Juni 2026 | Ryan Adams – Gold

 
badMoon
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Juni 2026 | Ryan Adams – Gold

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Gepostet: 03.06.2026 - 17:44 Uhr  ·  #1
Unter den amerikanischen Künstlern der neueren Zeit, die dem Americana- oder Country-Genre zugeordnet werden, wird Ryan Adams im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ganz groß gehandelt. Obwohl er Americana, Country und Rock gleichermaßen facettenreich bedient, blieb er in Europa lange Zeit weitgehend unter dem Radar. Adams war Gründer einer der bekanntesten Alternative-Country-Bands, WHISKEYTOWN, und später Frontmann der Rockgruppe RYAN ADAMS & THE CARDINALS.

Geboren am 5. November 1974 in Jacksonville, North Carolina, veröffentlicht Adams seit dem Jahr 2000 Soloalben. Einen ersten Achtungserfolg verzeichnete er mit seinem Debütalbum "Heartbreaker", das ihn bereits in jungen Jahren als begnadeten Songwriter auszeichnete.

Den Durchbruch als Solokünstler schaffte er ein Jahr später. 2001 erschien sein viel beachtetes Album "Gold", das bis heute als sein Klassiker gilt. Wenngleich sich hier einige seiner Alben im Regal befinden, ist es genau dieses Werk, das am häufigsten den Weg in meinen Player findet.

Ryan Adams – Gold | Americana, Country, Rock | USA 2001

Auf Ryan Adams aufmerksam wurde ich durch seinen energiegelandenen Song New York, New York, der auch das Album eröffnet. Der Videoclip hierzu wurde, wie gleich zu Beginn eingeblendet wird, am 7. September 2001 aufgenommen. Ursprünglich sollte New York, New York am 11. September 2001 als Single veröffentlicht werden. Nach den Terroranschlägen von „Nine-Eleven“ wurde der Termin jedoch auf den 26. November verschoben. So sind im Video noch die Türme des World Trade Centers im Hintergrund zu sehen.

Nach den Anschlägen wurde der Song von vielen als inspirierende Hymne der Heilung für New York City verstanden. Zwei Monate später präsentierte Adams das Stück in der Fernsehsendung Saturday Night Live. Anschließend entschied er sich jedoch, den Song nicht mehr live zu spielen und bat darum, ihn nicht für Medienzwecke zu lizenzieren. Er wollte vermeiden, den Eindruck zu erwecken, die Tragödie für persönliche Vorteile zu nutzen. Ausnahmen machte er lediglich für die New York Yankees, die das Lied während ihrer Spiele im alten Yankee Stadium einsetzten, sowie für die New Yorker Polizei und Feuerwehr.

Das abschließende Saxofonsolo wurde von dem damals erst 20-jährigen Kamasi Washington eingespielt und zählt zu seinen frühen Studioaufnahmen. Es besteht aus zwei gleichzeitig abgespielten Takes, die ursprünglich durch einen Wiedergabefehler entstanden waren. Den Produzenten gefiel das Ergebnis jedoch so gut, dass sie die Aufnahme unverändert beließen.


(Quelle: ---> wikipedia)

Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=hmHgY_J63Ik

So rockig, wie das Album startete, geht es mit dem brillanten Country-Rocker ---> Firecracker weiter. Freunde der Mundharmonika kommen hier auf ihre Kosten, nicht nur zum Start des Songs wird sie kräftig geblasen.

Nach diesen beiden Songs könnte nun der Eindruck entstehen, es handele sich hier um ein locker-flockiges, leicht rockiges Album. Zwar wird diese entspannte Grundstimmung auch in weiteren Stücken beibehalten, tatsächlich wechseln sich solche Songs jedoch mit anspruchsvollen Popnummern, wunderschönen melancholischen Balladen und countrylastigen Stücken ab.

Als begnadeter Songwriter, wie eingangs bereits erwähnt, beweist sich Adams einmal mehr mit dem melancholischen Akustik-Rock-Song Answering Bell. Mit dem Titel ist wohl ein Anrufbeantworter gemeint. Die hinterlassenen Nachrichten beschreiben eine anhaltende, einseitige Sehnsucht, in der ein Ex-Partner zurückgelassen wird und sich letztlich damit begnügt, Nachrichten zu hinterlassen und lediglich „Hallo“ zu sagen, ohne jemals eine wirkliche Antwort zu erhalten. Generell beschreibt Adams immer wieder Beziehungssituationen, die von Trennung, Verlust und Schmerz geprägt sind.

Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=Grkn6x6VWms

Eines der schönsten Lieder des Albums ist für mich ---> La Cienega Just Smiled. Für Musikfreunde, die melancholische und bittersüße Balladen mögen, dürfte dies der herzerwärmendste Song des Albums sein – wenn nicht sogar DER herzerwärmendste Song überhaupt.

Der La Cienega Boulevard ist eine der Hauptverkehrsadern von Los Angeles. Das Lied entstand, als Ryan Adams an der Ecke La Cienega Boulevard und Melrose Avenue stand und über seine jüngste Vergangenheit sowie die romantische Vergänglichkeit nachdachte, die diese Stadt verkörpert. Der Titel personifiziert die berühmte Straße in L.A. und fängt die unbeschwerte, gleichzeitig aber emotional distanzierte Art der Stadt ein – ein Lächeln und ein beiläufiges „Man sieht sich wieder“, wenn eine vorübergehende Beziehung unweigerlich endet.

Eine wunderschöne akustische Version entstand während eines Konzerts am 14. Mai 2022 in der Carnegie Hall – --->hier zu hören..

Sofern bei diesem Stück sowie dem unmittelbar folgenden ---> The Rescue Blues – hier vielleicht sogar noch etwas deutlicher – eine gewisse Nähe zu Elton John herauszuhören ist, mag dies nicht verwundern. Elton John ist nicht nur ein großer Bewunderer von Adams, sondern auch mit ihm befreundet. Davon zeugen unter anderem einige gemeinsame Konzerte. Eines davon habe ich am Ende dieser Rezension eingefügt.

Aber nicht nur Elton John wird hier Tribut gezollt. Auch in anderen Liedern meine ich Einflüsse und Anklänge bekannter Künstler herauszuhören. Besonders aufgefallen ist mir dies bei --->Tina Toledo's Street Walkin' Blues sowie ---> Harder Now That It's Over. Die Ratestunde ist hiermit eröffnet – wer erkennt die Ähnlichkeiten?

Ein weiteres Highlight des Albums ist mit ---> Nobody Girl zu hören. Beginnt der Song noch recht getragen, entwickelt er sich schon bald zu einem fast zehnminütigen Bluesrock-Epos voller Wucht, Dynamik und verzerrter Gitarren.

Als alter Melancholiker möchte ich diese Rezension jedoch mit zwei anderen Stücken beschließen: der wunderschönen Ballade ---> When The Stars Go Blue, getragen von Adams' sanfter Stimme, sowie dem zutiefst bewegenden ---> Harder Now That It's Over.

Manche Alben hört man eine Zeit lang und stellt sie anschließend wieder ins Regal. "Gold" gehört für mich nicht dazu. Auch nach vielen Jahren greife ich immer wieder zu dieser Platte und entdecke dabei neue Nuancen, neue Stimmungen und neue Lieblingsmomente. Ryan Adams ist hier ein Album gelungen, das zwischen Leichtigkeit und Melancholie, zwischen Rock, Country und großen Emotionen nahezu mühelos pendelt. Für mich bleibt Gold ein zeitloser Klassiker und eines jener seltenen Alben, die man nicht nur hört, sondern fühlt.

In der Vergangenheit habe ich dieses Album bereits einige Male im Brezelbereich vorgestellt – leider ohne größere Resonanz. Vielleicht, so ist zumindest meine Hoffnung, ändert sich dies nun mit dieser Vorstellung.

[Die Songs]
01 - New York, New York
02 - Firecracker
03 - Answering Bell
04 - La Cienega Just Smiled
05 - The Rescue Blues
06 - Somehow, Someday
07 - When The Stars Go Blue
08 - Nobody Girl
09 - Sylvia Plath
10 - Enemy Fire
11 - Gonna Make You Love Me
12 - Wild Flowers
13 - Harder Now That It's Over
14 - Touch, Feel and Lose
15 - Tina Toledo's Street Walkin' Blues
16 - Goodnight, Hollywood Blvd

Anmerkung: Das Album ist auch mit einigen Bonussongs aufgelegt worden. Hier steht die Version mit den genannten 16 Titeln.

Abschließend das oben erwähnte Konzert: ELTON JOHN & RYAN ADAMS : Crossraods

Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=lTMnsi1tV7w
firebyrd
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Re: Juni 2026 | Ryan Adams – Gold

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Gepostet: 03.06.2026 - 18:05 Uhr  ·  #2
Mr. Upduff
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Re: Juni 2026 | Ryan Adams – Gold

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Gepostet: 03.06.2026 - 18:24 Uhr  ·  #3
..."La Cienega Just Smiled" und "Gonna Make You Love Me" sind für mich (auch) die Highlightsongs auf dem Album... der Rest dudelt etwas an mir vorbei...

...das der hervorragende Musiker und vor allem Arrangeur Kamasi Washington dabei war ist mir neu... das muss ich mir im Nachgang noch mal anhören...

... vielen Dank für den frühabendfüllenden Lesestoff und die hervorragende Rezi...
Floyd Pink
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Re: Juni 2026 | Ryan Adams – Gold

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Gepostet: Gestern um 00:53 Uhr  ·  #4
Also Du hast schon ein beneidenswertes Händchen für "kontroverse" Künstler :D
Ryan Adams nach#MeToo-Vorwürfen

Aber zum Kern der Sache: Vor allem balladenbasierter Alternative Country (wenn man es mal verkürzt darstellen will) ist nun nicht gerade meine Baustelle, aber das ist sicherlich sein "Referenzalbum" aus der Frühphase seiner Karriere. Man darf in sicherlich zu den besten und einflussreichsten Songwritern der frühen 00er Jahre zählen, was er hier auch unter Beweis stellt. In Deutschland fliegt solche Melodie und gerade auch Ryan Adams schon eher unter dem Radar (ich vermute mal hierzulande hat er auch "Pech" mit seiner Namensähnlichkeit zu dem kanadischen Wachsweichrocker). Die angesprochenen Ähnlichkeiten bei den beiden mittleren Songs (der Link zu Tina Toledos Street Walking Blues funzt übrigens nicht, da er zu The Rescue Blues führt) sehe ich zum frühen Neil Young. Insgesamt für mich ein Album, das zwar nicht meinen Geschmack trifft (mir zu viel Melancholie bei gleichzeitiger Gefälligkeit), aber ich kann die Qualitäten der Kompositionen schon würdigen. Vor allem La Cienega Just Smiled ist schon hübsch, wenn man ein faible für Sonnenuntergänge hat.

Alles in allem mal wieder eine schön und gelungene Rezension! Nur über eines musste ich schmunzeln:
"In der Vergangenheit habe ich dieses Album bereits einige Male im Brezelbereich vorgestellt – leider ohne größere Resonanz."
Du glaubst auch an Weihnachtsmann und Osterhase gleichzeitig, oder?
badMoon
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Re: Juni 2026 | Ryan Adams – Gold

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Gepostet: Gestern um 13:04 Uhr  ·  #5
Erst einmal - Danke für's Lesen und eure Antworten.

@FloydPink,

Du scheinst Dich, zumindest nach dieser Rezension, etwas mehr mit Ryan Adams befasst zu haben. Daher kurz einige Antworten zu Deinem Statement:

Bzgl. der #MeToo-Vorwürfe: Während des Verfassens der Rezi habe ich natürlich zu einigen Themen recherchiert. Erst, als ca. 2/3 der Rezension fertiggestellt war, bin ich auf diese Vorwürfe gestoßen. Zuerst wollte ich die Rezi verwerfen, habe dann kurz mit Christa gesprochen. Anfangs war sie auch dafür, sagte aber später sinngemäß: "...dann müsste eventuell 1/3 des CD-Regals ausgeräumt werden". Naja, soviel wird es hoffentlich nicht sein, die Rezi jedoch blieb daraufhin gesetzt.

Den Link zu Tina Toledos Street Walking Blues habe ich korrigiert, er funktioniert wieder.

Du zitierst und schreibst: ""In der Vergangenheit habe ich dieses Album bereits einige Male im Brezelbereich vorgestellt – leider ohne größere Resonanz."
Du glaubst auch an Weihnachtsmann und Osterhase gleichzeitig, oder? "


Tja, lieber Ralf, man sollte den Glauben nie aufgeben, ...an irgendwas muss man ja glauben :D
hmc
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Re: Juni 2026 | Ryan Adams – Gold

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Gepostet: Gestern um 15:20 Uhr  ·  #6
Der Name sagt schon etwas, Musik kenne ich bisher nicht.
Nach der tollen Rezi suche ich mal im Net nach Titeln des Albums.

Ich bewundere immer aufs Neue, dass einige so einen Beitrag beisteuern; Klasse.
holger_fischer
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Re: Juni 2026 | Ryan Adams – Gold

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Gepostet: Gestern um 17:07 Uhr  ·  #7
Vielen Dank für die informative Rezi. Habe mir die verlinkten Titel angehört. So richtig packen mich die Songs nicht. Das plätschert so dahin. Aber es gab auch Überraschendes: Nobody Girl! Toll! Am Anfang dachte ich: "Das geht ja gar nicht!", aber dann wurde es doch zusehends (- hörends) spannender und endete fulminant. Wirklich ein Highlight.
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