Blood, Sweat & Tears

 
Rainer The Mage
 
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Blood, Sweat & Tears

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Gepostet: 26.02.2012 - 16:43 Uhr  ·  #1
Zeit hier mal eine absolut unverzichtbare Größe des Brass-/Jazz-Rock anzusprechen.



New York, wir schreiben das Jahr 1967. Al Kooper, Jim Fielder, Fred Lipsius, Randy Brecker, Jerry Weiss, Dick Halligan, Steve Katz, Howard Levy und Bobby Colomby gründen gemeinsam die Gruppe Blood, Sweat & Tears. Kooper und Katz hatten schon bei Blues Projekt zusammen musiziert, einer der ersten Jam-Bands, welche unter anderem Blues, Psych, Rock, usw. miteinander verschmolzen. Kooper war sehr angetan von der Musik der Buckinghams und des Maynard Ferguson Orchesters, was in letztlich dazu motivierte selbst eine Rock-Band mit Bläsern aufzustellen. Nachdem Kooper eines Abends mit blutiger Hand sein Keyboard maltretiert hatte entschied er sich für den passenden Bandnamen. Im Gegensatz zu dem als Kollektiv gegründetem Blues Projekt bestand Kooper bei BS&T von Anfang an auf die Rolle des Bandleaders. Jim Fielder war bereits mit Frank Zappa's Mothers Of Invention und für kurze Zeit auch mit Buffalo Springfield unterwegs.
Sicher war es Koopers Berühmtheit, welche einen entscheidenden Anteil am Erforlg des Erstlings Child Is Father To The Man von 1968 hatte, schließlich spielte er unter anderm mit Dylan und Hendrix. Die Fans fuhren sofort auf die Mischung aus Jazz, Psych und Rock ab und die Band wurde zu einem wichtigen Teil der Musikkultur der späten 60er. Mit dem Harry Nilsson Song "Without Her" und der möglicherweise besten Blues-Nummer, welche Kooper jemals geschrieben hat, "I Love You More Than You'll Ever Know", sind 2 Top-Nummern hervorzuheben.



Während das Album bei den Kritikern sofort einschlug, brauchte es seine Zeit, bis die Verkaufszahlen stiegen. Innerhalb der Band entwickelten sich aber immer mehr künstlerische Differenzen, da Colomby und Katz den Maestro lieber nur am Keyboard oder beim Songschreiben sehen wollten und sich für einen stärkeren Sänger einsetzten. Nachdem Kooper noch ein paar Arrangements für den selbstbetitelten Nachfolger geschrieben hatte wurde er vor die Tür gesetzt.

2 Mann aus der Brass-Section gingen nach dem 2ten Album ebenfalls ihrer Wege. Randy Brecker schließ sich erst Horace Silver an um später mit seinem Bruder Michael als Dreams und später als The Brecker Brothers Karriere zu machen. Jerry Weiss gründete mit Ambergris eine Gruppe, welche im Fahrwasser von BS&T, Chicago, Electric Flag, usw. anzusiedeln ist. Lew Soloff und Chuck Winfield kamen als Ersatz.
Nachdem das geklärt war ging es für Colomby und Katz daran, einen Sänger zu suchen. Nachdem man sich mit Stephen Stills und Laura Nyro beschäftigt hatte entschied man sich für den Kanadier David Clayton-Thomas. Angeblich soll die Folk-Lady Judy Collins einen Auftritt von ihm in einem kleinen New Yorker Club erlebt haben, welcher sie so verzückte, dass sie sofort ihren guten Freunden Colomby und Katz bescheid gab. Neben den 3 genannten kamen noch Dick Halligan an der Orgel und Jerry Hyman (Posaune) dazu, was die Band auf 9 Mitglieder anwachsen ließ.



Auf dem 2ten Streich der umformierten Truppe ging es schon deutlich mehr in Richtung Pop und es wurde auch weniger von der Band selbst geschrieben. Das Album wurde zur Scheibe des Jahres gewählt und ließ somit unter anderem das Abbey Road Album der Beatles hinter sich :twisted:. Die Hits diesmal waren ein Cover von Berry Gordy und Brenda Holloways "You've Made Me So Very Happy", die Clayton-Thomas Komposition "Spinning Wheel" und eine Version vonLaura Nyros "And When I Die". Der Erfolg bei den Kritikern und Fans sorge für einen Auftritt beim Woodstock Festival. Es gab jedoch leichte Problem mit den Plattenfirmen, da man BS&T nach dem Abgang Koopers nicht gerade mit der kulturellen Gegenbewegung der Zeit in Verbindung brachte. Dies wurde nicht gerade besser, als man 1970 eine vom Staat Amerika gesponsorte Tour durch Ost-Europa antrat. Einige Jahre später kam jedoch heraus, dass die Band dem nur zustimmte, damit das State Department die Visa-Bedingungen für Clayton-Thomas lockerer gestalten würde.

Nachdem man wieder in die USA zurückgekehrt war erschien mit dem Album 3 das nächste Erfolgsalbum, auch hier gab es mit "Hi-De-Ho" von Carole King wieder einen Hit aus fremder Feder.
Daneben gab es jedoch mit "Lucretia MacEvil"auch eine ebenfalls starke Nummer von Clayton-Thomas. Während es der Band gelang den erfolgreichen Stilmix der Vorgänger weiter aufrecht zu erhalten, gab es aber fast nur noch Fremdkompositionen auf dem Album. Einige Rezensionen zielten fast ausschließlich auf die Bereitschaft der Band, mit dem State Department zusammen zuarbeiten, ohne überhaupt auf die Musik einzugehen.



Die Imageprobleme wurden nicht gerade kleiner, als man sich entschied im Caesars Palace in Vegas aufzutreten, einem Mainstream Venue, welches nicht gerade für radikale Acts stand. Als man auch noch den Soundtrack zum Streisand/Segal-Film "The Owl And The Pussycat" übernahm, war es wohl endgültig dahin mit der Reputation im Underground.

Man entschied sich, wieder mit dem im Jazz verwurzelten Produzenten Don Heckman aufzunehmen und Dave Bargeron kam für Jerry Hyman an die Posaune. Es entstand das erste Album seit dem Debut, welches fast komplett selbst geschrieben wurde. Interessanterweise Covert man hier ausgerechnet "Holy John (John The Baptist)" von Ex-Mitglied Kooper. Das Album 4 erreichte zwar Gold-Status, allerdings kam keine der Singles in die Top 30 und es began der kommerzielle Abstieg der Band.



Es kam zu Differenzen zwischen der Pop- und Jazz-Fraktion der Band, bei denen Clayton-Thomas keine Partei ergreifen wollte und verließ letztendlich im Januar '72 die Gruppe um mit seiner Solo-Karriere, welche er ja gleichzeitig mit seinem Einstieg in die Band mit einem Solo-Album gestartet hatte fortzusetzen.

Zuerst vertrat ihn Bobby Doyle auf welchen Jerry Fisher folgte, welcher die nächste Generation von BS&T anführen sollte. Fred Lipsius verließ die Gruppe und für ihn stieß Jazz-Legende Joe Henderson hinzu, welcher allerdings nicht lang genug blieb, um an einer Aufnahme beteiligt gewesen zu sein. Lou Marini war letzten Endes der nächste feste Bestandteil auf der Position. Mit Dick Halligan ging ein weitere Gründungsmitglied und für ihn kamen der Jazz-Pianist Larry Willis und der schwedische Gitarrist George Wadenius. Neben den personellen Veränderungen kam ein Greatest Hits Album heraus, welches das letzte Gold Album der Gruppe werden sollte.



Während dieser Zeit hatten sich bereits einige andere Bands im Brass-Rock-Sektor festgespielt, darunter Chase, Ides Of March und Lighthouse, welche alle das Erbe von BS&T antraten und mit ihnen konkurrierten.

Auf dem ersten Album der neuformierten Truppe New Blood von 1972 bewegte sich die Gruppe mehr in Richtung Jazz-Fusion. "So Long Dixie" erhielt einiges an Spielzeit im Rundfunk, was dem Album aber auch nicht weiterhalf und es wurde die letzte LP in den Top 40. Auf dem Album findet sich auch ein Cover von Herbie Hancocks "Maiden Voyage", auf welchem Wadenius den Gesang übernahm.



Mitte '73 ging dann auch Katz, da er unzufrieden war mit der eingeschlagenen Richtung zum Fusion-Sound. Winfield ging ebenfalls, für ihn kam Tom Malone ins Boot. Auf No Sweat, welches im selben Jahr erschien, behielt man den Kurs bei



Ein Jahr später gabs dann noch Mirror Image, auf welchem Jerry LaCroix, zuvor bei Edgar Winters White Trash, an Saxophon und Mikro einstieg. Tillman, McClure, Malone, Soloff und Fielder verließen die Gruppe. Der Sound des Albums ist irgendwo zwischen dem Soul-Sound aus Philadelphia mitte der 70er, den Sachen von Hancock aus der Zeit und evtl. auch Chick Coreas Return To Forever.



Das Personalkarussell drehte sich munter weiter, wobei '74 dann Clayton-Thomas zurückkehrte und er gab dann auf New City von 1975 sein Comeback. Im Anschluss daran gabs dann noch ein letztes Album auf Columbia, More Than Ever, nach welchem das letzte Gründungsmitglied Colomby auch noch ausstieg.





Nachdem die Band einen Vertrag bei ABC unterzeichnet hatte, mit Colomby als Produzent und als einziger mit dem Namensrecht für die Gruppe ausgestattet. New Day war nicht sonderlich erfolgreich und man versuchte dies mit einer Europa Tour '78 auszugleichen. Die Tour endete jedoch abrupt, als Gregory Herbert am 31.1.1978 in Amsterdam an einer Überdosis starb. Man entschied sich eine Pause zu machen.



Danach gabs einige Reinkarnationen der Band, allerdings nichts was ich hier für erwähnenswert halte. Das Live-Album In Concert, welches später als Live And Improvised neu veröffentlicht wurde, wäre evtl noch was, die Aufnahmen sind aus dem Jahr '75 und von der Tour zum Album [img]New City[/img]. Hab die DoLP und find es mindestens solide.



Insgesamt find ich die Band ziemlich wichtig, da sie als eine der ersten Bands eine Fusion aus Jazz, Blues, Psych, Pop, Rock und sonst noch was boten, haben bei mir auch vor Chicago gezündet. Die Box mit den ersten 5 Alben im Vinyl-Replika-Look kann ich nur empfehlen, da sind die Sternstunden schon mal dabei. Da ich aber auch mit Soul und klassischem Jazz-Fusion was anfangen kann, hat die Band noch die ein odere andere gute Nummer/Platte auf Lager, aber Ende der 70er war ja eh fast keiner mehr dabei und dann ists auch mal gut ;)

ForbiddenPlanet
 
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Re: Blood, Sweat & Tears

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Gepostet: 27.02.2012 - 11:20 Uhr  ·  #2
Einfach eine tolle Band (gewesen...die Truppe, die heute noch unter diesem Namen tourt, ist leider sehr schwachbrüstig). Neben den ersten Alben mag ich auch die Mirror Image sehr gern. Nur eines geht nicht: Spinning Wheel. Was hat mich diese Nummer zeit meines Lebens genervt.
Rainer The Mage
 
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Re: Blood, Sweat & Tears

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Gepostet: 01.03.2012 - 17:40 Uhr  ·  #3
Ja, später ist da echt eine Band draus geworden, die mit dem Original nix mehr zu tun hat :|
Mr. Upduff
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Re: Blood, Sweat & Tears

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Gepostet: 01.03.2012 - 20:41 Uhr  ·  #4
Zitat geschrieben von ForbiddenPlanet
...auch die Mirror Image sehr gern. Nur eines geht nicht: Spinning Wheel. Was hat mich diese Nummer zeit meines Lebens genervt.

Ich fand die immer "lustig"...war doch immer schön, diese schrägen Jazztupfer in nur-Popverseuchten Kanälen zu vernehmen...und ich war noch sehr jung...und "Oh Du lieber Augustin" kannte ich ja schonn vorher...er kam ja immer als Schlußhupferl...

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