Black Sabbath - Vol. 4 | 1972

 
badMoon
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Black Sabbath - Vol. 4 | 1972

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Gepostet: 05.11.2022 - 16:59 Uhr  ·  #1
Nachdem ich in einem leicht schummrigen, privaten Partykeller erstmals die sabbatanischen Klänge deren Erstlings hörte, war es um mich geschehen. Allein, in dieser schummrigen Umgebung, das Regengeprassel und die Glockenschläge taten bereits ihr Werk. Nach dieser Begegnung landeten alle weiteren Neuerscheinungen umgehend im Plattenschrank, ein dickes Stoppschild wurde dann leider vor Sabbotage gestellt. Das war dann nicht mehr BLACK SABBATH.

Sei's drum. Mit "Vol. 4" bewiesen BLACK SABBATH, dass sie noch immer die Meister des Heavy Metal sind und Tony Lommi noch immer die pfundschwersten Riffs lieferte.

BLACK SABBATH - Vol. 4 | Heavy Metal | GB 1972

Ursprünglich, so ist im weltweiten Informationsnetz zu lesen, sollte der Titel dieses Longplayers "Snowblind" lauten. Dieser wurde jedoch aufgrund des damit verbundenen Drogenkonsums gestrichen und durch den schnöden Titel "Vol. 4" ersetzt. Tatsächlich sollen die Sabbathaner zu dieser Zeit Kokain in dermaßen olympiareifen Mengen versnieft haben, dass die Kosten die Kosten des Albums bei weitem überstiegen haben.

Erstaunlich, dass trotz eines möglicherweise durchmachten Dauerdeliriums ein solches Album geschaffen werden konnte. Andererseits muss die Band nach ihren ersten drei erfolgreichen Alben dermaßen unter Erfolgsdruck gestanden haben, dass dieser nur vollberauscht ausgehalten werden konnte. Einmal mehr also liefert die Viererbande eine erstaunliche Fülle heaviger Songs und - schöner Balladen und Instrumentals.

Schwer schleppt sich das Riff auf dem Opener Wheels of Confusion durch den Track. Typisch BLACK SABBATH, geht hier acht Minuten lang die Post ab, bleibt kaum Luft zum Verschnaufen. Erstaunlich, dass trotz Dauerrausch Textzeilen wie die in diesem Song entstehen konnten. Wer weiß, vielleicht wird in solchen Zeilen in Momenten geistiger Klarheit, bei der Erkenntnis der eigenen Drogenabhängigkeit, die Angst und Sorge davor angesprochen:

Lost in the wheels of confusion / Running through valleys of tears / Eyes full of angry delusion / Hiding in everyday fears

Verloren in den Rädern der Verwirrung / Laufen durch Täler der Tränen / Augen voller zorniger Täuschung / Verstecken in alltäglichen Ängsten

Eine Singleauskopplung folgt mit Tomorrow's Dream, die es jedoch nicht in die Charts geschafft hat. Auch hier schleppt sich wieder der tonnenschwere Riff Lommys durch den Song, Geezer Butler würzt den Track mit seinem Bass, Bill Ward malträtiert seine Drums und unüberhörbar steht der personifizierte Sabbath Ozzy Osbourne am Micro. Eine kaum nachahmbare Stimme.

Dass die Band auch in Moll kann, wird mit Changes manifestiert. Bewiesen sie bereits auf ihrem zweiten Album mit Planet Caravan, dass sie auch langsam können, haben sie mit Changes ihre ultimative Ballade geschrieben. Nur von Klavier und Mellotron begleitet, singt sich Osbourne mit scheinbar schmerzerfüllter Stimme durch den Song.

I feel unhappy Ich fühle mich so unglücklich / I feel so sad Ich bin so traurig / I've lost the best friend Ich verlor den besten Freund / That I ever had Den ich jemals hatte / She was my woman Sie war meine Frau / I loved her so Ich liebte sie so sehr / But it's too late now Aber jetzt ist es zu spät / I've let her go Ich ließ sie gehen



Was nun das Echogezirpe auf FX soll - keine Ahnung. Vielleicht im Vollrausch entstanden, wäre es wohl besser auf einem KRAFTWERK-Experimental-Gefiepe-Album aufgehoben. Schwamm drüber!

Mit dem Headbanger Supernaut folgt ein Stück für den Kopfhörer. Nach anfänglichen Beckenschlägen dröhnen wieder die Lommy-typischen, monströsen Riffs los, in der Mitte gibt es ein kleines, sägendes Gitarrensolo, Osbourne grient seinen Text ins Micro und ein kurzer, 30-Sekunden-Percussion-Part lässt kurz Ruhe einkehren. Ein Höllensong!

Ein wenig, ein ganz klein wenig radiotauglich folgt Snowblind, der für den Longplayer ursprünglich angedachte Albumtitel, der wohl hinsichtlich des Drogenkonsums wie die Faust aufs Auge gepasst hätte. Diese radiotauglichkeit kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch hier schwere Riffs und satte Bassläufe neben Osbournes teilweise klagender Stimme den Song mächtig nach vorne treiben.

Wie ein kleiner Soundtrack perlt Toni Lommys Laguna Sunrise aus den Boxen. Dieses Instrumentalstück hätte wohl, neben Changes, den harten Männern von BLACK SABBATH niemand zugemutet. Zwei Songs, die ein wenig Ruhe und Abwechslung in ein ansonsten krachendes Album bringen.

So gehört BLACK SABBATH - Vol. 4 zweifelsohne in meine Top-Black-Sabbath-Liste ("Black Sabbath", "Paranoid", "Master of...", "Vol. 4", "Sabbath Bloody Sabbath") , dort jedoch auf Platz No. 5. Aber immerhin - und mancher Fan setzt es möglicherweise an die Spitze seiner Sabbath-Alben.

[Die Band]
  • Gesang: Ozzy Osbourne
  • Bass: Geezer Butler
  • Gitarre: Tony Iommi
  • Schlagzeug: Bill Ward

[Die Songs]
  • Wheels of Confusion/The Straightener – 8:14
  • Tomorrow’s Dream – 3:12
  • Changes – 4:41
  • FX – 1:43
  • Supernaut – 4:46
  • Snowblind – 5:32
  • Cornucopia – 3:55
  • Laguna Sunrise – 2:53
  • St. Vitus Dance – 2:30
  • Under the Sun/Every Day Comes and Goes – 5:50
Mr. Upduff
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Re: Black Sabbath - Vol. 4 | 1972

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Gepostet: 05.11.2022 - 20:28 Uhr  ·  #2
... Black Sabbath... für mich früher unter ferner liefen ...die Hits fand ich ganz gut ...aber um die Longplayer habe ich mich nie gekümmert...da waren (zunächst) Krautrock, Beatles, ECM & Co. für mich (und meine damaligen Influenzer) wichtiger...

... was Black Sabbath für eine hammerharte gute Band...war das fand ich erst vor 5 Jahren raus wo ich im Vorbeigehen aus einem Secondhandladen in Middelburg (Holland) die Doppel-CD "Best of Black Sabbath" für 3 € erwarb...

... nachdem ich mir alle Alben mit Ozzi (danach gefielen sie mir leider nicht mehr so) nach dem (und meinem) ersten Sabbathfieber durchgehört hatte,war ich zu dem Schluss gekommen, dass die "Best Of" mir reicht.... wie ich finde eine sehr gelungene Zusammenstellung... und drei Titel von dieser LP sind natürlich auch vertreten...

... da mir die anderen fünf nicht mehr so geläufig sind werde ich sie unter der Lektüre deiner Rezi morgen noch mal anhören... vielleicht fällt ja von denen dann doch mal ein Studioalbum für mich ab...

... wie gesagt seit fünf Jahren auch ich BS-"Fan"... und seitdem laufen sie bei mir regelmäßig...

...wie du schon sagtest: einer Höllenband mit Höllensongs...

...besser zu spät als nie entdeckt...
frimp
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Re: Black Sabbath - Vol. 4 | 1972

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Gepostet: 05.11.2022 - 23:48 Uhr  ·  #3
Ich finde die Rezi sehr treffend, denn ich ordne die 4 auch eher auf meinen Platz 5.
„Changes“ fand ich damals ganz schrecklich, inzwischen finde ich es recht gelungen.
Black Sabbath wurde damals von den Kritikern zerrissen, galten als zu simpel, Ozzy zu abgedreht. Und der Einfluss auf die Jugend, gar schröcklöch!
Dass sie ganze Genres beeinflusst, wenn nicht gar kreiert haben, steht ausser Frage.
Und seitdem Neosabbathcopyinfluencedbands immer weiter gedeihen, höre ich auch gerne vermehrt wieder das Original.
firebyrd
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Re: Black Sabbath - Vol. 4 | 1972

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Gepostet: 05.11.2022 - 23:54 Uhr  ·  #4
ein sehr gutes Album, das aus meiner Sicht einen Wendepunkt der Band darstellte, weil sich der Stil hier etablierte und festigte. Ich las auch, dass hier wohl die Wurzeln für das Genre Doom Metal liegen sollen....

Unabhängig davon, meine "Lieblinge" bleiben die ersten beiden Veröffentlichungen...
Triskell
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Re: Black Sabbath - Vol. 4 | 1972

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Gepostet: 06.11.2022 - 11:30 Uhr  ·  #5
Die ersten fünf, sind meinest Erachtens unverzichtbar. "Sabotage" habe ich noch angeschafft, danach merklich das Interesse verloren.
Nichts desto Trotz, für diese Rezi gibts ein JEVER! :-D Danke!
Tom Cody
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Re: Black Sabbath - Vol. 4 | 1972

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Gepostet: 06.11.2022 - 12:33 Uhr  ·  #6
Zitat geschrieben von Triskell

Die ersten fünf, sind meinest Erachtens unverzichtbar.

Das sehe ich genauso wie Rolf. Deshalb finde ich es gut, daß du dich dieser Anfangszeit der Band widmest und die "Vol. 4" hier in aller Ausführlichkeit vorstellst.

"Wheels Of Confusion" ist für mich der "Knaller" auf dem Album und Tony Iommi macht seinem Namen als "Riffmaster" alle Ehre. Dieser Hardrock aus der "Birmingham- Schmiede" hat mich immer begeistert, egal was einige Journalisten dazu schrieben. ein Jahr später habe ich die Band dann live in der Dortmunder Westfalenhalle gesehen. Phantastisches Konzert, die Halle bebte.

Beim Ranking der ersten fünf Werke steht bei mir das Debütalbum ganz oben, gefolgt von der "Master Of Reality".

Wolfgang, vielen Dank für diese interessante und detaillierte Vorstellung ! :-D Deinen Zeilen bin ich sehr gerne gefolgt !
kraut-brain
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Re: Black Sabbath - Vol. 4 | 1972

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Gepostet: 10.11.2022 - 11:29 Uhr  ·  #7
Mit ihrem vierten Album haben Black Sabbath einen weiteren Meilenstein ihres künstlerischen Schaffens herausgebracht. Sie schafften etwas, was zuvor nicht vielen Bands gelungen ist und zwar vier überzeugende Alben innerhalb eines Zeitfensters von zwei Jahren einzuspielen.

Abermals tauchten hier unsterbliche Perlen wie z. B. "Wheels Of Confusion", "Supernaut" oder "Under The Sun" auf, um nur einige von ihnen zu nennen.

Und wie firebyrd bereits anmerkte, sie gelten in der Tat als die Urväter des Genres Doom Metal, eine musikalische Spielart die mir sehr zusagt.

All diese Aspekte hast du in deiner aussagekräftigen Rezi auf den Punkt gebracht und im Schreibstil dieser etwas härteren Mucke angepasst. Somit vielen Dank badMoon für diese schöne Rezi.
hmc
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Re: Black Sabbath - Vol. 4 | 1972

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Gepostet: 11.11.2022 - 13:13 Uhr  ·  #8
Klasse das die Band einmal wider beschrieben wird.
Master of reality war meine ersten Lp. Was habe die abgespielt. Wunderbar.
Das waren 22 DM und die kamen von meiner ersten Lehrlings Gehalt.
Habe Papa nichts gesagt; der wäre die Wände hochgegangen.

Nach der Lp habe ich erst einmal keine Käufe getätigt, aber die der Mister habe ich die Best of erworben.
Die reichte mir erst einmal; später, auch durch das Forum hier, habe ich die Alben, die remastered erschienen sind, gekauft.

Als da wären:

UNDER WEELS OF CONFUSION 1970 - 1987/ CD4
VOL 4 - DELUXE EDITION - REMASTERED
SAME - DELUXE EDITION - REMASTERED
NEVER SAY DIE - REMASTERED
MASTER OF REALITY - Original
MOB RULES (DELUXE EDITION) [ORIGINAL RECORDING REMASTERED] [DOPPEL-CD]
MASTER OF REALITY - DELUXE EDITION
PARANOID [DELUXE] - 2ER CD
13 (LIMITED DELUXE EDITION) [DOPPEL-CD]
HEAVEN AND HELL (DELUXE EDITION) [ORIGINAL RECORDING REMASTERED] [DOPPEL-CD]
badMoon
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Re: Black Sabbath - Vol. 4 | 1972

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Gepostet: 18.11.2022 - 11:25 Uhr  ·  #9
@All,

Danke für's Lesen und eure Reaktionen. Interessanterweise scheint auch für die meisten Artisten mit dem Album "Sabbath Bloody Sabbath" die große Sabbath-Zeit zu Ende gegangen zu sein. Einige Achtungserfolge mögen noch gefolgt sein, aber die große Zeit hatte die Band hinter sich. Selbst das durch die Presse meist hochgelobte Album "13" konnte mich nicht mehr überzeugen, wenngleich es hier im Regal steht.

Also, hier scheint weitestgehend Einigkeit zu bestehen. Ist doch was :-)
holger_fischer
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Re: Black Sabbath - Vol. 4 | 1972

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Gepostet: 23.11.2022 - 17:21 Uhr  ·  #10
Danke für die Rezi. Da haben wir ja wieder eins unserer zahlreichen Überschneidungsalben :-).
Ganz klar, die ersten 5 Alben sind die besten. Aber ich möchte neben der 13, die mir auch gut gefällt, noch die Mob Rules erwähnen. Da singt Dio und da sind verdammt gute Sachen drauf, wie The Sign Of The Southern Cross.
badMoon
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Re: Black Sabbath - Vol. 4 | 1972

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Gepostet: 28.11.2022 - 11:19 Uhr  ·  #11
Zitat geschrieben von holger_fischer

Danke für die Rezi. Da haben wir ja wieder eins unserer zahlreichen Überschneidungsalben :-).
Ganz klar, die ersten 5 Alben sind die besten. Aber ich möchte neben der 13, die mir auch gut gefällt, noch die Mob Rules erwähnen. Da singt Dio und da sind verdammt gute Sachen drauf, wie The Sign Of The Southern Cross.


Holger,

unsere Überschneidungen häufen sich - irgendwann können wir unsere Regale tauschen :D .

Also, mit der 13 bin ich nie richtig warm geworden. In die von Dir erwähnte Mob Rules habe ich nun einige Male reingelauscht. OK, darauf sind gute Stücke enthalten. Black Sabbath sind das jedoch für mich nicht mehr. Und ich möchte behaupten, den von Dir erwähnten Song "The Sign Of The Southern Cross" würde Ozzy nicht singen - irgendwie würde das nicht zu ihm passen. Allerdings ist dies für mich der beste auf der Scheibe enthaltene Song.

Thx für Dein Feedback :-)
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