Jon Anderson - Olias Of Sunhillow

 
hmc
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Jon Anderson - Olias Of Sunhillow

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Gepostet: 03.05.2024 - 11:59 Uhr  ·  #1
Jon Anderson - Olias Of Sunhillow
(1976)



Jon Anderson spielte die zentrale Rolle bei Yes. Er ist hauptverantwortlich für Ausrichtung und Philosophie der Musik in der Gruppe, die in den frühen 70ern sehr kosmisch und fernöstlich orientiert war. Jon Anderson schwebte schon immer in etwas anderen Sphären, was er mit seinem ersten Soloalbum nachhaltig unter Beweis stellt.

Jon Anderson lies die Gelegenheit natürlich nicht ungenutzt, als sich Yes Mitte der 70er darauf geeinigt hatten, ein Jahr Pause zu machen, damit jeder einmal Solopfade bestreiten kann. Sozusagen Urlaub von der Gruppe. Anderson selbst schloß sich praktisch alleine weg und nahm das Album fast im Alleingang auf. Er spielt alle Instrumente (so behauptet er zumindest), die hauptsächlich aus vielen Keyboards, einer Harfe, Akustikgitarren und Percussion bestehen.

"Olias Of Sunhillow" ist - es wird keinen wundern - ein sehr mystisches und kosmisches Konzeptalbum über vier Völker, die Musik als Sprache haben und drei Vertreter der Völker, die sich auf eine Reise in den Kosmos begeben und dabei das Lied der Liebe finden... Falls ich die etwas seltsame Geschichte im Booklet richtig verstanden habe.

Die Musik auf dem Album klingt sehr kosmisch, es gibt weltmusikähnliche Vokalsequenzen von Anderson und ausufernde, aber immer sehr gut klingende, Keyboarduntermalung. All das ist eingepackt in sanft fließende, schöne Melodien.

"Olias Of Sunhillow" klingt stets angenehm. Stellenweise scheint man bei den Keyboards und Melodien sogar leichte Einflüsse von Vangelis rauszuhören (vielleicht hat er ja doch ein wenig mitgeholfen...), mit dem Anderson Anfang der 70er zusammenkam und seit dem immer wieder mal mit ihm kooperierte.

"Olias Of Sunhillow" ist natürlich alles andere als Progressive Rock im klassischen Sinn, nicht mal Rock, man kann es am besten als "New-Age"- oder Weltmusik beschreiben. Die Mystik in der Musik und das sehr kosmische Thema wirken heutzutage etwas antiquiert, sehr abgehoben, aber da niemand da war, Anderson zurück auf die Erde zu holen, konnte er sich halt ganz weit nach oben forttragen lassen.

Doch das Album ist sympathisch. Auf die Dauer betrachtet ist mir aber die Musik und auch der stellenweise vorhandene Gesang in einer Fantasiesprache (könnte auch Sanskrit sein...) allerdings zu abgehoben.

Wer "Tales From Topographic Oceans" liebt und hier vor allem solche Werke wie "The Ancient" oder auch "The Remembering", sich alle Rockelemente wegdenkt, bis als Essenz nur noch Andersons dahinfließende Melodien und sein wie immer schöner Gesang übrigbleibt, der sollte auf jeden Fall "Olias Of Sunhillow" in Betracht ziehen. Mystiker und Fernostfans werden wohl auch ihre Freude haben. Wer Progressive Rock à la Yes erwartet oder hören will, der wird wahrscheinlich enttäuscht werden.

Letztlich ist "Olias Of Sunhillow" für sich betrachtet ein durchgängig schönes, meist sehr entspannend wirkendes Album. Wer sich auf den kosmischen Trip einläßt, kann sich von Andersons Chorälen (die Overdubs seiner Stimme klingen wirklich ausgezeichnet), Stammesgesängen und gewaltig dahinströmenden Keyboardteppichen davontragen lassen. "Olias Of Sunhillow" ist von allen Soloalben der Yesmitglieder Mitte der 70er auf jeden Fall mit das beste - zusammen mit dem ganz anders angelegten "Fish Out Of Water" von Chris Squire.

Ein Hinweis noch - Jon Anderson hat danach noch eine Unmenge von Soloalben produziert (vor allem in den 90ern). Man sollte nicht in Gefahr laufen, von der Qualität des Debuts auf die anderen Werke zu schließen. Um es deutlich zu sagen: die allermeisten anderen Soloalben von Jon Anderson sind völlig misslungen.

11 Punkte

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TO für den MuZi
Trurl
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Re: Jon Anderson - Olias Of Sunhillow

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Gepostet: 04.05.2024 - 20:15 Uhr  ·  #2
was soll ich dazu sagen. Ich habe damals auf das Album gefiebert. Wenn ich mich richtig erinnere kam Steve Howes BEGINNINGS etwas früher raus, das fand ich musikalisch schon recht ansprechend (bis auf den grauenhaften Gesang!), aber Anderson war einfach einsame Spitze. Hier ist die Seele von den damaligen YES zu hören, ein Album, wo ich mich einfach unter den Kopfhörer lege, das Licht ausmache (oder draußen unter dem Sternenhimmel liege) und einfach mit der Moorglade davonfliege :-) Das Album käme immer auf meine Insel mit.

trurl
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