Tryon - Freaky Squash Baby

Musik für Aufgeschlossene, für Alle, die von solcher Vielfalt fasziniert sind, und die solche Anforderungen suchen.

 
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Tryon - Freaky Squash Baby

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Gepostet: 16.10.2023 - 18:37 Uhr  ·  #1
Tryon - Freaky Squash Baby

Das Debüt des Projekts Tryon hatte ich einst mit der Platte "Läuterung" vorgestellt. Der Bassist Kellen Tryon Mills legt nun nach mit "Freaky Squash Baby". Ob er nun geläutert ist nach der wilden Vorstellung des Erstlingswerkes, wage ich zu bezweifeln.

Zehn Songs, die sich bewegen im weiten Umfeld von Jazz, Avantgarde, Pop und Hard Rock, mit Anklängen an Zappa, vertrackte Arrangements, merkwürdig klingende Gesangspassagen, wild ausbrechende Gitarrenparts, all das sorgte für eine sehr weitgefächerte und oft anstrengende Musik. Ferner bemerkte ich die Leichtigkeit der Musik, Humor inklusive, und die Feststellung, dass des Komponisten Ideen wohl gut reflektiert wurden.

Wie sieht es nun mit "Freaky Squash Baby" aus? Nun, bis auf wenige Ausnahmen ist die Band völlig anders personell besetzt. Neben dem erwähnten Zappa lese ich in der Presseinfo, dass Mills ebenfalls von Strawinsky, Ligeti, Bartok und Schönberg inspiriert worden sei. Und auch hier wird erneut auf Frank Zappa verwiesen und auf einzelne hier anwesende Musiker*innen, die mit jenen, die mit Zappa zusammenarbeiteten, verglichen werden. So heisst es hierzu: "Es ist allerdings die Frühsiebziger-Inkarnation der Mothers of Invention, nach denen Tryon oft klingt, und die Ruth Underwood von heute heißt Taiko Saito - die japanische Marimba-Virtuosin hat gerade den Berliner Jazzpreis bekommen und prägt den Sound von Tryon wie Underwood den der Mothers geprägt hat. Man könnte die Parallelen fortspinnen - demnach ist die Pianistin Rieko Okuda die Wiedergängerin von George Duke."

Doch darüber hinaus bleibt sicher nicht Zappa als einzige Vergleichsquelle, dazu geschieht einfach viel zu viel, und erneut muss ich auch hier noch einmal auf "Escalator Over The Hill" von Carla Bley/Paul Haines verweisen. Der hin- und herspringende Gesang von Kiki Manders, die wild agierenden Bläser, die hackigen Gitarreneinwürfe und der Einsatz von zwei Schlagzeugern auf vier Stücken bieten einen ganz besonderen Eindruck, dem man sich entweder schwer entziehen kann, oder einen, der ganz einfach abschrecken kann. Insofern ist das keine Musik für Jazz-Puristen, nichts für Fusion-Fans, sondern Musik für Aufgeschlossene, für Alle, die von solcher Vielfalt fasziniert sind, und die solche Anforderungen suchen.

Die Songs behandeln verschiedene Themen, die Pressemitteilung weist wie folgt darauf hin: "Der Titelsong nimmt Bezug auf eine Science-Fiction-Geschichte, in der es um Kreuzungen zwischen Mensch und Gemüse geht - Call Any Vegetable" von einem gewissen Frank Zappa fällt einem da ein, in "The Foot" geht es um eine Drogensüchtige - man denkt an Zappas "Stinkfoot" -, und "Little Dicktators" spekuliert über die Tatsache, dass politische Tyrannen, die Krieg führen, oft einen kleinen Penis haben - unwillkürlich erinnert man sich an Zappa-Alben wie "Joe's Garage" oder "The Man from Utopia"."

Verpackt ist das Ganze in ständige Unruhe, ständige Wechsel von Stimmung und Rhythmus, herrlich, wie sich zum Beispiel auf "Patterns" der Baritonsaxofonist Dovydas Stalmokas mit einem energischen Solo löst und die Musik fast an den Rand des Free Jazz bugsiert. Mit "A Sparkle At Night In Berlin" produzieren die Musiker*innen einen frei schwebenden Zustand mit gelegentlichen Ausbrüchen Einzelner, auch wird hier teils quietschende Elektronik eingesetzt.

Darüber hinaus verbergen sich hinter diesem fast durchgängig avantgardistischen Ausdruck auch Passagen von Prog Rock, ganz hervorragend ist es gelungen, verschiedene Genres zusammenzufügen zu einem wirklich anstrengenden "Crossover"! Ob man es subjektiv mag oder überhaupt nicht, spielt keine Rolle, denn objektiv gesehen, ist diese Musik hervorragend, von den Kompositionen über die Arrangements hin bis zur Ausführung. Und - "Freaky Squash Baby" ist eindeutig noch offener und waghalsiger als die "Läuterung", also - geläutert kommt uns Mr. Mills demnach offensichtlich gar nicht, er hat noch etwas draufgesetzt, vor Allem noch mit der abschliessenden Weisheit, "Soup Is Healing", nun denn! Was Frank wohl dazu gesagt hätte? Ich könnte mir vorstellen, dass er das ganze Ensemble dieser Platte verpflichtet hätte....


Kellen Mills (electric bass, synth)
Jasper Stadhouders (guitar)
Kiki Manders ( lead vocals)
Edith Steyer (larinet)
Martial Frenzel (drums)
Grgur Savic (alto saxophone)
Eliad Wagner (electronics)
Antti Virtaranta (double bass)
Erik Leuthäuser (background vocals)
Mirna Bogdanovic (background vocals)
Taiko Saito (marimba, vibraphone)
Karen Ng (alto saxophone - #4, 5, 7)
Rieko Okuda (piano)
Tilmann Dehnhard (flute)
Jacopo Bazzarri (tubular bells, glockenspiel)
Philipp Gropper (tenor saxophone)
Oli Steidle - Drums - #2, 3, 4, 7)
Dovydas Stalmokas (bariton saxophone, bass clarinet)

1 Aunt B (3:29)
2 Freaky Squash Baby (7:42)
3 Patterns (7:05)
4 A Sparkle At Night In Berlin (9:41)
5 The Foot (7:37)
6 Skeetyr Syndrome (9:46)
7 Little Dicktators (4:31)
8 Soup Is Healing (13:11)

https://kellentryonmills.wordpress.com/

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