Pristine - Road Back To Ruin

 
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Pristine - Road Back To Ruin

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Gepostet: 28.07.2019 - 16:46 Uhr  ·  #1
Gerade erst wurden die Schweden --->Hong Faux durchgeschleust, schon steht ein weiterer Silberling aus skandinavischen Landen auf dem Speisezettel. Nicht Schweden, sondern Norwegen ist diesmal der Lieferant dieses feinen Happens. Und am Micro steht diesmal eine Frau ihren Mann. Ob sie es ebenso kann, soll nun erforscht werden. Also, auf geht's.

Pristine - Road Back To Ruin / Norwegen / 2019 (Rock | Bluesrock | Stoner)

Kurz auf die Drums gedroschen, setzt schon die fette Stonergitarre ein, und schwupp wird der Opener "---> Sinnerman" durch das Mikrofon getrieben. Drei Minuten lang die reinste Verfolgungsjagd - wer treibt hier wen? Die Drums die Gitarre? Die Gitarre die Stimme? Zwischendurch sattes Hammondgetöse. Ich glaube, die Gitarre treibt hier alles vor sich her und macht das Rennen. Grandios, keine Sekunde bleibt zur Erholung, das E-Werk hat mächtig zu tun, diesen Dauerstrom zu liefern, und Headbanger sind reif für den Physiotherapeuten.

Mit "Road Back To Ruin" habe ich den Erstkontakt zu dieser Band, die mit diesem Album ihren fünften Longplayer vorlegt. Wer hier die Nase in den Wind hält, schnuppert schon wieder diesen leichten, im Trend liegenden Retro-Duft. Nachahmer? Aber woher denn - trotz Retro scheint hier ein Fass Frischware aufgemacht worden zu sein. Das scheppert dermaßen flockig und ungekünstelt-unverkrampft aus den Boxen, als wären hier Wegbereiter am Werk.

Gesang - Heidi Solheim * Gitarre - Espen Elverum Jakobsen * Bass - Åsmund Wilter Eriksson * Schlagzeug - Kim Karlsen * Orgel - Anders Oskal


Der titelgebende Song ---> Road Back To Ruin ist als nächstes fettes Pfund auf der Scheibe gelandet. Eine leichte Verbeugung vor LED ZEPPELIN? Auch auf diesem Song reißt der Dauerstrom nicht ab. Nachdem sich während der ersten ca. drei Minuten vertraut-rhythmische Sicherheit breitmachen könnte, wird am Ende noch ein wenig aufgedreht und die letzte Minute ein bisschen Gas gegeben.

Mit ---> Bluebird habe ich meinen ersten Favoriten auf dem Album ausgemacht. Rotzfrech und saucool groovt der Song und dürfte selbst hüftsteife Stuhlbesetzer zum zappeln bringen. Allerdings ist bei Pristine nicht nur Starkstrom angesagt. Mit der Ballade ---> Aurora Skies gibt es erstmals Gelegenheit, ein wenig Luft zu holen und die ersten sanften Töne zu genießen.

Dass Rockmusik, unterstützt von einem 20-köpfigen Streicher-Ensemble nicht in kitschige Gefilde abrutschen muss, wird mit ---> Cause & Effect bestens unter Beweis gestellt. Eine wunderschöne Ballade, die nach all den vorangegangenen Songs auf dieser Scheibe gar nicht vermutet wird.

Ein wenig orientalisch mutet ---> Blind Spot, mit 7:05 der zweitlängste Song auf dem Silberling an. Dies ist mein weiterer Favorit auf der Scheibe und unterstreicht die Vielfältigkeit der Band ebenso wie ihr handwerkliches Können.

Keines der Stücke dieses Albums weist irgendeine Schwäche auf. Ein Album voller Volltreffer, jeder wäre es wert, als Single ausgekoppelt zu werden. Wenn jedoch eine Band dermaßen in Topform ist, reicht dies einfach nicht für eine schnöde Single. Dann muss eben ein ganzes Album her. Gut so - denn diese Songs bilden eine homogene Einheit, die "am Stück" gehört werden wollen.

Retro-Rock vom Feinsten, voller Spielfreude und Abwechslungsreichtum. Ein vielschichtiges Album, welches für viele Hördurchgänge geeignet ist und dabei nichts von seiner Frische verlieren dürfte. Mich macht es neugierig auf die ersten Veröffentlichungen. Wenn diese ebenso vor Power und Spielfreude nur so strotzen wie dieses Album, dürfte die ein oder andere Neuanschaffung nicht auf sich warten lassen.

...und ganz nebenbei bin ich mir fast sicher, Holger Fischer endlich gepackt zu haben :D

Schmeißt die Nachbarn raus und traut euch, dem Verstärker seine Höchstleistung abzuverlangen. Dann macht das Album noch mehr Laune. Und wenn die Nachbarn sich weigern - für diese Fälle gibt's den Kopfhörer!

Achso - kann sie es? Und ob - wenngleich die Frage an sich natürlich schon einer kleinen Frechheit und Provokation gleichkam. Ob Er oder Sie am Micro steht, sollte völlig schnurze sein. Hauptsache, sie / er versteht sein / ihr Fach.

01 - Sinnerman 3:07
02 - Road Back To Ruin 4:50
03 - Bluebird 5:31
04 - Landslide 3:27
05 - Aurora Skies 5:04
06 - Pioneer 3:02
07 - Blind Spot 7:05
08 - The Sober 3:35
09 - Cause And Effect 6:16
10 - Your Song 3:01
11 - Dead End 2:34
12 - Ghost Chase 7:33
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Re: Pristine - Road Back To Ruin

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Gepostet: 28.07.2019 - 19:36 Uhr  ·  #2
Zusammengefasst neben DeWollf,Kadavar oder Grata van Fleet eine der besten Retro Bands. Sehr gute ausführliche Rezension. Hören und geniessen.
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Re: Pristine - Road Back To Ruin

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Gepostet: 29.07.2019 - 16:00 Uhr  ·  #3
Mit Deinem Erstkontakt liegst du zumindest bei mir mit der Nase vorne. Ich kenne nur ihre ersten beiden Alben, mehr nicht.

Das aktuelle Werk hast Du sehr informativ vorgestellt und mich natürlich neugierig gemacht.

Pristine zählt für mich neben den bereits erwähnten Kadavar, den Blues Pills und The Vintage Caravan zu den angesagtesten Bands der neueren Zeit.

Wolfgang, besten Dank für diese detaillierte und sehr schön geschriebene Vorstellung! :-)
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Re: Pristine - Road Back To Ruin

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Gepostet: 29.07.2019 - 17:27 Uhr  ·  #4
Und wieder präsentiert badMoon eine auf den Punkt gebrachte Rezi über eine Band, die sich dem Retrorock verschrieben hat und sich sicherlich zu den gehaltvolleren Bands dieses Genre zählen darf.
Die Favoritenlage unter diesen Bands dürfte zwar von Artist zu Artist unterschiedlich ausfallen, aber Pristine haben es geschafft, bei ihren Neuerscheinungen immer wieder einen Brikett draufzusatteln, um nicht im bisherigen Fahrwasser zu verweilen oder gar steckenzubleiben, sondern um immer neue feine Akzente zu setzen. Und die druckvolle Produktion rundet das Sahnehäppchen vollends ab.
Insofern kann ich mich dem OMM Leitspruch nur anschließen: Festschnallen, Hören und Genießen .......
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Re: Pristine - Road Back To Ruin

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Gepostet: 29.07.2019 - 20:14 Uhr  ·  #5
Zitat geschrieben von badMoon


...und ganz nebenbei bin ich mir fast sicher, Holger Fischer endlich gepackt zu haben :D



Hast getroffen. Selbstverständlich!

Die vorgestellte Scheibe kannte ich noch nicht. Also erst einmal besten Dank dafür.

Bisher habe ich:

Detoxing
No Regret
Reboot
Ninja

von Pristine. Road Back To Ruin wird dazukommen.
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Re: Pristine - Road Back To Ruin

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Gepostet: 30.07.2019 - 11:04 Uhr  ·  #6
Zitat geschrieben von holger_fischer

Hast getroffen. Selbstverständlich!

Die vorgestellte Scheibe kannte ich noch nicht. Also erst einmal besten Dank dafür.

Bisher habe ich:
...
von Pristine. Road Back To Ruin wird dazukommen.


Vier Scheiben, und ich lass hier den Mollie raus :( . Wenigstens lag ich mit meiner Vermutung richtig 8).
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Re: Pristine - Road Back To Ruin

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Gepostet: 30.07.2019 - 13:42 Uhr  ·  #7
Woher nur kenne ich diese Stimme ? Stone The Crows, Shocking Blue ??
Ähnlich wie bei Greta van Fleet, dort ist es fast R. Plant

Aber ok, macht Spaß die Musik.
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Re: Pristine - Road Back To Ruin

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Gepostet: 30.07.2019 - 15:08 Uhr  ·  #8
Das ist es was zählt. Die Musik!
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Re: Pristine - Road Back To Ruin

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Gepostet: 30.07.2019 - 15:27 Uhr  ·  #9
auch von mir ein herzliches Bedankt!.

Wäre doch fast die neue Pristine an mir vorbeigelaufen.......

Reboot war mein Album des Jahres 2017 (da hab ich´s halt in die Finger gekriegt :-))

Ninja fand ich nicht ganz so gut, aber diese enthusiastische Beschreibung der neuen Scheibe
macht wieder absolut neugierig.

da werde ich doch mal ein Ohr riskieren müßen.

Pristine werden zwar Blood Ceremony bei mir nicht vom Thron stossen
als DIE Retro Rock Band der letzten Jahre, sind aber schon verdammt geil!!!

@Tom:
zumindest für meinen Geschmack sind die ersten beide eher noch unspektakulärer Bluesrock.
Kann dir wirklich nur Empfehlen die Neue und die sehr vielschichtige Reboot anzuhören.
Gerade mit der Reboot ist ihnen schon irgendwie ein musikalischer Neustart gelungen.
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Re: Pristine - Road Back To Ruin

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Gepostet: 02.08.2019 - 08:07 Uhr  ·  #10
Musikalisch echt klasse. Die Sängerin ist mir nur manchmal etwas zu kreischig, aber das ist ja auch Geschmackssache.
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Re: Pristine - Road Back To Ruin

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Gepostet: 02.08.2019 - 09:30 Uhr  ·  #11
diese Band ist mir ebenso wenig bekannt wie neulich die Hong Faux - habe jetzt reingehört - kann man ohne weiteres anhören - wenn die im Radio laufen würden dann würde ich nicht abschalten ;-)

die Sängerin erinnert in manchen Passagen an Darby Mills von den Headpins - die Headpins waren in 1982 in den Rock Discos angesagt - ihr "Breakin' Down" ließ die Discos erbeben...
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Re: Pristine - Road Back To Ruin

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Gepostet: 16.08.2019 - 18:16 Uhr  ·  #12
BadMoon ab und zu bist du mir unheimleich und wir haben den gleichen Geschmack.
Aber bei Pristine hast du ins schwarze getroffen, richtig gute Scheibe. Dankeschön.
Rockbands mit Frauenstimmen gefallen mir überwiegend ob Wucan, Blues Pills oder noch eine andere Band aus Finnland.
Lass dich überraschen :-)
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Re: Pristine - Road Back To Ruin

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Gepostet: 22.08.2019 - 07:29 Uhr  ·  #13
Muss ich mir Sorgen machen? Hat ein Alien Besitz von unserem badMoon übernommen?
Zuerst die Hong Faux, jetzt Pristine...auf einmal hört der Herr RRRROCK. Nicht umsonst auch beides aus Skandinavien, da kann man fast immer blind zugreifen und liegt nicht daneben.
Auch diese Scheibe punktet mit Authentizität, Variabilität und einfach fetten grooves und Sounds. Macht richtig Laune.
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Re: Pristine - Road Back To Ruin

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Gepostet: 22.08.2019 - 17:59 Uhr  ·  #14
Bei Pristine denke/lese ich immer Pristina; nicht so schön, ok. Die Sängerin erinnert mich aber an Frau Tobolsky von Wucan.
Und ob nun Retro oder nicht - die Musik gefällt irgendwie. Muss mal schauen, ob da nicht irgendwo in der Abteilung "Billig will ich" etwas rumliegt.

Danke für den Beitrag.

radiot grüßt! 8)
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