März 2019 Phonophani - Genetic engineering

 
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März 2019 Phonophani - Genetic engineering

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Gepostet: 04.03.2019 - 18:32 Uhr  ·  #1
Wir schreiben das Jahr 2001, ich liege wach im Bett und lausche in der Zeit zwischen Mitternacht und 2Uhr morgens mal wieder der Sendung Klanghorizonte (dürfte ein Montagmorgen gewesen sein, aber auch ein Sonntag wäre drin, die haben den Sendeplatz leider mehrmals verlegt und in meinem Alter trübt sich das Erinnerungsvermögen). Nun sollte man noch wissen: dies ist meine liebste "Tageszeit", die Welt schläft, alles ist ruhig und ich bin extrem aufnahmefähig, besonders was ungewohnte Klänge angeht. Und so entdeckte ich in dieser Nacht PHONOPHANI, darüber das Label Rune Grammofon und die ganze norwegische Musikerszene, die auf diesem Label, aber auch auf anderen fröhlich miteinander musiziert. Auch hier wieder, eine Platte als Türöffner für mir bis dato fast unbekannte Welten (die Band MAIN aus UK machen auf Gitarre was ähnliches, die kannte ich schon aber das ist wieder eine andere Geschichte).


Phonophani - Genetic engineering


1. Lavenderloops6:26
2. End of all things (Voice by RAMA) 5:37
3. Saltwater 8:53
4. Cook Islands 2:55
5. Turquoise egg 7:39
6. Gene manipulation 6:32
7. Fertilizer 6:31
8. End of all things II 7:30

Espen Sommer Eide alias PHONOPHANI ist ein Vertreter neuerer elektronischer Musik aus Norwegen. Daneben spielt er mit Dag-Are Haugan als ALOG in einem Duo. Wohnhaft ist er in Tromsø. Er entwickelt u.a. auch Instrumente selbst und setzt diese in seinen Projekten ein.

Verwandt ist seine Musik ab und an mit frühen deutschen Elektronikern (speziell aus dem Weserbergland). Es gibt keine langen Sequenzerparts mit darüberliegenden Melodielinien, wie sie viele deutsche Elektroniker nutzen, sondern in sich abgeschlossene Songs, die unterschiedliche, ausgearbeitete Klanglandschaften aufweisen. Konzeptionell weißt die CD in meinen Augen zwei Seiten auf - die ersten Songs (bis "Cook Islands") beschreiben eher natürliche Räume, Stimmungen (oft auch mittels der weiblichen Stimme), während danach entsprechend dem Titel die reine Elektronik die künstlichen Klangräume ausdrückt.

"Lavenderloops" z.B. beginnt mit der musikalischen (nicht soundmäßigen!) Umsetzung eines Strandes inkl. anbrandenden Wellen, aus dem sich allmählich eine weibliche Stimme erhebt, die einen folkartigen Refrain singt. Dieser wird per Vocoder und Multitracking zu einem Kanon und erinnert an mittelalterliche Musik (aber nun in elektronischer Form)

"End of things" wechselt in die abendliche Savanne inkl. Zirpen der Grillen und Trommeln und knisterndem Lagerfeuer. Ab der Mitte tönt dann ein einsamer immer wiederkehrender Gitarrenriff neben einem traurigen leisen Frauengesang.

"Saltwater" wechselt zu reinen elektronischen Klängen, anfangs sehr frei und stellenweise sehr zerhackt und maschinenhaf inkl. Samplingeinlagen aus Dialogen, ab der Mitte wird es fließender entsprechend dem Titel (mit einer bedrohlichen klingenden Passage in der Mitte - das Meer ist auch gefährlich).

"Cook Islands" ist ein richtig kleiner melodischer Song mit Frauenstimme, der klingt, als ob er direkt aus der psychelischen Zeit der Spätsechziger kommt (inkl. Knistern der Platte)

Ab "Turquoise Egg" beginnt das "genetische Engineering" Freiformelektronik, mal hektisch, mal fließend, immer passend zum Thema, je nachdem, wo sich der Produktionsprozess gerade befindet. Diese Songs erinnern mich manchmal an die sehr frühen Tangerine Dream oder auch an Cluster.

Für mich wieder Kopfhörermusik, nicht jeden Tag genießbar, aber ab und an einfach nur toll, Kopfkino pur

trurl
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Re: März 2019 Phonophani - Genetic engineering

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Gepostet: 05.03.2019 - 16:22 Uhr  ·  #2
Danke für die Vorstellung. Musik nicht für immer, aber für immer öfter. Norweger sind ja in vielen Dingen rührig unterwegs und die hier genannten Namen riefen in meiner Gehirnwindung eine Erinnerung hervor. Espen Sommer Eide? Dag-Are Haugan? ALOG? Da war doch etwas? Und genau, da war bzw. ist immer noch eine CD, welche ich vor gut 15 Jahren kaufte. Und zwar bei Zweitausendeins, ungehört, nur des Covers und Labels (rune grammofon) sowie des Preises wegen: 4,90€. (Hinzu kamen damals noch zum gleichen Preis CDs von "food", "biosphere/deathprod" und "luigi archetti / bo wiget")

alog "red shift swing" von 1999 auf eben rune grammofon.

Ich muss aber zugeben, dass dies die einzige CD von der "Band" bei mir ist. Aber vielleicht bin ich jetzt angefixt durch die Vorstellung und lege nach?
Direktbestellungen bei rune grammofon sind übrigens nicht sonderlich teuer. Konnte ich letztens bei einer Bestellung (Supersilent) fetstellen. Anfixer war übrigens - richtig! Trurl.

radiot grüßt! 8)
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Re: März 2019 Phonophani - Genetic engineering

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Gepostet: 05.03.2019 - 17:01 Uhr  ·  #3
Moin Radiot,

schön, dass es Musik für Dich sein könnte. Mit den beiden hatte/habe ich ab und an Emailkontakt.

Es gab da ne lustige Geschichte, weil sie als ALOG mal eine sehr limitierte LP herausgaben mit einem Cover, wo jedes einzelne extra von der Künstlerin angefertigt wurde, entsprechend teuer war sie. Ich hatte mich irgendwann mal nebenbei in einer Email (war ne Bestellung von fehlenden ALOG/Phonophanisachen) scherzhaft bei Espe Eiden darüber "beschwert", dass sie so eine Miniauflage machen, und wo die Normalsterblichen dabei bleiben. Als Antwort kam ne Email von Dag, wo er schrieb, das Espe ihm meine Mail weitergeleitet hätte und er mir als einem "glühenden Fan" in Deutschland eine der zwei Rest-LPs anbot, allerdings nur in einem weissen Cover, die anderen gäbe es ja nicht mehr. Und schon hatte ich sie zu einem sehr fairen Preis :-)

trurl
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Re: März 2019 Phonophani - Genetic engineering

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Gepostet: 05.03.2019 - 19:46 Uhr  ·  #4
Besten Dank für Deine Mühe und Vorstellung. In vielen Bereichen haben wir Überschneidungen. So war ich nach dem Lesen Deiner Rezi gespannt auf die Hörbeispiele, zumal sie sehr einladend und blumig umschrieben waren. Leider jedoch ist das nicht die Art von Musik, die ich mir anhören kann. So finde ich es immer sehr interessant, wie unterschiedlich Musik wahrgenommen und letztendlich auch umschrieben wird.

So oder so - mal wieder eine feine Rezi :-)
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Re: März 2019 Phonophani - Genetic engineering

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Gepostet: 07.03.2019 - 18:21 Uhr  ·  #5
Hallo Andreas,

besten Dank für die Vorstellung. Die Musik hat was Hypnotisches. Das ist schon mal gut. Aber man muss in der Stimmung sein. Für so Nebenbei ist es zu ausgefallen.
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