Stephen Byth – Growth In Stasis
Der Saxofonist Stephen Byth stammt aus Melbourne/Australien und lebt in New York. Mit Growth In Stasis legt er sein neues Album mit einem hervorragenden Quartett aus New York vor. Die Musik lebt davon, sehr bildhaft zu wirken, recht offen gestaltet, sehr zeitgemäß wirkend, und recht persönlich geprägt, orchestrale Elemente wechseln mit zurückgenommenen Passagen, wenn es ausdrucksstärker wird, dann hat man dazu das Quartett erweitert um eine vierköpfige Bläserformation, die leichte Anklänge an den Sound von Big Bands vernehmen lässt. Diese Formation wurde eingesetzt auf vier Songs, den Tracks 4, 6, 8, 9.
Ich hatte gelesen, dass die Musik des Protagonisten von Wayne Shorter inspiriert worden sein soll. Das kann durchaus zutreffen, wenn man viele Passagen hört, die an jene Musik erinnern, die Shorter sowohl vor dem Eintritt bei Weather Report vorlegte als auch nach Ende der Band und dem Wiedereintritt seines Soloschaffens. Und so wird hier auch weniger mit festen und wiedererkennbaren Themen gearbeitet, sondern mehr mit Strukturen, die auf Entwicklung und Improvisation beruhen.
Mit “Seed Of Thought“ startet es sogleich sehr lebendig, und das ist aber nur eine knappe Einleitung, hier wird wohl dann nur die „Saat von Gedanken“ gesät. Die Saat fällt dann sofort auf fruchtbaren Boden mit “All Is Not Lost“, ja, nicht Alles ist verloren. Geht diese mögliche Deutung von Songtiteln weiter? Nun, wie ist dann der Albumtitel zu deuten? "Growth In Stasis", „Wachstum im Stillstand“? Denn das ist für mich irgendwie paradox, gibt es mit den zehn Songs doch eher keinen Stillstand, und darüber hinaus habe ich den Eindruck, dass mich ständiges Wachstum umgibt. Denn innerhalb jedes Songs baut sich auf einem Grundmuster durch die Improvisation und/oder spontane Gestaltungen etwas auf, das sich entwickelt, andererseits kann man den Eindruck gewinnen, einer Art Kammermusik zu lauschen.
Gelegentlich muss ich auch an einige Werke aus der langen Historie der Musik des Labels ECM Records denken, denn jene lyrischen Einflechtungen vernehme ich durchaus mitunter auch. Neben den klassischen Instrumenten des Jazz werden gelegentlich elektronische Texturen eingeflochten durch Yessaï Karapetian mit dem Synthesizer. Doch erscheinen diese sehr dezent und nie vordergründig oder gar aufdringlich, sondern rein dienlich für die hintergründige Soundgestaltung.
Eine sehr wichtige Bedeutung vernehme ich im Spiel der Rhythm Section, Drummer Angus Mason ist stets sehr treibend mit seiner angenehmen „Unruhe“, die dann ein wieder zusammengehalten wird durch die sehr melodischen Bassläufe von Simón Willson, ein tolles Gespann, über dem sich die Solisten gelassen austoben können! Die Musik wirkt einerseits ein wenig intellektuell geprägt, lässt aber krasse akademische Ausprägungen beiseite durch den hohen Anteil an Melodik. Verbunden damit wirken viele Songs wie von einer großen Poesie behaftet, mitunter auch von großer Schönheit, beispielhaft nenne ich den Song “Illusions“. Nun, zum Schluss des Reigens wird uns als Ausleitung Zeit zum Nachdenken gegeben, “Upon Reflection“ mit etwa eineinhalb Minuten. Ich nehme sie mir und komme zu dem Schluss, ein Album mit sehr hochwertiger und erstklassiger Musik mit einem teils verträumten und teils wilden Jazzfeeling genossen zu haben, etwas, das die Gedanken fesseln und davontreiben lassen kann...
Stephen Byth (tenor saxophone, clarinet, flute, bass clarinet)
Yessaï Karapetian (piano, synthesizers)
Simón Willson (upright bass)
Angus Mason (drums)
Alexandra Ridout (trumpet (#4,6,8,9)
Alfredo Colón (alto saxophone (#4,6,8,9)
Caleb Smith (trombone (#4,6,8,9)
John Ellis (bass clarinet (#4,6,8,9)
1 Seed Of Thought (1:38)
2 All Is Not Lost (5:57)
3 The Light In Everything (6:30)
4 Cutting Ties (7:36)
5 New Eyes (3:48)
6 Freedom (!/?) (7:57)
7 Illusions (6:06)
8 Time Is Now (6:31)
9 Growth In Stasis (6:33)
10 Upon Reflection (1:31)
https://stephenbyth.com/
Der Saxofonist Stephen Byth stammt aus Melbourne/Australien und lebt in New York. Mit Growth In Stasis legt er sein neues Album mit einem hervorragenden Quartett aus New York vor. Die Musik lebt davon, sehr bildhaft zu wirken, recht offen gestaltet, sehr zeitgemäß wirkend, und recht persönlich geprägt, orchestrale Elemente wechseln mit zurückgenommenen Passagen, wenn es ausdrucksstärker wird, dann hat man dazu das Quartett erweitert um eine vierköpfige Bläserformation, die leichte Anklänge an den Sound von Big Bands vernehmen lässt. Diese Formation wurde eingesetzt auf vier Songs, den Tracks 4, 6, 8, 9.
Ich hatte gelesen, dass die Musik des Protagonisten von Wayne Shorter inspiriert worden sein soll. Das kann durchaus zutreffen, wenn man viele Passagen hört, die an jene Musik erinnern, die Shorter sowohl vor dem Eintritt bei Weather Report vorlegte als auch nach Ende der Band und dem Wiedereintritt seines Soloschaffens. Und so wird hier auch weniger mit festen und wiedererkennbaren Themen gearbeitet, sondern mehr mit Strukturen, die auf Entwicklung und Improvisation beruhen.
Mit “Seed Of Thought“ startet es sogleich sehr lebendig, und das ist aber nur eine knappe Einleitung, hier wird wohl dann nur die „Saat von Gedanken“ gesät. Die Saat fällt dann sofort auf fruchtbaren Boden mit “All Is Not Lost“, ja, nicht Alles ist verloren. Geht diese mögliche Deutung von Songtiteln weiter? Nun, wie ist dann der Albumtitel zu deuten? "Growth In Stasis", „Wachstum im Stillstand“? Denn das ist für mich irgendwie paradox, gibt es mit den zehn Songs doch eher keinen Stillstand, und darüber hinaus habe ich den Eindruck, dass mich ständiges Wachstum umgibt. Denn innerhalb jedes Songs baut sich auf einem Grundmuster durch die Improvisation und/oder spontane Gestaltungen etwas auf, das sich entwickelt, andererseits kann man den Eindruck gewinnen, einer Art Kammermusik zu lauschen.
Gelegentlich muss ich auch an einige Werke aus der langen Historie der Musik des Labels ECM Records denken, denn jene lyrischen Einflechtungen vernehme ich durchaus mitunter auch. Neben den klassischen Instrumenten des Jazz werden gelegentlich elektronische Texturen eingeflochten durch Yessaï Karapetian mit dem Synthesizer. Doch erscheinen diese sehr dezent und nie vordergründig oder gar aufdringlich, sondern rein dienlich für die hintergründige Soundgestaltung.
Eine sehr wichtige Bedeutung vernehme ich im Spiel der Rhythm Section, Drummer Angus Mason ist stets sehr treibend mit seiner angenehmen „Unruhe“, die dann ein wieder zusammengehalten wird durch die sehr melodischen Bassläufe von Simón Willson, ein tolles Gespann, über dem sich die Solisten gelassen austoben können! Die Musik wirkt einerseits ein wenig intellektuell geprägt, lässt aber krasse akademische Ausprägungen beiseite durch den hohen Anteil an Melodik. Verbunden damit wirken viele Songs wie von einer großen Poesie behaftet, mitunter auch von großer Schönheit, beispielhaft nenne ich den Song “Illusions“. Nun, zum Schluss des Reigens wird uns als Ausleitung Zeit zum Nachdenken gegeben, “Upon Reflection“ mit etwa eineinhalb Minuten. Ich nehme sie mir und komme zu dem Schluss, ein Album mit sehr hochwertiger und erstklassiger Musik mit einem teils verträumten und teils wilden Jazzfeeling genossen zu haben, etwas, das die Gedanken fesseln und davontreiben lassen kann...
Stephen Byth (tenor saxophone, clarinet, flute, bass clarinet)
Yessaï Karapetian (piano, synthesizers)
Simón Willson (upright bass)
Angus Mason (drums)
Alexandra Ridout (trumpet (#4,6,8,9)
Alfredo Colón (alto saxophone (#4,6,8,9)
Caleb Smith (trombone (#4,6,8,9)
John Ellis (bass clarinet (#4,6,8,9)
1 Seed Of Thought (1:38)
2 All Is Not Lost (5:57)
3 The Light In Everything (6:30)
4 Cutting Ties (7:36)
5 New Eyes (3:48)
6 Freedom (!/?) (7:57)
7 Illusions (6:06)
8 Time Is Now (6:31)
9 Growth In Stasis (6:33)
10 Upon Reflection (1:31)
https://stephenbyth.com/