STEELY DAN - Can’t Buy a Thrill

 
badMoon
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STEELY DAN - Can’t Buy a Thrill

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Gepostet: 28.10.2026 - 12:14 Uhr  ·  #1
Der Bandname STEELY DAN ist schon mal eine Ansage: Er stammt aus William S. Burroughs’ Roman „Naked Lunch“, in dem ein ziemlich ungewöhnliches Sexspielzeug namens Steely Dan vorkommt – genauer gesagt ein Dildo aus Stahl - wenn das mal kein Einstieg ist! Donald Fagen und Walter Becker waren Fans der Beat-Literatur und fanden die Idee offenbar herrlich schräg. Sie brauchten damals einen Namen und rechneten ohnehin nicht damit, dass das Projekt länger als ein halbes Jahr überleben würde. Also lieber ein schlüpfriger Insiderwitz als ein brav aus dem Namensgenerator gezogener Bandname. Der Humor der beiden war jedenfalls schon früh erkennbar – und sollte auch später in ihren Texten immer wieder durchblitzen.

STEELY DAN - Can’t Buy a Thrill | 1972 | USA | Rock, Pop, Jazz-Rock

1972 also. Die beiden Herren legen ihr Debüt vor, und gleich der Opener Do It Again wird ein Riesenhit. Da haben sie wohl nicht viel falsch gemacht. Dieser lässige Groove, die Orgel, der leicht angeknackste Rhythmus – das Ding setzt sich fest, ohne einem gleich mit dem Vorschlaghammer auf die Ohren zu hauen. Einmal gehört, summt man die Nummer womöglich noch beim Zähneputzen. Dabei ist Do It Again nur der Anfang.

Denn auf „Can’t Buy a Thrill“ geht es ziemlich abwechslungsreich zu. Rock, Pop und eine ordentliche Prise Jazz werden hier so zusammengeworfen, dass es nie nach musikalischer Resteverwertung klingt. Die Gitarren dürfen auch mal zubeißen, die Keyboards machen sich nützlich, und die Songs haben Melodien, die hängen bleiben. Gleichzeitig hört man, dass Fagen und Becker nicht einfach irgendeine Band zusammengetrommelt haben, um ein paar Nummern einzuspielen. Da sitzen Musiker am Werk, die wissen, was sie tun. Zum Glück müssen sie uns das nicht alle drei Minuten mit einem endlosen Solo unter die Nase reiben.

Dass diese Mischung nicht nur auf dem Papier funktioniert, zeigte sich schon früh an der Reaktion des Publikums. Mit Do It Again, dem Opener des Albums, landeten STEELY DAN in den USA gleich einen beachtlichen Treffer: Die Single schaffte es bis auf Platz 6 der Billboard Hot 100. Ein schöner Einstand für eine Band, die ursprünglich wohl kaum mit einem derartigen Erfolg gerechnet hatte. Dieser lässige Groove, die markante Orgel und der leicht verschrobene Rhythmus gingen ins Ohr, ohne sich beim Publikum anzubiedern. Der Song dürfte dem Debütalbum ordentlich Rückenwind gegeben haben und wurde zur Visitenkarte der Band. Kein schlechter Start für zwei Herren, die bei der Namenswahl offenbar mehr Sinn für schrägen Humor als für langfristige Karriereplanung bewiesen hatten.

Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=vptlTsgu9p0

Weiter geht es mit Reelin’ in the Years. Hier geht ordentlich die Post ab, und die Gitarren haben richtig Biss. Das ist knackiger Rock, der auch heute noch bestens funktioniert. Ich frage mich bei solchen Nummern gelegentlich, warum manche Bands für einen einzigen guten Song gefühlt drei Alben brauchen, während andere so etwas locker bereits auf einem Debütalbum aus dem Ärmel schütteln. STEELY DAN hatten jedenfalls ein Händchen dafür. Auf der anderen Seite steht Dirty Work: deutlich geschmeidiger, beinahe zum Zurücklehnen geeignet. Wäre da nicht der Text, der der Sache einen kleinen Haken verpasst. So heißt es beispielsweise im Refrain:

I′m a fool to do your dirty work, oh yeah / I don′t wanna do your dirty work no more / I'm a fool to do your dirty work, oh yeah

Der Refrain, in dem es heißt: "Ich bin ein Narr, dein schmutziges Werk zu tun, oh ja", betont das Gefühl, ausgenutzt zu werden. Der Protagonist erkennt seine eigene Rolle und die Ungerechtigkeit in dieser Beziehung, hat aber Schwierigkeiten, sich von ihr zu lösen. Diese Ambivalenz zieht sich durch den gesamten Text.

Musikalisch wird einem Honig ums Maul geschmiert, während der Erzähler sich auf eine Affäre mit einer Frau einlässt, obwohl ihm offenbar klar ist, dass er für sie nicht gerade die große Liebe ist. Er weiß, worauf er sich einlässt, macht aber trotzdem mit. Da klingt die Musik doch gleich ein ganzes Stück weniger unschuldig.

Überhaupt sind Fagen und Becker keine Kandidaten für die Abteilung „Wir meinen es doch nur gut“. Sie beobachten ihre Mitmenschen lieber mit einer gesunden Portion Spott und haben offensichtlich Spaß daran, die eine oder andere Macke aufs Korn zu nehmen. Ihre Texte sind nicht immer auf Anhieb zu durchschauen, aber gerade das gefällt mir. Da wird nicht jedes Detail erklärt und schon gar nicht mit dem moralischen Zeigefinger herumgefuchtelt. Man kann sich seinen Teil denken und nebenbei überlegen, ob man über die Figuren im Song lachen oder ihnen lieber aus dem Weg gehen sollte. Der schräge Humor, der schon beim Bandnamen durchschimmert, ist jedenfalls keine einmalige Nummer.

Apropos schräg: Auch die Plattenhülle ist ein Hingucker. Das Cover von „Can’t Buy a Thrill“ zeigt eine Fotomontage von Robert Lockart, auf der unter anderem Prostituierte zu sehen sind. Das Ganze wirkt wie ein etwas merkwürdiger Schnappschuss aus einer anderen Welt und passt durchaus zu den Herren, die sich einen Dildo aus Stahl als Bandnamen ausgesucht haben. Wobei Fagen und Becker mit der Gestaltung wohl nicht besonders glücklich waren und sie angeblich für eines der hässlichsten Cover der Siebziger hielten. Da haben wir es wieder: Die Geschmäcker sind verschieden. Ich finde jedenfalls, dass die Hülle im Gedächtnis bleibt. Ob aus Begeisterung oder Verwunderung, sei mal dahingestellt.

Mit Midnite Cruiser zeigen STEELY DAN dann wieder ihre entspanntere Seite. Diese Ruhe tut dem Album gut. Es muss nicht immer mit Vollgas um die Ecke kommen, um interessant zu bleiben. Die Platte wechselt zwischen rockigeren Nummern und ruhigeren Momenten, ohne dass man das Gefühl bekommt, hier hätte jemand wahllos alles zusammengepackt, was gerade im Proberaum herumlag.

Natürlich klingt „Can’t Buy a Thrill“ noch nicht in jeder Hinsicht wie das STEELY DAN, das später mit Alben wie „Aja“ seinen ganz eigenen Maßstab setzen sollte. Das Debüt steht noch stärker im Rock und Pop seiner Zeit, lässt aber bereits erkennen, wohin die Reise gehen kann. Für mich ist das kein Makel. Ich brauche nicht bei jedem ersten Album schon die endgültige Meisterleistung, die anschließend bitte nie wieder übertroffen werden darf. Hier gibt es genügend gute Songs, musikalische Ideen und kleine Feinheiten, die auch beim wiederholten Hören Freude machen. Außerdem klingt die Platte nicht so, als hätten die Beteiligten während der Aufnahmen ständig auf die Stoppuhr und den Taschenrechner geschaut.

Warum ich ausgerechnet jetzt wieder zu diesem Album gegriffen habe, hatte eigentlich keinen besonderen Grund. Bei all den Neuerscheinungen, neuen Bands und Genres, die in letzter Zeit bei mir aufgeschlagen sind, hatte ich einfach mal wieder Lust auf etwas Vertrautes. Also fiel die Wahl auf „Can’t Buy a Thrill“, ein Album, das ich gefühlt eine Ewigkeit nicht mehr gehört hatte. Umso erstaunter war ich, wie viele Songs mir schon nach den ersten Takten wieder bekannt vorkamen. Offenbar hatten sich die Stücke über all die Jahre doch tiefer in meinem musikalischen Gedächtnis festgesetzt, als ich gedacht hätte. Schön, wenn man solche alten Bekannten wiedertrifft und merkt, dass längst nicht alles verloren gegangen ist.

Obwohl ich „Aja“ für das beste Album von STEELY DAN halte, habe ich mir für diese Rezension ganz bewusst „Can’t Buy a Thrill“ vorgenommen. Schließlich wollte ich mich diesmal mit dem Debüt beschäftigen und nicht gleich wieder bei meinem persönlichen Favoriten landen. Gelohnt hat sich die Wiederbegegnung allemal. Das Album ist weit mehr als eine Startrampe für spätere Großtaten: ein Riesenhit zum Einstieg, weitere starke Songs und eine herrlich lockere Mischung aus musikalischem Können und trockenem Humor. Die Platte macht Spaß und hat genug Ecken und Kanten, um auch nach mehreren Durchläufen nicht langweilig zu werden. Wer STEELY DAN bisher nur vom Hörensagen kennt, darf hier gerne mal die Ohren aufsperren. Der Bandname ist vielleicht aus Stahl, die Musik ist jedenfalls alles andere als ein steifer Brocken.

[Die Songs]
Do It Again – 5:57
Dirty Work – 3:09
Kings – 3:46
Midnite Cruiser – 4:08
Only a Fool Would Say That – 2:58
Reelin’ in the Years – 4:37
Fire in the Hole – 3:28
Brooklyn (Owes the Charmer Under Me) – 4:21
Change of the Guard – 3:40
Turn That Heartbeat Over Again – 4:58

[Die Musiker]
Donald Fagen – Gesang, Keyboards, Piano, Orgel
Walter Becker – Bass, Hintergrundgesang
Denny Dias – Gitarre, elektrische Sitar
Jeff „Skunk“ Baxter – Gitarre, Pedal-Steel-Gitarre
Jim Hodder – Schlagzeug, Percussion, Gesang
David Palmer – Gesang

[Weitere Musiker]
Elliott Randall – Gitarre
Victor Feldman – Percussion
Jerome Richardson – Tenorsaxophon
Snooky Young – Flügelhorn
Clydie King – Hintergrundgesang
Venetta Fields – Hintergrundgesang
Sherlie Matthews – Hintergrundgesang
Mr. Upduff
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Re: STEELEY DAN - Can’t Buy a Thrill

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Gepostet: 28.10.2026 - 12:20 Uhr  ·  #2
.... für mich die Status Quo unter dem guten Bands... mit einer wie ich finde sehr guten musikalischen Idee zig-fache Alben zu füllen... das Debüt war das frischeste (und Aja das Beste)... der Opener ist serste Sahne (wie auch deine Rezi) und lässt die Nadel auf der Rille bis zum Schluss...
badger
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Re: STEELEY DAN - Can’t Buy a Thrill

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Gepostet: 28.10.2026 - 15:42 Uhr  ·  #3
Eine wieder mal ganz vorzügliche Rezession, die auch eine Menge Drum-Herum-Info beinhaltet (was ich sehr mag).
Das Debut schlug damals ziemlich ein, wohl weil es musikalisch einen neuen Stil bot; Do It Again füllte dann auch
die Tanzflächen und ist immer noch mein Lieblingsstück von Ihnen.

Was Mr. Upduff dazu bemerkt sehe ich etwas ähnlich, denn diese 'Frische' ist auf späteren Werken nicht mehr so
präsent und letztlich ist neben dem fulminanten Debut nur noch Prezel Logic im Regal verblieben.
Wobei mir die Frage offen bleibt, ob ich nicht ein oder zwei weitere Alben hätte behalten sollen.

Das Debut ist jedenfalls ein Inselwerk.
frimp
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Re: STEELEY DAN - Can’t Buy a Thrill

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Gepostet: 28.10.2026 - 16:47 Uhr  ·  #4
Sehr treffende Rezi!
Bei diesem Album hatte ich beim ersten Mal wirklich gedacht, es wäre eine Best Of-Compilation.
Ja nix - die haben das Ding tatsächlich als Debüt rausgehauen!
Lief und läuft bis heute als mein Liebstes von Steely Dan.

Ich hatte mir irgendwann die Box "Citizen Steely Dan 1972-1980" geholt, welche alle Alben in der Zeit auf 4 CDs gepackt hat.

Inzwischen habe ich mir auch die Neuzeitalben sowie die Solowerke von Donald Fagan geholt. Der Kerl ist einfach unendlich cool anzuhören, auch wenn man munkelt, dass er absoluter Perfektionist sein soll und für viele Songs Dutzende von Takes wiederholt werden mussten, bis der Herr zufrieden war. Vermutlich klingen deswegen auch die späteren Werke "wie geleckt".
Triskell
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Re: STEELEY DAN - Can’t Buy a Thrill

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Gepostet: 28.10.2026 - 20:37 Uhr  ·  #5
Ich kenne eigentlich nur dieses Album. Gefällt mir auch immer noch, aber
weitere Tonträger werde ich mir von ihnen nicht zu Gemüte führen, fange
damit erst gar nicht an. :-o
Danke für diese ausführliche Arbeit und Respekt dafür. 8)
Floyd Pink
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Re: STEELEY DAN - Can’t Buy a Thrill

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Gepostet: Gestern um 10:02 Uhr  ·  #6
Schöne Rezension, aber wer zur Hölle ist "Steeley Dan"?
badMoon
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Re: STEELY DAN - Can’t Buy a Thrill

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Gepostet: Gestern um 10:28 Uhr  ·  #7
@FloydPink,
Danke für den Hinweis, ist korrigiert.
Tom Cody
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Re: STEELY DAN - Can’t Buy a Thrill

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Gepostet: Gestern um 17:27 Uhr  ·  #8
Wolfgang, wie immer, eine sehr gute Vorstellung von dir. :-D

Es ist nicht unbedingt meine Musik - bis auf zwei Lieder: " Do It Again" und " Rikki, Don`t Lose That Number ". Höre ich ganz gerne, aber ansonsten bin ich hier bei der Gruppe außen vor. :-/
freaksound
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Re: STEELY DAN - Can’t Buy a Thrill

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Gepostet: Heute um 06:53 Uhr  ·  #9
erst mal chapeau - unser böser Mond entwickelt sich zum ernsthaften Literaten - eine weitere, tolle Rezi aus dem Netten Tal.

Wenn nicht gerade die Rockpferde mit mir durchgehen, kann ich Steely Dan gut hören und weiss die Kombination
aus ausgefuchsten Kompositionen, spitzen Musikern und zeitypisch gutem Klang sehr zu schätzen.
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