Aus Raider wurde Twix – oder so ähnlich. GAVIAL hießen ursprünglich mal TOURETTE BOYS, damals waren sie noch als Trio unterwegs und hatte keinen festen Bassisten. Aber mittlerweile sind die TOURETTE BOYS Geschichte und der neue Name GAVIAL sollte im Gedächtnis behalten werden. Das mit dem Wortspiel in Anlehnung an „two red boys“ hatte sich sowieso erledigt, nachdem die Band inzwischen auf Quartettstärke angewachsen ist.
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=VnMoqDpr-P0
Dieses Quartett aus dem musikalischen Bermuda-Dreieck Berlin/Dresden/Leipzig hat definitiv seinen eigenen Ton gefunden. Ihr Markenzeichen ist ein entspannt zurückgenommener Groove, ein psychedelischer Blues-Rock mit ausgedehnten instrumentalen Jam-Passagen und einem unaufgeregten, aber stetigen Flow. Pretender erinnert mich mit der schwebenden Gitarre an selige Zeiten von THE GUN CLUB oder Longsongs von ALL THEM WITCHES. Auch das auf die Knochen reduzierte Control, das sphärische Leviathan oder Wandern (die Neuaufnahme eines älteren Songs der Band) zelebrieren schillernd den psychedelisch durchtränkten Slowmo-Sound, während Grow als traditioneller Blues daherkommt. Nur bei Koru Mindset wagt man sich einmal kurz in den Uptempo-Bereich.
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=7x7NArfu3xU
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=fBXSrV298J4
Gitarrist Benjamin Butter erweist sich auch am Gesang als coole Socke: hier sitzt jeder Ton, ist nichts zu viel oder zu aufdringlich und fügt sich mit seiner Phrasierung in die angemessen stonewashed erscheinende Klangwelt von GAVIAL ein. Das wabert, driftet ab und mäandert schön durch die Atmosphäre, ohne dabei den Faden zu verlieren. Zum Abschluss gibt es dann mit Wicked Game noch ein kongeniales Cover des melancholischen Schmachtfetzens von CHRIS ISAAK, der hier ein gutes Pfund Transzendenz verpasst bekommt.
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=q_Tc74QWfMc
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=v6aI_y1ybXU
„Thanks, I Hate It“ – der Titel des Albums ist ein lakonischer Kommentar zu den heutigen düstern Zeiten, mit ihren unschönen Entwicklungen in Gesellschaft und Politik. Dem setzen GAVIAL mit ihrer ebenso bodenständigen wie immer wieder auch entrückten Musik ein fast schon tröstliches Statement entgegen, das die Welt doch für zumindest 42 Minuten wieder etwas heller erscheinen lässt. Hier hat sich eine Band spür- und hörbar endgültig gefunden.
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=2qtvrYtwvFM
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=08I8uaJVcEc
Gavial
Thanks, I Hate It, Exile On Mainstream, 2026
Benjamin Butter Vocals & Guitar
Paul-Willy Stoyan Guitar
Conrad Brod Drums
Paul Kollascheck Bass
Spieldauer:42:17 Minuten
01. Control
02. Koru Mindset
03. Pretender
04.Grow
05. Leviathan
06. Wandern
07. Wicked Game