Zwar ist dieses Album bereits 2006 erschienen, aber da es hierzulande keinerlei Promotion für die Platte gab (Es gibt bisher nicht mal ein deutsch-sprachiges Review im Netz zu finden…jedenfalls habe ich noch keins gesehen..) möchte ich – auch anlässlich der anstehenden Focus- Konzerte in Deutschland- das jüngste Werk der Gruppe noch mal in den Fokus rücken (*Gelbe Karte für dumme Wortspiele*).
Zunächst einmal ist zu bemerken, dass sich das Personal-Karussel bei Focus wieder gedreht hat..diesmal teilweise zurück: Drummer Pierre van der Linden ,der damals mit Jan Akkerman zusammen von Brainbox zu Focus wechselte und auf „Moving waves“, „Focus III“ und „Live at the rainbow“ (und somit auch auf den bekanntesten Songs „Hocus Pocus“ und „Sylvia“) schlagwerkte kehrte zur Band zurück. Gittarist Jan Dumee verließ die Band und wird nun von Nils van der Steenhoven ersetzt.
Da sowohl van der Linden als auch van der Steenhoven eher auf Jazz als auf Rock fokusiert sind (*letzte Ermahnung für das Wiederholungs-Wortspiel*) , lässt sich die Marschrichtung für „Focus 9/ New skin“ schon erahnen.
Jan Dumee formierte übrigens mit John Lawton (Lucifer´s friend , Uriah Heep) eine neue Band mit dem richtungsweisenden (?) Namen On the rocks. Ihr Debüt-Album soll noch in diesem Jahr erscheinen. Dies aber nur nebenbei.
Nun aber zum Album:
Musikalisch bietet „Focus 9 /New skin“ genau das, was das Fan-Herz erfreut : Progressiven Jazz-Rock der feinsten Sorte. Was der Wiedereinstieg von Drummer van der Linden erahnen ließ , erfüllt sich durchgehend: Das Album klingt zu großen Teilen fast als wäre es zwischen „Moving waves“ und „Focus III“ aufgenommen worden. Daß dies gewollt ist , unterstreichen Focus durch Titelgebungen wie „Sylvia´s stepson“ und zahlreiche kurz angerissene Rezitative aus dem eigenen Song-Katalog.
Auch wenn der Jazz anteilsmäßig auf diesem Album einen leichten Vorsprung vor dem Rock hat, bilden doch die etwas härteren, (jazz)rockigeren Stücke wie „Aya-Yuppie-Hippie-Yee“ oder „Curtain call“ die Höhepunkte des Albums, während die fast reinen Jazz-Stücke „Focus 9“ oder „Ode to Venus“ ein wenig abfallen bzw. in allzu ruhigen Gewässern dahin schippern (Eine Ausnahme bildet der Rausschmeißer „It takes 2 2 tango“). In rauer See hingegen behauptet sich das Focus-Schiff wesentlich eindrucksvoller. Einer der Höhepunkte des Albums ist allerdings alles andere als rau: Das mit Mozart-Zitaten durchsetzte „Hurkey Turkey 2“ flattert luftig-leicht durch die Gehörgänge, setzt aber trotzdem festsitzende Widerhaken durch das Gejodele von van Leer , schöne, aber sehr sparsame Heavy-Gitarren-Riffs und vor allem durch ein Flötenspiel zum niederknien. Würde man Ekseption, Jethro Tull und (natürlich) Focus in einen Mixer schmeißen und den „Mach mal was tolles draus“ –Knopf drücken, würde wohl dieses Stück heraus kommen. Den absoluten Höhepunkt aber heben sich Focus fast bis zum Schluß auf: „European Rap(sody)“ wartet mit allen Trademarks auf und bietet doch neues: Die flirrende Flöte trifft auf die melancholische Solo-Gitarre aus dem „Focus“-Thema, ständige Tempi-Wechsel halten das Spannungslevel hoch, etwas ungewohnte „HoHoHo“-Gesänge werden mit Akkordeon untermalt und dann setzt Thijs von Leer zu einem Sprechgesang an in der er alte Songtitel zu einem Gedicht verwebt. Für Fans ist das ganz großes Kino. Das Stück lässt nach über zehn Minuten Spielzeit nur einen Wunsch offen: Hoffentlich spielen die das auch live bei den anstehenden Konzerten!
Noch anzumerken ist, dass auf diesem Album erstmals „Focus 7“ als Studio-Version zu hören ist. Dieses Stück kannte man bisher nur von Live-Konzerten bzw. von Mitschnitten derselben.
„Focus 9 / New skin“ ist nur auf dem niederländischen Indie-Label „Redbullet“ erschienen und dementsprechend selten in hiesigen Platten-Läden vorrätig. Über Amazon kann man es aber problemlos bestellen.