Messenger - Illusory Blues| 2014

 
caramel
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Messenger - Illusory Blues| 2014

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Gepostet: 22.02.2026 - 16:32 Uhr  ·  #1
Messenger - Illusory Blues| 2014


Die britische Band MESSENGER wurde 2012 von Khaled Lowe und Barnaby Maddick gegründet. Nach einer Session mit dem Schlagzeuger Jaime Gomez Arellano entstand ihr Debütalbum "Illusory Blues", welches mitnichten ein Bluesalbum ist.
Wenn man unbedingt in Schubladen denken möchte, dann müsste man am ehesten die für Artrock, Psychedelic und Folk aufziehen.

Gleich das erste Stück The Return ist fantastisch. Es beginnt sehr melodisch und verträumt, und durch die zarte, schwebende Flöte bekommt es einen Hauch Folk. Im letzten Drittel wird es dann rockig: Unmerklich hebt erst die Stimme ab, bevor die Gitarre ganz plötzlich hart und ruppig zu dem agressivem, rauem Gesang losrockt. Die letzte Minute klingt ruhig und entspannt mit folkigen Flötentönen aus. Man erkennt erstmals das Talent, Tempo und Dynamik zu variieren. Das erinnert mich ein wenig an die BRIMSTONE SOLAR RADIATION BAND.

Piscean Tide wird von wehmütigen Violinklängen eingeleitet. Wenn der Harmoniegesang einsetzt, werden erstmals Erinnerung an MIDLAKE wach. Die verträumte bis schwermütige Violine, stampfende düstere Percussion und die Harmonie- bzw. Chorgesänge dominieren dieses Lied, bevor eine sanft gezupfte Akustikgitarre den Schlusspunkt setzt.

Dear Departure beginnt betont zurückgenommen. Langsam wird eine leicht bedrohliche Atmosphäre aufgebaut, nicht nur durch die verzerrten Töne. Hier fühle ich mich hin und wieder an die langsamen, melodischen Stücke von ANATHEMA erinnert. Das Video zu diesem Song hebt sich von den anderen ab. Es spielt mit Licht und Schatten, mit Farben und passend zu dem Text, mit den Naturelementen.

Mit dem nächsten Song The Perpetual Glow Of A Setting Sun werden wir auf eine spirituelle Reise durch den Kosmos geschickt. Wundervoller Gesang zu atmosphärischer Instrumentierung, bevor immer wieder leicht orientalisch angehauchte Melodien ertönen und das Lied schließlich in einem melodischen Feuerwerk endet.

Midnight beginnt ganz zart und harmonisch mit akustischer Gitarre. Das Schlagzeug gesellt sich dazu, bevor zurückhaltender Gesang einsetzt. Schnell aber galoppiert der Rhythmus davon und man meint, eine Armee marschieren zu hören. Bevor sich dieses Bild im Kopf festsetzen kann, ertönen wieder ruhige Klänge. Das Stück lebt von seinen ausgedehnten Instrumentalpassagen sowie den Tempi- und Stimmungswechseln. Selbst wenn am Ende die Geige zum Einsatz kommt, hat es einen bedrohlichen Unterton.

Neben The Return ist Somniloquist mein Lieblingsstück auf diesem Album. Dazu hat die Band wieder ein schönes Video gedreht, in dem man die drei Hauptakteure auf ihrer Traumreise begleiten kann. Es wird eine Geschichte erzählt, die von Zuversicht und Hoffnung handelt.
"There's a far away place in the back of your mind
where freedom's not bound by the shackles of time"
...
"there's a forgotten feeling in the depths of your soul
there's a yearning for meaning before you get old"
...
"forge your own chains in the quivering cold and you'll free your soul"
...
"I'm encircled by madness but I've never felt so alive
now this new dawn surrounds me, assures me if just for a while..."


Untermalt wird diese Reise durch melodische und atmosphärische Klanglandschaften. Ein wunderschönes, leider nur kurzes Gitarrensolo in der vierten Minute endet verzerrt und läutet ein etwas rockigeres Ende ein.

Den Abschluss des Albums bildet das sehr ruhig gehaltene Stück Let the Light In. Es beginnt mit sphärischen Sounds, kosmischen Geräuschen und Flöte. Es entsteht eine entrückte Atmosphäre. Der Text ist nur kurz, dafür hören wir hier im Hintergrund schwebende Chorgesänge. Der Mittelteil wird geprägt von akustischer Gitarre und orientalisch angehauchten Tönen. Der Song und damit das Album endet mit einer harten, roh hämmernden Percussion. Verzerrte Gitarren tragen zu dieser bedrohlichen Stimmung bei. Hier hätte ich mir ein etwas zarteres Ende gewünscht, das mich weniger aufgewühlt zurücklässt.



MESSENGER erfinden das Rad sicher nicht neu. In ihrer Musik finden sich Anleihen an verschiedene Musikstile und auch an andere Bands. Aber mit "Illusory Blues" ist der Band wie ich finde ein rundherum gutes und abwechslungsreiches Album gelungen.

Leider verlieren sich die Spuren der Band sehr schnell. 2016 erschien ihr zweites und letztes Album "Threnodies", welches von mir noch erhört werden will.


Titelliste:
1. The Return (5:57)
2. Piscean Tide (5:17)
3. Dear Departure (7:54)
4. The Perpetual Glow of a Setting Sun (5:56)
5. Midnight (8:53)
6. Somniloquist (5:15)
7. Let the Light In (6:12)

Besetzung:
Khaled Lowe: Vocals, Electric & Acoustic Guitars
Barnaby Maddick: Electric/Acoustic/Bass Guitars, Vocals
Jaime Gomez Arellano: Drums, Percussion

Gastmusiker:
Daniel Quill: Violin
Eimear McGeown: Flute
Ivan Sheppard: Keyboards, Additional Percussion
Donato Panaccio: Synths, Additional Percussion
Daniel Knight: Electric Guitars
xanadu
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Re: Messenger - Illusory Blues| 2014

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Gepostet: 28.02.2026 - 09:10 Uhr  ·  #2
caramel
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Re: Messenger - Illusory Blues| 2014

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Gepostet: 01.03.2026 - 13:55 Uhr  ·  #3
Danke Achim,
habe deine Rezi auf Rock Times auch gerade gelesen (natürlich inkl. Hörproben). Schön geschrieben, aber - wie du dir denken kannst - nicht so meine Musik. "Meine" Messenger sind von Headbanging weit entfernt :)
freaksound
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Re: Messenger - Illusory Blues| 2014

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Gepostet: 01.03.2026 - 14:45 Uhr  ·  #4
auch mich hat deine feine Rezi neugierig gemacht.

Ich werde mal ein Ohr riskieren :-)
frimp
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Re: Messenger - Illusory Blues| 2014

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Gepostet: 01.03.2026 - 16:07 Uhr  ·  #5
Schön geschrieben und damit interessant genug, dass ich mir diese bis dato unbekannte Band mal reinpfeifen werde!
Floyd Pink
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Re: Messenger - Illusory Blues| 2014

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Gepostet: 01.03.2026 - 16:26 Uhr  ·  #6
Wirklich nicht schlecht, vor allem da der Fokus doch mehr auf dem Psychedelischen liegt. svart records ist sowieso ein interessantes Label, da kann man fast blind zugreifen. Schade, dass es die band nicht mehr gibt.
freaksound
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Re: Messenger - Illusory Blues| 2014

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Gepostet: 02.03.2026 - 07:29 Uhr  ·  #7
jetzt geht es mir ein bichen so wie bei Van Morrison : "Licht und Schatten"

Songs wie Midnight oder Somniloquist gefallen mir sehr gut.
Beim Rest überwiegt für mich eiin elegisch-getragener Ton der einfach nicht meines ist.

Davon unbenommen aber sehr schön gemachte uund hochwertige Musik.

@ FP : bei Svart blind zugreifen erfordert doch ein gewisses Risikobewusstsein :-)
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