Celeste - Same | 1976

 
caramel
DJ
Avatar
Geschlecht: keine Angabe
Beiträge: 4539
Dabei seit: 02 / 2010
Betreff:

Celeste - Same | 1976

 · 
Gepostet: 11.01.2026 - 19:03 Uhr  ·  #1
In dieser Vorstellung geht es nicht um die 2005 gegründete französische Metal-Band namens Celeste, sondern um die italienische Progressive-Rock-Band Celeste und ihr selbstbetiteltes Debüt.

Die italienische Band Celeste gründete sich in den frühen 70er Jahren. Die Stücke ihres ersten Albums entstanden bereits 1973. Im Jahr 1974 wurden sie aufgenommen, aber es sollten noch einmal zwei Jahre vergehen, bis das Album 1976 unter dem Namen Celeste offiziell veröffentlicht wurde.

"Dieses Album ist das Ergebnis einer etwa zweijährigen Entstehungsphase, in der die Gruppenmitglieder versuchten, sich so weit wie möglich von angelsächsischen und generell ausländischen Einflüssen zu befreien und Raum für Melodie und das zu schaffen, was am ehesten dem mediterranen Lebensgefühl entspricht", so steht es auf der Rückseite des Booklets. Ich würde sagen, dies ist auch recht gut gelungen.

Der Blick auf die Besetzungsliste des Albums lässt hinsichtlich der zu erwartenden Musik schon einiges erahnen:

Ciro Perrino: Percussion, Flöte, Mellotron, Gesang
Leonardo Lagorio: Klavier, Mellotron, Synthesizer, Flöte, Saxophon
Mariano Schiavoni: Gitarre, Violine, Gesang
Giorgio Battaglia: Bass

Die Band wird bei zwei Stücken unterstützt von Aldo De Scalzi, der hier für die Sound Effekte zuständig ist.


Die sieben Stücke klingen durchweg verträumt und sind weitgehend instrumental. Es braucht sicherlich etwas Zeit, um sich mit diesem Album anzufreunden, da es fast nur sanfte Passagen beinhaltet. Bombast oder rockige Elemente wird man vergeblich suchen. Ebenso wird man keine ausgefeilten Soli hören. Es wird gemeinsam musiziert und jedem Instrument wird gleichwertig Platz eingeräumt. Allerdings kommen Liebhaber des Mellotrons voll auf ihre Kosten.


Gleich das erste Stück Principe Di Un Giorno ist wohl mein liebstes. Es beginnt mit schwebenden Klängen, das Klavier steuert eine kleine zauberhafte Melodie bei, aber vor allem die Flöte verzaubert mit märchenhaften Tönen. So ist auch der kurze Text - wie es auch die übrigen Texte sind - märchenhaft und mystisch. Das letzte Drittel wird von einem Saxophon dominiert, bevor sanfte Mellotronklänge das Lied ausklingen lassen.

Den achtminüter Favole Antiche eröffnen die schwebenden, psychedelischen Klänge von Synthesizer und Mellotron sowie geisterhafte Gesänge. Der pastoral anmutende Text ist nur kurz und wird von einem ausdrucksvollen Flötenspiel begleitet und dadurch verstärkt. Es werden einzelne Sätze aus dem Off, Gelächter und Chorgesang eingespielt. Zwischendurch mutet es dann fast mittelalterlich an. Einzelne Passagen erinnern an Kirchenmusik.

Eftus schließt stilistisch nahtlos an die beiden Vorgängertracks. Ein noch kürzerer Text, mystische Worte, harmonisch mehrstimmig gesungen. Flöte und Bass dominieren und es kommt auch wieder ein wenig Mittelalter-Feeling auf.

Giochi nella notte verbindet gekonnt Misstöne - inklusive jazziger Saxophon-Improvisationen - mit dem für mich schönsten, weil melodisch und deutlich klassisch beeinflusstem Klavierspiel (etwa ab der Hälfte des Stückes). Der kurze Gesang beginnt ab der sechsten Minute. Ein Text, der in meinem Booklet um eine einleitende Strophe länger ist, die im Lied aber nicht gesungen wird.

La Grande Isola startet mit sanftem Gesang und steigert sich langsam. Ein kraftvolles symphonisches Arrangement wechselt sich mit zarten Melodien ab. Immer wieder eingestreuter Gesang erscheint wie aus anderen Sphären.

La Danza Del Fato ist ein kürzeres mit Glöckchengeläut und sphärischen Klängen beginnendes Stück. Der Gesang wird von feingewebten Flötenpassagen begleitet.

Den Abschluss des Albums bildet ein kurzes, mittelalterlich anmutendes und verspieltes Stück, L'imbroglio.

Celeste haben mit diesem Album ihre ganz eigene Musik geschaffen. Zarter Prog, Folk und Klassik, verbunden mit den oft verträumten Gesangspassagen, verschmelzen zu einem wunderbar gewebten Klangteppich. Und so tue ich mich schwer mit einer Einsortierung in eine Schublade. Wenn dies denn überhaupt nötig ist, trifft vielleicht am ehesten "symphonischer Progressive Rock mit einer Prise Folk" zu.


Titelliste:
01. Principe Di Un Giorno - 6:12
02. Favole Antiche - 8:18
03. Eftus - 4:17
04. Giochi Nella Notte - 8:11
05. La Grande Isola - 5:04
06. La Danza Del Fato - 3:56
07. L'imbroglio - 1:06
Proggy
Sammler
Avatar
Geschlecht: keine Angabe
Alter: 62
Beiträge: 559
Dabei seit: 01 / 2025
Betreff:

Re: Celeste - Same | 1976

 · 
Gepostet: 11.01.2026 - 19:25 Uhr  ·  #2
Für mich als Mellotron-Liebhaber ist das hier wirklich etwas besonderes.
Das Album schwebt nur so vor sich hin und entspannt mich total.
Die Italiener können Prog und der kann auch mal dezent daher kommen.
Ich freue mich sehr darüber.
Vielen Dank für deine Vorstellung.

MfG aus dem Harz
Triskell
Labelboss
Avatar
Geschlecht:
Herkunft: Berlin
Alter: 68
Beiträge: 54034
Dabei seit: 04 / 2006
Betreff:

Re: Celeste - Same | 1976

 · 
Gepostet: 11.01.2026 - 20:44 Uhr  ·  #3
Da muss ich morgen glatt mal meine Italo Rubrik durchforsten. :-/
Bin mir nicht sicher, ob ich die nicht habe. Jedenfalls danke für diese Rezi. :-D
badMoon
Musiklaie
Avatar
Geschlecht:
Alter: 72
Beiträge: 55
Dabei seit: 04 / 2008
Betreff:

Re: Celeste - Same | 1976

 · 
Gepostet: 12.01.2026 - 14:56 Uhr  ·  #4
Zitat geschrieben von Proggy

Für mich als Mellotron-Liebhaber ist das hier wirklich etwas besonderes.
Das Album schwebt nur so vor sich hin und entspannt mich total.
Die Italiener können Prog und der kann auch mal dezent daher kommen.
Ich freue mich sehr darüber.
Vielen Dank für deine Vorstellung.

MfG aus dem Harz


Wie lange Frau C. dieses Album schon vor mir versteckt hat, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall ist dieses alte Scheibchen Neuland für mich. So kann ich nach dem ersten Hördurchgang nur sagen: gefällt! Vielleicht sollten wir uns künftig doch ein wenig mehr über unsere Musikregale unterhalten - Mellotron ist schließlich auch bei mir angesagt :-/ .
Maddrax
Toningenieur
Avatar
Geschlecht: keine Angabe
Herkunft: bei Heidelberg
Beiträge: 5502
Dabei seit: 11 / 2007
Betreff:

Re: Celeste - Same | 1976

 · 
Gepostet: 12.01.2026 - 16:45 Uhr  ·  #5
Schöne Vorstellung 👍
Eine italienische Band, die sich dieser Stilrichtung verschrieben hatte und Mitte der 70ger Jahre NICHT allzu sehr nach Genesis klingen wollte (ein ganz klein wenig von den sanfteren Passagen von Trespass schimmert ab und an vielleicht doch bissel durch) und hier was ziemlich eigenes geschaffen hat, ist eher selten

Gefällt mir gut, ich ziehe mir das bei YouTube komplett runter und werde der Musik bestimmt öfter lauschen, passt auch in die momentane Wetter-stimmung

Danke Frau Caramel
freaksound
Toningenieur
Avatar
Geschlecht:
Herkunft: Oberbayern
Alter: 61
Beiträge: 5399
Dabei seit: 05 / 2006
Betreff:

Re: Celeste - Same | 1976

 · 
Gepostet: Gestern um 10:46 Uhr  ·  #6
Die Rezi ist gewohnt hochwertig, die Musik sicher auch.

Aaaaaber , Italprog aus der Zeit ist mir meist zu sehr mit Zuckerguss versehen.

Erste Hörbeispiele dieser Scheibe haben (leider) auch hier diesen Eindruck bestätigt.
Wer Interesse hat, hier gibt es (fast) das komplette Werk:
https://celeste4.bandcamp.com/

Nachtrag: die Celeste II schein eher in meine Richtung zu gehen - muss vieleicht doch noch mehr bei Celeste reinhören.
Gewählte Zitate für Mehrfachzitierung:   0

Registrierte in diesem Topic

Aktuell kein registrierter in diesem Bereich

Die Statistik zeigt, wer in den letzten 5 Minuten online war. Erneuerung alle 90 Sekunden.