begreiflich zu machen, dass es auch LPs gibt, die "out of print" sind. Gesang in der Landessprache ist immer eine Sache für sich, egal ob Russisch, Japanisch oder Ungarisch. Über die deutsch gesungenen Titel von Omega hüllen wir mal den Mantel des Schweigens.
Alles in allem, es war eine spannende Zeit mein Dank geht nochmals an die ungarische Post, die die Pakete aus dem kapitalistischen Ausland immer zugestellt hatten!
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