J.J. Cale - Troubadour (Mercury 1976)
Sommer 1976, das National Stadium in Dublin ist gut besetzt von einer erwartungsvollen Fangemeinde.
Die Band steht schon größtenteils auf der Bühne rum.
Kommt 'n Typ daher, steckt die Gitarre ein, setzt sich auf'n Hocker und legt los, ohne den geringsten
Kontakt zu seinen Hörern. Gerade so, als wäre er allein im Aufnahmestudio.
Und spielt ein Stück nach dem anderen runter, gerade so, wie man es auf Vinyl hörte: keine zusätzliche
Note, keine Abweichung. Ein paar Highlights der ersten drei LPs und so ziemlich alles von der 4.,
'Troubadour'. Keine Kommunikation mit irgendwem, nicht mal mit seiner Band, die auch nicht
vorgestellt wird.
Gerade 75 Minuten, dann steht er grußlos auf und verschwindet; Zugabe wird nicht gegeben.
Tja, man sah sich gegenseitig an und war baff. Eine Halle voller Fans, die vermutlich alle vier LPs im
Regal hatten, denn J.J. war schwer angesagt. Und alle hatten auf ein nettes Wort und ein bißchen
Umgänglichkeit des Meisters gehofft.
Aber dann die Klänge: absolut perfekt dargebracht, quasi als wenn da ein Plattenspieler gelaufen wäre.
Man war gleichzeitig verwirrt und auch wieder beeindruckt von diesem 'Okie', diesem 'Hinterwäldler'
aus Oklahoma, der gerade 'Troubadour' durch Europa tourte.
Es sollte die bis dahin erfolgreichste LP des (vermutlichen) Erfinders des Swamp Rock werden; Eric
Clapton würde wieder mal ein Stück ('Cocaine') abkupfern und auch andere Musiker würden sich
bei diesem überdurchschnittlichen Songschreiber bedienen... nur... das große Live-Erlebnis wurde
nicht geboten.
Dennoch, viele gute Stücke unter den zwölf von J.J. geschriebenen (und übrigens auch auf der LP-Hülle
kein Verweis auf die Mitspieler).
Wie üblichen überwiegen diese (trotz E-Gitarre) halbakkustisch klingenden mid-tempo Shuffles.
'Hey Baby' ist eins dieser typischen Swamp-Stücke; verhalten im Tempo und doch wieder zum
Bewegen reizend, vor allem, weil es immer wieder schnellere Momente hat. J.J.'s sparsame
Leadgitarren-Töne; ein bißchen Steel-Guitar zum langsamen Beat und fertig ist die atmospärische Stimmung.
Mit 'Travelling Light' folgt einer dieser Shuffles, die man nicht aus dem Kopf kriegt; J.J.'s völlig
unaufgeregte und fast tonlose Stimme paßt glänzend dazu. Die Jungs an der Bar schaufeln ihre
Füße herum und klicken die Pint-Gläser dazu.
Gute Güte, soviel Energie hält man nicht lange durch, besonders wenn 'You Got Something'
volle 4:00 Minuten dauert. Eine halbe Ewigkeit; also runterschalten und mit vielen Instrumenten
sparsam umgehen.
'Ride Me High' ist wieder eins dieser Dinger, die zunächst zu langsam zum Tanzen zu sein
scheinen, aber es ist infektionös; schau Dir die Jungs an der Bar an, wie sie zur Musik auspedden.
Auch hier diese sparsamen Akzente von speziell J.J.'s Klampfe, erneut zu einem unaufgeregten,
aber vollumfassenden Beat.
Nach so viel Bewegung ist eine Pause dringend nötig; die Instrumentierung wird hier noch
verhaltener, trotzdem ist natürlich die ganze Band im Einsatz und liefert ihre jeweiligen Tupfer.
'Cocaine' kennt natürlich jeder; es läßt sich gut von völlig unkreativen und ideenlosen Musikern
kopieren, aber nur J.J. himself kann es musikalisch so rüberbringen, wie es von Anfang an
gemeint war.
Mit 'I'm A Gypsy Man' und 'The Woman That Got Away' setzt J.J. seine Betrachtungen fort und
paßt nach wie vor auf, daß man nicht durch überhöhte Geschwindigkeit aus der Kurve fliegt.
Er spielt diese wundervollen kleinen und einzelnen Noten, gerne auch mal untermalt durch ein
paar Takte genau zur Stimmung passendes Klimperpiano.
Mit 'Super Blue' wirds erneut melancholischer, die Jungs an der Theke zücken ihre Taschentücher,
aber keine Angst, 'Blue' heißt hier ja nicht 'depressiv' sondern nur 'seinen Gedanken nachzuhängen'.
Was der Chef nun bei 'Let Me Do It To You' genau zu tun gedenkt, ist nicht überliefert und auch nicht
interessant, den dieser erneute unterschwellige Shuffle bewegt schon wieder die Füße.
Ein weiteres Zurückschalten mit 'Cherry', denn J.J. läßt ein letztes Mal seine romantische Seite auf
seinen Saiten erklingen. Die Jungs an der Theke wischen sich nochmal die Augen und
bestellen neue Pints.
Eigentlich müßte zum Abschluß der Kamin rauchen, aber geh, wir sind hier nicht auf irgend einer
banalen Hitparaden-Rock-Party; also bleibt alles in vorzüglicher Ruhe zu der J.J. kleine jazzige
Noten spielt; wieder ein bißchen Klimperklavier und ein verhaltener Rhythmus dazu...
'You Got Me On So Bad' hätte besser 'I've Got Yous (Plural) On So Bad' geheißen, denn die 'Yous'
sind jetzt fertig mit dem Hören.
So also kommuniziert der Mann, der bei seinen Hörern keine unnötigen Worte braucht.
Im Endeffekt liefert dieses Werk also trotz seiner Verhaltenheit und Unaufgeregtheit genau jene
wohltemperierte Stimmung und Atmosphäre, die man ja von den ersten drei Alben schon sehr intus
hatte und von der man immer noch ein Schüppchen drauflegen wollte.
J.J. hat seinen Stil in den nächsten Jahrzehnten und bis zu seinem Tod immer nur leicht modernisiert,
wobei sich auf jedem Album immer wieder ein paar 'Hits' fanden, die den Ankauf empfehlenswert
machten.
Er hat sich nicht geändert und die Jungs an der Theke habens auch nicht.... Paßt Also!
Sommer 1976, das National Stadium in Dublin ist gut besetzt von einer erwartungsvollen Fangemeinde.
Die Band steht schon größtenteils auf der Bühne rum.
Kommt 'n Typ daher, steckt die Gitarre ein, setzt sich auf'n Hocker und legt los, ohne den geringsten
Kontakt zu seinen Hörern. Gerade so, als wäre er allein im Aufnahmestudio.
Und spielt ein Stück nach dem anderen runter, gerade so, wie man es auf Vinyl hörte: keine zusätzliche
Note, keine Abweichung. Ein paar Highlights der ersten drei LPs und so ziemlich alles von der 4.,
'Troubadour'. Keine Kommunikation mit irgendwem, nicht mal mit seiner Band, die auch nicht
vorgestellt wird.
Gerade 75 Minuten, dann steht er grußlos auf und verschwindet; Zugabe wird nicht gegeben.
Tja, man sah sich gegenseitig an und war baff. Eine Halle voller Fans, die vermutlich alle vier LPs im
Regal hatten, denn J.J. war schwer angesagt. Und alle hatten auf ein nettes Wort und ein bißchen
Umgänglichkeit des Meisters gehofft.
Aber dann die Klänge: absolut perfekt dargebracht, quasi als wenn da ein Plattenspieler gelaufen wäre.
Man war gleichzeitig verwirrt und auch wieder beeindruckt von diesem 'Okie', diesem 'Hinterwäldler'
aus Oklahoma, der gerade 'Troubadour' durch Europa tourte.
Es sollte die bis dahin erfolgreichste LP des (vermutlichen) Erfinders des Swamp Rock werden; Eric
Clapton würde wieder mal ein Stück ('Cocaine') abkupfern und auch andere Musiker würden sich
bei diesem überdurchschnittlichen Songschreiber bedienen... nur... das große Live-Erlebnis wurde
nicht geboten.
Dennoch, viele gute Stücke unter den zwölf von J.J. geschriebenen (und übrigens auch auf der LP-Hülle
kein Verweis auf die Mitspieler).
Wie üblichen überwiegen diese (trotz E-Gitarre) halbakkustisch klingenden mid-tempo Shuffles.
'Hey Baby' ist eins dieser typischen Swamp-Stücke; verhalten im Tempo und doch wieder zum
Bewegen reizend, vor allem, weil es immer wieder schnellere Momente hat. J.J.'s sparsame
Leadgitarren-Töne; ein bißchen Steel-Guitar zum langsamen Beat und fertig ist die atmospärische Stimmung.
Mit 'Travelling Light' folgt einer dieser Shuffles, die man nicht aus dem Kopf kriegt; J.J.'s völlig
unaufgeregte und fast tonlose Stimme paßt glänzend dazu. Die Jungs an der Bar schaufeln ihre
Füße herum und klicken die Pint-Gläser dazu.
Gute Güte, soviel Energie hält man nicht lange durch, besonders wenn 'You Got Something'
volle 4:00 Minuten dauert. Eine halbe Ewigkeit; also runterschalten und mit vielen Instrumenten
sparsam umgehen.
'Ride Me High' ist wieder eins dieser Dinger, die zunächst zu langsam zum Tanzen zu sein
scheinen, aber es ist infektionös; schau Dir die Jungs an der Bar an, wie sie zur Musik auspedden.
Auch hier diese sparsamen Akzente von speziell J.J.'s Klampfe, erneut zu einem unaufgeregten,
aber vollumfassenden Beat.
Nach so viel Bewegung ist eine Pause dringend nötig; die Instrumentierung wird hier noch
verhaltener, trotzdem ist natürlich die ganze Band im Einsatz und liefert ihre jeweiligen Tupfer.
'Cocaine' kennt natürlich jeder; es läßt sich gut von völlig unkreativen und ideenlosen Musikern
kopieren, aber nur J.J. himself kann es musikalisch so rüberbringen, wie es von Anfang an
gemeint war.
Mit 'I'm A Gypsy Man' und 'The Woman That Got Away' setzt J.J. seine Betrachtungen fort und
paßt nach wie vor auf, daß man nicht durch überhöhte Geschwindigkeit aus der Kurve fliegt.
Er spielt diese wundervollen kleinen und einzelnen Noten, gerne auch mal untermalt durch ein
paar Takte genau zur Stimmung passendes Klimperpiano.
Mit 'Super Blue' wirds erneut melancholischer, die Jungs an der Theke zücken ihre Taschentücher,
aber keine Angst, 'Blue' heißt hier ja nicht 'depressiv' sondern nur 'seinen Gedanken nachzuhängen'.
Was der Chef nun bei 'Let Me Do It To You' genau zu tun gedenkt, ist nicht überliefert und auch nicht
interessant, den dieser erneute unterschwellige Shuffle bewegt schon wieder die Füße.
Ein weiteres Zurückschalten mit 'Cherry', denn J.J. läßt ein letztes Mal seine romantische Seite auf
seinen Saiten erklingen. Die Jungs an der Theke wischen sich nochmal die Augen und
bestellen neue Pints.
Eigentlich müßte zum Abschluß der Kamin rauchen, aber geh, wir sind hier nicht auf irgend einer
banalen Hitparaden-Rock-Party; also bleibt alles in vorzüglicher Ruhe zu der J.J. kleine jazzige
Noten spielt; wieder ein bißchen Klimperklavier und ein verhaltener Rhythmus dazu...
'You Got Me On So Bad' hätte besser 'I've Got Yous (Plural) On So Bad' geheißen, denn die 'Yous'
sind jetzt fertig mit dem Hören.
So also kommuniziert der Mann, der bei seinen Hörern keine unnötigen Worte braucht.
Im Endeffekt liefert dieses Werk also trotz seiner Verhaltenheit und Unaufgeregtheit genau jene
wohltemperierte Stimmung und Atmosphäre, die man ja von den ersten drei Alben schon sehr intus
hatte und von der man immer noch ein Schüppchen drauflegen wollte.
J.J. hat seinen Stil in den nächsten Jahrzehnten und bis zu seinem Tod immer nur leicht modernisiert,
wobei sich auf jedem Album immer wieder ein paar 'Hits' fanden, die den Ankauf empfehlenswert
machten.
Er hat sich nicht geändert und die Jungs an der Theke habens auch nicht.... Paßt Also!
Danke für diese klasse Rezension !