Taming the Shrew - Cure

 
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Taming the Shrew - Cure

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Gepostet: 14.12.2019 - 15:14 Uhr  ·  #1
Regensburg! Gelegen an der Donau, eine schöne mittelalterliche Innenstadt. Eine prächtige, im 12. Jahrhundert erbaute steinerne Brücke und ein Dom aus dem 13. Jahrhundert werden dort beherbergt. Ab und an trällern die Domspatzen, und seit geraumer Zeit schlagen "Taming the Shrew" härtere Töne an. Ob das eine ernst zu nehmende Konkurrenz zu den Domspatzen ist? Wir werden sehen. Also, auf geht's

Taming the Shrew - Cure | Deutschland | VÖ11/2019

Rock, 60er/70er Classic Rock, Bluesrock, RetroRock | Label: My Redemption / Cargo | Spielzeit 43 Minuten

Daniela Liebl (am Micro) | Felix Blume (Drums) | Josef Zweck (Gitarre)| Norbert Staudte (Piano, Hammond) | Heinrich Gmach (Bass)

Die trauen sich was! Wurden nicht gerade erst die Retrorocker namens Pristine, Bluespills, deWolff und Konsorten verdaut? Braucht es da wirklich noch eine weitere Band in diesem Fahrwasser? Klare Antwort: nein, braucht es nicht. ABER - wenn das so aus den Membranen schallt, macht es einfach Laune und der weitere Platz ist ebenso berechtigt wie bestens besetzt.

Nun ist es nicht so, dass Taming the Shrew ganz frisch auf dem Markt sind. Ihr Debut ‚heartbeatspoetry‘ erschien bereits 2016. Wurde zu diesem Album noch der dicke Stecker in die Stromdose gestöpselt, geht es hier mit ein wenig weniger Starkstrom in die Vollen.

Ziemlich verhalten startet der erste Titel "Don't". Erst nach einer knappen Minute verhalten gezupfter Gitarrenklänge mischen sich die Drums ein. Hammond und Stimme gesellen sich hinzu, relativ gemütlich geht es weiter. Ganz allmählich wird die Geschwindigkeit beschleunigt, es wird rockiger. Scharfe Stimme, knackige Instrumentierung, es fängt an zu grooven. Astrein, wie sich der Song langsam entwickelt und aufbaut. Fast vier Minuten nimmt die Spannung mehr und mehr zu, bevor die Wuzz richtig abgeht. Bestens, dieser Start! Mit diesem Opener wird kaum jemand in Versuchung geraten, die CD flugs aus dem Player zu entfernen. Ganz im Gegenteil - mit Neugierde wird der nächste Song erwartet - kann er das Niveau halten?

Der Opener: Don't

Ja, ...kann er das Niveau halten? Aber holla! Fett und satt grollt die Hammond, drängt nach und nach bis zum Ende des Songs die Gitarre in den Hintergrund. Lediglich die massiv bearbeiteten Drums sowie Daniela Liebls stets präsente Stimme können mithalten. Wurde im Opener die Geschwindigkeit dezent erhöht, geht es hier direkt auf's Gaspedal. "Cure" schimpft sich der Titel. In Zeiten immer uniformer werdender Radiobeschallung kann das tatsächlich als musikalische Heilung oder Genesung verstanden werden.

Song No. 2: Cure

Der längste Track auf dem Album ist "Her Name", ein mit 7:09 Minuten recht entspannter Bluesrocker. Entspannt bedeutet in diesem Fall allerdings keinesfalls langweilig! Dagegen sprechen wieder einmal die tolle, kraftvolle Stimme, die heulende Hammond oder die präzise geschlagenen Drums sowie die scharfen Gitarrenriffs. Chapeau, kann man nur sagen - die Band harmoniert prächtig.

Song No. 7: Her Name

So kann ein runder Retro-Rocker klingen! Auf 43 Minuten keine Langeweile. Auf den Punkt sitzende Jameinlagen, eine ausgewogene Mischung aus treibenden oder verhaltenen Songs sowie das perfekte Spiel jedes einzelnen Bandmitgliedes machen die Scheibe zu einem Genuss. Wer auf gut gemachte Rockmusik, gewürzt mit viel Hammond und einer ausdrucksstarken Stimme steht, sollte hier unbedingt einen Lauschangriff riskieren. Eine Scheibe, die sich aus der fast unüberschaubaren Masse monatlicher Neuveröffentlichungen deutlich hervorhebt. Daher: Macht die Kohle locker, kauft das Album und unterstützt damit diese Band. Auf dass ein weiteres Album erscheinen möge.


Artverwandte Bands

Pristine | deWolff | Bluespills |

Taming The Shrew im Web:

Offizielle Bandsite

Pressestimmen zum Debutalbum
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Re: Taming the Shrew - Cure

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Gepostet: 14.12.2019 - 17:40 Uhr  ·  #2
Ausführliche und neugierig machende Vorstellung. Generell ist es so das Retro nur der Unterbau für die Musik sein kann. Egal ob diese Band,die genannten Beispiele oder Vintage Caravan. Das was war ist gewesen und kann im jetzigen Jahrhundert nur eine Verneigung vor den Vorbildern sein.
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Re: Taming the Shrew - Cure

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Gepostet: 14.12.2019 - 17:50 Uhr  ·  #3
Tolle Vorstellung badMoon, Danke
Mir ist die Band auf dem Eclipse Sampler schon aufgefallen und wollte hier auch mal als ein Ohr widmen.
Jetzt ist es quasi ein MUSS :-)
Meld mich wieder nach der Hörprobe.
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Re: Taming the Shrew - Cure

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Gepostet: 17.12.2019 - 18:41 Uhr  ·  #4
Shakespeare im Forum - wer hätte das gedacht! Aber es klingt gut, da werde ich wohl Ohren opfern müssen. Danke für die Vorstellung.

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Re: Taming the Shrew - Cure

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Gepostet: 18.12.2019 - 10:20 Uhr  ·  #5
Die offensichtlich im Blues- bzw. emotionalen Classicrock beheimateten Taming The Shrew waren mir bisher nicht bekannt gewesen. Das hat sich aber durch deine aussagekräftige und vielen Beschreibungsdetails versehene Rezi schlagartig verändert. Ich habe mir die drei Musikbeispiele angehört und bin doch angenehm überrascht, was diese Band musikalisch zu bieten hat. Quasi Musik aus deutschen Landen, frisch auf den Tisch, die sich in keiner Weise vor internationalen Einspielungen zu verstecken braucht.

Mir gefällt der getragene Unterton in ihrer Musik, die den Stücken eine gewisse Wärme verleihen und somit der Band ein eigenes musikalisches Gesicht vermittelt und den einzelnen Musikern trotzdem Spielräume für kleine Soli offenlässt. Über die spielerischen Fähigkeiten der Musiker (Band) braucht man hier auch kein Wort zu verlieren, denn sie sind rundum gut und perfekt.

Abschließend nochmals vielen Dank für deine in gewohnter Manier fundierte Rezi einer hoffentlich aufstrebenden und erfolgreichen Band.
DJ
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Re: Taming the Shrew - Cure

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Gepostet: 18.12.2019 - 17:20 Uhr  ·  #6
Heute kam die neue MINT, darin eine wohlwollende Besprechung (ohne Gesülze!) der hier vorgestellten Platte.

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Re: Taming the Shrew - Cure

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Gepostet: 20.12.2019 - 18:54 Uhr  ·  #7
Das Album habe ich mir jetzt nebenbei zu gute geführt und deiner Ausführung kann ich 100% zustimmen.
Aber was unterscheidet sich diese Band von den anderen aberhunderte Retro'Bands mit Sängerin ?????

Ich finde das Taming the Shrew, sich mit mehr Wärme umgibt und nicht denn brachialen 70er Sound heraufbeschwören, wie andere Band.
Mit erinnert Sie teilweise an Stone the Crow mit Maggie Bell. Sollte man beobachten und ihren Werdegang verfolgen.
Mal schauen, vielleicht treten Sie mal bei uns in der Nähe auf.
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Re: Taming the Shrew - Cure

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Gepostet: 21.12.2019 - 11:32 Uhr  ·  #8
Hier drehte schon das Erstlingswerk seine Runden - völlig unaufgeregte, sehr gut eingespielte Musik und der Gesang, der MICH!, teilweise an Francis Tobolsky (Wucan) erinnert (um nur mal eine Stimme der Jetztzeit zu erwähnen), kommt gut herüber. Eine schöne Stimme, keine Frage. Ob die Musik nun Retro ist oder sich Musiker, die klingen wie....blablabla....andauernd verbeugen (müssen) vor der Vergangenheit, in der es solche Musik schon mal gab, ist mir egal. Ich will das auch nicht ewig in solche Schubladen stecken. Würde ja sonst so ungefähr bedeuten, dass jeder, der heute eine Gitarre anfasst, retro ist. Er käme aus dem Verbeugen gar nicht mehr raus. Es sei denn, etwas völlig NEUES an Musik würde kreiert. Aber dies ist nicht zu befürchten, fürchte ich. :D Sonst aber frage ich mich, wie die Band, deren Erstling "Heartbeatspoetry" schon 2016 erschien (Ohrwaschl), hier so lange unterm Radar fliegen konnte. Oder hat die schon mal jemand früher entdeckt?
Einzig feststellbares Manko: zu wenig Orgel, die Guitarre könnte ruhig etwas "harscher" gespielt werden, dito die Orgel, da dürfte es auch etwas mehr "schnarren" für meinen Geschmack. Sonst aber alles i.O. Auf der nach oben offenen Punkteskala würde ich schon eine Menge an Punkten vergeben!

radiot grüßt! 8)

P.S.: Ach ja, die Rezi mündete also in einen umgesetzten doppelten Kaufbefehl. Die Rechnung darf ich schicken?
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Re: Taming the Shrew - Cure

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Gepostet: 21.12.2019 - 14:45 Uhr  ·  #9
Danke für die - wie immer - sehr informative Vorstellung. Fazit (ohne rumzusülzen): Kauf ich. Anfang Januar wird die Bestellung wohl rausgehen.
DJ
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Re: Taming the Shrew - Cure

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Gepostet: 21.12.2019 - 17:09 Uhr  ·  #10
Jetzt läuft hier also die besprochene Platte, kam heute noch mit der Weihnachtspost. Und so gar wohlbehalten. Was auf den Erstling der Band zutrifft, wie ich schrieb, trifft auch auf die Scheibe "Cure" zu und fast ganz so, wie es badMoon beschrieb. Die zweite Platte scheint etwas "glatter" produziert, auch hier wünschte ich mir mehr Orgelsound, die Orgel etwas härter angefasst, gedrückt, wie auch immer. Die Gitarre dürfte schon etwas mehr Gitarre sein, also auch etwas härter gespielt, für MICH jedenfalls. Aber dann würde die Band vllt. zu sehr im Retro-Lager verortet, evtl. somit auch nicht entsprechend gewürdigt werden. So wie es ist, finde ich es ok. Musik die, liefe sie im Radio (keine Angst, spielt keiner) ich nicht ausknipsen würde oder flott den Sender wechselte. Im besten Sinne wird hier auch Popmusik geboten. Aber bitte nicht an Humptata oder Ein Bett im Kornfeld denken!
Danke nochmals für den Tipp. Manchmal fruchtet es ja.

So, und jetzt meine Empfehlungen betreffs Zappa, Freejazz und Meredith Monk...ach nee, lass ich mal lieber. :D

radiot grüßt! 8)

P.S.: Schöne Soli sind auf der Platte auch zu hören, Drums oder Orgel oder Guitarre, so kurze Passagen, ein Aufleuchten der musikalischen Potenz praktisch. Nicht ausufernd, keiner scheint den großen Zampano geben zu wollen. Gruppendienlich also.
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Re: Taming the Shrew - Cure

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Gepostet: 21.12.2019 - 17:19 Uhr  ·  #11
Zitat geschrieben von radiot

Jetzt läuft hier also die besprochene Platte, kam heute noch mit der Weihnachtspost. Und so gar wohlbehalten. Was auf den Erstling der Band zutrifft, wie ich schrieb, trifft auch auf die Scheibe "Cure" zu und fast ganz so, wie es badMoon beschrieb. Die zweite Platte scheint etwas "glatter" produziert, auch hier wünschte ich mir mehr Orgelsound, die Orgel etwas härter angefasst, gedrückt, wie auch immer. Die Gitarre dürfte schon etwas mehr Gitarre sein, also auch etwas härter gespielt, für MICH jedenfalls. Aber dann würde die Band vllt. zu sehr im Retro-Lager verortet, evtl. somit auch nicht entsprechend gewürdigt werden. So wie es ist, finde ich es ok. Musik die, liefe sie im Radio (keine Angst, spielt keiner) ich nicht ausknipsen würde oder flott den Sender wechselte. Im besten Sinne wird hier auch Popmusik geboten. Aber bitte nicht an Humptata oder Ein Bett im Kornfeld denken!
Danke nochmals für den Tipp. Manchmal fruchtet es ja.

So, und jetzt meine Empfehlungen betreffs Zappa, Freejazz und Meredith Monk...ach nee, lass ich mal lieber. :D

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P.S.: Schöne Soli sind auf der Platte auch zu hören, Drums oder Orgel oder Guitarre, so kurze Passagen, ein Aufleuchten der musikalischen Potenz praktisch. Nicht ausufernd, keiner scheint den großen Zampano geben zu wollen. Gruppendienlich also.


Wenn ich noch einen kleinen Schubser brauchte um mich mit TTS auseinanderzusetzen, dann war es dein Beitrag! Über Zappa als Free Jazz hörender Mönch reden wir dann ein anderes mal!
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