März 2022 Groundhogs "Blues Obituary" -1969-

 
kraut-brain
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März 2022 Groundhogs "Blues Obituary" -1969-

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Gepostet: 28.02.2022 - 23:10 Uhr  ·  #1
Groundhogs „Blues Obituary“ -1969-



Lehrjahre sind bekanntlich keine Herrenjahre. Diese schmerzliche Erfahrung durchlief auch die bereits im Jahre 1963 in London gegründete Band, als sie sich noch dem traditionellen Blues verschrieben hatten. Auch die Schützenhilfe gestandener Größen wie Champion Jack Dupree oder John Lee Hooker änderte nichts an ihrer Erfolgslosigkeit. Trotz zahlreicher Auftritte und Tourneen wurde das Kapitel der Murmeltiere bereits im Jahr 1966 wieder beendet. Die Auferstehung der Band erfolgte 1968 und wieder waren die beiden Gründungsmitglieder Tony McPhee (Gitarre) und Peter Cruickshank (Bass) involviert. Zu ihnen gesellte sich der Schlagzeuger Ken Pustelnik und man war seitdem als Trio unterwegs. Die Hinwendung zum knackigen Bluesrock zahlte sich aus, was sich auch in einigen hinteren Charterfolgen (Top 30) niederschlug. In der genannten Besetzung spielte das Trio vier überzeugende Platten ein: „Scratching The Surface“ (1968), „Blues Obituary“ (1969), „Thank Christ For The Bomb“ (1970) und „Split“ (1971), die allesamt auf dem Label Liberty erschienen sind.

Das Album:

Das Cover des Albums sollte man mit dem typischen britischen Humor betrachten, symbolisiert es nämlich das Begräbnis des Blues. Und dieser wird auf diesem Album in den unterschiedlichsten Schattierungen präsentiert.

Der Opener „BDD“,steht für „Blind, Deaf, Dumb“, weist erneut die humorvolle Seite der Band auf. Das Leitriff ist der Wegführer des Stückes, wird von der verfremdeten Stimme von Tony begleitet. Das Ganze nimmt immer mehr Fahrt auf und gewinnt zusehends an Intensität. Natürlich werden die ersten Gitarrensoli eingestreut und von der Rhythmussektion kraftvoll begleitet.

Das Folgestück „Daze Of The Weak“ ist im Bereich des Rhythm“ N’ Blues verwurzelt. Der eher verhaltene Start entwickelt sich anschließend zu einem gewaltigen Workout, der geradezu jamartige Züge mit sich führt. Beeindruckend ist hierbei auch das unaufdringliche klare Gitarrenspiel von Tony, der zwei kompetente Begleiter an seiner Seite weiß.

Das boogiegetränke „Times“ verfügt über einen fast schon hypnotischen Charakter und bewegt sich im Midtempo. Zudem wird der Song durch eine gewisse psychedelische Ummantelung begleitet. Pluspunkte setzt hier auch das gefühlvolle Slidegitarrenspiel.

Das vierte Stück „Mistreated“ ist ein bluesiger Rocker, der nur eine Richtung kennt, nämlich die, die treibend nach vorne führt. Man wird geradezu von der Rhythmusabteilung mitgerissen, trotzdem steht über alles das Riffing und die sonore Stimme von Tony.

„Express Man“ ist wieder ein schwerer Boogie, der durchaus in die Richtung von Clapton zielt. Es ist ein in sich fließender Song, der beste Erinnerungen an die Zeiten dieser bluesgeprägten Epoche wachruft.

Das 6. Stück „Natchez Burning“ ist Hommage an Howlin‘ Wolf, wohl einem Vorbild von Tony, ohne jedoch die stimmliche, als auch musikalische Intensität des Meisters zu erreichen. In meinen Augen das einzige Stück, dass auf diesem Album ein wenig abfällt, aber trotzdem nicht enttäuscht.

Einen würdigen Abschluss des Albums setzt der Song „Light Was The Day“, der bluesige mit psychedelischen Elementen miteinander verbindet. Fast könnte man meinen, Pink Floyd hätten bei den Aufnahmearbeiten im Studio hereingeschaut. Rein instrumental wird man auf eine Reise mitgenommen, die beschwörende, aber auch zugleich berührende Momente vermitteln.

Fazit:

Groundhogs präsentierten einen rauen riffbetonten Bluesrock, den sie auf ihren ersten 4 Studioalben perfekt umsetzten. Zudem stand der Band in Tony McPhee ein wirklich überzeugender Gitarrist vor, der in Peter Cruickshank und Ken Pustelnik zwei gleichwertige Begleitmusiker an seiner Seite hatte. Alles Bemühen sollte sich jedoch nicht auszahlen, so dass es in der Folgezeit immer wieder zu Auflösungserscheinungen kam. Zwar kam man immer wieder für Festival oder anderweitige Konzertauftritte zusammen, aber der Glaube an die Band Groundhogs war längst erloschen. Zudem erlitt Tony McPhee im Jahre 2009 einen Schlaganfall, der ihn seiner Stimme beraubte.

Leider habe ich die Band nie live erlebt. Aber ihre abrufbaren Liveauftritte auf Tonträgern sind aller Ehren wert und dokumentieren, mit welcher Wucht diese Gruppe aufspielte.

Musiker:

Tony McPee: Guitar, Vocals
Peter Cruickshank : Bass
Ken Pustelnik: Drums

Songs:

"B.D.D." 3:49

"Daze Of The Weak" 5:16

"Times" 5:20

"Mistreated" 4:01

"Express Man" 3:59

"Natchez Burning" 4:37

"Light Was The Day" 6:54
Triskell
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Re: März 2022 Groundhogs "Blues Obituary" -1969-

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Gepostet: 28.02.2022 - 23:22 Uhr  ·  #2
Nie in Berührung gekommen mit der Band, Versuch wäre es wert. Danke für die Vorstellung. ;-)
firebyrd
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Re: März 2022 Groundhogs "Blues Obituary" -1969-

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Gepostet: 01.03.2022 - 00:09 Uhr  ·  #3
frimp
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Re: März 2022 Groundhogs "Blues Obituary" -1969-

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Gepostet: 01.03.2022 - 07:14 Uhr  ·  #4
Klasse Band, deren Alben inzwischen alle hier stehen. „Cherry Red“ vom Album „Split“ ist eins meiner Lieblingsstücke.
Danke für die Rezi, sicher hat sie einige hier neugierig gemacht, wobei Blues hier im Zirkus leider nicht die beliebteste Musikrichtung zu sein scheint.
Tom Cody
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Re: März 2022 Groundhogs "Blues Obituary" -1969-

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Gepostet: 04.03.2022 - 16:20 Uhr  ·  #5
Mir geht es zwar nicht ganz so wie Triskell, aber richtig intensiv habe ich die Gruppe bisher auch nicht auf dem Schirm gehabt. Mit Tony McPhee haben sie einen starken Gitarristen mit an Bord.

Eine Compilation steht hier im Regal und das Album "Thank Christ For The Bomb" ist mir auch bekannt.

Siegie, vielen Dank für diese interessante und detaillierte Vorstellung. :-D Deinen Zeilen bin ich gerne gefolgt. ^_^
badger
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Re: März 2022 Groundhogs "Blues Obituary" -1969-

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Gepostet: 06.03.2022 - 17:10 Uhr  ·  #6
tolles werk aus der Groundhogs-frühzeit. als sie rauskam fehlte mir noch lange geld dafür und als
ich es hatte, war Blues Obituary längst vergriffen und sauteuer; ich mußte noch auf die wiederveröffentlichung
in den 80ern warten.
die Groundhogs waren für alle, die Ahnung-Von-Der-Sache hatten unverzichtbar, aber eigentlich war es immer
John McPhee plus wer-auch-immer, der die band ausmachte. zweimal gesehen, aber leider erst in der
mittelphase.

haben eine menge absolute klassiker gemacht; Thank Christ.../Who Will Save The World/Split/Solid/Hogwash
und dann natürlich die legendäre 'live'; Hoggin' The Stage.

auf Blues Obituary ist aber schon alles zu finden, was später noch weiter ausgearbeitet wurde; schwache stücke
gibts nicht, aber Mistreated und Natchez Burning sind persönliche favoriten.
ob mans glaubt, oder nicht, hab mal einen riesenumweg durch Mississippi gemacht, einzig, weil ich mir
dieses berüchtigte Natchez (!) ansehen wollte; so sehr hatte mich der titel beeindruckt.

ansonsten, und wir haben ja in den letzten tagen schon ein bißchen darüber gesprochen, du hast eigentlich
nichts davon, hier noch viel zeit mit dem einstellen von rezessionen, bzw. erinnerungen zu verbringen.
wie ich dir schon zu white birds Bowie-beitrag schrieb (da blutet immer noch das herz) ;
das bringt alles kaum noch etwas;
es ist vorbei!

'wiederfinden' kann ich die Groundhogs leider auch nicht, denn sie werden regelmäßig bei erreichen
von 'g' durchgehört..... ;-)
badMoon
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Re: März 2022 Groundhogs "Blues Obituary" -1969-

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Gepostet: 06.03.2022 - 17:34 Uhr  ·  #7
Zitat geschrieben von badger


ansonsten, und wir haben ja in den letzten tagen schon ein bißchen darüber gesprochen, du hast eigentlich
nichts davon, hier noch viel zeit mit dem einstellen von rezessionen, bzw. erinnerungen zu verbringen.
wie ich dir schon zu white birds Bowie-beitrag schrieb (da blutet immer noch das herz) ;
das bringt alles kaum noch etwas;
es ist vorbei!


*Off-Topic-An*

@badger,

nun pickst Du Dir speziell eine Scheibe heraus, die Dir offensichtlich am Herzen liegt - vielleicht liegt es auch am Rezensierenden? Aber, mal ehrlich... wo bei den vielen anderen Rezensionen ist Dein feedback zu finden? Oder eben auch ein Feedback anderer Artisten? Rezensionen werden kaum noch mit Kommentaren bedacht, geschweige denn, dass überhaupt noch Mitglieder dazu zu bewegen sind, eine Rezension zu schreiben.

Es ist vorbei - das mag ich noch nicht unterschreiben, wenngleich auch mich immer wieder eine Forenmüdigkeit übermannt. Ich habe den Ehrgeiz, zumindest noch den Zwanziger zu erleben. Das wird wohl nur funktionieren, wenn nicht nur gebrezelt, sondern sich auch - Stichwort Forentreffen - begegnet und mehr "mitgearbeitet" wird.

Der nicht zur Rezi passende Beitrag kann gerne gelöscht oder verschoben werden 8)

*Off-Topic-Aus*
firebyrd
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Re: März 2022 Groundhogs "Blues Obituary" -1969-

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Gepostet: 06.03.2022 - 17:50 Uhr  ·  #8
kraut-brain
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Re: März 2022 Groundhogs "Blues Obituary" -1969-

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Gepostet: 16.03.2022 - 23:49 Uhr  ·  #9
@All: Nochmals schönen Dank für eure Anmerkungen.

@firebyrd: Deine Rezi kannte ich noch gar nicht. Schön, das wir auf ähnlichen Pfaden wandeln.
holger_fischer
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Re: März 2022 Groundhogs "Blues Obituary" -1969-

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Gepostet: 18.03.2022 - 16:01 Uhr  ·  #10
Hallo,

danke für die ausführliche Rezi. Groundhogs höre ich immer wieder gern. Deine Wiederentdeckung erinnert mich daran, dass ich zwar 6 Alben der Band habe, aber diese hier und auch die Scratching The Surface nicht. Da werde ich nachlegen. Bin zwar kein Komplettist, aber die müssen schon noch her.
kraut-brain
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Re: März 2022 Groundhogs "Blues Obituary" -1969-

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Gepostet: 18.03.2022 - 18:17 Uhr  ·  #11
Zitat geschrieben von holger_fischer

Hallo,

danke für die ausführliche Rezi. Groundhogs höre ich immer wieder gern. Deine Wiederentdeckung erinnert mich daran, dass ich zwar 6 Alben der Band habe, aber diese hier und auch die Scratching The Surface nicht. Da werde ich nachlegen. Bin zwar kein Komplettist, aber die müssen schon noch her.


Dann habe ich für dich ja Überzeugungsarbeit geleistet. :-)
badMoon
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Re: März 2022 Groundhogs "Blues Obituary" -1969-

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Gepostet: 21.03.2022 - 12:03 Uhr  ·  #12
Groundhogs - kenn ich nicht, muss gut sein :D

OK, Spaß beiseite. Die Truppe kannte ich bislang in der Tat nicht. Wieder einmal musste ich feststellen, dass wesentlich mehr guter Mucke an mir vorbeigesaust ist als ich kenne.

Mein Highlilght auf der von Dir vorgestellten Scheibe ist zweifelsohne "Natchez Burning". Möglicherweise liegt es daran, dass einige Gitarrensoli Erinnerungen an CCR in mir wecken oder dass der Song so schön groovig daherkommt. Der Schlusssong ist mir ein wenig zu experimentell, das wäre aus meiner Sicht aber der einzige "Ausrutscher". Egal, ein prima Album, welches ins Regal muss. Discogs macht's möglich.

Besten Dank für die Vorstellung und ausführliche Beschreibung.
badger
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Re: März 2022 Groundhogs "Blues Obituary" -1969-

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Gepostet: 26.03.2022 - 17:59 Uhr  ·  #13
Zitat geschrieben von badMoon

Mein Highlilght auf der von Dir vorgestellten Scheibe ist zweifelsohne "Natchez Burning". Möglicherweise liegt es daran, dass einige Gitarrensoli Erinnerungen an CCR in mir wecken oder dass der Song so schön groovig daherkommt.


"Natchez Burning" war wohl in der vor-SPLIT-zeit DIE erkennungsnummer der Groundhogs. mit der vertonung der
lynchmorde von Natchez bezog Tony McPhee politisch stellung, und bewegte sich damit auf einem etwas anderen
territorium als viele andere blueser und bluesrocker (bei denen es doch eher um den zoff mit den mädels ging).
kaum ein reviewer, der damals in seiner besprechung nicht auf dieses stück einging; ergo wollten es dann auch die
fans immer hören.

Tony hat sich noch viele jahre zu kritischen themen geäußert (Thank Christ For The Bomb, etc.); man darf annehmen,
daß er es wirklich meinte.
aber natürlich, auch ohne texte machten die Groundhogs so gute mucke, daß sie immer unter den besten 5,6
englischen blues-rockern gezählt werden.
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