Karl Seglem - Ossicles

mysteriöse Klänge aus den Tiefen Norwegens....

 
firebyrd
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Karl Seglem - Ossicles

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Gepostet: 09.11.2010 - 12:06 Uhr  ·  #1
Karl Seglem - Ossicles


Man staune: Das ist das nun 27. Album des norwegischen Musikers und doch klingt sein Name nicht 'in aller Munde', oder?

Für vier der Titel zogen sich er und die Band in ein idyllisch gelegenes Herrenhaus in Salderatzen zurück, aufgenommen wurde in einem alten holzgetäfeltem Tanzsaal vor einem kleinem Publikum. Alle anderen Stücke entstanden in Oslo im Studio.

Start: Ein schleppender Rhythmus, mit Perkussion untermalt und schwebenden Klängen, die sich aus einem Gemisch von Ziegenhorn, der Hardangerfiedel und Gesang ohne Worte sowie einer Vielzahl weiterer Instrumente dicht zusammenfügen.
Laut Seglem war das eine Auftragsarbeit, die 2006 uraufgeführt wurde; ein vortrefflicher Auftakt, der sehr neugierig darauf macht, wie es wohl weitergehen mag. Und so geht das Stück ohne Unterbrechung nahtlos über, in das von einem ganz sanften Reggaerhythmus und vom Tenorsax geleitete "Mårblå (More Blue)". Dabei zeigt sich, wie schwierig es grundsätzlich ist, hier nicht wie Jan Garbarek zu klingen, weil genau das hier dessen 'Metier' wäre. Doch der Musiker schafft es, anders zu klingen. Die Nummer ist einem ganz einsamen Ort in Norwegen gewidmet; ein Ort, in dem es fast nur unberührte Natur gibt. Schön, wie hier wieder die Hardangerfiedel gestrichene Akzente setzt!

Nun wird es jazziger, ein dezenter karibischer Ausdruck mit der E-Gitarre im Vordergrund, von Perkussion und Melodieführung durch das Tenor getragen und bestimmt. Ein sehr leicht fließender und sehr harmonischer Titel, und auch ist es wieder die Fiedel, die eine besondere Färbung hineinbringt. Der Gitarrist glänzt mit einem beschwingten Solo, das er sehr abwechslungsreich gestaltet, dann setzt das Arrangement wieder ein. Es ist schon unglaublich, was hier auf die Beine gestellt wurde!
Etwas komplizierter wird es bei "Sognabad" - eine eher holpernde und 'unschlüssige' Atmosphäre mit ganz leicht fernöstlichem Anstrich. Und so kann man dann auch lesen, dass der Titel zwei pakistanischen Musikern gewidmet ist. Die Perkussion ist stark bestimmend.
Ferner hören wir sehr folkloristisch ausgestaltete Stücke ("APAL"), mit klangbestimmenden Einsatz eines norwegischen und eines afrikanischen Instruments. Das ist fürwahr ein völkerverbindender Gedanke, dann eine Jazzballade im Ansatz mit langen Saxtönen wie zu einer Märchenerzählung vertont, verklärt und weit weg. Eine reiche Bildersprache ist das auf "Din Folketone", übrigens von Seglem ganz solo und unbegleitet vorgetragen (schade, die 2:31 Minuten sind so schnell vorbei).
Der letzte norwegische Troll, offensichtlich mit der Hardangerfiedel in Händen springt uns auf "The Last Norwegian Troll (Springar)" entgegen, und immer wieder sind es Einflüsse aus den norwegischen Folkmelodien, die für die Nationalgeige geschrieben wurden.
Aus dem Rahmen fällt "Ossicles", das mit getriggerter Perkussion etwas flatterhaft erscheint, bis dann zum Schluss - anfänglich meint man Ansätze von Blues zu hören - noch einmal ein wahrer Reigen verschiedener Einflüsse angenehm auf uns niederprasselt. "The Ornes Song", inspiriert von einer alten Stabkirche aus dem 11. Jahrhundert, einem magischen Ort, wie Seglem schreibt, durch das Goat Horn wird diese Magie eindrucksvoll beschrieben. Ein Abschluss, der so eindrucksvoll ist wie der Eingangstitel.

Ich bin grundsätzlich eher sparsam mit Tipps, aber hier kann ich nicht umhin, diese Platte als eine mit der interessantesten Musik, die ich lange nicht mehr in dieser Verquickung aus nordischer Folklore und Jazz gehört habe, zu bezeichnen.
Seglem könnte sich auf dem ECM-Label sehr gut ausleben, und ist ohnehin eine sehr ernsthafte Konkurrenz für Garbarek auf diesem Sektor. Er ist nur viel tiefer verwurzelt in der Musik seines Landes.

Die Musiker:


Karl Seglem (goat horn [trumpet] - #1, 9, 11, vocal - #1, tenor sax - #2-9, 11, goat horn [with mouthpiece] - #4, antilope horn - #4, goat horn [tongue horn with reed] - #8, voice - #9, 11, goat horn{[tongue horn] - #10)
Håkon Høgemo (hardanger fiddle - #1-5, 7, 9, 11, foot stomping - #2, hardanger fiddle sample - #8)
Olav Torget (electric guitars [Castrol] - #1, 9, guitar - # 3, 4, 8, mbira - #2, konting [West African ngoni] - #5, 11)
Gjermund Silset (bass - #1-5, 8, 9, 11)
Kenneth Ekornes (drums, percussion - #1-5, 9, , tabla box - #2)
Erland Dahlen (drums, percussion - #1, 3, 5, 7-11 , steel pan - #1, 9, drums, bells/crotales - #1, 9, dulcimer/marxophone - #1, shaker - #3, 9, snare drum - #3, bass drum - #5 & log drum - #5, 9, hand clapping/castanets - #5, piano - 5, organ, piano strings - #7, saw - #9, 10, 11, log-drum bass [triggered] - #10)
Harald Skullerud (bells/metal - #8)

Alle Titel:

01:Gammal Rørsle [Old movement] (7:05)
02:Mårblå [More blue] (7:19)
03:Rørsletre [Moving3] (5:51)
04:Sognabad (4:22)
05:Apal [Apple3] (6:15)
06:Din Folketone(2:31)
07:The Last Norwegian Troll [Springar] (5:06)
08:Ørken [Desert] (4:26)
09:Laust Aus [Loose Loose] (4:23)
10:Ossicles (3.33)
11:The Ornes Song (4:32)



http://www.karlseglem.no/appbo…e&lg=en_en


Wolfgang
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