Jazzmusiker Manfred Schulze gestorben
BLZ
BERLIN. Der Jazzmusiker und Komponist Manfred Schulze alias "Catcher" ist tot. Der 75-Jährige erlag am Sonntag einer langen, schweren Krankheit. Schulze prägte wie kein anderer die Jazzszene in der DDR. Bereits Ende der 1960er-Jahre strebte er eine Synthese von zeitgenössischer klassischer Musik und Jazz an. Er komponierte in der europäischen Tradition und wollte keine bloße Nachahmung des amerikanischen Jazz. Die fehlende Reisefreiheit in der DDR verhinderte seine internationale Anerkennung. In den Sechzigern leitete er mit Ernst-Ludwig Petrowsky das Manfred-Ludwig-Sextett. Später spielte Schulze in der Gerhard-Stein-Combo und in Bands von Klaus Lenz. 1969 gründete er das Manfred-Schulze-Bläserquintett, das er bis zu seiner Erkrankung 1991 leitete. Mehrere Alben von Manfred Schulze sind bei FMP erschienen. (BLZ) (Berliner Zeitung, 27.7.10)
Vielleicht kennt jemand Manfred "Catcher" Schulze? Ich habe ihn Anfang der 70er "kennen" gelernt ( Praxis II & Manfred Schulze Formation), ab '73 im Manfred-Schulze-Bläser-Quintett. Er ist - spärlich - auf eigenen Platten (u.a Choralkonzert AMIGA JAZZ 856356 von 1988; Berliner Improvisationsquartett AMIGA JAZZ 855717 von 1979, Viertens: Nummer 12 auf FMP CD 87 von 1985/86 sowie der FMP Scheibe Konzertino FMP CD 70 von 1995; letztere Platte konnt von ihm nicht mehr bespielt werden, da er schon erkrankt war und so spielen nur seine Mitstreiter, eben die Mitglieder des damaligen Manfred Schulze Bläserquintett die Platte ein: Paul Schwingenschlögel, Manfred Hering, Heiner Reinhard, Gert Anklam und Johannes Bauer) zu hören.
1964 bis 1970 spielte er in der Klaus Lenz Big Band bzw. im Klaus Lenz Orchester, danach in eigenen Formationen wie erwähnt. Schulze spielte sehr expressiv, was er spielte wollte er nicht Free Jazz genannt wissen, es hörte sich aber so an. Ein kleiner Mann an einem großen Baritonsaxophon, der durch das Ding röhren konnte wie ein Berserker, der aber ganz andere Hintergünde hatte, der sich um die Quellen europäischer Musik kümmerte und auf die Frage, was er aus dem Bereich der populären Tanz- und Unterhaltungsmusik für verwertbar halte, antwortete:
"Europa hat zwei positive Beiträge geliefert: den Wiener Walzer und die Beatles." (Aus Bert Noglik/Heinz-Jürgen Lindner "Jazz im Gespräch", Verlag Neue Musik Berlin 1979).
Schulze spielte sehr körperbetont, die körperliche Spielweise war für ihn notwendig. Auf die Frage, welchen musikalischen Stellenwert für ihn Expressivität und Intensität des Ausdrucks haben, antwortet er:
"Expressivität und Intensität sind von meiner Spielweise nicht zu trennen. Zum Teil hängt das mit meinem Instrument zusammen. Ich blase mit einer offenen Bahn und sehr harten Blättern." (Zitat aus "Jazz im Gespräch", wie oben)
Seine Platten sind harte Kost, aber vielleicht gerät mal einer der Artisten hier an eine solche. Ich verbinde jedenfalls mit Manfred Schulze und seinen Formationen sehr schöne Erinnerungen; seine Musik, sein "Free Jazz", seine alle mir bis dahin bekannten Konventionen in der Musik (Rock, Blues, Pop, Disco etc.) sprengende und ohrenbetäubende, aber gleichzeitig öffnende Musik, sensibilisierte, brachte mich (neben anderen frei improvisierenden Musikern) zum Zuhören.
Radiot grüßt! :8)
P.S.: Nach der Beschreibung könnt ihr euch vielleicht auch vorstellen, warum man ihn "Catcher" nannte!
BLZ
BERLIN. Der Jazzmusiker und Komponist Manfred Schulze alias "Catcher" ist tot. Der 75-Jährige erlag am Sonntag einer langen, schweren Krankheit. Schulze prägte wie kein anderer die Jazzszene in der DDR. Bereits Ende der 1960er-Jahre strebte er eine Synthese von zeitgenössischer klassischer Musik und Jazz an. Er komponierte in der europäischen Tradition und wollte keine bloße Nachahmung des amerikanischen Jazz. Die fehlende Reisefreiheit in der DDR verhinderte seine internationale Anerkennung. In den Sechzigern leitete er mit Ernst-Ludwig Petrowsky das Manfred-Ludwig-Sextett. Später spielte Schulze in der Gerhard-Stein-Combo und in Bands von Klaus Lenz. 1969 gründete er das Manfred-Schulze-Bläserquintett, das er bis zu seiner Erkrankung 1991 leitete. Mehrere Alben von Manfred Schulze sind bei FMP erschienen. (BLZ) (Berliner Zeitung, 27.7.10)
Vielleicht kennt jemand Manfred "Catcher" Schulze? Ich habe ihn Anfang der 70er "kennen" gelernt ( Praxis II & Manfred Schulze Formation), ab '73 im Manfred-Schulze-Bläser-Quintett. Er ist - spärlich - auf eigenen Platten (u.a Choralkonzert AMIGA JAZZ 856356 von 1988; Berliner Improvisationsquartett AMIGA JAZZ 855717 von 1979, Viertens: Nummer 12 auf FMP CD 87 von 1985/86 sowie der FMP Scheibe Konzertino FMP CD 70 von 1995; letztere Platte konnt von ihm nicht mehr bespielt werden, da er schon erkrankt war und so spielen nur seine Mitstreiter, eben die Mitglieder des damaligen Manfred Schulze Bläserquintett die Platte ein: Paul Schwingenschlögel, Manfred Hering, Heiner Reinhard, Gert Anklam und Johannes Bauer) zu hören.
1964 bis 1970 spielte er in der Klaus Lenz Big Band bzw. im Klaus Lenz Orchester, danach in eigenen Formationen wie erwähnt. Schulze spielte sehr expressiv, was er spielte wollte er nicht Free Jazz genannt wissen, es hörte sich aber so an. Ein kleiner Mann an einem großen Baritonsaxophon, der durch das Ding röhren konnte wie ein Berserker, der aber ganz andere Hintergünde hatte, der sich um die Quellen europäischer Musik kümmerte und auf die Frage, was er aus dem Bereich der populären Tanz- und Unterhaltungsmusik für verwertbar halte, antwortete:
"Europa hat zwei positive Beiträge geliefert: den Wiener Walzer und die Beatles." (Aus Bert Noglik/Heinz-Jürgen Lindner "Jazz im Gespräch", Verlag Neue Musik Berlin 1979).
Schulze spielte sehr körperbetont, die körperliche Spielweise war für ihn notwendig. Auf die Frage, welchen musikalischen Stellenwert für ihn Expressivität und Intensität des Ausdrucks haben, antwortet er:
"Expressivität und Intensität sind von meiner Spielweise nicht zu trennen. Zum Teil hängt das mit meinem Instrument zusammen. Ich blase mit einer offenen Bahn und sehr harten Blättern." (Zitat aus "Jazz im Gespräch", wie oben)
Seine Platten sind harte Kost, aber vielleicht gerät mal einer der Artisten hier an eine solche. Ich verbinde jedenfalls mit Manfred Schulze und seinen Formationen sehr schöne Erinnerungen; seine Musik, sein "Free Jazz", seine alle mir bis dahin bekannten Konventionen in der Musik (Rock, Blues, Pop, Disco etc.) sprengende und ohrenbetäubende, aber gleichzeitig öffnende Musik, sensibilisierte, brachte mich (neben anderen frei improvisierenden Musikern) zum Zuhören.
Radiot grüßt! :8)
P.S.: Nach der Beschreibung könnt ihr euch vielleicht auch vorstellen, warum man ihn "Catcher" nannte!