Unter den amerikanischen Künstlern der neueren Zeit, die dem Americana- oder Country-Genre zugeordnet werden, wird Ryan Adams im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ganz groß gehandelt. Obwohl er Americana, Country und Rock gleichermaßen facettenreich bedient, blieb er in Europa lange Zeit weitgehend unter dem Radar. Adams war Gründer einer der bekanntesten Alternative-Country-Bands, WHISKEYTOWN, und später Frontmann der Rockgruppe RYAN ADAMS & THE CARDINALS.
Geboren am 5. November 1974 in Jacksonville, North Carolina, veröffentlicht Adams seit dem Jahr 2000 Soloalben. Einen ersten Achtungserfolg verzeichnete er mit seinem Debütalbum "Heartbreaker", das ihn bereits in jungen Jahren als begnadeten Songwriter auszeichnete.
Den Durchbruch als Solokünstler schaffte er ein Jahr später. 2001 erschien sein viel beachtetes Album "Gold", das bis heute als sein Klassiker gilt. Wenngleich sich hier einige seiner Alben im Regal befinden, ist es genau dieses Werk, das am häufigsten den Weg in meinen Player findet.
Ryan Adams – Gold | Americana, Country, Rock | USA 2001
Auf Ryan Adams aufmerksam wurde ich durch seinen energiegelandenen Song New York, New York, der auch das Album eröffnet. Der Videoclip hierzu wurde, wie gleich zu Beginn eingeblendet wird, am 7. September 2001 aufgenommen.
Ursprünglich sollte New York, New York am 11. September 2001 als Single veröffentlicht werden. Nach den Terroranschlägen von „Nine-Eleven“ wurde der Termin jedoch auf den 26. November verschoben. So sind im Video noch die Türme des World Trade Centers im Hintergrund zu sehen.
Nach den Anschlägen wurde der Song von vielen als inspirierende Hymne der Heilung für New York City verstanden. Zwei Monate später präsentierte Adams das Stück in der Fernsehsendung Saturday Night Live. Anschließend entschied er sich jedoch, den Song nicht mehr live zu spielen und bat darum, ihn nicht für Medienzwecke zu lizenzieren. Er wollte vermeiden, den Eindruck zu erwecken, die Tragödie für persönliche Vorteile zu nutzen. Ausnahmen machte er lediglich für die New York Yankees, die das Lied während ihrer Spiele im alten Yankee Stadium einsetzten, sowie für die New Yorker Polizei und Feuerwehr.
Das abschließende Saxofonsolo wurde von dem damals erst 20-jährigen Kamasi Washington eingespielt und zählt zu seinen frühen Studioaufnahmen. Es besteht aus zwei gleichzeitig abgespielten Takes, die ursprünglich durch einen Wiedergabefehler entstanden waren. Den Produzenten gefiel das Ergebnis jedoch so gut, dass sie die Aufnahme unverändert beließen.
(Quelle: ---> wikipedia)
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=hmHgY_J63Ik
So rockig, wie das Album startete, geht es mit dem brillanten Country-Rocker ---> Firecracker weiter. Freunde der Mundharmonika kommen hier auf ihre Kosten, nicht nur zum Start des Songs wird sie kräftig geblasen.
Nach diesen beiden Songs könnte nun der Eindruck entstehen, es handele sich hier um ein locker-flockiges, leicht rockiges Album. Zwar wird diese entspannte Grundstimmung auch in weiteren Stücken beibehalten, tatsächlich wechseln sich solche Songs jedoch mit anspruchsvollen Popnummern, wunderschönen melancholischen Balladen und countrylastigen Stücken ab.
Als begnadeter Songwriter, wie eingangs bereits erwähnt, beweist sich Adams einmal mehr mit dem melancholischen Akustik-Rock-Song Answering Bell. Mit dem Titel ist wohl ein Anrufbeantworter gemeint. Die hinterlassenen Nachrichten beschreiben eine anhaltende, einseitige Sehnsucht, in der ein Ex-Partner zurückgelassen wird und sich letztlich damit begnügt, Nachrichten zu hinterlassen und lediglich „Hallo“ zu sagen, ohne jemals eine wirkliche Antwort zu erhalten. Generell beschreibt Adams immer wieder Beziehungssituationen, die von Trennung, Verlust und Schmerz geprägt sind.
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=Grkn6x6VWms
Eines der schönsten Lieder des Albums ist für mich ---> La Cienega Just Smiled. Für Musikfreunde, die melancholische und bittersüße Balladen mögen, dürfte dies der herzerwärmendste Song des Albums sein – wenn nicht sogar DER herzerwärmendste Song überhaupt.
Der La Cienega Boulevard ist eine der Hauptverkehrsadern von Los Angeles. Das Lied entstand, als Ryan Adams an der Ecke La Cienega Boulevard und Melrose Avenue stand und über seine jüngste Vergangenheit sowie die romantische Vergänglichkeit nachdachte, die diese Stadt verkörpert. Der Titel personifiziert die berühmte Straße in L.A. und fängt die unbeschwerte, gleichzeitig aber emotional distanzierte Art der Stadt ein – ein Lächeln und ein beiläufiges „Man sieht sich wieder“, wenn eine vorübergehende Beziehung unweigerlich endet.
Eine wunderschöne akustische Version entstand während eines Konzerts am 14. Mai 2022 in der Carnegie Hall – --->hier zu hören..
Sofern bei diesem Stück sowie dem unmittelbar folgenden ---> The Rescue Blues – hier vielleicht sogar noch etwas deutlicher – eine gewisse Nähe zu Elton John herauszuhören ist, mag dies nicht verwundern. Elton John ist nicht nur ein großer Bewunderer von Adams, sondern auch mit ihm befreundet. Davon zeugen unter anderem einige gemeinsame Konzerte. Eines davon habe ich am Ende dieser Rezension eingefügt.
Aber nicht nur Elton John wird hier Tribut gezollt. Auch in anderen Liedern meine ich Einflüsse und Anklänge bekannter Künstler herauszuhören. Besonders aufgefallen ist mir dies bei --->Tina Toledo's Street Walkin' Blues sowie ---> Harder Now That It's Over. Die Ratestunde ist hiermit eröffnet – wer erkennt die Ähnlichkeiten?
Ein weiteres Highlight des Albums ist mit ---> Nobody Girl zu hören. Beginnt der Song noch recht getragen, entwickelt er sich schon bald zu einem fast zehnminütigen Bluesrock-Epos voller Wucht, Dynamik und verzerrter Gitarren.
Als alter Melancholiker möchte ich diese Rezension jedoch mit zwei anderen Stücken beschließen: der wunderschönen Ballade ---> When The Stars Go Blue, getragen von Adams' sanfter Stimme, sowie dem zutiefst bewegenden ---> Harder Now That It's Over.
Manche Alben hört man eine Zeit lang und stellt sie anschließend wieder ins Regal. "Gold" gehört für mich nicht dazu. Auch nach vielen Jahren greife ich immer wieder zu dieser Platte und entdecke dabei neue Nuancen, neue Stimmungen und neue Lieblingsmomente. Ryan Adams ist hier ein Album gelungen, das zwischen Leichtigkeit und Melancholie, zwischen Rock, Country und großen Emotionen nahezu mühelos pendelt. Für mich bleibt Gold ein zeitloser Klassiker und eines jener seltenen Alben, die man nicht nur hört, sondern fühlt.
In der Vergangenheit habe ich dieses Album bereits einige Male im Brezelbereich vorgestellt – leider ohne größere Resonanz. Vielleicht, so ist zumindest meine Hoffnung, ändert sich dies nun mit dieser Vorstellung.
[Die Songs]
01 - New York, New York
02 - Firecracker
03 - Answering Bell
04 - La Cienega Just Smiled
05 - The Rescue Blues
06 - Somehow, Someday
07 - When The Stars Go Blue
08 - Nobody Girl
09 - Sylvia Plath
10 - Enemy Fire
11 - Gonna Make You Love Me
12 - Wild Flowers
13 - Harder Now That It's Over
14 - Touch, Feel and Lose
15 - Tina Toledo's Street Walkin' Blues
16 - Goodnight, Hollywood Blvd
Anmerkung: Das Album ist auch mit einigen Bonussongs aufgelegt worden. Hier steht die Version mit den genannten 16 Titeln.
Abschließend das oben erwähnte Konzert: ELTON JOHN & RYAN ADAMS : Crossraods
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=lTMnsi1tV7w
Geboren am 5. November 1974 in Jacksonville, North Carolina, veröffentlicht Adams seit dem Jahr 2000 Soloalben. Einen ersten Achtungserfolg verzeichnete er mit seinem Debütalbum "Heartbreaker", das ihn bereits in jungen Jahren als begnadeten Songwriter auszeichnete.
Den Durchbruch als Solokünstler schaffte er ein Jahr später. 2001 erschien sein viel beachtetes Album "Gold", das bis heute als sein Klassiker gilt. Wenngleich sich hier einige seiner Alben im Regal befinden, ist es genau dieses Werk, das am häufigsten den Weg in meinen Player findet.
Ryan Adams – Gold | Americana, Country, Rock | USA 2001
Auf Ryan Adams aufmerksam wurde ich durch seinen energiegelandenen Song New York, New York, der auch das Album eröffnet. Der Videoclip hierzu wurde, wie gleich zu Beginn eingeblendet wird, am 7. September 2001 aufgenommen.
Ursprünglich sollte New York, New York am 11. September 2001 als Single veröffentlicht werden. Nach den Terroranschlägen von „Nine-Eleven“ wurde der Termin jedoch auf den 26. November verschoben. So sind im Video noch die Türme des World Trade Centers im Hintergrund zu sehen.
Nach den Anschlägen wurde der Song von vielen als inspirierende Hymne der Heilung für New York City verstanden. Zwei Monate später präsentierte Adams das Stück in der Fernsehsendung Saturday Night Live. Anschließend entschied er sich jedoch, den Song nicht mehr live zu spielen und bat darum, ihn nicht für Medienzwecke zu lizenzieren. Er wollte vermeiden, den Eindruck zu erwecken, die Tragödie für persönliche Vorteile zu nutzen. Ausnahmen machte er lediglich für die New York Yankees, die das Lied während ihrer Spiele im alten Yankee Stadium einsetzten, sowie für die New Yorker Polizei und Feuerwehr.
Das abschließende Saxofonsolo wurde von dem damals erst 20-jährigen Kamasi Washington eingespielt und zählt zu seinen frühen Studioaufnahmen. Es besteht aus zwei gleichzeitig abgespielten Takes, die ursprünglich durch einen Wiedergabefehler entstanden waren. Den Produzenten gefiel das Ergebnis jedoch so gut, dass sie die Aufnahme unverändert beließen.
(Quelle: ---> wikipedia)
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=hmHgY_J63Ik
So rockig, wie das Album startete, geht es mit dem brillanten Country-Rocker ---> Firecracker weiter. Freunde der Mundharmonika kommen hier auf ihre Kosten, nicht nur zum Start des Songs wird sie kräftig geblasen.
Nach diesen beiden Songs könnte nun der Eindruck entstehen, es handele sich hier um ein locker-flockiges, leicht rockiges Album. Zwar wird diese entspannte Grundstimmung auch in weiteren Stücken beibehalten, tatsächlich wechseln sich solche Songs jedoch mit anspruchsvollen Popnummern, wunderschönen melancholischen Balladen und countrylastigen Stücken ab.
Als begnadeter Songwriter, wie eingangs bereits erwähnt, beweist sich Adams einmal mehr mit dem melancholischen Akustik-Rock-Song Answering Bell. Mit dem Titel ist wohl ein Anrufbeantworter gemeint. Die hinterlassenen Nachrichten beschreiben eine anhaltende, einseitige Sehnsucht, in der ein Ex-Partner zurückgelassen wird und sich letztlich damit begnügt, Nachrichten zu hinterlassen und lediglich „Hallo“ zu sagen, ohne jemals eine wirkliche Antwort zu erhalten. Generell beschreibt Adams immer wieder Beziehungssituationen, die von Trennung, Verlust und Schmerz geprägt sind.
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=Grkn6x6VWms
Eines der schönsten Lieder des Albums ist für mich ---> La Cienega Just Smiled. Für Musikfreunde, die melancholische und bittersüße Balladen mögen, dürfte dies der herzerwärmendste Song des Albums sein – wenn nicht sogar DER herzerwärmendste Song überhaupt.
Der La Cienega Boulevard ist eine der Hauptverkehrsadern von Los Angeles. Das Lied entstand, als Ryan Adams an der Ecke La Cienega Boulevard und Melrose Avenue stand und über seine jüngste Vergangenheit sowie die romantische Vergänglichkeit nachdachte, die diese Stadt verkörpert. Der Titel personifiziert die berühmte Straße in L.A. und fängt die unbeschwerte, gleichzeitig aber emotional distanzierte Art der Stadt ein – ein Lächeln und ein beiläufiges „Man sieht sich wieder“, wenn eine vorübergehende Beziehung unweigerlich endet.
Eine wunderschöne akustische Version entstand während eines Konzerts am 14. Mai 2022 in der Carnegie Hall – --->hier zu hören..
Sofern bei diesem Stück sowie dem unmittelbar folgenden ---> The Rescue Blues – hier vielleicht sogar noch etwas deutlicher – eine gewisse Nähe zu Elton John herauszuhören ist, mag dies nicht verwundern. Elton John ist nicht nur ein großer Bewunderer von Adams, sondern auch mit ihm befreundet. Davon zeugen unter anderem einige gemeinsame Konzerte. Eines davon habe ich am Ende dieser Rezension eingefügt.
Aber nicht nur Elton John wird hier Tribut gezollt. Auch in anderen Liedern meine ich Einflüsse und Anklänge bekannter Künstler herauszuhören. Besonders aufgefallen ist mir dies bei --->Tina Toledo's Street Walkin' Blues sowie ---> Harder Now That It's Over. Die Ratestunde ist hiermit eröffnet – wer erkennt die Ähnlichkeiten?
Ein weiteres Highlight des Albums ist mit ---> Nobody Girl zu hören. Beginnt der Song noch recht getragen, entwickelt er sich schon bald zu einem fast zehnminütigen Bluesrock-Epos voller Wucht, Dynamik und verzerrter Gitarren.
Als alter Melancholiker möchte ich diese Rezension jedoch mit zwei anderen Stücken beschließen: der wunderschönen Ballade ---> When The Stars Go Blue, getragen von Adams' sanfter Stimme, sowie dem zutiefst bewegenden ---> Harder Now That It's Over.
Manche Alben hört man eine Zeit lang und stellt sie anschließend wieder ins Regal. "Gold" gehört für mich nicht dazu. Auch nach vielen Jahren greife ich immer wieder zu dieser Platte und entdecke dabei neue Nuancen, neue Stimmungen und neue Lieblingsmomente. Ryan Adams ist hier ein Album gelungen, das zwischen Leichtigkeit und Melancholie, zwischen Rock, Country und großen Emotionen nahezu mühelos pendelt. Für mich bleibt Gold ein zeitloser Klassiker und eines jener seltenen Alben, die man nicht nur hört, sondern fühlt.
In der Vergangenheit habe ich dieses Album bereits einige Male im Brezelbereich vorgestellt – leider ohne größere Resonanz. Vielleicht, so ist zumindest meine Hoffnung, ändert sich dies nun mit dieser Vorstellung.
[Die Songs]
01 - New York, New York
02 - Firecracker
03 - Answering Bell
04 - La Cienega Just Smiled
05 - The Rescue Blues
06 - Somehow, Someday
07 - When The Stars Go Blue
08 - Nobody Girl
09 - Sylvia Plath
10 - Enemy Fire
11 - Gonna Make You Love Me
12 - Wild Flowers
13 - Harder Now That It's Over
14 - Touch, Feel and Lose
15 - Tina Toledo's Street Walkin' Blues
16 - Goodnight, Hollywood Blvd
Anmerkung: Das Album ist auch mit einigen Bonussongs aufgelegt worden. Hier steht die Version mit den genannten 16 Titeln.
Abschließend das oben erwähnte Konzert: ELTON JOHN & RYAN ADAMS : Crossraods
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=lTMnsi1tV7w