So, wie versprochen, eine meiner "Inselalben" etwas näher vorgestellt.
King's X - Gretchen Goes To Nebraska
01. Out Of The Silent Planet (5:44)
02. Over My Head (4:47)
03. Summerland (3:17)
04. Everbody Knows A Little Bit Of Something (3:57)
05. The Difference (In the Garden Of St.Anne’s-on-the-Hill) (3:08)
06. I’ll Never Be The Same (4:57)
07. Mission (5:00)
08. Fall On Me (4:03)
09. Pleiades (4:42)
10. Don’t Believe It (It’s Easier Said Than Done) (3:06)
11. Send A Message (4:02)
12. The Burning Down (5:15)
Doug Pinnick: Bass, Guitar & Vocals
Ty Tabor: Guitars, Dulcimer, Sitar, Wooden Flute & Vocals
Jerry Gaskill: Drums, Percussion & Vocals
produziert von Sam Taylor & King's X
1989, Atlantic
Gretchen Goes To Nebraska – der etwas merkwürdige Titel beruht auf einer Kurzgeschichte von Drummer Jerry Gaskill (es ist also ein Konzeptalbum) – war die zweite Scheibe des texanischen Groove-Rock-Trios King’s X. Nach mehr als 25 Jahren Bandgeschichte (Schlagzeuger Jerry Gaskill und Sänger/Bassist Doug Pinnick spielen sogar schon seit 1979 zusammen) für mich und viele Wegbegleiter der Band immer noch ihre beste.
Denn hier funktioniert der für die Band zum Trademark gewordene Sound – eine Vermischung von harten, groovigen Riffs, Beatles-Harmonien und wunderbarem, mehrstimmigem Gesang – einfach perfekt.
Der Opener “Out Of The Silent Planet“ trägt den gleichen Titel wie das Debütalbum des Trios, ein kleiner “Gag” für die (wie ich finde viel zu wenigen, aber dazu mehr) Fans von King’s X. Ein Sitar-Intro wird abgelöst von einem irgendwie schrägen, aber zwingenden Groove und gleich taucht dieser mehrstimmige, Gesang auf. Danach gibt es gleich d e n Bandklassiker schlechthin: beim ungeheuer groovenden “Over My Head“ singt sich Doug Pinnick die Seele aus dem Leib und Ty Tabor glänzt mit einem seiner furiosen und doch ungeheuer ökonmischen Soli. Überhaupt die Stärke dieser Platte: jeder Ton sitzt da, wo er sitzen muss. Dieses Stück ist live natürlich ein ganz besonderer Kracher, wie überhaupt die ganze Band auf der Bühne erst so richtig auflebt.
Das nachfolgende “Summerland“ ist ein weiterer atmosphärisch gelungener Midtempo-Song mit tollem Harmoniegesang, der nach dem Solo von Ty kurz etwas anzieht, um dann wieder in Wohlklang zu enden.
“Everybody Knows A Little Bit Of Something“ ist wieder einer der Doug-Pinnick-Songs – mit pluckerndem Groove, langsam, aber stetig vorantreibend. “The Difference“ ist ein echter Ty-Tabor-Song: sehr psychedelisch, eher ruhig gehalten, mit dem Hauptaugenmerk auf die (ständig wechselnden)
Harmonien.
“I’ll Never Be The Same“ zieht das Tempo wieder an; über dem treibenden Groove schlängelt sich Ty Tabors Gitarre zu einem weiteren hörenswerte Solo hinauf. “Mission“ beginnt mit einem Orgel-Intro, wird aber dann zu einem bluesig-groovenden Rocker. Bei “Fall On Me“ gibt einmal Ty Tabor den Groove mit der Gitarre vor – und darf wieder mal tüchtig solieren. Die Ballade “Pleiades“ schleicht sich auf leisen Sohlen an und verbreitet einfach nur Wärme und Wohlklang, wobei dieser immer mal wieder von einem bohrenden Riff konterkariert wird, nur um dann wieder in die Harmonieseligkeit zurückzukehren.
“Don’t Believe It“ ist ein kurzer, knackiger, stampfender Rocker, während “Send A Message“ als einziges vielleicht etwas unentschieden wirkt, zwischen melodischem Gesang und Riff-Rock. Immerhin ein ordentlich “freakiges“ Solo von Ty Tabor. Zum Abschluss werden bei “The Burning Down“ nochmals alles psychedelischen Register gezogen: toller mehrstimmiger Gesang, ein entspanntes Grundgefühl, ein allmähliches Ausfasern der Melodiestränge und Ty Tabor an der Querflöte sorgen für einen gelungenen Ausklang.
Diese Scheibe ist sicherlich die psychedelischste von King’s X, die den unverkennbaren Sound mit tiefer gestimmten Gitarren, zupackend groovigen, oft funkigen Hardrock-Riffs bei mäßigem Tempo und wunderbarem, mehrstimmigem Harmoniegesang unter der Leitung vom damaligen King’s X Haus- und Hofproduzent Sam Taylor perfektioniert hat Das Songwriting passt hier einfach wunderbar und sämtliche Arrangements sind stimmig und geschmackvoll ausgearbeitet. Doug Pinnick ist ein fabelhafter Sänger mit reichlich Soul in der Stimme und einem untrüglichen Gespür für unwiderstehlich groovende Hooklines, während Ty Tabor als ausgleichendes Element mit einem Sinn für Harmonie (im doppelten Wortsinne) wirkt. Dass der Mann dazu fantastisch Gitarre spielt (mit einem kleinen Schuss ins Progressive) hat er darüber hinaus ja auch schon bei JELLY JAM oder PLATYPUS bewiesen, hier bedient er auch noch Sitar und Dulcimer. Schlagzeuger Jerry Gaskill bietet zwar nichts Spektakuläres, hält den Laden aber verlässlich und solide zusammen.
Trotz der unbestrittenen Qualitäten der Band mochte sich der ganz große Erfolg nie einstellen: für die Metal-Fraktion waren sie wohl zu langsam und zu “weich“, für die Schmuserocker dann doch zu heftig. Dazu kam, dass die Band sich zu ihrem christlichen Glauben bekannt hat (was sich auch gelegentlich in den Texten niederschlägt), da wird man, zumindest in den Staaten, dann auch ganz schnell in diese Schublade gesteckt und von den falschen Leuten vereinnahmt. Hinzu kommen dann noch ganz und gar unchristliche Reaktionen, als Doug Pinnick sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte.
Der Super-Gau hierzulande war, als King’s X im Vorprogramm von AC/DC spielen “durfte“ (welch tolle Idee der Bookingagentur!). Die Fans der australischen Geradeaus-Rocker reagierten auf die ungewohnt “vielschichtigen“ Töne, vorsichtig ausgedrückt, desinteressiert und liefen entweder zum Bierstand oder pfiffen die Vorgruppe ziemlich massiv aus. Bei King’s X entwickelte sich ein regelrechtes Trauma, das in dem Song “Lost In Germany“ (vom Album “King’s X“ von 1992 – unbetitelt aufgrund neuer Plattenfirma)
Verarbeitet wurde und dazu führte, dass sich die Band hier einige Zeit relativ rar machte.
Im Laufe der Jahre hat die Band ein wenig herumexperimentiert (man wurde zwischendurch – bei “Ear Candy“ etwas poppiger, dann bei “Tape Head“ wieder ein wenig härter), ohne die Grundausrichtung wesentlich zu verändern. Zu jeder Zeit hat man eigentlich starke Musik abgeliefert, allenfalls das etwas zusammengestückelte Livealbum fällt etwas ab (vor allem wenn man um die Livequalitäten der Band weiß), aber das ist wohl auch eine Sache der Plattenfirma gewesen. Jedenfalls ist “Gretchen Goes To Nebraska“ zusammen mit dem etwas kantigeren Album “Dogman“ das geschlossenste, stärkste Werk von King’s X, das eigentlich in keiner Sammlung eines Rockfans fehlen sollte.
King's X - Gretchen Goes To Nebraska
01. Out Of The Silent Planet (5:44)
02. Over My Head (4:47)
03. Summerland (3:17)
04. Everbody Knows A Little Bit Of Something (3:57)
05. The Difference (In the Garden Of St.Anne’s-on-the-Hill) (3:08)
06. I’ll Never Be The Same (4:57)
07. Mission (5:00)
08. Fall On Me (4:03)
09. Pleiades (4:42)
10. Don’t Believe It (It’s Easier Said Than Done) (3:06)
11. Send A Message (4:02)
12. The Burning Down (5:15)
Doug Pinnick: Bass, Guitar & Vocals
Ty Tabor: Guitars, Dulcimer, Sitar, Wooden Flute & Vocals
Jerry Gaskill: Drums, Percussion & Vocals
produziert von Sam Taylor & King's X
1989, Atlantic
Gretchen Goes To Nebraska – der etwas merkwürdige Titel beruht auf einer Kurzgeschichte von Drummer Jerry Gaskill (es ist also ein Konzeptalbum) – war die zweite Scheibe des texanischen Groove-Rock-Trios King’s X. Nach mehr als 25 Jahren Bandgeschichte (Schlagzeuger Jerry Gaskill und Sänger/Bassist Doug Pinnick spielen sogar schon seit 1979 zusammen) für mich und viele Wegbegleiter der Band immer noch ihre beste.
Denn hier funktioniert der für die Band zum Trademark gewordene Sound – eine Vermischung von harten, groovigen Riffs, Beatles-Harmonien und wunderbarem, mehrstimmigem Gesang – einfach perfekt.
Der Opener “Out Of The Silent Planet“ trägt den gleichen Titel wie das Debütalbum des Trios, ein kleiner “Gag” für die (wie ich finde viel zu wenigen, aber dazu mehr) Fans von King’s X. Ein Sitar-Intro wird abgelöst von einem irgendwie schrägen, aber zwingenden Groove und gleich taucht dieser mehrstimmige, Gesang auf. Danach gibt es gleich d e n Bandklassiker schlechthin: beim ungeheuer groovenden “Over My Head“ singt sich Doug Pinnick die Seele aus dem Leib und Ty Tabor glänzt mit einem seiner furiosen und doch ungeheuer ökonmischen Soli. Überhaupt die Stärke dieser Platte: jeder Ton sitzt da, wo er sitzen muss. Dieses Stück ist live natürlich ein ganz besonderer Kracher, wie überhaupt die ganze Band auf der Bühne erst so richtig auflebt.
Das nachfolgende “Summerland“ ist ein weiterer atmosphärisch gelungener Midtempo-Song mit tollem Harmoniegesang, der nach dem Solo von Ty kurz etwas anzieht, um dann wieder in Wohlklang zu enden.
“Everybody Knows A Little Bit Of Something“ ist wieder einer der Doug-Pinnick-Songs – mit pluckerndem Groove, langsam, aber stetig vorantreibend. “The Difference“ ist ein echter Ty-Tabor-Song: sehr psychedelisch, eher ruhig gehalten, mit dem Hauptaugenmerk auf die (ständig wechselnden)
Harmonien.
“I’ll Never Be The Same“ zieht das Tempo wieder an; über dem treibenden Groove schlängelt sich Ty Tabors Gitarre zu einem weiteren hörenswerte Solo hinauf. “Mission“ beginnt mit einem Orgel-Intro, wird aber dann zu einem bluesig-groovenden Rocker. Bei “Fall On Me“ gibt einmal Ty Tabor den Groove mit der Gitarre vor – und darf wieder mal tüchtig solieren. Die Ballade “Pleiades“ schleicht sich auf leisen Sohlen an und verbreitet einfach nur Wärme und Wohlklang, wobei dieser immer mal wieder von einem bohrenden Riff konterkariert wird, nur um dann wieder in die Harmonieseligkeit zurückzukehren.
“Don’t Believe It“ ist ein kurzer, knackiger, stampfender Rocker, während “Send A Message“ als einziges vielleicht etwas unentschieden wirkt, zwischen melodischem Gesang und Riff-Rock. Immerhin ein ordentlich “freakiges“ Solo von Ty Tabor. Zum Abschluss werden bei “The Burning Down“ nochmals alles psychedelischen Register gezogen: toller mehrstimmiger Gesang, ein entspanntes Grundgefühl, ein allmähliches Ausfasern der Melodiestränge und Ty Tabor an der Querflöte sorgen für einen gelungenen Ausklang.
Diese Scheibe ist sicherlich die psychedelischste von King’s X, die den unverkennbaren Sound mit tiefer gestimmten Gitarren, zupackend groovigen, oft funkigen Hardrock-Riffs bei mäßigem Tempo und wunderbarem, mehrstimmigem Harmoniegesang unter der Leitung vom damaligen King’s X Haus- und Hofproduzent Sam Taylor perfektioniert hat Das Songwriting passt hier einfach wunderbar und sämtliche Arrangements sind stimmig und geschmackvoll ausgearbeitet. Doug Pinnick ist ein fabelhafter Sänger mit reichlich Soul in der Stimme und einem untrüglichen Gespür für unwiderstehlich groovende Hooklines, während Ty Tabor als ausgleichendes Element mit einem Sinn für Harmonie (im doppelten Wortsinne) wirkt. Dass der Mann dazu fantastisch Gitarre spielt (mit einem kleinen Schuss ins Progressive) hat er darüber hinaus ja auch schon bei JELLY JAM oder PLATYPUS bewiesen, hier bedient er auch noch Sitar und Dulcimer. Schlagzeuger Jerry Gaskill bietet zwar nichts Spektakuläres, hält den Laden aber verlässlich und solide zusammen.
Trotz der unbestrittenen Qualitäten der Band mochte sich der ganz große Erfolg nie einstellen: für die Metal-Fraktion waren sie wohl zu langsam und zu “weich“, für die Schmuserocker dann doch zu heftig. Dazu kam, dass die Band sich zu ihrem christlichen Glauben bekannt hat (was sich auch gelegentlich in den Texten niederschlägt), da wird man, zumindest in den Staaten, dann auch ganz schnell in diese Schublade gesteckt und von den falschen Leuten vereinnahmt. Hinzu kommen dann noch ganz und gar unchristliche Reaktionen, als Doug Pinnick sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte.
Der Super-Gau hierzulande war, als King’s X im Vorprogramm von AC/DC spielen “durfte“ (welch tolle Idee der Bookingagentur!). Die Fans der australischen Geradeaus-Rocker reagierten auf die ungewohnt “vielschichtigen“ Töne, vorsichtig ausgedrückt, desinteressiert und liefen entweder zum Bierstand oder pfiffen die Vorgruppe ziemlich massiv aus. Bei King’s X entwickelte sich ein regelrechtes Trauma, das in dem Song “Lost In Germany“ (vom Album “King’s X“ von 1992 – unbetitelt aufgrund neuer Plattenfirma)
Verarbeitet wurde und dazu führte, dass sich die Band hier einige Zeit relativ rar machte.
Im Laufe der Jahre hat die Band ein wenig herumexperimentiert (man wurde zwischendurch – bei “Ear Candy“ etwas poppiger, dann bei “Tape Head“ wieder ein wenig härter), ohne die Grundausrichtung wesentlich zu verändern. Zu jeder Zeit hat man eigentlich starke Musik abgeliefert, allenfalls das etwas zusammengestückelte Livealbum fällt etwas ab (vor allem wenn man um die Livequalitäten der Band weiß), aber das ist wohl auch eine Sache der Plattenfirma gewesen. Jedenfalls ist “Gretchen Goes To Nebraska“ zusammen mit dem etwas kantigeren Album “Dogman“ das geschlossenste, stärkste Werk von King’s X, das eigentlich in keiner Sammlung eines Rockfans fehlen sollte.