V.A. - Diesel Smoke and Dangerous Curves Vol. 1

Diese Musik macht Spass!

 
firebyrd
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V.A. - Diesel Smoke and Dangerous Curves Vol. 1

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Gepostet: 30.09.2026 - 11:58 Uhr  ·  #1
V.A. - Diesel Smoke and Dangerous Curves Vol. 1

Der Untertitel dieser Kompilation mit dreiunddreissig Songs lautet: "A Truckload Full Of Country Boppers For The Road". Und hier greife ich gern einmal zum Pressetext von Bear Family Records (wo sonst soll eine solche herrliche Zusammenstellung erfolgen).

»Trucks verkörpern die Country-Musik – zumindest in den Augen derer, die Country-Musik nicht mögen (in Deutschland auch gerne als Trucker-Musik verspottet). Die Reduzierung eines ganzen Genres auf die ikonische Kraft dieser Kolosse mag seltsam und oberflächlich erscheinen, doch in diesem Klischee steckt eine Kernwahrheit.«

»Zugegeben, die Lieder beklagen die alltäglichen Nöte rauer Burschen der Arbeiterklasse, vorgetragen von tabakgeräucherten Baritonstimmen. Mit Nüchternheit oder zynischem Humor werden die Grundbedürfnisse der Trucker oder Untreue während langer, einsamer Fahrten auf endlosen Straßen ins Nirgendwo monologisiert. Ein klassisches amerikanisches Motiv, der epische Kampf zwischen dem Einzelgänger und dem Gesetz, wird schalkhaft thematisiert. Ablenkung von der Monotonie und Durchhaltevermögen am Lenkrad werden durch das Schlucken von Pillen, das Flirten mit hübschen Kellnerinnen oder das Herumalbern im "Interstate Intranet", dem CB-Funk, erträglich gemacht und ermöglicht..«

Natürlich steckt noch mehr dahinter, das ist der 'amerikanische Geist', denn diese 'Highway-Dramen' kann ich mir anderswo auf der Welt in dieser Form wohl nicht vorstellen. Die Beschäftigung mit dieser Thematik muss sich natürlich nicht auf ausschließlich bekannte Acts konzentrieren, und so ist es auch bei dieser Zusammenstellung so, dass man neben solch bekannten Namen wie Red Sovine, Link Davis, The Wills Brothers oder Speedy West (insofern diese vielleicht auch nur Insidern bekannt sein werden) auch auf Roy Hogsed, Ray Salter, Coleman Wilson und viele mehr, stoßen wird.

Und in diesem Umfeld wie auch in ähnlich gelagerten fällt mir auf, dass offensichtlich auch hier, wo Countrymusik berührt wird, stark vereinheitlicht wird – neben Country aber auch im Rock’n’Roll oder Blues, nach dem Motto 'klingt doch alles gleich'! Das 'Problem' für dieses Klientel ist halt, dass man sich nicht näher und ausführlich mit der Musik beschäftigen will. So spürt man sofort beim Eröffnungssong, dem Titeltrack des Albums, vorgetragen von Billy Strange, dass hier sicher etwas nicht gut gehen wird! Sofort beginnt der Song mit wildem Tröten der Truckhupe, und schon bald quietschen die Reifen. Der Driver fährt auf einer Bergstrasse, besingt die "Dangerous Curves" und berichtet von seinem körperlichen Zustand nach einer wilden ungezügelten Nacht! Bei knapp zwei Minuten beschleunigt der Song enorm und es kommt, wie es kommen musste, ein Unfall, und vorbei war es mit Billy Strange!

Die Stücke stammen aus den Jahren 1951 bis 1969 und decken diesen wohl amerikanischen Traum der Nachkriegsjahre thematisch vollends ab. So sind Trucks fast komplett stets das Thema und alles, was sich damit zusammenfügt, Cafes, Motels werden in diesen unwiderstehlichen Bearbeitungen dargeboten, es swingt und rockt und rollt an allen Ecken und Enden, dieser harte Job wird hier eigentlich mit total fröhlichem Ausdruck dargestellt, es schien ja wohl eine Lebensüberzeugung gewesen sein, den "Truck Drivin' Man" darzustellen. Für mich als Hörer ist das natürlich eine sehr gute Unterhaltung, mit einem Satz auf den Punkt gebracht: Diese Musik macht Spass!

Rock, Honky Tonk, Rock’n’Roll, Rockabilly, Western Swing, alles wird hier hervorgeholt, um diese gute Laune hochzuhalten, ja, das reißt förmlich mit, unterstützt durch twangige Fender-Gitarren, Pedal Steels, Banjos und Fiddles. Die dreiunddreissig Nummern rekrutieren sich aus vielen seltenen und raren Songs der Labels King und Starday, und hierbei fiele es mir schwer, einen Lieblingssong herauszupicken. Nun, ich liebe diesen Gitarrensound bei "Thunder On The Road" von Johnny Bond, diesen energischen Drive des swingenden "Idaho Red" von Wade Ray, oder die breitflächige Pedal Steel im Instrumental von Speedy West (#11). Ach ja, und man bedient sich auch des Trauermarsches von Chopin, so erklingt er auf Track Zwanzig bei "Devil On Death Highway" von Ken McWilliams and The Twi-Lighters!

In Übrigen gibt es zwei rare Titel, möglicherweise auch Urquellen des Talking Blues, von Slim Jacobs (#8) und Coleman Wilson (#18). Wer hier etwas zu meckern haben sollte, möge sich bitte die Band Truck Stop anhören, bitte sehr, dreiunddreißig Mal etwas verpasst! Ach ja, und ich bin schon ganz gierig auf Volume 2 (und vielleicht noch weitere Ausgaben?).


1 Billy Strange – Diesel Smoke, Dangerous Curves
2 Bill Woods – Truck Drivin' Man
3 Roy Hogsed – Ain’t A Bump In The Road
4 Herb Duncan – Double Clutching Diesel Man
5 Red Sovine – 10 Days Out – 2 Days In
6 Johnny Bond – Thunder On The Road
7 Wade Ray – Idaho Red
8 Slim Jacobs – That’s Truck Drivin'
9 Jimmy Logsdon – Gear Jammer
10 Bob Newman – Haulin' Freight
11 Speedy West – Truck Drivers Ride
12 Ray Salter and The Twin City Playboys – Truck Driver’s Dream
13 The Willis Brothers – Blazing Smoke Stack
14 Lonnie Lillie – Truck Driver’s Special
15 Arthur Smith and His Cracker Jacks – Truck Stop Grill
16 Ernest Tubb and Red Foley – It’s The Mileage That’s Slowing Us Down
17 Jack Morris – White Line
18 Coleman Wilson – A Green Truck Driver’s Experience With Radar
19 Lonnie Irving – Trucker’s Vitus
20 Ken McWilliams and The Twi-Lighters – Devil On Death Highway
21 Sandy Scott – Mister Big
22 Jim Boyd and His Men Of The West – Truck Driver’s Boogie
23 Joe 'Cannonball' Lewis – Truck Driver’s Night Run
24 Ken Clark – Truck Driving Joe
25 Red Simpson – A Tombstone Every Mile
26 Lee Emerson – Truck Stop Cutie
27 Ray Smith – Lonesome Truck Driver’s Blues
28 The Willis Brothers – When I Come Driving Thru
29 Loyd Howell and The Brite Stars – Truck Driving Jack
30 Billy Barton – Ten Wheels
31 Virgil Vickers – Truck Driver’s Rock
32 Red Sovine – Truck Drivin' Son-Of-A-Gun
33 Link Davis – Trucker From Tennessee

freaksound
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Re: V.A. - Diesel Smoke and Dangerous Curves Vol. 1

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Gepostet: 01.10.2026 - 08:42 Uhr  ·  #2
hallo lieber Firebyrd,

mit dieser Rezi schickst du mich wieder mal in ein Wechselbad der Gefühle.

Mein erster Reflex war: Country > ist nicht meine Welt > abhacken, weitergehen......... o)

Nach dem deine Rezis aber immer gut geschrieben und gehaltvoll sind, habe ich selbige dann doch gelesen.

Folgender Satz gab mir zu denken:
Und in diesem Umfeld wie auch in ähnlich gelagerten fällt mir auf, dass offensichtlich auch hier, wo Countrymusik berührt wird, stark vereinheitlicht wird – neben Country aber auch im Rock’n’Roll oder Blues, nach dem Motto 'klingt doch alles gleich'! Das 'Problem' für dieses Klientel ist halt, dass man sich nicht näher und ausführlich mit der Musik beschäftigen will.

Irgendwie gehöre ich auch zu dieser Klientel, will mich aber nicht kampflos ergeben.

Also werde ich versuchen hier mal reinzuhören und dem Ganzen eine Change zugeben.
Ja, Country and Western ist im Allgemeinen so gar nicht meine Welte, aber es gibt für alles Ausnahmen
(aussser vielleicht bei Gangsta-Rap und K-Pop :devil: )

Mal sehen, wo in "dieser Klientel" ich mich am ende des Tages einordne o)
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