Im Forum sprachen wir kürzlich über Britpop. Also habe ich mich mal ein wenig umgeschaut und gezielt nach Bands gesucht, die nicht gerade mit einem großen „Hier kommt der Mainstream!“-Schild durch die Gegend laufen. Die Suche führte mich – wie so oft – irgendwann zu Bandcamp. Ich weiß auch nicht, was die dort treiben, aber wenn man ein bisschen abseits der ausgetretenen Pfade stöbert, fällt einem regelmäßig etwas Interessantes vor die Füße.
Diesmal waren es THE CLEANERS FROM VENUS. Die Band aus Wivenhoe in Essex macht bereits seit Jahrzehnten ihr eigenes Ding und hat mit dem normalen Musikgeschäft offenbar ungefähr so viel am Hut wie ich mit einer Dauerkarte für den Fußball. Martin Newell nimmt seine Musik überwiegend zu Hause auf, gerne mit 4- oder 8-Spur-Technik. Das neue Album „Beryl & Ruff Go Shopping“ wurde ebenfalls zu Hause in Essex aufgenommen – 2025 und 2026, mit einem 8-Spur-Portastudio und „not much else“, wie es bei der Band heißt. Mehr Understatement geht eigentlich kaum.
Was also gibt’s auf die Ohren? Wir werden sehen – beziehungsweise hören.
THE CLEANERS FROM VENUS – Beryl & Ruff Go Shopping | GB 2026 | Indie Pop / Indie Rock
Die Antwort lautet: ziemlich feiner britischer Gitarrenpop mit Jangle-Einschlag, Sixties-Flair, einer Prise Psychedelic und dieser ganz eigenen Lo-Fi-Note. Bei manchen Passagen musste ich tatsächlich an die BEATLES denken. Nicht, weil THE CLEANERS FROM VENUS plötzlich „Penny Lane“ neu erfinden würden, sondern weil da dieses Gespür für Melodien, Harmonien und kleine musikalische Überraschungen vorhanden ist. Man könnte auch sagen: Die BEATLES stehen irgendwo am Straßenrand, winken freundlich und sagen „Macht mal weiter, Jungs“.
„Beryl & Ruff Go Shopping“ ist dabei erfreulich weit weg von der großen Britpop-Pose. Hier wird nicht mit dem Ellenbogen auf den nächsten Stadionplatz geschielt, sondern gemütlich losmusiziert. Gitarren klimpern und schrammeln, Melodien kommen um die Ecke, gelegentlich lugt ein psychedelischer Gedanke hervor und über allem liegt dieser angenehm britische Charme. Das Ganze wirkt nie so, als müsse man unbedingt zeigen, was man alles kann. Hier geht es eher nach dem Motto: Wir haben ein paar gute Ideen, setzen uns hin und machen einfach mal eine Platte daraus.
Genau diese Unbekümmertheit gefällt mir. Die Produktion ist hörbar nicht auf Hochglanz gebügelt, aber das passt wie die Faust aufs Auge. Der leicht raue, manchmal beinahe heimische Klang macht einen Teil des Reizes aus. Man hat nicht das Gefühl, in einem sterilen Studio vor einer Armada von Technik zu sitzen, sondern eher, als würde Martin Newell nebenan im Musikzimmer seine Sachen zusammenstöpseln und sagen: „So, hört mal rein.“ Und ehe man sich versieht, sind 44 Minuten weg.
Dabei funktioniert das Album für mich vor allem als Gesamtpaket. Die zwölf Stücke marschieren nicht alle im gleichen Takt, sondern sorgen für genügend Abwechslung. Mal wird es verträumt, mal beschwingt, mal ein wenig schräg. Nie aber so schräg, dass man sich fragt, ob irgendwo gerade jemand den Notausgang sucht. Die Musik bleibt zugänglich und melodisch, ohne deshalb langweilig zu werden. Genau das ist bei einem solchen Album gar nicht selbstverständlich.
Interessant ist auch, dass THE CLEANERS FROM VENUS mit ihrem neuen Album eigentlich gar nicht versuchen, irgendeinem aktuellen Trend hinterherzulaufen. Die Band hat sich ihren eigenen musikalischen Kosmos längst eingerichtet. Britischer Pop, Indie, Jangle, Lo-Fi, ein bisschen Sixties und eine ordentliche Portion Eigenwilligkeit – fertig ist die Laube. Das wirkt angenehm altmodisch und gleichzeitig erstaunlich frisch.
Ich habe „Beryl & Ruff Go Shopping“ natürlich komplett bei Bandcamp durchgehört. Genau deshalb stöbere ich dort so gerne. Man weiß nie, was einem als Nächstes vor die Flinte läuft. Gerade bei Musik abseits des Mainstreams ist Bandcamp inzwischen für mich eine ziemliche Fundgrube. THE CLEANERS FROM VENUS sind dafür ein schönes Beispiel: eine Band, die seit Jahrzehnten praktisch ihr eigenes Süppchen kocht und trotzdem immer wieder mit neuen Veröffentlichungen um die Ecke kommt. Das aktuelle Album ist am 31. Juli 2026 erschienen und kann dort als Download oder CD erworben werden.
Nach dem kompletten Durchlauf war jedenfalls schnell klar: Das könnte was für mein Regal sein. „Beryl & Ruff Go Shopping“ ist keine typische Britpop-Platte, wie man sie nach unserer Forumsdiskussion vielleicht erwarten könnte. Dafür ist sie viel zu eigenständig und zu sehr in der britischen Poptradition verwurzelt. Gerade das macht sie interessant.
THE CLEANERS FROM VENUS haben mich mit dieser kleinen, sympathisch verschrobenen Scheibe jedenfalls ziemlich erwischt. Kein großes Tamtam, keine musikalische Selbstdarstellung, kein „Seht her, wir sind jetzt die neuen OASIS“. Stattdessen zwölf Songs, die gute Laune machen, immer wieder ein Grinsen ins Gesicht zaubern und dabei erstaunlich viel musikalisches Futter mitbringen.
Manchmal muss man eben nicht auf der Hauptstraße bleiben. Ein kleiner Abstecher nach Bandcamp, einmal rechts abgebogen – und schon steht man vor THE CLEANERS FROM VENUS. Für mich hat sich der Umweg jedenfalls gelohnt. Eine Scheibe, die rundum die Laune heben lässt.
[Die Band]
Die offiziellen Credits nennen ausdrücklich: Alle Stücke wurden von Martin Newell geschrieben und in Essex mit einem 8-Spur-Portastudio aufgenommen. Weitere Musiker werden für dieses Album nicht genannt.
[Die Songs]
01. Scenes From Smalltown England 02:48
02. Neverland For Now 02:56
03. Between 2 Floors 03:51
04. Spring Wings In 04:25
05. The Dancers of March 03:48
06. The Vintage Girl 03:38
07. A Paint-stained Radio 03:20
08. Back In Time For The Weekend 04:02
09. Murmurations 03:37
10. Supermoon 04:23
11. Kate's Going Home 03:36
12. Star Commander Blue 03:49
[Im Web]
Zur Homepage der Band: ---> hier entlang
Hören oder kaufen? ---> auf zu Bandcamp
Diesmal waren es THE CLEANERS FROM VENUS. Die Band aus Wivenhoe in Essex macht bereits seit Jahrzehnten ihr eigenes Ding und hat mit dem normalen Musikgeschäft offenbar ungefähr so viel am Hut wie ich mit einer Dauerkarte für den Fußball. Martin Newell nimmt seine Musik überwiegend zu Hause auf, gerne mit 4- oder 8-Spur-Technik. Das neue Album „Beryl & Ruff Go Shopping“ wurde ebenfalls zu Hause in Essex aufgenommen – 2025 und 2026, mit einem 8-Spur-Portastudio und „not much else“, wie es bei der Band heißt. Mehr Understatement geht eigentlich kaum.
Was also gibt’s auf die Ohren? Wir werden sehen – beziehungsweise hören.
THE CLEANERS FROM VENUS – Beryl & Ruff Go Shopping | GB 2026 | Indie Pop / Indie Rock
Die Antwort lautet: ziemlich feiner britischer Gitarrenpop mit Jangle-Einschlag, Sixties-Flair, einer Prise Psychedelic und dieser ganz eigenen Lo-Fi-Note. Bei manchen Passagen musste ich tatsächlich an die BEATLES denken. Nicht, weil THE CLEANERS FROM VENUS plötzlich „Penny Lane“ neu erfinden würden, sondern weil da dieses Gespür für Melodien, Harmonien und kleine musikalische Überraschungen vorhanden ist. Man könnte auch sagen: Die BEATLES stehen irgendwo am Straßenrand, winken freundlich und sagen „Macht mal weiter, Jungs“.
„Beryl & Ruff Go Shopping“ ist dabei erfreulich weit weg von der großen Britpop-Pose. Hier wird nicht mit dem Ellenbogen auf den nächsten Stadionplatz geschielt, sondern gemütlich losmusiziert. Gitarren klimpern und schrammeln, Melodien kommen um die Ecke, gelegentlich lugt ein psychedelischer Gedanke hervor und über allem liegt dieser angenehm britische Charme. Das Ganze wirkt nie so, als müsse man unbedingt zeigen, was man alles kann. Hier geht es eher nach dem Motto: Wir haben ein paar gute Ideen, setzen uns hin und machen einfach mal eine Platte daraus.
Genau diese Unbekümmertheit gefällt mir. Die Produktion ist hörbar nicht auf Hochglanz gebügelt, aber das passt wie die Faust aufs Auge. Der leicht raue, manchmal beinahe heimische Klang macht einen Teil des Reizes aus. Man hat nicht das Gefühl, in einem sterilen Studio vor einer Armada von Technik zu sitzen, sondern eher, als würde Martin Newell nebenan im Musikzimmer seine Sachen zusammenstöpseln und sagen: „So, hört mal rein.“ Und ehe man sich versieht, sind 44 Minuten weg.
Dabei funktioniert das Album für mich vor allem als Gesamtpaket. Die zwölf Stücke marschieren nicht alle im gleichen Takt, sondern sorgen für genügend Abwechslung. Mal wird es verträumt, mal beschwingt, mal ein wenig schräg. Nie aber so schräg, dass man sich fragt, ob irgendwo gerade jemand den Notausgang sucht. Die Musik bleibt zugänglich und melodisch, ohne deshalb langweilig zu werden. Genau das ist bei einem solchen Album gar nicht selbstverständlich.
Interessant ist auch, dass THE CLEANERS FROM VENUS mit ihrem neuen Album eigentlich gar nicht versuchen, irgendeinem aktuellen Trend hinterherzulaufen. Die Band hat sich ihren eigenen musikalischen Kosmos längst eingerichtet. Britischer Pop, Indie, Jangle, Lo-Fi, ein bisschen Sixties und eine ordentliche Portion Eigenwilligkeit – fertig ist die Laube. Das wirkt angenehm altmodisch und gleichzeitig erstaunlich frisch.
Ich habe „Beryl & Ruff Go Shopping“ natürlich komplett bei Bandcamp durchgehört. Genau deshalb stöbere ich dort so gerne. Man weiß nie, was einem als Nächstes vor die Flinte läuft. Gerade bei Musik abseits des Mainstreams ist Bandcamp inzwischen für mich eine ziemliche Fundgrube. THE CLEANERS FROM VENUS sind dafür ein schönes Beispiel: eine Band, die seit Jahrzehnten praktisch ihr eigenes Süppchen kocht und trotzdem immer wieder mit neuen Veröffentlichungen um die Ecke kommt. Das aktuelle Album ist am 31. Juli 2026 erschienen und kann dort als Download oder CD erworben werden.
Nach dem kompletten Durchlauf war jedenfalls schnell klar: Das könnte was für mein Regal sein. „Beryl & Ruff Go Shopping“ ist keine typische Britpop-Platte, wie man sie nach unserer Forumsdiskussion vielleicht erwarten könnte. Dafür ist sie viel zu eigenständig und zu sehr in der britischen Poptradition verwurzelt. Gerade das macht sie interessant.
THE CLEANERS FROM VENUS haben mich mit dieser kleinen, sympathisch verschrobenen Scheibe jedenfalls ziemlich erwischt. Kein großes Tamtam, keine musikalische Selbstdarstellung, kein „Seht her, wir sind jetzt die neuen OASIS“. Stattdessen zwölf Songs, die gute Laune machen, immer wieder ein Grinsen ins Gesicht zaubern und dabei erstaunlich viel musikalisches Futter mitbringen.
Manchmal muss man eben nicht auf der Hauptstraße bleiben. Ein kleiner Abstecher nach Bandcamp, einmal rechts abgebogen – und schon steht man vor THE CLEANERS FROM VENUS. Für mich hat sich der Umweg jedenfalls gelohnt. Eine Scheibe, die rundum die Laune heben lässt.
[Die Band]
Die offiziellen Credits nennen ausdrücklich: Alle Stücke wurden von Martin Newell geschrieben und in Essex mit einem 8-Spur-Portastudio aufgenommen. Weitere Musiker werden für dieses Album nicht genannt.
[Die Songs]
01. Scenes From Smalltown England 02:48
02. Neverland For Now 02:56
03. Between 2 Floors 03:51
04. Spring Wings In 04:25
05. The Dancers of March 03:48
06. The Vintage Girl 03:38
07. A Paint-stained Radio 03:20
08. Back In Time For The Weekend 04:02
09. Murmurations 03:37
10. Supermoon 04:23
11. Kate's Going Home 03:36
12. Star Commander Blue 03:49
[Im Web]
Zur Homepage der Band: ---> hier entlang
Hören oder kaufen? ---> auf zu Bandcamp
Hier stehen noch aus den seeligen 80ern die ersten drei LPs. Einiges andere habe ich mir in den letzten Jahren über BANDCAMP geholt. Es gibt da wirklich so einiges. Newell hat auch einiges unter seinem Namen herausgebracht. Sehr schön sind die BoxSets Volume 1,Volume 2 & Volume 3, die die frühen Aufnahmen (waren ja oft Tapes und nicht originär LPs) enthalten.