ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

 
badMoon
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ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 19.07.2023 - 23:07 Uhr  ·  #1
Nachem ROXY MUSIC im Jahr 1972 ihre gleichnamiges Debutalbum, ---> hier trefflich rezensiert durch badger, veröffentlichten, folgte bereits ein Jahr später das zweite Werk mit dem Titel "For Your Pleasure". Noch einmal ist hier auf einem Roxy-Album Brian Eno zu hören, der danach seine Solokarriee verfolgte.

Haben ROXY MUSIC mit ihrem Debut zweifelsohne eine revolutionäre Platte geschaffen, so ist der Nachfolger nicht minder hervorragend und dürfte im kollektiven musikalischen Gedächtnis länger haften bleiben. Zwar ist es ebenso faszinierend und streckenweise schräg, insgesamt jedoch ausgefeilter und reifer, trotz der Vertracktheit einzelner Songs auch eingängiger.

ROXY MUSIC - For Your Pleasure | GB 1973 | Rock

Es dürfte kein Zufall sein, dass das stil- und kunstvolle Cover dieses Albums so düster und glamourös gestaltet ist. Amanda Lear, um die sich einige Gerüchte rankten, ist darauf vor einer grellweißen Großstadtkulisse in recht lasziver Haltung abgebildet. Sie schockierte die Londoner Männerwelt mit ihrem üppigen Aussehen und ihrer dunklen, sinnlichen Stimme.

Bryan Ferry liebte schöne Frauen und schaffte es, Lear dazu zu bringen, für das Cover von „For Your Pleasure“ mit einem echten, wenn auch stark sedierten Panther zu posieren. Ob Ferry eine Affäre mit Amanda Lear hatte, steht in den Sternen - auf jeden Fall hatte er Affären mit anderen Topmodels, deren Dienste er sich für spätere Plattencover von Roxy Music sicherte (Marilyn Cole - „Stranded“, Jerry Hall - „Siren“).

Wie dem auch sei - meines Erachtens spiegelt dieses Cover bestens die Musik wider, die den Hörer die nächsten 42 Minuten erwartet: Düsterer, glamouröser Sound, experimentell, ausschweifend und avantgardistisch.

Aber nicht nur das. Mit dem Opener Do The Strand weisen ROXY MUSIC bereits auf den Glamrock ihrer späteren Alben hin. Eingängig und tanzbar haben sie hiermit eine Erfolgssingle geschaffen, die auf ihren Konzerten oft als Schlusssong gespielt wurde. Auf der Bühne - welch ein krasser Gegensatz - hier der durchgestylte Ferry, dort der schillernd bunte Eno.



Stilmäßig fügt sich fast nahtlos die Beauty Queen an - eine feine, romantische Ballade, die Dauer-Dandy Ferry mit seiner unverkennbaren Stimme ins Mikrofon haucht. Ebenso unverkennbar ist hier bereits der späte Solo-Ferry zu hören.

Ob Strictly Confidential ohne Andy Mackays Oboe und Saxophon so intensiv geworden wäre? Sein Spiel ist für mich hier das i-Tüpfelchen dieses Songs - direkt gefolgt von Enos Keyboard, gegen das Manzareks E-Gitarre kräftig anspielt. Ein weiteres grandioses Stück auf diesem Album.

Kein anderer Track dieses Albums als In Every Dream Home a Heartache kommt so düster daher wie es das Cover-Artwork bereits vermuten lässt: Brian Eno legt den bedrohlich klingenden Synthie-Klangteppich über Brian Ferrys Sprechgesang, gekrönt wird das Stück von einem psychedelischen Gitarrensolo Phil Manzaneras. Als Freund morbide-düsterer Musikstücke kann ich nur sagen: schaurig-schön!



Ein Füllhorn experimenteller Klangkollagen folgt mit The Bogus Man. Über 9 1/2 Minuten (es ist hiermit gleichsam der längste Track des Albums) wiederholt sich das Stück in einem mitreissendem und treibendem Rhytmus, wie man es ansonsten beispielsweise aus der Krautrockszene kannte.

Brian Eno sagte in einem Interview über diesen Song:

„...Dann fing Paul an, diesen Reggae-Beat dazu zu spielen, etwas sehr langweiliges, und John Porter (der für sie den Bass auf dem Album spielt) machte mit, was ihm ein ganz anderes Gesicht verlieh, und nach und nach entwickelten sich Teile, die völlig unpassend waren, aber funktionierten, weil sie durch reine Willenskraft zusammengehalten wurden. Andy spielte eine Art a-tonalen Saxophonpart, der nichts Besonderes hatte. Ich habe mit dem Lied etwas gemacht - die gleichen 12 Noten immer und immer wieder in unterschiedlichen Zeiten und Umkehrungen, eine Art Schönbergsches Ding aller möglichen Arten, 12 Noten anzuordnen. Ich habe etwas auf dem Synthesizer gespielt, das vom Sound einer Steelband abgeleitet war, und Phil spielte eine sehr einfache Sache, die auf einer Echogitarre basierte. Alle Elemente sind sehr seltsam, aber sie wirken zusammen, um das Gefühl zu vermitteln, dass sich etwas sehr Unbehagliches in eine Richtung bewegt, über die man sich nicht ganz sicher ist.

Für mich ist es wahrscheinlich der erfolgreichste Track, weil es der ist, bei dem die Band am offensichtlichsten zusammenarbeitet, und weil er auch viel Disziplin an den Tag legt.


Der Longplayer schließt mit dem Titelsong For Your Pleasure, in dem sich Eno experimentell noch einmal richtig austoben konnte. Anfangs führt Ferrys einzigartiger Gesang zunächst melodisch, dann immer abgehackter durch das Stück, bis es zum Ende hin Dank Eno immer psychedelischer, schriller und drogenlastiger wird.

Wenn die letzten Töne des Albums verklungen sind, ist der Hörer nach dem großartigen Debut des Jahres 1972 wieder Zeuge eines hervorragenden Albums geworden, welches zweifelsohne mit bahnbrechenden Sounds von Keyboarder Brian Eno, Gitarrist Phil Manzanera und Saxophonist Andrew Mackay sowie natürlich Ferry als Sänger als ein Meilenstein der Rockmusik bezeichnet werden darf. In seiner Dekadenz, mit seinem Glamour und der albumumspannenden Atmosphäre ist es für mich bis heute schlechthin DAS Album der ROXY MUSIC.

Während Eno eine zunehmend avantgardistische Solokarriere startete, konnte Ferrys ROXY MUSIC mit einer Reihe faszinierender Alben große Erfolge erzielen. Diese wurden jedoch von Mal zu Mal weniger künstlerisch und waren zunehmend dem Mainstream zuzuordnen.

[Die Band]

* Gesang, Keyboard: Bryan Ferry
* Synthesizer: Brian Eno
* Saxophon: Andy Mackay
* Gitarre: Phil Manzanera
* Bass: John Porter
* Schlagzeug: Paul Thompson


[Die Songs]

* Do the Strand – 4:04
* Beauty Queen – 4:41
* Strictly Confidential – 3:48
* Editions of You – 3:51
* In Every Dream Home a Heartache – 5:29
* The Bogus Man – 9:20
* Grey Lagoons – 4:13
* For Your Pleasure – 6:51
Triskell
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 20.07.2023 - 11:40 Uhr  ·  #2
Ich konnte mit dieser Combo nie warm werden.
Zwar steht hier eine "Best Of" Ausgabe und das Album "Flesh & Blood",
aber zum Player finden beide den Weg so gut wie nie. Vielleicht war es
das Outfit, das ganze Gehabe der damaligen Zeit und der Anzugträger,
der mich fern hielt von dieser Musik.

Aber nichts desto Trotz, wieder einmal eine tolle Rezi, ;-) die ich gerne gelesen habe.
Danke!
Leslie
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 20.07.2023 - 12:09 Uhr  ·  #3
toller Beitrag Herr badMoon! - ich kenne Roxy seit 1972 und besitze einige Alben - Do the Strand oder Virginia Plain waren damals meine Faves - ich mag auch den Bryan, der sah immer aus als hätte er "schwer einen an der Waffel" ;-)

ich habe kein spezielles Album dass ich bevorzuge - höre öfters in die Best Of - eine ganze Menge toller Songs

auch hier wieder die Frage - wann soll man das alles hören ;-)
hmc
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 20.07.2023 - 13:07 Uhr  ·  #4
Klasse Rezi.
Einige Werke stehen hier, allerdings nicht aus deren Fruehphase.
Taxi, Manifesto fallen mir direkt ein.

Bei einem hoffentlich baldigen Wiedersehen, solltest Du mir die Werke einmal naeher bringen.
dan
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 20.07.2023 - 13:28 Uhr  ·  #5
Zitat geschrieben von Triskell

Ich konnte mit dieser Combo nie warm werden.
Zwar steht hier eine "Best Of" Ausgabe und das Album "Flesh & Blood",
aber zum Player finden beide den Weg so gut wie nie. Vielleicht war es
das Outfit, das ganze Gehabe der damaligen Zeit und der Anzugträger,
der mich fern hielt von dieser Musik.

Aber nichts desto Trotz, wieder einmal eine tolle Rezi, ;-) die ich gerne gelesen habe.
Danke!


Dem kann ich nur voll und ganz anschließen!

Aber auch von mir noch mal Danke für die Rezi!
Tom Cody
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 20.07.2023 - 13:49 Uhr  ·  #6
Eine Glamrock Band mit vielschichtiger Musik, aber auch mit enormen Polarisierungspotential !

Einige Werke, hauptsächlich aus der Frühhistorie, sind mir bekannt, aber zum Kauf hat es nicht gereicht. Gut im Gedächtnis geblieben dagegen sind mir Singles wie "Do The Strand", "Love Is The Drug", "Virginia Plain" und "Street Life", die ich immer noch gerne höre.

Es ist dir wieder einmal eine überzeugende Rezension gelungen, die sich nahtlos an deine zurückliegenden Vorstellungen anknüpft. Vielen Dank, Wolfgang ! :-D
Trurl
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 20.07.2023 - 19:19 Uhr  ·  #7
wie Triskell :-)
und nun in Langform:

Roxy habe ich das erste Mal im Musikladen gesehen, fand ich gruselig, besonders ENO. Da gab es auch einen Musikladen Extra, wo sie live um die 45min gespielt haben, damals auch nicht so meine Welt. Die LP-Cover haben mich immer abgeschreckt, die Bezeichnung "GLMAROCK" tat dann ein übriges. Die AVALON fand ich aber gut, weiß aber nicht mal, ob ich die als gekauften Tonträger habe (zumindest auf Kassette). Seit Jahren denke ich, ich sollte da mal nachlegen, bin bisher aber nie dazu gekommen, immerhin mag ich viele ENO-Solosachen inzwischen.

trurl
firebyrd
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 20.07.2023 - 19:33 Uhr  ·  #8
so hat Jede/r seine eigenen Erfahrungen und Eindrücke.

Seinerzeit, bei Erscheinen der ersten Platte, fand ich überhaupt keinen Zugang zu dieser Band, zu dieser Musik, war ich doch anderweitig unterwegs...

Später, als sich viele Türen öffneten, sich der Horizon erweiterte, kam auch Roxy Music auf den Plan. Doch - es blieb bei den ersten beiden Platten, inklusive dieser also. Für mich wesentliches Hauptmerkmal war, gerade dass ENO dabei war. So wandelte sich der Sound nachfolgend, was darauf schließen ließe, wie wichtig er doch für die Band war...

Und dem Ferry solo konnte ich nie etwas abgewinnen....

Aber, die beiden ersten Roxy-CDs stehen natürlich hier.....(manchmal höre ich sie auch, wenn ich dazu komme...)
Leslie
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 20.07.2023 - 19:46 Uhr  ·  #9
Zitat geschrieben von firebyrd

Für mich wesentliches Hauptmerkmal war, gerade dass ENO dabei war. So wandelte sich der Sound nachfolgend, was darauf schließen ließe, wie wichtig er doch für die Band war...

wie das so ist - dieser ENO war für mich unerträglich - diese Aufmachung Feder Boa, Plateauschuhe usw - meine Güte - ich gehe davon aus dass Ferry froh war dass der das Weite gesucht hat

in Zusammenarbeit mit Daniel Lanois hat er einige tolle Alben von U2 produziert - das hat er gut hinbekommen ;-)
firebyrd
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 20.07.2023 - 19:50 Uhr  ·  #10
Zitat geschrieben von Leslie

Zitat geschrieben von firebyrd

Für mich wesentliches Hauptmerkmal war, gerade dass ENO dabei war. So wandelte sich der Sound nachfolgend, was darauf schließen ließe, wie wichtig er doch für die Band war...

wie das so ist - dieser ENO war für mich unerträglich - diese Aufmachung Feder Boa, Plateauschuhe usw - meine Güte - ich gehe davon aus dass Ferry froh war dass der das Weite gesucht hat

in Zusammenarbeit mit Daniel Lanois hat er einige tolle Alben von U2 produziert - das hat er gut hinbekommen ;-)


DAS IST DOCH WOHL EGAL UND HAT KEINEN EINFLUSS AUF DIE MUSIK......
Leslie
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 20.07.2023 - 19:53 Uhr  ·  #11
Zitat geschrieben von firebyrd


DAS IST DOCH WOHL EGAL UND HAT KEINEN EINFLUSS AUF DIE MUSIK......

für mich ist das nicht egal - ich mag solche Typen nicht....

und musikalisch konnte ich mit dem Herrn garnichts anfangen - so ist es
firebyrd
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 20.07.2023 - 20:14 Uhr  ·  #12
Zitat geschrieben von Leslie

Zitat geschrieben von firebyrd


DAS IST DOCH WOHL EGAL UND HAT KEINEN EINFLUSS AUF DIE MUSIK......

für mich ist das nicht egal - ich mag solche Typen nicht....

und musikalisch konnte ich mit dem Herrn garnichts anfangen - so ist es


das tut mir leid
frimp
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 20.07.2023 - 20:35 Uhr  ·  #13
Ich teile die Ansicht zu den ersten beiden Alben, danke bM für die Rezi.
Für mich war das aber keine Rockmusik, das war zur besagten Zeit nun wirklich was ganz anderes. Eher vielleicht engagierte Popmusik mit Rock-Anleihen, unter Eno auch durchaus innovativ.
Bryan Ferry ist mehr so Dandy-Typ, auch mit den Solowerken, die sich kaum von den Post-Eno-Alben wie Avalon unterscheiden.

Eno selbst mag schräg sein, aber hat auch gute Musik gemacht. Sogar für Flughäfen und Fahrstühle.
;-)
Leslie
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 20.07.2023 - 23:12 Uhr  ·  #14
Zitat geschrieben von firebyrd


das tut mir leid

muss dir nicht leid tun ;-) ich konnte diesen ENO halt nicht ab - ob der überhaupt Platten verkauft hat ....

übrigens hat Roxy Music auch im neuen Jahrtausend Konzerte gespielt - 2001 im Londoner Apollo gab es ein Super Konzert - klasse Musiker, darunter schöne Frauen - wow 8)
badMoon
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 21.07.2023 - 13:15 Uhr  ·  #15
@All,

besten Dank für's Lesen und eure Statements zu dem Album.

Speziell die Frühzeit der Roxy Music fand ich sehr spannend, wenngleich ich sie auch nicht direkt für mich entdeckt hatte. Die Sammlung wurde sowohl mit einigen weiteren Roxy Music-Alben als auch mit Ferry Solo und Brian Eno ergänzt. Manche Scheiben waren "dem Zeitgeist" oder einer Laune geschuldet, werden aber auch heute noch ab und an gerne gehört. Hier eine kleine Auswahl der Kandidaten im Regal:

Roxy Music



Brian Ferry



As Times Goes By, herrlich schön "Old Style" Miss Otis Regrets

Brian Eno

Leslie
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 21.07.2023 - 13:25 Uhr  ·  #16
Zitat geschrieben von badMoon

@All,
besten Dank für's Lesen und eure Statements zu dem Album.

ein Zeichen dass das Forum doch nicht leblos ist - und so bischen "Stichelei" gehört dazu... ;-)

Roxy Music - Find ich gut
badMoon
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 21.07.2023 - 17:32 Uhr  ·  #17
Zitat geschrieben von Leslie

...übrigens hat Roxy Music auch im neuen Jahrtausend Konzerte gespielt - 2001 im Londoner Apollo gab es ein Super Konzert - klasse Musiker, darunter schöne Frauen - wow 8)


Jau, dafür hatte auch Robert Palmer ein Händchen. Und ansonsten - nochmal jau, kleine Sticheleien unter Freunden beleben das Geschäft und sind manchmal das Salz in der Suppe :-)
badger
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 22.07.2023 - 13:13 Uhr  ·  #18
nach langer zeit mal wieder reingeschaut und gleich dieses tolle posting gefunden.
welch eine epochale band.
von der ersten bis zur fünften lp waren sie angesagt... bei mir und der gesamten clique.

voller musikalischer innovation und auch erstklassigen (manchmal schwer zu begreifenden) texten.
'Virginia Plain', zuerst nicht auf der debut lp enthalten, war der erste volltreffer. es folgten noch
jede menge anderer; Re-Make/Re-Model; Do The Strand; Editions Of You; Streetlife; Mother Of Pearl;
The Thrill Of It All; All I Want Is You; Love Is The Drug; Both Ends Burning... selbst die komplexen
stücke kamen gut an.

vom 50s Rock'n'Roll beeinflußt, aber viel weitergehend, bis hin zur elektronik (die den meisten von
uns damals nicht so sehr gefiel, aber es ging doch noch); immer umgesetzt mit vielen völlig eigenen
und neuen ideen; keine notwenigkeit für das abkupfern fremder ideen und gar die milliardste version der
ewig gleichen blues-riffs...; nein, eben wirklich neu.
geeignet zum abtanzen, aber genauso auch zum reinen zuhören und analysieren... einfach so in der clique.

nicht nur wir waren begeistert; die fachpresse (Melody Maker, New Musical Express, Record Mirror und
wie sie alle hießen) geizte nicht mit superlativen; z.b.:
- "die beste debut-lp die ich je gehört habe" (NME)
- "außergewöhnliches album einer außergewöhnlichen band, die weiter geht, als alles was wir bisher
gehört haben (MM)
und noch viele, viele weitere lobgesänge zu allen folgenden alben (gesammelt und heute noch nachlesbar
in 'Galactic Ramble').

ok, Eno's elektronische rumgefiepe gefiel uns nicht, aber noch weniger kamen wir mit seinem tussihaften
auftreten klar; federn und boas..., nää, nää, nää... ekelhaft.

aber zum glück war er bald weg und Mackay, Manzanera, Ferry..., die hatten schon ganz andere
interessen. und das waren die art von mädels, die man auch selbst bevorzugt ins auge faßte.
(wir hörten ja auch gerne die Grateful Dead, aber die damit assozierten bh-losen hippy-schlampen....
wieder mal nää, nää, nää,.... ).
und Brian Ferry's auftreten... nun, wir waren keine anzug-fans, aber inspiriert hat es schon, daß er nicht
in ausgeleierten t-shirts und ausgebeulten fettarsch-jeans-mit-urinflecken herumlief.
über die mucke erhielt man also auch zutritt zu mädels, die uns 1000mal besser gefielen.

(natürlich: die mucke von Dead und anverwandten wurde trotzdem weiter gehört und verehrt;
nur das geschlampe nicht).

adjektive wie 'glam' oder 'pop' muß man doch sehr vorsichtig einsetzen, denn seichte teenybopper-hits
wurden nicht geliefert; simple kindergartenmelodien gab es nicht. stattdessen immer wieder neue ideen
und melodiekonstruktionen, die so gut waren, daß sie eben doch auch in den charts endeten.

'Siren' signalisierte nicht nur das ende Roxys, sondern auch unserer clique; aber Roxy kamen
immerhin noch mal wieder.

zuerst waren sie inspiration und ideengeber für viele punk und new wave bands; hunderte bezogen
sich auf Roxy.

mit den späteren platten war es anders; keine einzige gefiel mir oder verbliebenen alten freunden;
grauenhaftes syntheszier-gematsche (wir dachten, dass ist mit Eno ein- für allemal vorbei) und disco-
klänge; auch Ferry's soloscheiben.... alles mucke für kleinbürger und allgemeinplätzler... Manifesto;
Flesh & Blood; Avalon... alles im hohen bogen rausgeflogen.

und auch in der fachpresse: diesmal reihenweise verrisse. Mackay und Manzanera selber bezeichneten
den späteren kram als 'Müll' und selbst Ferry gab in seiner biographie zu, daß diese scheiben alle nicht
'so dolle' waren.

aber egal: LIVE waren sie immer noch eine sensation; sie spielten ausschließlich material der ersten 5
lps ; und noch ein paarmal stand ich mit ein paar alten kumpels und mädels vor der bühne und war begeistert.

sicherlich: Roxy waren ein einschub in die musikwelt der frühen bis mittleren 70er, der musik brachte,
die wir so eher weniger hörten. aber die jungs waren ein erlebnis, daß ich so nicht missen möchte.

also: ein wirklich hochinteressantes und toll geschriebenes posting. sehr inspirierend auch.
danke.
badMoon
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 24.07.2023 - 16:01 Uhr  ·  #19
@badger,

besten Dank für Deine ausführliche und sehr informative Antwort. Wie Du und wohl auch die meisten hier (zumindest die Roxy-Hörer) halte auch ich die Frühwerke für die besten Alben der Truppe. Die Spätwerke, so z.B. auch die "Avalon", sind zwar HiFi-Leckerbissen, musikalisch jedoch sehr dem Mainstream geschuldet. Dennoch, auch dieses Album gefällt, tut nicht weh und Mainstream an sich muss ja nicht schlecht sein. Ein schönes Album "für nebenher".

Nochmals thx :-)
holger_fischer
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 24.07.2023 - 20:02 Uhr  ·  #20
Danke für die ausführliche Rezi. Ich habe die Band mit diesem Album kennengelernt. Im Laufe der Zeit sind dann die ersten vier Alben hier ins Regal gewandert. Die 5., die Siren kenne ich nicht. Die Live-LP Vivy! danach ist gut. Aber als dann Manifesto rauskam, habe ich mich mit Schaudern abgewendet. In Flesh and Blood und Avalon kurz reingehört, als sie seinerzeit veröffentlicht wurden. Nein, besten Dank. Zufällig dann noch einmal Bryan Ferry im TV gesehen und gehört. Mein lieber Herr Gesangsverein!
freaksound
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 25.07.2023 - 11:23 Uhr  ·  #21
auch von mir ein dickes "Daumen nach oben" für diese tolle Rezi. :]

Ich bin vor vielen Jahren über Flohmarkkäufe zu den ersten beiden Scheiben
von Roxy Music gekommen und würde von dem Gebotenen sofort absorbiert.
Welche Vielfalt an Ideen, vorher Ungehörtem und Kreativem - wunderbar.

Vor allem waren die Scheiben aber auch faszinierend, weil ich vorher nur die späteren,
sehr glatten Brian Ferry gesteuerten Roxy Music Alben kannte.

Die optischen Extravaganzen der frühen Roxy Music lernte ich erst später
kennen. Die taten aber der Bewunderung für die frühen Werke keinen Abbruch.
Ganz im Gegenteil, Leder, Jeans und langmähnige Pseudo-Männlichkeit
gab es an jeder (Musiker-) Ecke und war sowas wie Uniform. Hier aber gingen
Leute über Grenzen und haben nicht nur Musikalisch sondern Optisch sich was getraut - chapeau!

Übrigens: man kann beim Musikhören/Geniessen auch die Augen zumachen und sich ganz auf die Ohren konzentrieren 8)

Am Rande möchte ich hier auch noch 801 erwähnen.
Ganz andere Baustelle, aber auch interessant. War ein kurzlebiges Projekt 76/77 mit illustrem Musikerstamm:
Phil Manzanera (Gitarre)
Brian Eno (Keyboard, Synthesizer, Gitarre, Gesang)
Bill MacCormick, ex Quiet Sun, Matching Mole (Bass, Gesang)
Francis Monkman, ex Curved Air, Sky (Fender Rhodes Piano, Clavinet)
Simon Phillips (Schlagzeug)
Lloyd Watson (Slide-Gitarre, Gesang)
badger
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

 · 
Gepostet: 25.07.2023 - 13:22 Uhr  ·  #22
Zitat geschrieben von badMoon

@badger,

besten Dank für Deine ausführliche und sehr informative Antwort. Wie Du und wohl auch die meisten hier (zumindest die Roxy-Hörer) halte auch ich die Frühwerke für die besten Alben der Truppe. Die Spätwerke, so z.B. auch die "Avalon", sind zwar HiFi-Leckerbissen, musikalisch jedoch sehr dem Mainstream geschuldet. Dennoch, auch dieses Album gefällt, tut nicht weh und Mainstream an sich muss ja nicht schlecht sein. Ein schönes Album "für nebenher".

Nochmals thx :-)


genau! ich will auch nicht elitär sein und im endeffekt muß jeder seinen eigenen spass für sich selbst definieren.

das wirklich wichtige (für mich) ist aber, daß man eine ziemlich einmalige band im kopf behält. wie so viele andere
auch, belegen sie einen ganz bestimmten abschnitt meiner persönlichen musikgeschichte.

das allerunglaublichste:
innerhalb weniger stunden nach einstellen des postings ruft ein uralter kumpel an und
beginnt sein gespräch mit: 'höre gerade Roxy M. und hoffe, du hörst sie auch immer noch'.
und damit haben wir alte diskrepanzen begraben; in wenigen tagen kommen wir wieder zusammen.

schön, daß dein posting den anstoß gegeben hat!
White Bird
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Re: ROXY MUSIC - For Your Pleasure | 1973

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Gepostet: 11.08.2023 - 08:57 Uhr  ·  #23
Roxy Music haben mit ihren ersten beiden Platten sicherlich Geschichte geschrieben, denn es war ArtPop in seiner besten Ausführung vermischt mit dem Zeitgeist der damaligen Zeit, in dem auch Glamelemente mit eingewoben wurden.

Gerade die Zusammenkunft dieser 5 Paradiesvögel haben somit musikalisch , als auch optisch ein Feuerwerk an neuen Ideen entwickelt, die es zuvor nicht in dieser Dichte gab, wenn überhaupt nur ansatzweise. Das Herausstellen einzelner Songs erspare ich mir, weil das Album in seiner Gesamtheit zu überzeugen weiß.

Auch wir gehören zu den Glücklichen, die die Band im Jahre 2001 noch einmal live in Hamburg erleben durften. Es war schon ein wenig mehr als ein Feuerwerk, was dort auf der Bühne abgeliefert wurde.

Schöne Rezi abermals ...
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