Skid Row - same

 
firebyrd
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Skid Row - same

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Gepostet: 19.06.2006 - 11:28 Uhr  ·  #1
Es war 1970, als ich das erste Mal Bekanntschaft machte mit Skid Row.


Ein Freund hatte mir ein Stück von einem CBS-Sampler vorgespielt, und zwar „An Awful Lot Of Woman“.


Ich war leicht irritiert, denn so etwas „Irres“ hatte ich bis dato in dieser Form nicht gehört.


Das Stück hetzt förmlich los mit stotterndem, fast „rappenden“ Gesang, unterstützt durch im Gleichklang dahinjagende Gitarre, Bass und Schlagzeug, um dann plötzlich überzugehen in einen rockenden Blues mit einem verrückten Gitarrensolo Gary Moore’s, und endet dann genauso hektisch wie es begann, und das alles in knapp 2 Minuten.


Skid Row - das waren damals

Gary Moore, guitar, vocals,
Brendan „Brush“ Shields, bass, vocals ,
Noel Bridgeman, drums, vocals.

Moore und Shields waren damals gerade 17 Jahre alt und Bridgeman, laut Angabe auf dem Cover, etwas älter.


Ursprünglich gegründet wurde die Band von Phil Lynott, der noch vor Erscheinen dieser LP Thin Lizzy ins Leben rief.


Das erste Stück „Mad Dog Woman“ ist so verrückt, wie der Titel es ahnen läßt.

Ständige Rhythmuswechsel sorgen auch hier für enorme Hektik, der Drummer schlägt keinen ständigen Takt - alles hetzt und wechselt, Moore’s Gitarre jault, Bongotrommeln(hier vielleicht kurzzeitig Ähnlichkeiten zur damaligen verrückten Truppe von Sam Gopal???) brechen das Stück auf, bevor alles weiterhetzt bis zum verwirrenden Schluss.


„Virgo’s Daughter“ ist da nicht besser. Indianisch anmutende Sounds beginnen und beenden das Stück, das zwischendurch dann wieder in den Wahnsinn abhebt, von Stakkatorhythmen kurz unterbrochen und durch ein psychedelisches Moore-Solo verfeinert.


„Heading Home Again“, da glaubt man Jerry Garcia zu hören, mit Country-Elementen, unterlegt mit klackerndem Schlagzeug, auf dem Rand der Snare gespielt.

Dann das eingangs beschriebene „An Awful Lot Of Woman“.


Und dann der BLUES - und wie!

„Unco-Up Showband Blues“ kommt ungeheuer schleppend/dehnbar/rollend, auch hier immer wieder mit kleinen Breaks, für kleine zusätzliche Soloeinlagen der Musiker.

Auch hier zeigt Moore eine äußerst ungewöhnliche Spielweise, manchmal an Eelco Gelling von Cuby + Blizzards erinnernd.
Er bricht ständig aus dem Schema aus, spielt auch unsauber, und „rotzt“ so richtig los.(jugendlicher Übermut?)

„For Those Who Do“ - der Start hat etwas, das an das Mahavishnu Orchestra McLaughlin’s erinnert - die Band hat hier einfach alles probiert, auch solche ROCK-Jazz- Elemente, eben mit der Betonung auf Rock - die Band strotzt vor Energie.(absolut irre der lange Schluss des Stückes!!!!!)


„After I’m Gone“ - auch hier wieder ein treibendes, hetzendes Stück wie „An Awful Lot Of Woman“ mit ständigen Wechseln, gepackt in knapp 3 Minuten. (wäre also etwas für den European Song Contest als Beitrag Irlands!)

„The Man Who Never Was“ - das gleiche in 2 Minuten , 30 Sekunden! ( ein tranceartiges Thema, schreiende Gitarren)

Dann 11 Minuten und11 Sekunden „Felicity“, das letzte Stück!

Das swingt gleich sehr jazzmäßig los. Spätestens hier merkt man dann auch, dass man es mit sehr guten Musikern zu tun hat.


Fazit der Platte ist letztlich, das sich die Band in einer Entwicklungsphase befand, die noch kein klares Ziel vorgab.
Eine spezifische Richtung ist hier nicht zu erkennen. Jedes einzelne Stück hat dadurch seine eigene Charakteristik und die CD ist sehr kurzweilig und man kann viel entdecken.

Im letzten Stück versucht Skid Row dann auch kräftig zu experimentieren; da kommen Anklänge an Hendrix’ „Electric Ladyland“ durch, Zitate aus den anderen Stücken werden wieder aufgegriffen, Improvisation ist angesagt, ein tolles Stück, Moore spielt sich die Seele aus dem Leib, so locker war er später nicht mehr.


Es gab damals einfach nichts vergleichbares. Die Band war zu ungewöhnlich, als dass sie kommerziell hätte Fuß fassen können


Die danach folgende Veröffentlichung „34 hours“ verschafft da schon einen leichteren Einstieg in die Musik Skid Row’s, brachte zwar noch einen Auftritt im Beat-Club, aber der Erfolg blieb letztlich aus.


Gut, was aus Moore wurde, wissen wir.

Vom Bassisten weiß ich nur, dass er noch einige Soloscheiben veröffentlichte, die recht ruhig waren, pop-folk-leicht blues-orientiert.

Bridgeman ist noch heute aktiv, er ist irgendwann in die Irish Folk-Szene eingestiegen ,wo er als Sessionmusiker drums, bodhran und Akkordeon spielt.



Hier alle Titel:


1. "Mad Dog Woman" (3:46)
2. "Virgo's Daughter" (4:22)
3. "Heading Home Again" (2:43)
4. "An Awful Lot of Woman" (2:05)
5. "Unco-Up Showband Blues" (6:11)
6. "For Those Who Do" (4:53)
7. "After I'm Gone" (2:53)
8. "Man Who Never Was" (2:29)
9. "Felicity" (11:11)
Wolfgang


P.S.:

Seinerzeit gab es 2 Ausgabe als LP.

Ich verweise auf die anliegenden Cover. Auf der LP mit dem unteren Cover gab es eine andere Titelfolge und auch teils ganz andere Abmischungen. Die CD mit diesem Cover ist hinsichtlich der Musik dann wieder identisch mit jener mit dem obigen Cover.

Weiß jemand Näheres darüber????
firebyrd
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Re: Skid Row - same

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Gepostet: 26.06.2009 - 12:58 Uhr  ·  #2
Das Teil gehört auch wieder nach oben, "frisch gestrichen" und überarbeitet! :8)
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Re: Skid Row - same

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Gepostet: 26.06.2009 - 14:31 Uhr  ·  #3
Lustig finde ich, dass auch ich die Band ebengenau über diesen Sampler und den Song „An Awful Lot Of Woman“ kennenlernte: der Sampler ist Rock Buster mit Arnie drauf.
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Re: Skid Row - same

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Gepostet: 26.06.2009 - 20:20 Uhr  ·  #4
Zitat geschrieben von wingevil
Lustig finde ich, dass auch ich die Band ebengenau über diesen Sampler und den Song „An Awful Lot Of Woman“ kennenlernte: der Sampler ist Rock Buster mit Arnie drauf.


Danke - genau den meinte ich!!! :8)
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Re: Skid Row - same

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Gepostet: 18.01.2012 - 19:06 Uhr  ·  #5
War doch gerade erst im "Brezel", also hoch damit! 😉
Tom Cody
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Re: Skid Row - same

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Gepostet: 07.09.2026 - 12:18 Uhr  ·  #6
Und nun wieder mit Farbe: :police:

firebyrd
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Re: Skid Row - same

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Gepostet: 07.09.2026 - 18:04 Uhr  ·  #7
hmc
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Re: Skid Row - same

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Gepostet: 09.09.2026 - 13:03 Uhr  ·  #8
@FB, 20 Jahre ist es her, als du das geschrieben hast; irre.
firebyrd
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Re: Skid Row - same

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Gepostet: 09.09.2026 - 13:17 Uhr  ·  #9
Jersch
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Re: Skid Row - same

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Gepostet: 09.09.2026 - 15:44 Uhr  ·  #10
SKID ROW waren für mich in Ihren Kompositionen zu unfertig, zu holpernd und der Gesang von SHIELDS nervte auch ab und an ein wenig. An diese Eindrücken änderten auch spätere Hörversuche wenig , so das es nie zu einem Kauf von Tonträgern der Band kam.

Recht herzlichen Dank für die Rezension.
badger
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Re: Skid Row - same

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Gepostet: Gestern um 18:33 Uhr  ·  #11
Komme gerade so zufällig vorbei und lese hier von unfertigen Kompositionen und nervigem Gesang...?

Denn es war gerade Brendan "The Brush" Shiels, der Skid Row -auch durch seine Stimme- ausmachte und der die Band
1967 gründete (zuerst unter dem natürlich nicht ernsthaften Namen 'My Father's Moustache'), in der ersten Firmirung
mit Bernie Cheevers (guit) und Robbie Brennan (drums); später ersetzt durch Nollaig 'Noel' Bridgeman.

Die o.a. Rezission als solche ist ganz hervorragend und beschreibt die Skid Row- Mucke ausgezeichnet,
...aber das Phil Lynott mit der Gründung zu tun hatte, stimmt nicht.
Er war einer jener immer etwas auf der Kippe stehender Rumtreiber, dem Brendan eine Chance gab, die Phil letztendlich nicht nutzen konnte (Drogen, etc.),
....was hier ganz wundersamerweise einmal zu einer perfekten Lösung führte:
Brendan schmiß Phil raus, brachte ihm aber vorher noch das Bass-spielen bei und half damit Thin Lizzy auf den Weg zu ihren ersten beiden fantastischen, weil rein auf Dublin/Irland ausgerichteten LPs).

Skid Row waren auch eine rein Dubliner Band (wie die Original-Thin Lizzys...) und gerade das machte beide
Truppen so ungeheuer besonders. Deswegen war auch Gary Moore, ebenfalls eher ein 'Drifter'; nur ein Reingeschneiter.

Gut Gitarre spielen.. ja, das konnte er, aber die wirklich großen 'kompositorischen' Akzente (und Texte) kamen immer
von Brush; die spätere Vermarktung nach dem Motto 'Gary Moore's Skid Row' ist ein äußerst befremdlicher und
unlustiger Scherz. Ein Bandleader war Gary schon deshalb nicht, weil er sich auf der Bühne vor Schüchternheit
hinter den Lautsprechern versteckte; bestenfalls seinen Rücken sah man. Eigene Stücke hat er nicht wirklich
geschrieben, bestenfalls Soli.

Das es nach Gary's Abgang mit Skid Row nicht mehr richtig weiterging hat total andere Gründe:
die Band hätte nach London verziehen und die Welt betouren müssen; hätte durch diese Tretmühle gemußt
auf die Shiels einfach KEINE LUST hatte. Vielleicht unglaublich, aber wahr: er trinkt nicht, raucht nicht, nimmt keine
Drogen (speziell das Letzter erklärt welche Probleme er mit Phil und Gary hatte); ist immer noch mit der selben
Frau verheiratet; er hat ja auch Recht mit seinen Aussagen zu 'Dublin Girls'...
In kleinen Clubs vor Freunden spielen, Spaß haben, ohne sich dabei kaputt zumachen...
Ohne Scherz: er arbeitet in diversen sozialen Projekten mit und wenn Du ihn triffst, sitzt er vor einem Glas
Orangade. Ein Langweiler war er trotzdem nie...

Sein Humor, der sich auch in Titel wie 'Ne Menge Weib' (An Awful Lot Of Woman) oder Night Of The Warm
Witch offeriert, ist natürlich außerhalb Irlands nicht so nachvollziehbar und 'Unco-Up Showband Blues' macht
erneut wieder nur Sinn, wenn Du weißt, was eine 'Showband' darstellte.... WÜRG!

Dies alles mit der doch hundertprozent passenden Innercity-Stimme runtergesungen... Gute Güte, besser
KANN man es doch nicht singen.
Und die sehr komplexen musikalischen Tempi-, bzw. Melodiewechsel waren nachgerade das, was Skid Row
so speziell und aufregend machte.

Eine weitere kleine Korrektur zum o.a. Text: Gary Moore war der Einzige, der auf dem Debut noch 17 Lenze
zählte; Shiels war 'etwas' älter, nämlich fast 8 Jahre und Bridgeman so ca. 7 Jahre....

Es gäbe noch viel zu sagen über die Bedeutung von Skid Row, alleine über Noel Bridgeman (der gesuchteste
und geschätzteste Drummer des Landes, mit hunderten von Platten-Session vom reinen Jazz bis zum Blues
und Rock....
...aber es muß auch mal genug sein....
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