Bin gerade eingedöst und hänge leicht komatös auf meiner Knautsch, als es heftig gegen die Tür rummst. Vehement, penetrant, energisch und kein: „verpiesel Dich, ich bleib hier sitzen“ – Gedanken zulassend.
OK, ich schnappe meine Fernbedienung und öffne die Tür. Hölle, da schieben sich zuerst zwei Füße, über dem Boden schwebend, in meine Bude. Und auf einmal – ZACK!!!! – kommt der alte Schäuble reingerollt. Mit irrem Blick und sabbernd fixiert er mich und wirft mir an die Birne, dass ich ja wohl seinen Laden nicht gewählt hätte. Seit Monaten beobachtet er mich, lässt mich verfolgen, spinzt meinen Rechner aus und unterstellt mir kooperative Treffen mit Irren in Arnsberg.
Nachdem ich mich gesammelt habe, punk ich ihn an: „…steh auf, Du Lusche, wenn Du mit mir redest. Sonst stech ich Dir die Reifen platt“.
Sein Grinsen wird breiter, während er sich, zu meiner Riesen-Überraschung, langsam erhebt, sich mehr und mehr aufbläht und schnoddert: „Da guckste, wa?“
Seine einsetzenden Schimpfattacken werden immer unflätiger, und während er sich wild-sinnlos gebärdet, rutscht ihm langsam sein Hemd hinunter, sodass ich eine Halskette erblicken kann. Ein Herz hängt an der Kette, durch das das Wort „Hannelore“ wie ein Pfeil hindurchsticht.
Erst als er meinen erstaunten Blick, auf seine Kette geheftet, bemerkt, hören seine Schimpfattacken auf. Sein Gesichtsausdruck wandelt sich von böse nach dämlich. Schäuble scheint zu wachsen, größer zu werden, korpulenter zu werden. Die Vergrößerung hört gar nicht auf, und auch sein Aussehen verändert sich, …Hölle, da steht Kohl vor mir. Was geht denn hier ab????
„
Du Swerg, hafst fohl gedacht, ich sei Gechichte, hm????“
Aus seinen Hosentaschen quellen Geldscheine und nicht unterschriebene Spendenquittungen, rieseln auf den Bodern, und er gackert wie irre – also, so, wie er nunmal ist. Fängt an, von seiner tollen Kanzlerzeit zu schwadronieren, dass wir ihm die Wiedervereinigung zu verdanken hätten, wir undankbares Pack, und schwadroniert und schwadroniert.
Ich kann’s nicht mehr hören. Reiße den Tonarm vom Plattenspieler und steche ihm die am Tag vorher angespitzte Diamantnadel auf die Nasenspitze.
Ein Fehler!!! Aus dem frischen Loch entweicht Luft, unsagbar viel heiße Luft und vernebelt mir die Wohnung. Und – wie seltsam: Kohl wird kleiner, aber nicht weniger korpulent. Auch seine Frisur ändert sich, kleine Brüstchen zeichnen sich durch sein Jaket, von dem bis auf drei Knöpfe alle übrigen abfallen, ab.
Ein Knall – und vor mir steht dat Angela, kommt quasi aus dem Kohl gekrochen. Ihre Mundwinkel hängen ihr weit über die Schultern, ihr obligatorisches Jäckchen sitzt zu knapp, sodass bei ihr „bauchfrei“ angesagt ist. Rechts vom Bauchnabel trägt sie zu meiner Überraschung ein Tattoo – eine Sichel, gekreuzt von einem Hammer. Ich weiß zwar nicht, was das bedeutet, aber es sieht Scheiße aus. Irgendwie aus der Form gekommen, denke ich.
Leicht von unten beglotzt sie mich mit ihrem Dackelblick und reibt mir meinen Wahlschein unter die Nase. Und reibt und reibt, und meine Nase wird heißer und heißer und scheint zu glühen. Unerträglich, es beginnt, nach verbranntem Fleisch zu riechen, als ich endlich ganz laut
HILFEEEEEE!!!!!!!!!!!!!!
schreie.
Urplötzlich, in blauem Kostüm mit rotem Cape, auf dem riesengroß ein
„S“
gewebt ist, kommt meine Rettung durchs Fenster angerauscht:
Stanweb!!!
Mit einem kurzen, kräftigen Kick befördert er dat Angela per Fuß aus dem Fenster, geradewegs nach Kryptomanien.
„
Na, Schlagerfuzzi. Alles paletti? Komm, trink Dir erst einmal ein lecker Jever Pils“
Ich grinse leicht. Schmunzel, lache. Mein Lachen wird lauter, ich kann es nicht zurückhalten, und Stanweb wirkt leicht verunsichert.
Klar, ein Albtraum. Niemand, wirklich NIEMAND würde zu einem Jever Pils „Lecker“ sagen. Nun weiß ich, dass ich mich in einem Albtraum befand.
Nein! Lecker – das würde NIEMAND zu einem Jever Pils sagen, nicht einmal im schlimmsten Albtraum.
Außer …
…
mich graut es! Stanweb mutiert, seine Haare wachsen, er beginnt, „Mornig Dew“ in der ExtraVerySuperLongVersion zu summen,
Ich muss hier raus. Ab auf die Insel.
Welche 25 Scheibchen ich dahin mitnehme, erzähle ich in Kürze. An anderer, geeigneter Stelle. Aber im gleichen Theater.