Andrew Tuttle - Same |Australien | 2018

 
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Andrew Tuttle - Same |Australien | 2018

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Gepostet: 22.05.2021 - 13:59 Uhr  ·  #1
Habe ich mit SUSS - Promise vor nicht allzu langer Zeit ein Album in "Extrem-Slow-Motion" vorgestellt, folgt nun ein Werk, welches in eine ähnliche Kerbe schlägt. Nicht ganz so dahinschlendernd, aber auch nicht weniger relaxt kommt dieses Stück entspannender Musik diesmal nicht aus den USA, sondern aus Australien. Ob der Künstler aus dem sechstgrößten Land der Erde ein ebenso großes Album geschaffen hat? Wir werden sehen - auf geht's!

Andrew Tuttle - Same |Australien | 2018 |Independent / Ambient / Folk

Mit diesem unbetitelten Album veröffentlicht Andrew Tuttle sein drittes Werk, aufgenommen in Stockholms EMS Elektronmusikstudion. Unterstützt wurde er dabei von Charlie Parr (E-Gitarre), Dina Maccabee (Bratsche), Chris Rainier (Gitarre) und Joel Saunders (Trompete).

Tuttle dürfte wohl zum elitären Kreis der unbekanntesten australischen Künstern gezählt werden. Seine meist experimentelle Musik - gleichsam jedoch sehr melodiös und gut zugänglich - führte zu vielen Kooperationen mit ebenso experimentellen Musikern. So ist mir auf der Suche nach Künstlern, mit denen er zusammen arbeitete, vor allem die Band ---> Forest Swords aufgefallen.

Die Entwicklung des hier vorgestellten Albums, so ist zu lesen, fand häuptsächlich in seinem Schlafzimmer in Brisbane statt, in dem sich ein Banjo, eine Akustikgitarre und ein Synthesizer befinden. So verwundert es nicht, dass diese Instrumente eine tragende Rolle auf diesem Album spielen. Ein Album voller Kreativität, welches den Zuhörer an musikalische Orte führt, von deren Existenz er vorher nicht einmal gewusst haben könnte.

Wie soll ein Stück wie ---> Sodermalm Syndrome beschrieben werden, bei dem ein leiernder Sound den Hintergrund bildet, Instrumente rückwärts zu spielen scheinen und das Banjo rhythmisch gezupft wird? Dieser Opener führt auf direktem Weg in das Hörerlebnis, welches den Musikfreund während der acht Stücke auf diesem Album erwarten wird. So experimentell es zu sein scheint, so rund und harmonisch ist es doch gleichzeitig.

Cruiste ich in meiner Vorstellung während des Albums "SUSS - Promise" gemächlich durch eine US-Wüstenlandschaft, läuft das Kopfkino auf diesem Album ganz anders. Eine Collage aus wechselnden Bildern entsteht. Mal ist es die in der Ferne liegende Stadt in ihrer Abendbeleuchtung, die während der Musik langsam näher zu kommen scheint, bis mit den letzten Tönen der Blick in eine Wohnstube frei wird (---> The Coldest Night). Dann wieder ist es ein Schwarm Insekten, der nachts verzweifelt im Laternenschein umherfliegt, den ---> Boarding Zone vor meinem geistigen Auge entstehen lässt. Der eigenen Phantasie des Hörers sind keine Grenzen gesetzt, sodass ganz individuell völlig andere Bilder im Kopf entstehen werden.

Wie in einem Episodenfilm, der im Zeitraffer abläuft, findet langsam und gemächlich Stück für Stück den Weg in die Boxen. Einen Song, den ich sofort noch ein wenig mehr auf "maximal-nachbarfreundliche Lautstärke" drehte als die anderen Songs, war ---> Transmission Interrupted. Ein Wahnsinn, der Raum war voller Musik, aus allen Ecken schienen andere Instrumente in den Mittelpunkt dringen zu wollen. Wieder schwebte über allem ein konstanter synthetischer Ton, zarte Gitarrentöne, Banjogeschrammel, elektronisches Gezwitscher... soviel Musik, wie aus den Lautsprechern heraus will, scheint gar nicht in die Wohnstube zu passen.

Egal, ob hier die Schublade Ambient, Folk oder Independent geöffnet wird - Tuttle hat ein Album geschaffen, welches weite musikalische Horizonte öffnet. Es lässt viel Raum für eigene Interpretationen, führt, sofern man dies zulässt, auf eine innere Reise, die wunderbare Bilder entstehen lässt. Ein Kleinod, gleichsam geeignet zur Meditation wie zur Entspannung nach einem arbeitsreichen Tag oder ganz einfach zum Genießen der phantastischen Klangbilder.

[Die Songs]

1. Sodermaim Syndrome 03:49
2. Transmission Interruption 06:18
3. Boarding Zone 05:48
4. Garden Development 02:16
5. Meterological Warning 02:00
6. Reflections On The Twilight 04:39
7. A Winding River 03:28
8. The Coldest Night 04:40

[Im Web]

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Re: Andrew Tuttle - Same |Australien | 2018

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Gepostet: 07.06.2021 - 19:21 Uhr  ·  #2
Danke für die Rezi dieses Albums eines mir unbekannten Interpreten, Wolfgang. Es löst jetzt nicht den Kaufrausch bei mir aus, aber beim Zuhören dachte ich, dass man diese Musik ganz gut in der Schlussphase einer Yogastunde, der Shavasana (Totenhaltung), hören könnte. Du hast es selbst geschrieben; es ist hervorragend zur Entspannung geeignet.
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