Mit Laurie Anderson hatte ich bislang nur eine sehr überschaubare Bekanntschaft. In meinem Regal steht genau eine ihrer CDs: „Big Science“, natürlich vor allem wegen O Superman. Danach habe ich eher zufällig noch das eine oder andere von ihr gehört, ohne mich wirklich weiter mit ihrem Werk zu beschäftigen. Umso erstaunlicher, dass sie nun tatsächlich auf der aktuellen CD von SHEARWATER vertreten ist. Allein diese Verbindung machte „The New World“ für mich schon interessant – und letztlich die Anschaffung gleich doppelt.
Nun habe ich „The New World“ natürlich nicht allein deshalb gekauft, weil Laurie Anderson irgendwo auf der Platte mitmischt. Ihre Beteiligung ist vielmehr ein schöner Nebeneffekt – und einer, der mich zusätzlich neugierig gemacht hat. SHEARWATER stehen ohnehin längst in meinem Regal: Mittlerweile sind es bereits acht Alben der Band. Angefangen hat alles mit dem aus meiner Sicht hervorragenden „The Great Awakening“, und seitdem sind immer wieder weitere Veröffentlichungen dazugekommen. Dass nun ausgerechnet auch Laurie Anderson auf der aktuellen Platte vertreten ist, machte die Anschaffung am Ende gleich doppelt interessant.
Was gibt's also auf die Öhrchen? Nun denn – wir werden sehen. Respektive hören.
SHEARWATER - The New World | Indie Rock / Art Rock | USA / Austin, Texas 2026
Das Album legt nicht gleich den Turbogang ein, sondern lässt sich erst einmal Zeit.. Es baut Atmosphäre auf, schichtet Stimmen und Instrumente übereinander und entwickelt diese typisch weiten Räume, in denen Meiburgs Stimme besonders gut aufgehoben ist. Mal sanft, mal mit ordentlich Druck dahinter, manchmal beinahe schwebend. Wer SHEARWATER kennt, weiß ohnehin: Wenn Jonathan Meiburg loslegt, kann aus einem zunächst eher unscheinbaren Moment plötzlich eine ziemlich große Sache werden.
Und genau damit spielt „The New World“ immer wieder. Da sind Songs, die sich langsam entwickeln, andere gehen direkter zur Sache, und zwischendurch passiert genug, damit man nicht einfach gedankenlos durch das Album rauscht. Elektronische Tupfer, organische Instrumente, atmosphärische Flächen – das alles greift ineinander, ohne dass daraus ein musikalischer Gemischtwarenladen wird.
Diese Veröffentlichung hatte ich übrigens schon vor einiger Zeit in meiner „Klangspur“ vorgestellt. So richtig viel Resonanz gab es darauf leider nicht. Schade eigentlich, denn gerade solche Platten, die nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und beim ersten Hören ihre sämtlichen Karten aufdecken, hätten durchaus ein paar weitere offene Ohren verdient. Vielleicht klappt es ja diesmal besser.
Besonders schön: SHEARWATER haben nicht das Bedürfnis, jeden Titel bis zum Anschlag aufzublasen. Die Musik darf auch mal leise sein, darf sich zurückziehen und offenlassen, wohin sie eigentlich gerade will. Das macht „The New World“ vielleicht nicht unbedingt zum Sofort-zwei-Mal-hintereinander-Hit, sorgt aber dafür, dass bei weiteren Durchgängen immer wieder etwas hängen bleibt. Eine Melodie hier, ein kleiner Bruch dort, ein Detail, das beim ersten Hören schlicht durchgerutscht ist.
Und dann natürlich Laurie Anderson. Ihr Auftritt ist kein billiger „Schaut mal, wen wir da haben“-Moment. Sie fügt sich erstaunlich selbstverständlich in das Geschehen ein. Ihre Stimme und diese ganz eigene, sofort erkennbare Art passen sogar verdammt gut in die etwas entrückte Welt von SHEARWATER. Dass ich ausgerechnet wegen O Superman vor Jahrzehnten einmal bei „Big Science“ gelandet bin und nun über einen Umweg wieder bei Laurie Anderson lande – diesmal auf einer SHEARWATER-Platte –, hat schon was. Wunderbar entschleunigt perlt hier You And Your Dog aus den Boxen und lädt geradezu dazu ein, sich im bequemen Sessel zurückzulehnen, die Augen zu schließen und einfach zu genießen – was natürlich auch unter dem Kopfhörer bestens funktioniert.
Shearwater feat. Laurie Anderson - You And Your Dog
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=fbyEuLBeKRg
„The New World“ ist jedenfalls kein Album, das sich mit einem Durchgang komplett auf den Tisch legt. Nicht, weil es furchtbar kompliziert wäre, sondern weil hier einiges zwischen den Zeilen – beziehungsweise zwischen den Tönen – passiert. Große Gesten gibt es durchaus, aber eben nicht im Dauerbetrieb. Und gerade deshalb wirken sie dann auch. Ein schönes Beispiel dafür ist der Opener Even Song. Ein zunächst ruhiger, beinahe zurückhaltender Titel, in dem sich bei genauerem Hinhören erstaunlich viel tut. Kleine Effekte tauchen auf, verschwinden wieder, Klänge werden eingestreut, und immer wieder gibt es etwas, das man so zunächst gar nicht erwartet hätte. Nichts wird dabei dick unterstrichen oder demonstrativ in den Vordergrund geschoben. Gerade diese vielen kleinen Überraschungen machen Even Song für mich zu einem der vielschichtigeren und spannenderen Stücke des Albums.
Ob „The New World“ nun irgendwann einen festen Platz neben meinen persönlichen SHEARWATER-Favoriten bekommt, wird sich zeigen. Im Moment spricht aber einiges dafür. Die Platte hat mich schnell gepackt, ohne mir gleich alles zu verraten. Und solche Alben sind mir ohnehin lieber als jene, die nach drei Durchgängen ihren kompletten Werkzeugkasten ausgeschüttet haben.
Gekauft habe ich „The New World“ natürlich bei meiner bevorzugten Einkaufsquelle BANDCAMP. Da kann man erst einmal in Ruhe hören und landet dann – nun ja – doch wieder beim Kaufbutton. In diesem Fall allerdings ohne jedes Bedauern. Neugierig und lauschen? Auf zu bandcamp.
[Die Besetzung]
Shearwater: Jonathan Meiburg, Dan Duszynski, Emily Lee
Weitere Musiker:
Thor Harris - drums on “The Only Sound...”, tongue drum, congas
Shahzad Ismaily - drums, percussion, basses, piano, guitar, synthesizers
Mamadou Kouyate - bass ngoni
Moctar Kouyate - calabash
Mahamadou Tounkara - tamma, yabara
Doug Wieselman - tenor saxophone, clarinet, bass clarinet, flute
Leo Abrahams - guitar, treatments
Laurie Anderson - voice on “You and Your Dog”
Max Hare - baritone guitar on “Slugs in the Marigolds”
Lia Pikus - cello
Firaz Zriek - qanun on “More and More”
Danny Reisch - percussion
Peter Lettre - upright bass on “The High Ranges”
Henry Lettre - alto saxophone on “The High Ranges”
Walter Nichols - alto saxophone on “Anamnesis”
Jamie Stewart - gong on “Daydream Unbeliever”
[Die Songs]
1. Even Song
2. More and More
3. Daydream Unbeliever
4. A Mink in the Dusk
5. The Only Sound I’m Afraid Of
6. The High Ranges
7. Slugs in the Marigolds
8. Anamnesia
9. You and Your Dog
Nun habe ich „The New World“ natürlich nicht allein deshalb gekauft, weil Laurie Anderson irgendwo auf der Platte mitmischt. Ihre Beteiligung ist vielmehr ein schöner Nebeneffekt – und einer, der mich zusätzlich neugierig gemacht hat. SHEARWATER stehen ohnehin längst in meinem Regal: Mittlerweile sind es bereits acht Alben der Band. Angefangen hat alles mit dem aus meiner Sicht hervorragenden „The Great Awakening“, und seitdem sind immer wieder weitere Veröffentlichungen dazugekommen. Dass nun ausgerechnet auch Laurie Anderson auf der aktuellen Platte vertreten ist, machte die Anschaffung am Ende gleich doppelt interessant.
Was gibt's also auf die Öhrchen? Nun denn – wir werden sehen. Respektive hören.
SHEARWATER - The New World | Indie Rock / Art Rock | USA / Austin, Texas 2026
Das Album legt nicht gleich den Turbogang ein, sondern lässt sich erst einmal Zeit.. Es baut Atmosphäre auf, schichtet Stimmen und Instrumente übereinander und entwickelt diese typisch weiten Räume, in denen Meiburgs Stimme besonders gut aufgehoben ist. Mal sanft, mal mit ordentlich Druck dahinter, manchmal beinahe schwebend. Wer SHEARWATER kennt, weiß ohnehin: Wenn Jonathan Meiburg loslegt, kann aus einem zunächst eher unscheinbaren Moment plötzlich eine ziemlich große Sache werden.
Und genau damit spielt „The New World“ immer wieder. Da sind Songs, die sich langsam entwickeln, andere gehen direkter zur Sache, und zwischendurch passiert genug, damit man nicht einfach gedankenlos durch das Album rauscht. Elektronische Tupfer, organische Instrumente, atmosphärische Flächen – das alles greift ineinander, ohne dass daraus ein musikalischer Gemischtwarenladen wird.
Diese Veröffentlichung hatte ich übrigens schon vor einiger Zeit in meiner „Klangspur“ vorgestellt. So richtig viel Resonanz gab es darauf leider nicht. Schade eigentlich, denn gerade solche Platten, die nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und beim ersten Hören ihre sämtlichen Karten aufdecken, hätten durchaus ein paar weitere offene Ohren verdient. Vielleicht klappt es ja diesmal besser.
Besonders schön: SHEARWATER haben nicht das Bedürfnis, jeden Titel bis zum Anschlag aufzublasen. Die Musik darf auch mal leise sein, darf sich zurückziehen und offenlassen, wohin sie eigentlich gerade will. Das macht „The New World“ vielleicht nicht unbedingt zum Sofort-zwei-Mal-hintereinander-Hit, sorgt aber dafür, dass bei weiteren Durchgängen immer wieder etwas hängen bleibt. Eine Melodie hier, ein kleiner Bruch dort, ein Detail, das beim ersten Hören schlicht durchgerutscht ist.
Und dann natürlich Laurie Anderson. Ihr Auftritt ist kein billiger „Schaut mal, wen wir da haben“-Moment. Sie fügt sich erstaunlich selbstverständlich in das Geschehen ein. Ihre Stimme und diese ganz eigene, sofort erkennbare Art passen sogar verdammt gut in die etwas entrückte Welt von SHEARWATER. Dass ich ausgerechnet wegen O Superman vor Jahrzehnten einmal bei „Big Science“ gelandet bin und nun über einen Umweg wieder bei Laurie Anderson lande – diesmal auf einer SHEARWATER-Platte –, hat schon was. Wunderbar entschleunigt perlt hier You And Your Dog aus den Boxen und lädt geradezu dazu ein, sich im bequemen Sessel zurückzulehnen, die Augen zu schließen und einfach zu genießen – was natürlich auch unter dem Kopfhörer bestens funktioniert.
Shearwater feat. Laurie Anderson - You And Your Dog
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=fbyEuLBeKRg
„The New World“ ist jedenfalls kein Album, das sich mit einem Durchgang komplett auf den Tisch legt. Nicht, weil es furchtbar kompliziert wäre, sondern weil hier einiges zwischen den Zeilen – beziehungsweise zwischen den Tönen – passiert. Große Gesten gibt es durchaus, aber eben nicht im Dauerbetrieb. Und gerade deshalb wirken sie dann auch. Ein schönes Beispiel dafür ist der Opener Even Song. Ein zunächst ruhiger, beinahe zurückhaltender Titel, in dem sich bei genauerem Hinhören erstaunlich viel tut. Kleine Effekte tauchen auf, verschwinden wieder, Klänge werden eingestreut, und immer wieder gibt es etwas, das man so zunächst gar nicht erwartet hätte. Nichts wird dabei dick unterstrichen oder demonstrativ in den Vordergrund geschoben. Gerade diese vielen kleinen Überraschungen machen Even Song für mich zu einem der vielschichtigeren und spannenderen Stücke des Albums.
Ob „The New World“ nun irgendwann einen festen Platz neben meinen persönlichen SHEARWATER-Favoriten bekommt, wird sich zeigen. Im Moment spricht aber einiges dafür. Die Platte hat mich schnell gepackt, ohne mir gleich alles zu verraten. Und solche Alben sind mir ohnehin lieber als jene, die nach drei Durchgängen ihren kompletten Werkzeugkasten ausgeschüttet haben.
Gekauft habe ich „The New World“ natürlich bei meiner bevorzugten Einkaufsquelle BANDCAMP. Da kann man erst einmal in Ruhe hören und landet dann – nun ja – doch wieder beim Kaufbutton. In diesem Fall allerdings ohne jedes Bedauern. Neugierig und lauschen? Auf zu bandcamp.
[Die Besetzung]
Shearwater: Jonathan Meiburg, Dan Duszynski, Emily Lee
Weitere Musiker:
Thor Harris - drums on “The Only Sound...”, tongue drum, congas
Shahzad Ismaily - drums, percussion, basses, piano, guitar, synthesizers
Mamadou Kouyate - bass ngoni
Moctar Kouyate - calabash
Mahamadou Tounkara - tamma, yabara
Doug Wieselman - tenor saxophone, clarinet, bass clarinet, flute
Leo Abrahams - guitar, treatments
Laurie Anderson - voice on “You and Your Dog”
Max Hare - baritone guitar on “Slugs in the Marigolds”
Lia Pikus - cello
Firaz Zriek - qanun on “More and More”
Danny Reisch - percussion
Peter Lettre - upright bass on “The High Ranges”
Henry Lettre - alto saxophone on “The High Ranges”
Walter Nichols - alto saxophone on “Anamnesis”
Jamie Stewart - gong on “Daydream Unbeliever”
[Die Songs]
1. Even Song
2. More and More
3. Daydream Unbeliever
4. A Mink in the Dusk
5. The Only Sound I’m Afraid Of
6. The High Ranges
7. Slugs in the Marigolds
8. Anamnesia
9. You and Your Dog