Witchcraft-Black Metal

 
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Witchcraft-Black Metal

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Gepostet: 02.05.2020 - 13:35 Uhr  ·  #1
Witchcraft ist eine im schwedischen Örebro im Jahr 2000 gegründete Band, deren Musik im Spannungsfeld Doom/Hard Rock zu verorten ist. Im laufe der vergangenen 20 Jahre wurden 5 CDs, diverse Eps und Singles veröffentlicht und reichlich Mitmusiker angeheuert und wieder entlassen. Die einzige Konstante ist Bandgründer Magnus Pelander. Nach „Time“ nun das zweite Soloalbum. Womit die vielen Fragezeichen, die sich nicht nur bei mir auftaten, leichter Verwunderung gewichen sein dürften. Auch wenn Magnus Pelander im Prinzip „Witchcraft“ ist, wundert es sicherlich nicht nur mich, warum dieses zur musikalischen Ausrichtung seiner Hauptband stark kontrastierende Album nicht wieder wie „Time“ als Abgrenzung unter seinem Namen erschien. Das der Titel nur im ersten Teil „schwarz“ ist und im zweiten überhaupt nicht metallisch, macht die Sache noch verwirrender. Erste Pressemitteilungen sprachen von einem „unplugged“ Album der Band, was aber ein ganzer Stall voller Zeitungsenten war.
Jetzt sitze ich hier und überlege, wieso ich mich überhaupt dazu durch gerungen habe, dieses aus 7 Titeln bestehende rein akustische Album zu meinem Tipp des Monats zu machen? Ob überhaupt jemand die Lust hat, Titel die Tristesse pur versprechen, Elegantly Expressed Depression oder Sad people, anzuhören? Egal ob hier im Zirkus oder generell. Lieder die Leonard Cohen, Nick Cave oder die späte Phase von Johnny Cash in noch tieferem Moll die Referenz erweisen. Sporadisch von harten aber auch zerbrechlichen minimalen Anschlägen auf die Gitarrensaiten begleitet, Warum nicht nur Gesang? Der im übrigen kaum variiert und so den Fokus ganz klar auf die vertonten Anliegen des Künstlers legt. Dafür braucht es zwischen 3-7 Minuten fast schon meditativer Erzählkunst
Das Album ist gegen den Strich gebürstet, nicht für den schnellen Genuss geeignet, möchte erlebt werden, den Hörer/die Hörerin mit auf eine Reise nehmen, die seelische Schmerzen verursachen kann und kaum Hoffnung verspricht.
„Black Metal“ wird polarisieren, keine Tantiemen in Massen aufs Konto überweisen, vielleicht sogar dem Ruf der Band schaden. Wer gegen den Strom schwimmt, muss eine Menge schlucken.
Das also ist mein Tipp für den Wonnemonat Mai. Von dem ich jetzt weiß, warum ich mich dazu entschieden habe. Weil es meinen Gemütszustand entspricht! In anderen Zeiten hätte ich anderes entschieden.

Black Metal


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Re: Witchcraft-Black Metal

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Gepostet: 02.05.2020 - 16:58 Uhr  ·  #2
Hi, danke für den Tipp. Oder die Warnung? Ich habe die wirklich hervorragende Nucleus von Witchcraft. Hätte mir ein neues Album vielleicht ungehört gekauft, Aber in dem von dir vorgestellten Album muss ich erst mal vorher reinhören.
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Re: Witchcraft-Black Metal

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Gepostet: 02.05.2020 - 17:12 Uhr  ·  #3
Warnung? Ja! Aber in dem Sinne von " seit nicht enttäuscht von dem was ihr hört" Das ist in seiner Gesamtheit ein schwieriges Album um eine 100% zutreffende Beurteilung zu finden.
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Re: Witchcraft-Black Metal

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Gepostet: 03.05.2020 - 09:19 Uhr  ·  #4
Das mit Tristesse etc. genügt mir. Danke für die Warnung.
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Re: Witchcraft-Black Metal

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Gepostet: 03.05.2020 - 09:43 Uhr  ·  #5
Wie geschrieben ein schwieriges Album. Aber muss ein Tipp immer essy going dein? Unter anderen Umständen wäre meine Entscheidung eine andere gewesen, aber gerade die Stimmung die dieses Album ausdrückt, passte perfekt für mich.
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Re: Witchcraft-Black Metal

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Gepostet: 03.05.2020 - 14:52 Uhr  ·  #6
Zitat geschrieben von OldMcMetal

Wie geschrieben ein schwieriges Album. Aber muss ein Tipp immer essy going dein? Unter anderen Umständen wäre meine Entscheidung eine andere gewesen, aber gerade die Stimmung die dieses Album ausdrückt, passte perfekt für mich.


Nein, ganz bestimmt nicht! Er muss interessant sein. Und das ist er ja.
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Re: Witchcraft-Black Metal

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Gepostet: 03.05.2020 - 16:15 Uhr  ·  #7
Also hat mei quasi Anti-Text doch was bewirkt.
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Re: Witchcraft-Black Metal

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Gepostet: 15.05.2020 - 16:14 Uhr  ·  #8
Magnus Pelander ist das Gesicht und der Macher von Witchcraft. Und die Band stand für eine Mischung aus Doom, Stoner und Rock. Allerdings sind seit dem Erscheinen von Nucleus auch schon wieder fast 5 Jahre verstrichen.

Trotzdem dürfte es für den einen oder anderen irritierend sein, dass das Album "Black Metal" unter den Bandnamen Witchcraft herausgekommen ist. Bereits im Jahre 2016 erschien sein erstes Soloalbum unter dem Titel "Time" und auch dort schlug er musikalisch einen ganz anderen Weg als bei seiner Stammband ein. Das war nachvollziehbar und im Kontext auch logisch. Ich vermute mal, dass die Verkaufszahlen seines ersten Soloalbum ihn dazu hingeleitet haben.

Nun aber zu der gelungenen Rezi von OMM. Natürlich steht es jedem Künstler zu, Wandlungen in ihrem Stil vorzunehmen und andere und zum Teil auch neue Wege zu beschreiten. Man denke in diesem Zusammenhang an Peter Hammill oder auch David Bowie.

Die hier präsentierte Musik ist erfüllt von Melancholie, Fragilität und auch Düsternheit und entwickelt durch die Aneinanderreihung der Songs seine eigene Note bzw. Wirkung. Wer auf diesen Pfaden wandeln mag, findet ein durchaus stimmiges Album vor. Meine Welt ist es allerdings nicht.
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Re: Witchcraft-Black Metal

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Gepostet: 15.05.2020 - 17:18 Uhr  ·  #9
@Kraut und alle anderen verwirrten
Jawoll! So muss das sein! Alben die keiner versteht, mag oder in ihrer Bedeutingstiefe erfasst. Black Metal gehört zu dieser Kategorie. Den Weltschmerz, die intensive Tiefe hätte jeder Pomp und Pathos zu nichte gemacht. Der einsame Eremit der zu sparsamen Gitarrenakkorden die Welt anheult die gebeutelte Seele eines psychisch kranken Menschen. Alles weitere Gedanken die bei einem erneuten Hördurchgabg entstehen und weiteren Platz machen, wenn das Album nochmals gehört wird.
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Re: Witchcraft-Black Metal

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Gepostet: 17.05.2020 - 11:05 Uhr  ·  #10
Du hast Recht, Pomp und Pathos würden die Stimmung des Albums in die falsche Richtung lenken.

Weltschmerz und Depressionen sind für Andere nicht immer nachvollziehbar und daher oft anstrengend und so manch einer möchte sich erst gar nicht damit belasten.

Dieses Zitat aus dem Song Free Country

By now you're probably tired
Of listening to my requiem
But sadness has a way
To give way to happiness

ist dazu passend.

Psychisch krank? Nö, für mich eher die Gedanken eines Menschen in der sogenannten Midlife Crisis, der sich bewußt wird, daß das Leben endlich ist und sein bisheriges Leben hinterfragt und nach dem Sinn des Ganzen sucht.

Was Magnus Pelander mit seinen Lyrics vermitteln möchte, läßt viel Spielraum für Interpretationen. Das macht das Album zusammen mit der Stimmung auf die Länge des Albums gesehen "anstrengend".
Ich fühle mich wie der Lauscher an der Wand zum stillen Kämmerlein, in dem Jemand versucht seiner inneren Stimmung ein Ventil zu verschaffen. Wort- und Gefühlsfetzen, die nicht reichen, um ein klares Bild zu bekommen.
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Re: Witchcraft-Black Metal

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Gepostet: 17.05.2020 - 12:11 Uhr  ·  #11
Eins hat das Album mit Sicherheit erreicht. Man diskutiert darüber, wenn auch im kleinen Rahmen. Es werden immer wieder neue Facetten in den Texten entdeckt, jedes neue hören ist ein neues entdecken, obwohl man dachte, dass Album zu kennen. Black Metal kann jeden erreichen, der die Antennen dafür hat. Nicht sofort, nicht immer, aber immer intensiver!

die gebeutelte Seele eines psychisch kranken Menschen.bezog sich weniger auf den Interpreten als die allgemeine Intention der Texte.
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Re: Witchcraft-Black Metal

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Gepostet: 25.05.2020 - 07:36 Uhr  ·  #12
Zitat geschrieben von OldMcMetal


Das Album ist ... nicht für den schnellen Genuss geeignet, möchte erlebt werden, den Hörer/die Hörerin mit auf eine Reise nehmen, die seelische Schmerzen verursachen kann und kaum Hoffnung verspricht.



Das unterschreibe ich ebenso gerne wie den Hinweis auf CCC. Ob man so viel Moll am Stück verträgt, liegt wohl immer an der Tagesverfassung. Dreiunddreißig Minuten könnten ganz schön lang werden. Häppchenweise jedoch, zufällig im Shufflemodus neben anderen Künstlern nach oben gespült, wird mir das gefallen.

Danke für die Vorstellung :-)
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Re: Witchcraft-Black Metal

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Gepostet: 25.05.2020 - 10:32 Uhr  ·  #13
Zwischen Leonard Cohen, Nick Cave oder extrem depressiven französischen Chansoniers ab und zu ein wenig Witchcraft. Dazu ein Gläschen dunkelster Rotwein, dezenter Kerzenschein und nur auf die Musik konzentriert. Der perfekte Abend für den perfekten Selbstmord, weniger für Freudentänze.
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