Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

 
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Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 31.05.2020 - 15:46 Uhr  ·  #1
Robbie Robertson - Same | CAN | 1987 | Classic Rock

1987 - das war das Jahr einiger weniger "Rituale". An zwei Abenden je Woche gab ich an der örtlichen VHS zwei hintereinander folgende EDV-Seminare. Anschließend fuhr ich, es war mittlerweile ca. 21:45 Uhr geworden, zu dem ebenfalls ortsansässigen mexikanischen Restaurant "---> Restaurant Mexican". Dort traf ich mich mit einem Freund zum gemeinsamen Essen, anschließend ging es meist auf einen Tee und zum Musik hören zu mir nach Hause. Zu dieser Zeit gab es noch halbwegs vernünftige Radiosender, und so ließen wir die erste Stunde meist SWR oder WDR oder einen niederländischen Sender laufen.

An einem dieser Abende, ich war gerade in der Zubereitung eines Golden Orange Pekoe (eine meiner Lieblingsteesorten), das Radio war recht laut aufgedreht, musste ich doch ein wenig innehalten. Stand ich hier im Jurassic Park? Stampft hier ein Tyrannosaurus Rex auf mich zu und gönnt sich einen kleinen Happen? Laut und abgrundtief wummerten die Bässe. Dermaßen laut und tieftönend, dass die Gläser in der Vitrine vibrierten. Hölle - was war das?

Langsam setzten Synthie und Gitarre ein. Dann die Stimme - obwohl irgendwie bekannt vorkommend, konnte ich sie überhaupt nicht zuordnen. Und - was passiert da nun? Höre ich Peter Gabriel heraus? Unverkennbar, ...seine Stimme, die den Refrain singt:

"Fallen angel - Casts a shadow up against the sun - If my eyes could see - The spirit of the chosen one"

Was für ein phantastischer Song, was für eine tolle Stimmung, ein hervorragender Aufbau des Songs. Der Song war nicht zuende, der Rest der CD völlig unbekannt, als bereits klar war: die Scheibe muss her.

Fallen Angel


Ein Wochenende verging, am darauf folgenden Wochenanfang lag die CD endlich im Player. Der Opener der CD war der oben bereits beschriebene "Fallen Angel", für mich auch heute noch mein Favorit auf dieser Scheibe.

"Showdown At Big Sky" war das nächste Ass, welches Robertson aus dem Ärmel zog - damit gar nicht erst der Griff zur Zappingvorrichtung erfolgte. Robertsons markante Stimme wird oft durch Chorgesänge unterstützt, kleine, feine Gitarren- und Synthieeinlagen sorgen für Abwechslung in einem Song, der durchgängig auf hohem Lautstärkepegel spielt.

Showdown At Big Sky

Mit "Broken Arrow" folgt ein ruhiges, getragenes, fast melancholisches Musikstück mit einer schönen Melodie. Hiervon gibt es eine Coverversion von Rod Steward aus 1991, live wurde der Song auch von den Greatful Dead auf die Bühne gebracht.

Broken Arrow

Dieses Album ist ein wahres Juwel, teils rockig, oft sehr verehalten, sehr vielschichtig und abwechslungsreich. Produziert wurde es von ---> Daniel Lanois, der den Musikinteressierten nicht nur als Produzent bekannt sein dürfte. Namhafte Künstler wie der bereits erwähnte Peter Gabriel, aber auch Bono (U2), Tony Levin oder Manu Katché wirkten auf dem Album mit.

Eine Hitsingle hatte das Debutalbum ebenfalls vorzuweisen. Es war nicht der von mir favorisierte Song "Fallen Angel". Das Rennen machte "Somewhere Down The Crazy River", ein Stück, welches regelrecht in seinen Bann zieht. Verantwortlich hierfür ist wieder einmal Robertsons Stimme, diesmal wird wechselhaft mit Sprechgesang und Gesang vorgetragen. Aber auch der schwebende Synthie, das Gitarrenpicking oder die präzise geschlagenen Drums tun ihr eigenes dazu. Interessant finde ich heute noch, dass ich beim Ersthören der Meinung war, Tina Turner singt den Refrain "Somewhere Down The Crazy River". Ein Fehler, wie ich später feststellen musste.

Somewhere Down The Crazy River

Letztendlich bleibt die Frage, wie ich das Album wiederentdeckte. Eigentlich habe ich es nie aus den Augen verloren, es bleibt lediglich des Öfteren für längere Zeit im Regal. Ausschlag gebend dafür, dass es erst kürzlich wieder auflegte, war ein Brezel im Monat April. Unser Artist Sungrazer hatte zu meiner großen Freude diese Scheibe gepostet, worauf sie auch hier gleich wieder im Player landete. Wenngleich in den vergangenen Jahren immer wieder gehört, kann ich doch behaupten, für diesen "Wiederentdeckt" - Beitrag noch einmal sehr intensiv zugehört und unter dem Kopfhörer doch wieder feine Klänge neu entdeckt zu haben.

Bei dieser Wiederentdeckung möchte ich es jedoch nicht belassen, ein wenig mehr zu Robbie Robertson und seinen Scheiben gibt es doch zu erwähnen. Daher hier eine Kurzvorstellung der CDs, die nach seinem ersten Solowerk folgten.


Storyville | 1991

Mit "Storyville" präsentiert sich Robertson als ausgesprochener Storyteller. Auf seinem zweite Album erzählt er in zehn Songs eine Geschichte, die im legendären Rotlichtviertel Storyville der Jahrhundertwende in New Orleans spielt. Aufgenommen wurde das Album in New Orleans, unter anderem mit Mitgliedern der Neville Brothers, Mardi Gras Indians, Meters und Zion Harmonizers. Das Album darf ohne weiteres als ein Konzeptalbum bezeichnet werden.

Im Vergleich zu seinem Erstlingswerk wirkt "Storyville" homogener, ruhiger, es scheint schneller ins Ohr zu gehen, ohne dass sich jedoch vorzeitig Abnutzungserscheinungen abzeichnen. Ganz im Gegenteil, immer wieder gibt es neue, feine Nuancen zu entdecken - vor allem, wenn von der Lautsprecherbeschallung auf Kopfhörer umgeschaltet wird.

Drei Songs, die ich aus diesem Album besonders gerne höre, sind das magische "Hold Back The Dawn", die kleine Story des "Soapbox Preacher" (wer hier genau hinhört, hört weit im Hintergrund ab und an Neil Young am Microfon) sowie das wunderschön getragene "Sign Of The Rainbow"

When I got back to my hometown / I saw the ghosts of yesterday / And my godmother bless her soul / She still lives down this way / Remember when I was just a kid / And she would tell a story

Hold Back The Dawn | Soap Box Preacher | Sign Of The Rainbow


Contact From The Underworld Of Redboy | 1998

Bei den ersten Takten bekam ich erst einmal einen schönen Schrecken. Das (!) ist von Robbie Robertson? "---> The Sound Is Fading" eröffnet die CD und hinterlässt zunächst ein Fragezeichen im Gesicht. Was ist das für eine Sprache, was für ein Rhythmus? Generell ist die Scheibe gespickt mit fremd anmutenden Klängen und Geräuschen, dennoch ist Robertson unverkennbar präsent.

Die Übersetzung eines wiki-Auszuges lautet: "Das Album besteht aus Musik, die von der kanadischen Musik der Aborigines inspiriert ist (einschließlich traditioneller kanadischer Lieder und Gesänge der Aborigines), sowie modernem Rock, Trip Hop und Electronica, die oft zusammen integriert sind, und enthält viele Gastkünstler."

Aus diesem Album hier vier Auszüge, die mir besonders gefielen. Dies sind das rhythmische, tanzbare "Making A Noise, der verhalten-ruhige Song "Unbound", eindringlich hier Robertsons Stimme, das monotone Schlagzeug sowie die weibliche Hintergrundstimme, und letztendlich das schon fast düstere "The Lights"

Making A Noise | Unbound | The Lights | Sacrifice

In seinem Song "Sacrifice" spricht ---> Leonard Peltier, ein indianischer Aktivist der American Indian Movement aus dem Gefängnis am Telefon. "Ich war gerade dabei, diese Platte aufzunehmen", sagte Robertson in einem Interview. "Und eines Tages rief er mich am Telefon an und sprach mit mir. Ich dachte: "Alle anderen haben die Situation von Leonard Peltier beschrieben, aber niemand hat ihn jemals in seinem eigenen Namen sprechen hören, um die Geschichte selbst zu erzählen. "


How to Become Clairvoyant | 2011

Auf diesem Album kehrt Robinson zurück zu seinen ersten Solowerken. Sofort ist hier unverkennbar seine Handschrift zu erkennen. Es ähnelt in seinem Songwriting sehr seinem zweiten Werk "Storyville". Wieder einmal ist zu vernehmen, welch hervorragender Gitarrist Robinson ist - auch ohne ausufernde Gitarrensoli ist dies zu hören. Namhafte Musiker wie Clapton, Winwood oder Morello gaben sich die Ehre, hier mitzuwirken. Meine Soundproben:

Mi película | Fear Of Falling | Axman | Won't Be Back


Sinematic | 2019

Mit Sinematic hat Robbie Robertson sein (hoffentlich nicht) letztes Album veröffentlicht. Aus meiner Sicht gehört es mit zu seinen besten Alben. Illustre Gäste wie Van Morrison, Glen Hansard, Jim Keltner oder J.S. Ondara, um nur einige zu nennen, wirken hier mit.

Dass Robertson führendes Mitglied der Band The Band war - Schwamm drüber, das dürfte bekannt sein. Weniger bekannt ist möglicherweise, dass der Konzertfilm und das Vermächtnis der Band, "The Band – The Last Waltz" ein Film des Regisseurs Martin Scorsese (Departed, Good Fellas, Taxi Driver, Shutter Island, Gangs Of New York...) aus dem Jahr 1978 ist. Dieser Zusammenarbeit ist es wohl zu verdanken, dass Scorsese für etliche seiner Filme Robertson für manch einen Soundtrack heranzog. So ist bereits der Opener dieses Albums, I Hear You Paint Houses, in seinem Mafia-Epos "The Irishman" (u.a. mit Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci, Steven Van Zandt) zu hören. Zu dem Song gibt es einen Videoclip, der leider hierzulande gesperrt ist. Sei es aus lizenzrechtlichen Gründen oder weil er Szenen enthält, die der FSK unterliegen, entzieht sich meiner Kenntnis.

I Hear You Paint Houses (feat. Van Morrison)

In seine eigene finstere Vergangenheit, so ist zu lesen, kehrt Robbinson in dem Song "The Dead End Kid" zurück. Sei's drum, ob es der Wahrheit entspricht, weiß nur der Songschreiber selber. Tatsache bleibt, dass es sich hier um ein weiteres tolles Stück auf dem Album handelt.

Dead End Kid

"Sinematic" ist ein Album, welches - oh Wunder bei diesem Albumtitel, wie ein Film vor dem geistigen Auge abläuft, verfolgt man ein wenig die Textbeilage im Booklet. Robertson, geboren 1943, ist mittlerweile 77 Jahre alt. Bleibt zu hoffen, dass von ihm noch einige Werke erscheinen werden. Bis dahin noch einige Songbeispiele dieses Albums:

Shanghai Blues | Street Serenade | Remembrance


Wer den ein oder anderen Videoclip angesehen hat, wird bemerkt haben, dass immer wieder indianische Motive oder Sequenzen darin vorkamen. Robertson, der selber (mütterlicherseits) indianische Wurzeln hat, ist es wohl ein Anliegen, diese in seiner Musik zu verarbeiten oder aber auf immer noch vorhandene Missstände die Natives betreffend aufmerksam zu machen. So gibt es auf youtube den Ausschnitt eines Liveauftrittes, bei dem das Red Road Ensemble musikalisch begleitet.

Robbie Robertson feat. Special Guests in Sicilia


Eine Dokumentation über die Musik der Native Americans

Natürlich ist Robertson nicht der einzige Vertreter indianischer Herkunft, der musikalisch tätig ist. Vielmehr gibt es eine große Menge an meist unbekannten Künstlern, die sich der Musik verschrieben haben. So hat der Sender ARTE vor einiger Zeit eine Dokumentation, der die Ursprünge indianischer Musik bis in die Jetztzeit darstellen sollte, ausgestrahlt. Möglicherweise ist einer Robinsons Vorfahren in der Dokumentation vertreten. Wer weiß...

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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 31.05.2020 - 19:25 Uhr  ·  #2
Das Debüt von Robbie Robertson hatte ich mal. Alles andere was damit zusammenhängt und weitere Alben, totales Nirvana. Ich weiss noch nicht mal warum ich damals das Album gekauft hatte oder ob es ein grösserer Posten von CDs war die ich angekauft hatte. Das ist so lange her, dass ein neuer Kontakt vielleicht eine Überraschung werden kann oder eine Enttäuschung. Ich lasse mich überraschen.
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 31.05.2020 - 21:37 Uhr  ·  #3
Robbie Robertson, kenne ich nur im Zusammenhang mit "The Band" und somit mit Bob Dylan. Auch nur deshalb, weil ich 1978 in Groningen, "The Last Waltz" gesehen habe. Kaum Erinnerungen dran, war wohl zu "stoned". ^_^
Klasse Rezi, aber leider nicht meine Mucke. Bedankt! ;-)
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 31.05.2020 - 23:40 Uhr  ·  #4
Die Rezis sind so geschrieben dass ich mal das eine oder andere Ohr riskieren werde. The Band fand ich immer eher langweilig aber das hier klingt interessant...
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 31.05.2020 - 23:53 Uhr  ·  #5
ein toller Beitrag badMoon - Respekt für die viele Arbeit

The Band oder auch Robbie Robertson haben mich persönlich nie angesprochen - für mich gepflegte Langeweile - hatte mir damals mal Music from Big Pink gekauft aber nur einmal angehört - das Album hat wie viele andere den Weg zum Türsteher meines Stammrockschuppens gefunden - aber der wollte das Teil auch nicht und hat es weiter verschenkt

das wollte ich ja eigentlich nicht mehr machen Platten die vorgestellt werden subjektiv "abzuwerten" - ist mir grad so rausgerutscht - aber ich bin ehrlich ;-)

aber badMoon - wir haben schon einige Gemeinsamkeiten... ;-)
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 01.06.2020 - 01:05 Uhr  ·  #6
@ Leslie: kennst du Robertsons Solosachen, oder ihn nur als Teil der BAND? Solo klingt er völlig anders.

Ansonsten: seine erste CD steht hier auch, Lange nicht mehr gehört, da geht es mir wie BadMoon :-) aber ich mag sie immer noch. seine anderen Sachen kenne ich nicht. da muss ich mal.reinhören.

Wiede eine sehr schöne Rezi!

Trurl
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 01.06.2020 - 07:27 Uhr  ·  #7
Zitat geschrieben von Trurl

@ Leslie: kennst du Robertsons Solosachen, oder ihn nur als Teil der BAND? Solo klingt er völlig anders.

ich bin seit den 60er ein Freund von Dylan und kenne natürlich The Band und Chef Robertson - aber das Debüt von The Band hat mich überhaupt nicht angesprochen - auch an die Wiederentdeckung, das Debüt vom Robbie, kann ich mich nicht erinnern - da ist nichts hängen geblieben...

hab per Streaming ins Album reingehört - einzig der Song Sweet Fire of Love mit Bonos U2 ist etwas hängen geblieben - gut, ist halt so - ich kann mich auch nicht erinnern den Robbie jemals im Radio gehört zu haben

aber ich wünche badMoon viel Spaß mit seiner Wiederentdeckung
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 01.06.2020 - 08:52 Uhr  ·  #8
Radiotauglich war die Musik von Robbie Robertson nun wirklich nicht. So viel ist bei mir auch hängen geblieben. Es war auf alle Fälle spannend nach mehr als 30 Jahren zumindest das Debüt mal wieder zu hören.
dan
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 01.06.2020 - 09:01 Uhr  ·  #9
Zitat geschrieben von Leslie

ein toller Beitrag badMoon - Respekt für die viele Arbeit...


Dem kann ich mich nur anschließen!

Ansonsten ist es aber auch bei mir, so wie bei "Leslie". Ich hatte die Scheibe auch mal, nachdem ich sie dann aussortiert habe, ist sie dann irgendwann verschwunden. Ich kann es nicht beschreiben, aber diese Musik war einfach nicht mein Ding. Ich bin ruhigen, ja depressiven Tönen durchaus zugeneigt, aber hier passte es nicht für mich.
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 03.06.2020 - 19:05 Uhr  ·  #10
Ich kannte RR auch nur von The Band. Dass er solo auch Alben herausgebracht hat, ist an mir vorübergegangen. Wie es der Zufall wollte, konnte ich gestern in sein Debut hineinlauschen. Lief über die tolle Anlage vom Stattmeister. Also das kann man sich doch wirklich anhören. Nicht, dass ich jetzt alle Restbestände zu Spekulationszwecken aufkaufen würde, aber es lohnt sich wohl, sich mit dem Mann näher zu beschäftigen.

Vielen Dank für das Wiederentdecken und die Mühe, die in deiner Rezi steckt!
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 03.06.2020 - 20:17 Uhr  ·  #11
Wie ich damals im Brezel schrieb, sind mit diesem Album viele Erinnerungen und Emotionen an meine Zeit in Canada fest verwoben. Für mich deswegen auch ein Inselalbum. ^_^

Vielen Dank für deine gefühlvolle Rezi mit der du auch die kleinen feinen Nuancen des Albums hervorhebst.

Hier in D mag das Album oder Robertson generell nicht so bekannt sein oder geschätzt zu werden. In seinem Geburtsland Canada sieht das ganz anders aus.
Native Americans sind ihm aufgrund seiner Herkunft ein Anliegen. Noch immer sind sie in Canada und in den USA Menschen mit weniger Rechten. Halbindianer sitzen zwischen den Stühlen.

Das Album Music for The Native Americans, daß auf seinen Mohawk Wurzeln beruht, hat er mit dem Red Road Ensemble verwirklicht. (Filmmusik zu der Doku The Native Americans) Ebenfalls ein sehr schönes Album.

Music For The Native Americans (1994)



Danke auch für das Hochladen des Videos.
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 05.06.2020 - 07:44 Uhr  ·  #12
@All,

Danke für euer Feedback. Dass Robertson nicht der Forenfavorit ist, ist bekannt. Dass er allerdings oft auf der Durchfallliste steht, verwundert doch ein wenig.

@Sungrazer,

Music for The Native Americans steht auch hier im Regal - ich habe sie schlicht und einfach vergessen. Daher vielen Dank für Deinen Nachtrag und die Erwähnung dieses ebenfalls empfehlenswerten und für mich sehr guten Albums.
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 10.06.2020 - 16:59 Uhr  ·  #13
Eine äußerst detaillierte und informative Vorstellung, da steckt eine Menge Zeit und Arbeit drin. Musikalisch ist es jedoch nicht meine Baustelle. Danke für die Rezi ! ^_^
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 11.06.2020 - 23:16 Uhr  ·  #14
Wow welch eine Fleißarbeit, welch eine Herzblutrezi über verschiedene Soloarbeiten von Robbie Robertson. Ich habe mir einige Tage Zeit genommen, um diese umfassende Ausarbeitung durchzulesen und auch durchzuhören; ansonsten hätte ich dieser Informationsmenge gar nicht gerecht werden können.

Es hat Spaß gemacht, den Songbeschreibungen und Titeln chronologisch zu folgen, um sich ein einheitliches Bild von diesem Künstler bilden zu können. Denn auch ich gehöre zu den Artisten im Forum, die die Gruppe "The Band" in Teilen kennen aber nichts von dem Solomusiker Robertson. Diese Einführung ist dir somit perfekt gelungen.

Kann es sein, dass Peter Gabriel und Robbie Robertson in Teilen musikalisch Seelenverwandte sind ohne das die Eigenständigkeit beider Künstler von mir angezweifelt wird?

Mir sagt die Musik zu und insofern ist deine musikalische Botschaft durchaus in fruchtbare Hände gefallen.
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 24.06.2020 - 11:33 Uhr  ·  #15
@TomCody, @Kraut-brain

auch hier - Danke für's Lesen und kommentieren. Und by-the-way, Ähnlichkeiten zwischen Gabriel und Robertson sind immer wieder mal herauszuhören, wie ich finde.

Was mich an dieser Stelle ganz allgemein interessiert:

Hat jemand die in der Rezi angehängte Dokumentation über die Musik der Native Americans angesehen? Ich fand sie sehr interessant mit vielen verfolgenswerten musikalischen Querverweisen. Sofern noch ein Interessent zugesehen hat, würde mich seine Meinung zu der Doku interessieren.
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 24.06.2020 - 15:25 Uhr  ·  #16
Insgesamt gesehen eine interessante Doku...

aber...richtig gut finde ich sie nicht, da sie ab einem gewissem Punkt, für mich zum größten Teil recht Einseitig auf "Stars", mit etwas verklärtem Rückblick, driftet.
Das eigentliche Thema Musik der Native Americans verliert sich aufgrund dessen irgendwann in mehr Biographisches einzelner "bekannter" Personen.

Was ist mit anderen Native Musicans, die auch schon früher Musik gemacht haben und in ihren Lyrics viele Themen der Probleme der Native Americans in den USA angesprochen haben? Warum keiner Erwähnung wert?

Z.B.: Xit wurde in den 70gern schon in Europa gehört (die Band gibt es wieder). Diese Band und ihre Mitglieder, ihre Botschaften werden in der Doku ignoriert. Warum? Weil sie mehr bei ihren Wurzeln geblieben sind und nicht zu Rockstars wurden? Nicht "gesponsert" wurden von anderen Größen der Musikbranche?

Als ich nach Xit suchte fand ich dieses Video (Entstehung um 2000?) Musik und Interview.

XIT - Without Reservation live concert

Zurück zur Doku.
Was sie mir deutlich (bzgl. der Einflüsse der Natives auf viele Genre) macht, daß solche Informationen immer wieder dazu beitragen, Musik anders wahrzunehmen, mehr hinzuhören, detaillierter, nicht nur was die Lyrics betrifft.
Diesen Teil der Doku finde ich gut, der Rest eben nicht wirklich das Thema treffend.
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 24.06.2020 - 16:02 Uhr  ·  #17
Zitat geschrieben von Sungrazer

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Z.B.: Xit wurde in den 70gern schon in Europa gehört (die Band gibt es wieder). Diese Band und ihre Mitglieder, ihre Botschaften werden in der Doku ignoriert. Warum? Weil sie mehr bei ihren Wurzeln geblieben sind und nicht zu Rockstars wurden? Nicht "gesponsert" wurden von anderen Größen der Musikbranche?

Als ich nach Xit suchte fand ich dieses Video (Entstehung um 2000?) Musik und Interview.
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An Xit kann ich mich noch gut erinnern. Anfang der 80er habe ich im WDR-Radio eine Vorstellung der Band gehört, wo auch auf die Texte eingegangen wurde bzw. diese übersetzt worden sind. Habe mir seinerzeit daraufhin die LP Silent Warrior zugelegt, weil die Moderatorin (oder Moderator?) immer in die Songs zwecks Übersetzung reingequatscht hat und ich so nichts mit dem Tapedeck mitschneiden konnte.
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 24.06.2020 - 16:17 Uhr  ·  #18
An Xit kann ich mich im übrigen auch noch gut erinnern. Der Song ist 1973 herausgekommen, lief im Radio auf WDR und wahrscheinlich erstmals gehört bei den Hausaufgaben:

"Reservation Of Education"
https://www.youtube.com/watch?v=B4NVuS5ns-0
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 24.06.2020 - 17:57 Uhr  ·  #19
Auch von mir ein großes Dankeschön für deine umfassende Rezi, die mit vielen interessanten Details aufwartet und dem Leser den Musiker Robbie Robertson wirklich nahebringt. Was deine und auch andere Rezis so spannend macht, das man die Möglichkeit hat, mal in anderen musikalischen Gewässern eintauchen zu können.

Und hier hat es bei mir richtig "Zoom" gemacht und die 87er Platte von Robbie Robertson musste einfach bestellt werden und wird somit in den nächsten Tagen bei uns eintreffen.
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 27.06.2020 - 12:13 Uhr  ·  #20
Besten Dank für eure Meinungen zu der Doku :-)

Insgesamt fand ich sie sehr informativ. Auch wenn in einem Beitrag nicht auf alle Themen eingegangen werden kann - reicht die Zeit dieser Doku überhaupt dazu, wer hat das Durchhaltevermögen für noch mehr Sendezeit) - werden doch viele Aspekte herausgearbeitet. Für mich war auf jeden Fall eine Menge an neuem Input dabei.

Zu XIT: möglicherweise lag es an dem Sound, dem Rhythmus der Musik, dass die Band hier nicht erwähnt wurde? Text und Sound passen oft nicht zueinander. So erinnert mich bspw. der hier erwähnte Song "Reservation of Education" vom Rhythmus her sehr an einen Sweet-Song (ich komme gerade nicht auf den Titel). Vielleicht liegt es daran, dass die Macher der Doku die Band gleich wieder aussortierten?

@Sungrazer,

mir scheint, Du hast Dich sehr intensiv mit den Natives auseinandergesetzt oder zeigst zumindest ein großes Interesse dafür. Sehr interessante Ergänzungen zu meiner Rezi, was mich sehr freut.
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 27.06.2020 - 13:54 Uhr  ·  #21
Das erste Album von XIT ist deutlich mehr an den Wurzeln orientiert, ein Konzeptalbum über die Veränderungen im Leben der Native Americans seit der Ankunft von Columbus.



Xit - Plight of the Redman (1972)

Zitat
Despite making a place to call his own at the Grammys, Tom Bee hopes Native American musicians will be heard and judged like anyone else. He wants "to see Native American artists accepted into the mainstream as legitimate songwriters and musicians based just on the strength of their music, and not on the strength of their heritage. Particularly the contemporary artists, but also many of the traditional artists want to know that their music is loved. That it has had a valid impact on the world." Tom Bee, Mitbegründer von XIT
https://www.beliefnet.com/ente…level.aspx


Der ganze verlinkte Artikel ist interessant. Der Verweis auf das von ihm begründete Label SOAR bietet Möglichkeiten tiefer in die Materie einzusteigen.
Ja, ich hab mich immer wieder mal intensiv mit Natives beschäftigt. Was auch daran liegt, daß ich in Canada in einer Gegend gewohnt habe, die unmittelbar an ein Reservat angrenzte. Kontakte waren schwierig, doch ich hatte die Chance ein bischen über das Leben dort und die "Gleichstellung" mit weißen Canadiern zu erfahren.
Die Geschichte und Gegenwart der American Natives läßt sich auch mit der der Aborigines in Australien vergleichen oder vieler anderer Natives unserer Erde.
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Re: Juni 2020 - Robbie Robertson - Same

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Gepostet: 08.07.2020 - 16:04 Uhr  ·  #22
Zitat geschrieben von Sungrazer

...was auch daran liegt, daß ich in Canada in einer Gegend gewohnt habe, die unmittelbar an ein Reservat angrenzte. Kontakte waren schwierig, doch ich hatte die Chance ein bischen über das Leben dort und die "Gleichstellung" mit weißen Canadiern zu erfahren.


Es gibt ein interessantes Buch, "Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses", darin werden die Schicksale einiger verschiedener Indianerstämme aufgeführt. Zu lesen ist u.a., dass einige Stämme, wie bspw. die Nez-Percé, versuchten, vor ihren Verfolgern nach Kanada zu fliehen. Eine Indianergruppe war wohl irrtümlich der Meinung, in Kanada angekommen zu sein und schlug versehentlich noch in den USA ihre Zelte auf. Ihr Schicksal dürfte klar sein, ...tragisch.
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