Februar 2019 - Hexvessel - All Tree

 
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Februar 2019 - Hexvessel - All Tree

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Gepostet: 01.02.2019 - 15:41 Uhr  ·  #1
Zuviel Neugierde kann süchtig machen und dem Haushaltsbudget schaden. Bei Risiken und Nebenwirkungen meiden Sie einschlägige Lokalitäten und fragen Sie Ihren Dealer oder Psychoanalytiker.

Da flattert mir doch kürzlich via Mail eine Plattenempfehlung ins Haus. Eine Empfehlung einer Band, von deren Existenz ich bislang nichts wusste. Nun neige ich eigentlich dazu, soetwas erst einmal in ein virtuelles Zwischenlager zu portieren, wo es nach kürzester Zeit vergessen wird und nur ein Zufall es aus der Versenkung befreien kann. Nicht so bei dieser Empfehlung, welche ich ob aktueller Langeweile sofort öffnete. Was also sprang aus dem Zauberkästchen?

Anmerkung: Alle Informationen zur Band habe ich mangels eigener Kenntnis dem Interweb entnommen. Die Beschreibung der Musik und Songs entspricht meiner eigenen Empfindung.

Hexvessel - Die Band

Hexvessel. Bandgründung 2009 durch den Briten Mat "Kvohst" McNerney. McNerney ist u.a. Sänger der Band Grave Pleasures und ehemaliger Sänger der norwegischen Band Dødheimsgard und Code. Schubladenpäpste sortieren die Musik in die Fächer Black Metal, Death Metal, Folk, PsychedelicRock, ForestFolk, Rockmusik.

Ihr Debütalbum „Dawnbearer“ erschien im Jahr 2011, danach haben HEXVESSEL zwei weitere Alben in Richtung Forest Folk und Psychedelia veröffentlicht. In ausverkauften Hallen spielten sie Headline-Touren in ihrer Heimat, wurden für zwei finnische Grammy-Awards nominiert, tourten mit Bands wie Sabbath Assembly und Alcest durch Europa, zelebrierten die Hauptbühne von Roadburn in Holland und traten bei SXSW in Texas auf. Auf dem dritten und jüngsten Bestselleralbum „When We Are Death“ schmückten sie ihre Songs mit etlichem psychedelischen Sound.

Nun aber zur Musik

Hexvessel - All Trees / Finnland / Folk/Psychedelic Folk / VÖ 15.02.19

McNerney erinnerte sich an die Sommer seiner Jugend und verbrachte viel Zeit damit, keltische Geistergeschichten auf der Familienfarm seines Vaters in Galway, Irland, zu hören. Er begann, Musik zu schreiben, die aus dieser Verbindung zwischen Mythos und Natur entstand und wollte, dass das Album einen Weg zur geistigen Wiederbelebung der alten Fabeln symbolisiert.

Inspiriert durch ältere Folkbarden wie Shirley Collins oder Vashti Bunyan, später Folk-Rock-Bands wie Steeleye Span, Fairport Convention und King Crimson bis hin zu neueren Künstlern wie Nick Cave und Coil, die von nordischen Folklor-Rhythmen geprägt sind, entstand der nunmehr typische Hexvessel-Sound, der sowohl uralte als auch moderne Melodien verbindet.

So sind die Lieder auf diesem Album von einer balladesken, träumerischen Stimmung getragen. Die sich abwechselnden Stimmen von Marja Konttinen und Mat "Kvohst" McNerney ergänzen sich auf wunderbare Weise, auf vielen der Songs singen sie gemeinsam. Lange, ausgedehnte Instrumentalpassagen machen jedes Stück zu einem kleinen Juwel, die Melodien scheinen völlig losgelöst durch den Raum zu schweben. Gitarren- und Flötenspiel sind einfach zauberhaft.

Meinen zweiten Hördurchgang habe ich unter den Kopfhörern genossen. A-Capella-like startet Blessing , kraftvoll und mehrstimmig in die ersten 23 Sekunden. Nahtlos leitet der Song in Son Of The Sky hinüber. Nach kurzem Trommel- und Gitarrenintro folgt Marja Konttinens klare, wunderschöne Stimme - fast erzählerisch wird das Lied vorgetragen.



Blessing

Son Of The Sky

Völlig beschwingt von der Musik wippe ich mit den Füßen, schaukel mit dem Kopf hin und her, der Rhythmus nimmt mich einfach mit auf deren Reise, mitten hinein in den nächsten Song, die Übergänge sind kaum zu spüren. So stehe ich plötzlich zwischen all den alten Bäumen, die auf Old Tree besungen werden.

Old Tree

Die Titel dieses Albums bewegen sich meist zwischen zwei und fünf Minuten. Mit einer Länge von 6:30 ist "A Sylvan Sign" das längste Stück des Albums. Das Vogelgezwitscher scheint mitten in die Natur versetzen, ruhig und entspannt, leicht verträumt lässt sich der Song bestens genießen.

A Sylvan Sign

In einem Interview zu dieser Scheibe sagt McNerney: Es ist die Landschaft, die aus mir heraus singt. Es ist ihre Geschichte, die wir singen. Und egal wo ich hingehe oder wo ich am Ende bleibe, es ist diese Volkslandschaft, die der Samen ist, aus dem ich sprang

So schließt er den musikalische Kreis mit dem Song Closing Circles. Ein würdevoller Abschluss dieser wundervollen CD.


Line-Up

Mathew Kvohst McNerney - Vocals
Andrew McIvor - Acoustic guitars
Kimmo Helén - Piano, Keys, Viola, Bass guitar
Jukka Rämänen - Drums, Percussion, Bass guitar
Jesse Heikkinen - Lead guitar, Acoustic guitars & 12-string guitars
Antti Haapapuro - Sound effects, field recordings, master of ceremonies
Marja Konttinen - Vocals, percussion With:
Daniel Pioro - Violin
Dirk Campbell - Flutes, Duduk


Discography:

Dawnbearer - 2011
No Holier Temple - 2012
When We Are Death - 2016
All Tree – 2019


Online:

https://www.facebook.com/hexvessel
https://twitter.com/Hexvessel
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Re: Februar 2019 - Hexvessel - All Tree

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Gepostet: 01.02.2019 - 16:14 Uhr  ·  #2
Klingt ja sehr kompatibel für mich - also lauschen ist angesagt. Ich musste beim Lesen schmunzeln, KING Crimson als Folk-Rock Band hatte ich bisher noch nie gehört

Lg trurl
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Re: Februar 2019 - Hexvessel - All Tree

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Gepostet: 02.02.2019 - 17:40 Uhr  ·  #3
Die eingestellten Musikbeispiele von der Gruppe Hexvessel empfinde ich als berührend, athmosphärisch und zugleich voller Zartheit und Wärme. Sie stellen einen perfekten Kontrapunkt zu der alltäglichen Hektik dar, die einen bisweilen begleitet. Insofern kann man bestens in die Musik von Hexvessel hineintauchen und sich Treiben lassen. Für mich ist das einfach nur schöne Musik .....
Danke für diese umfassende Rezi über eine Gruppe, die mir wieder mal völlig fremd war.
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Re: Februar 2019 - Hexvessel - All Tree

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Gepostet: 03.02.2019 - 09:06 Uhr  ·  #4
Oh ja, Hexvessel ist wirklich ein tolle Band mit sehr interessanter, atmosphärischer Musik.

Es gibt übrigens auch noch eine EP der Band:

Iron Marsh
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Re: Februar 2019 - Hexvessel - All Tree

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Gepostet: 03.02.2019 - 10:19 Uhr  ·  #5
sehr interessante Musik mit einer ganz besonderen Atmosphäre.
Schöne, verträumte Musik. Entschläunigungsmusik :-)
Gefällt mir sehr gut

@badMoon : Wie macht man das mit den Musikbeispielen einstellen ???
...
 
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Re: Februar 2019 - Hexvessel - All Tree

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Gepostet: 03.02.2019 - 13:52 Uhr  ·  #6
Hexvessel ist mir durchaus bekannt. Ein Kollege liegt mir damit hin und wieder in den Ohren. Die Atmosphäre der Musik gefällt mir auch sehr, trotzdem hat es noch kein Tonträger in meine Regale geschafft. Irgend etwas fehlt mir bei der Musik. Ich kann es gar nicht genau beschreiben, vielleicht fehlt ja wieder einmal der richtigem Moment um das Fenster zu öffnen.
Vielen Dank für die gewohnt gekonnte Vorstellung!
LG, Ziggy
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Re: Februar 2019 - Hexvessel - All Tree

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Gepostet: 04.02.2019 - 06:09 Uhr  ·  #7
Guten Morgen in die Runde und...

...besten Dank für eure Antworten. Ich finde es immer sehr interessant, welche Vermutungen, wem eine vorgestellte Scheibe wohl zusagt, zutreffen oder bei wem man völlig daneben liegt.

@FloydPink, ...bedankt für den Link. Wie ich bereits schrieb, die Gruppe war für mich eine Zufallsentdeckung, daher kenne ich bisher lediglich die hier vorgestellte Scheibe. Deine Beschreibung liest sich gut, und was ich bisher gehört habe, ebenso. Ich bleibe dran...

@maddrax, ...meine PM hast Du ja bereits erhalten :-)
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Re: Februar 2019 - Hexvessel - All Tree

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Gepostet: 07.02.2019 - 15:59 Uhr  ·  #8
Schöne verträumte Musik jenseits jeglicher Hektik, die für mich aber zu ruhig und verhalten rüberkommt. Aber das ist mein persönliches Empfinden. Die Musiker sind zweifelsohne Könner, die ein gutes Gespür für ihre Musikstücke eingebracht haben. Es macht bei mir aber nicht klick .....

Danke nochmals für die umfassende Rezi des Albums "All Tree".
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Re: Februar 2019 - Hexvessel - All Tree

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Gepostet: 07.02.2019 - 20:53 Uhr  ·  #9
Hexvessel? Dem Namen nach bekannt! Trotz der sehr guten Rezension ist auch bei mir die Lust auf mehr momentan eher "muss ich noch eine Nacht drüber schlafen".
Was ich bei

HEXVESSEL live @ MĖNUO JUODARAGIS fest 2016 08 27 (bei Bedarf YouTube einschalten)

höre und sehe ist bemüht und wenig Begeisterungsfähig!
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Re: Februar 2019 - Hexvessel - All Tree

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Gepostet: 12.02.2019 - 08:48 Uhr  ·  #10
So, jetzt habe ich auch mal die Zeit gefunden um hier reinzuhören. Die Umschreibungen klangen auf jeden Fall schon einmal interessant. Und ja, das ist was für mich (hattest du dir eventuell auch gedacht Mr.Moon?). Die Songbeispiele, insbesondere Closing Circles, zünden. Daher habe ich zunächst mal die von FloydPink rezensierte EP "Iron Marsh" für einen Fünfer via Bandcamp downgeloaded. Werde ich mir heute abend dann mal in Ruhe über Kopfhörer zur Gemüte führen. Bedankt für den Tipp!
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Re: Februar 2019 - Hexvessel - All Tree

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Gepostet: 19.02.2019 - 18:27 Uhr  ·  #11
Sehr schön! Danke für den Tipp! Für so eine Musik bin ich immer zu haben. Neben den Vergleichen mit Stelleye Span usw. könnte ich noch Pentangle in die Runde werfen.
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Re: Februar 2019 - Hexvessel - All Tree

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Gepostet: 27.03.2019 - 12:08 Uhr  ·  #12
Mir, ausgerechnet mir, wurde ja Hexvessel zum Geburtstag verehrt. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschnitt des Albums "When we are death" (2016) sowie der EP "Iron Mrash" (2017). Leichtsinnig wie ich bin, habe ich das Teil auch aufgelegt. Nach den ersten Tönen - was ist denn das??? - gleich die Stromversorgung zum Haus gekappt. Als diese dann wieder hergestellt war, wagte ich einen zweiten Hörversuch; unbewusst zwar, aber immerhin. Die Musik rödelte leise im Hintergrund, quasi lief sie zur Berieselung so nebenbei. Und, ich muss es zugeben, nicht gerne, aber ich gebe es zu: irgendwann merkte ich auf, klingt ja nicht so schlecht, was da läuft. Aber was läuft denn da? Also nachgesehen: Potzblitz! Hexvessel! Heimlich und leise hat sich der Sound in meine Gehirnwindung geschlichen. Freilich ist das musikalisch meilenweit von progressiver Musik entfernt, nichts neues unter der Sonne, alles schon mal gehört, kein Riff, keine Taktfolge, die man nicht irgendwie zuordnen könnte oder wollte. Aber doch hörbar, immerhin. Wenn man nicht alles auf die Goldwaage legt, dann ist diese Musik durchaus anhörenswert. Nicht dass ich mir derartiges jetzt zulegen, also leichtsinnig Geld dafür ausgeben würde.

Fazit: Bei diesem Zusammenschnitt entwickelt sich die Musik, so ca. ab Track7 - 8 von "When we are death" wird es interessant, d.h. die Aufmerksamkeit steigert sich zusehends, jedenfalls bei mir. Und die EP "Iron Marsh" fängt mit einem fast 13minütigem Stück an, welches durchaus entspannt anzuhören ist.

Hier an dieser Stelle nochmals Dank an den edlen Spender für die gelungene Überraschung.

radiot grüßt! 8)
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Re: Februar 2019 - Hexvessel - All Tree

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Gepostet: 27.03.2019 - 16:54 Uhr  ·  #13
Da ich weiß, wer der edle Spender ist, nehme ich den Dank mal entgegen. ^_^ Freut mich zu hören, dass dir zumindestens nicht die Ohren abgefallen sind beim Hören. Tatsächlich erfinden die Hexen das Genre in dem sie sich tummeln nicht neu, aber sie fügen, wie ich finde, ihm einige interessante Facetten bei. Mittlerweile habe ich meinen Bestand noch um den Zweitling "No holier temple" erweitert - für mich das beste Werk. Also wenn noch Bedarf besteht, gerne wieder.
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Re: Februar 2019 - Hexvessel - All Tree

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Gepostet: 30.03.2019 - 07:26 Uhr  ·  #14
Gute Wahl! No Holier Temple gefällt auch mir am besten.
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