Seit meinem 14. Lebensjahr gibt es bei mir eine Band, die ihren Spitzenplatz im persönlichen Musikuniversum bis heute nicht abgeben musste: CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL. Da kann kommen, wer will. Natürlich gab und gibt es jede Menge anderer großartiger Bands, und im Laufe der Jahrzehnte sind unzählige Platten hinzugekommen. Aber wenn ich mich auf eine einzige Band festlegen müsste, wäre die Antwort vermutlich auch heute noch ziemlich schnell gefunden: CCR.
Nun ist "Willy And The Poor Boys" beileibe nicht die Platte, die ich als die beste der vier Jungs aus El Cerrito bezeichnen würde. Da gibt es für mich andere Kandidaten. Unverzichtbar ist sie trotzdem. Und vielleicht ist genau das eine der großen Stärken von CCR: Selbst ein Album, das nicht ganz oben auf meiner persönlichen Rangliste steht, enthält noch immer so viel gutes Material, dass man darauf unmöglich verzichten möchte.
CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL – Willy And The Poor Boys | USA | 1969 | Rock, Swamp Rock
1969 war ohnehin ein ziemlich verrücktes Jahr für die Band. "Willy And The Poor Boys" war bereits das dritte CCR-Album innerhalb dieses Jahres. Und wer jetzt vermutet, dass bei einem solchen Veröffentlichungs-Tempo irgendwann zwangsläufig die Luft raus sein musste, irrt gewaltig. Auch diese Scheibe ist mit zehn Titeln und gerade einmal etwas mehr als 34 Minuten Spielzeit ziemlich kompakt geraten. Aber was soll's? Lieber eine LP, die nach 34 Minuten zu Ende ist und dabei keinen überflüssigen Meter zurücklegt, als eine aufgeblähte Doppel-LP, bei der man nach der Hälfte unauffällig auf die Uhr schaut.
Was CCR hier abliefert, ist dieses ganz spezielle Gemisch aus Rock, Blues, Country, Folk und einer gehörigen Portion amerikanischem Straßenstaub. Und dann ist da dieser unverwechselbare CCR-Sound. Man braucht eigentlich nur ein paar Takte zu hören und weiß: Das sind Creedence. Keine andere Band klingt so. Dazu kommt John Fogertys Stimme – rau, knarzig, manchmal fast schreiend und dennoch immer klar als Fogerty erkennbar. Ein Sänger mit einem derart eigenen Timbre braucht eigentlich keine Namensansage. Und das Schöne daran: Dieser Sound funktioniert nicht nur über eine ordentliche Hi-Fi-Anlage. CCR kann man meinetwegen über einen alten Kofferradio-Lautsprecher hören – und man weiß trotzdem nach wenigen Sekunden, wer da gerade spielt. Vielleicht klingt es dann nicht besonders audiophil, aber dafür immer noch nach Creedence. Und das ist schon eine Kunst für sich.
Die vier waren keine Band, die sich mit endlosen Soli oder musikalischem Hochleistungssport in Szene setzen musste. Sie spielten ihre Songs auf den Punkt. John Fogertys Gitarre darf auch mal ordentlich schmutzig klingen, während Tom Fogerty, Stu Cook und Doug Clifford das Fundament liefern. Alles sitzt dort, wo es sitzen muss. Kein unnötiger Schnickschnack, keine musikalische Selbstdarstellung. Hier wird nicht lange gefackelt.
Natürlich sind auf "Willy And The Poor Boys" die großen Namen vertreten. Down On The Corner, Fortunate Son, Cotton Fields und The Midnight Special gehören zu den Stücken, die man auch dann kennt, wenn man nicht unbedingt CCR-Sammler ist. Fortunate Son hat sich längst vom Vietnam-Protestsong zu einem Klassiker entwickelt, der auch heute noch funktioniert. Down On The Corner dagegen kommt deutlich leichterfüßig daher und vermittelt dieses typische CCR-Gefühl von Musik, die einfach auf der Straße stattfinden könnte - hier ist das Plattencover absolut passend. Und genau diese Mischung aus gesellschaftlicher Aussage, Blues, Rock und beinahe ausgelassener Spielfreude macht das Album so abwechslungsreich.
Aber – und hier kommen wir zu einem Punkt, der mir bei CCR besonders wichtig ist – die größten Schätze einer Band müssen nicht zwangsläufig die großen Hits sein. Oft sind es gerade die Stücke, die niemals ständig aus dem Radio dudelten, die nach Jahrzehnten besonders interessant werden. Das gilt für viele Bands, aber bei CCR ganz besonders. Wer sich nur die Greatest Hits anhört, kennt zwar die großen Nummern, hat aber noch lange nicht verstanden, was diese Band auf ihren Longplayern tatsächlich zu bieten hatte.
Ein schönes Beispiel dafür ist Poorboy Shuffle. Kein Hit, keine große Rocknummer, kein Stück, das man unbedingt kennen muss, um bei einer CCR-Party mitsingen zu können. Und gerade deshalb gehört es für mich zu den Perlen dieser LP. Ein kleines Instrumental, locker aus dem Handgelenk gespielt, mit Mundharmonika und dieser herrlich ungekünstelten CCR-Atmosphäre. Da braucht es keine große Kompositionserklärung. Einfach laufen lassen und gut ist.
Poorboy Shuffle
Nahtlos schließt sich Feelin' Blue an, und auch hier frage ich mich manchmal, weshalb solche Stücke im Schatten der großen Singles stehen. Mehr als fünf Minuten lang darf sich dieser Song Zeit nehmen. Bluesig, groovend, leicht melancholisch und mit einem John Fogerty, der hier nicht ständig auf die Tube drücken muss. Für mich eine dieser kleinen Perlen, wegen derer man eine alte LP nicht einfach als "kenn ich, hab ich, brauche ich nicht mehr" abhakt.
Feelin' Blue
Ebenfalls nicht unerwähnt lassen möchte ich Side O' The Road. Was zunächst fast ein wenig simpel daherkommt, entwickelt sich gerade durch den beinahe stupiden, sich ständig wiederholenden Grundrhythmus des Basses zu einem richtig interessanten Instrumental. Darüber legt sich eine herrliche Solo-Gitarre, die sich immer wieder neue Wege sucht und dem ansonsten stoisch vor sich hin marschierenden Bass ordentlich Leben einhaucht. Gerade dieses Zusammenspiel gefällt mir ausgesprochen gut. Der Bass bleibt unbeirrbar auf seinem Kurs, während die Gitarre darüber ihre Kreise zieht. Nicht unbedingt der Song, den man als erstes mit CCR in Verbindung bringen würde – aber genau deshalb eine weitere dieser kleinen Perlen, die auf den Longplayern zu finden sind.
Side O' The Road
Und dann wäre da noch Effigy. Der wohl ungewöhnlichste Titel des Albums und gleichzeitig einer meiner persönlichen Favoriten. Sechs Minuten und ein paar Sekunden dauert das Stück und damit deutlich länger als die meisten anderen Titel. Die Stimmung wird dunkler, bedrohlicher, beinahe unheimlich. Hier zeigt sich, dass CCR weit mehr konnten als die knackigen Zwei- oder Dreiminüter, mit denen sie ihre Hits landeten. Effigy ist für mich genau so ein Beispiel dafür, was auf den Longplayern zu finden war, wenn man sich die Zeit nahm, tiefer einzusteigen.
Effigy
Auch Cotton Fields gehört für mich in diese Betrachtung. Ein Stück, das CCR nicht selbst geschrieben hat, sondern auf eine Komposition von Huddie Ledbetter, besser bekannt als Lead Belly, zurückgeht. Fogerty und seine Mannen machen daraus ihre ganz eigene Version und verpassen dem alten Folk-/Arbeitslied diesen unverwechselbaren CCR-Stempel. Interessant finde ich dabei gerade, wie selbstverständlich sich ein solches Stück in das Album einfügt. Es steht dort nicht wie ein Fremdkörper herum, sondern gehört einfach dazu. Auch The Midnight Special ist eine traditionelle Komposition, die CCR auf ihre Art interpretiert.
Cotton Fields
Überhaupt ist "Willy And The Poor Boys" für mich weniger eine Sammlung einzelner Songs als ein ziemlich geschlossenes Gesamtwerk. Die Stücke greifen ineinander, wechseln zwischen ausgelassener Stimmung, Blues, Folk, Rock und den politischeren Momenten, ohne dass dabei der typische CCR-Faden verloren geht. Genau diese Geschlossenheit ist es, die eine gute LP von einer bloßen Zusammenstellung guter Songs unterscheidet.
Und vielleicht sollte man sich dabei auch noch einmal vor Augen führen, in welchem Tempo CCR damals gearbeitet haben. Drei Alben allein 1969 – und keines davon war irgendein Schnellschuss. Die Band war geradezu unglaublich produktiv. Trotzdem findet man auf "Willy And The Poor Boys" nicht das Gefühl, dass hier Material auf Biegen und Brechen zusammengesucht wurde, damit die nächste LP fertig wird. Selbst die weniger bekannten Stücke haben ihren Platz. Genau das macht das Album für mich unverzichtbar.
Ich will also gar nicht behaupten, dass "Willy And The Poor Boys" die beste CCR-Platte ist. Für mich ist sie das nicht. Aber sie gehört zu dieser großartigen Reihe von Alben, die man als CCR-Freund einfach besitzen muss. Und wer bislang nur die großen Hits kennt, dem sei dringend empfohlen, sich einmal die komplette LP anzuhören. Denn zwischen Fortunate Son und Down On The Corner liegen eben jene kleinen musikalischen Schätzchen, die im Radio kaum eine Chance hatten und trotzdem zeigen, weshalb CCR für mich seit meinem 14. Lebensjahr die unbestrittene Nummer eins ist.
Noch eine kleine Randnotiz zu "Cotton Fields":
Lead Belly, also Huddie Ledbetter, war mir bislang völlig unbekannt. Erst bei der Beschäftigung mit "Willy And The Poor Boys" und der Frage nach dem Urheber dieses Stücks bin ich auf diesen bemerkenswerten Musiker gestoßen. Sein Leben war alles andere als geradlinig: 1918 wurde er wegen Mordes zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt, wobei er selbst von Notwehr sprach. Später kam er vorzeitig frei und wurde zu einer bedeutenden Figur der amerikanischen Folk- und Bluesgeschichte. Wieder einmal zeigt sich: Wer sich etwas genauer mit einem Album beschäftigt, stolpert manchmal über Geschichten, die mindestens so interessant sind wie die Musik selbst.
[Die Band]
John Fogerty – Gesang, Leadgitarre
Tom Fogerty – Rhythmusgitarre, Begleitgesang
Stu Cook – Bass
Doug Clifford – Schlagzeug
[Die Songs]
Down On The Corner
It Came Out Of The Sky
Cotton Fields
Poorboy Shuffle
Feelin' Blue
Fortunate Son
Don't Look Now
The Midnight Special
Side O' The Road
Effigy
Nun ist "Willy And The Poor Boys" beileibe nicht die Platte, die ich als die beste der vier Jungs aus El Cerrito bezeichnen würde. Da gibt es für mich andere Kandidaten. Unverzichtbar ist sie trotzdem. Und vielleicht ist genau das eine der großen Stärken von CCR: Selbst ein Album, das nicht ganz oben auf meiner persönlichen Rangliste steht, enthält noch immer so viel gutes Material, dass man darauf unmöglich verzichten möchte.
CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL – Willy And The Poor Boys | USA | 1969 | Rock, Swamp Rock
1969 war ohnehin ein ziemlich verrücktes Jahr für die Band. "Willy And The Poor Boys" war bereits das dritte CCR-Album innerhalb dieses Jahres. Und wer jetzt vermutet, dass bei einem solchen Veröffentlichungs-Tempo irgendwann zwangsläufig die Luft raus sein musste, irrt gewaltig. Auch diese Scheibe ist mit zehn Titeln und gerade einmal etwas mehr als 34 Minuten Spielzeit ziemlich kompakt geraten. Aber was soll's? Lieber eine LP, die nach 34 Minuten zu Ende ist und dabei keinen überflüssigen Meter zurücklegt, als eine aufgeblähte Doppel-LP, bei der man nach der Hälfte unauffällig auf die Uhr schaut.
Was CCR hier abliefert, ist dieses ganz spezielle Gemisch aus Rock, Blues, Country, Folk und einer gehörigen Portion amerikanischem Straßenstaub. Und dann ist da dieser unverwechselbare CCR-Sound. Man braucht eigentlich nur ein paar Takte zu hören und weiß: Das sind Creedence. Keine andere Band klingt so. Dazu kommt John Fogertys Stimme – rau, knarzig, manchmal fast schreiend und dennoch immer klar als Fogerty erkennbar. Ein Sänger mit einem derart eigenen Timbre braucht eigentlich keine Namensansage. Und das Schöne daran: Dieser Sound funktioniert nicht nur über eine ordentliche Hi-Fi-Anlage. CCR kann man meinetwegen über einen alten Kofferradio-Lautsprecher hören – und man weiß trotzdem nach wenigen Sekunden, wer da gerade spielt. Vielleicht klingt es dann nicht besonders audiophil, aber dafür immer noch nach Creedence. Und das ist schon eine Kunst für sich.
Die vier waren keine Band, die sich mit endlosen Soli oder musikalischem Hochleistungssport in Szene setzen musste. Sie spielten ihre Songs auf den Punkt. John Fogertys Gitarre darf auch mal ordentlich schmutzig klingen, während Tom Fogerty, Stu Cook und Doug Clifford das Fundament liefern. Alles sitzt dort, wo es sitzen muss. Kein unnötiger Schnickschnack, keine musikalische Selbstdarstellung. Hier wird nicht lange gefackelt.
Natürlich sind auf "Willy And The Poor Boys" die großen Namen vertreten. Down On The Corner, Fortunate Son, Cotton Fields und The Midnight Special gehören zu den Stücken, die man auch dann kennt, wenn man nicht unbedingt CCR-Sammler ist. Fortunate Son hat sich längst vom Vietnam-Protestsong zu einem Klassiker entwickelt, der auch heute noch funktioniert. Down On The Corner dagegen kommt deutlich leichterfüßig daher und vermittelt dieses typische CCR-Gefühl von Musik, die einfach auf der Straße stattfinden könnte - hier ist das Plattencover absolut passend. Und genau diese Mischung aus gesellschaftlicher Aussage, Blues, Rock und beinahe ausgelassener Spielfreude macht das Album so abwechslungsreich.
Aber – und hier kommen wir zu einem Punkt, der mir bei CCR besonders wichtig ist – die größten Schätze einer Band müssen nicht zwangsläufig die großen Hits sein. Oft sind es gerade die Stücke, die niemals ständig aus dem Radio dudelten, die nach Jahrzehnten besonders interessant werden. Das gilt für viele Bands, aber bei CCR ganz besonders. Wer sich nur die Greatest Hits anhört, kennt zwar die großen Nummern, hat aber noch lange nicht verstanden, was diese Band auf ihren Longplayern tatsächlich zu bieten hatte.
Ein schönes Beispiel dafür ist Poorboy Shuffle. Kein Hit, keine große Rocknummer, kein Stück, das man unbedingt kennen muss, um bei einer CCR-Party mitsingen zu können. Und gerade deshalb gehört es für mich zu den Perlen dieser LP. Ein kleines Instrumental, locker aus dem Handgelenk gespielt, mit Mundharmonika und dieser herrlich ungekünstelten CCR-Atmosphäre. Da braucht es keine große Kompositionserklärung. Einfach laufen lassen und gut ist.
Poorboy Shuffle
Nahtlos schließt sich Feelin' Blue an, und auch hier frage ich mich manchmal, weshalb solche Stücke im Schatten der großen Singles stehen. Mehr als fünf Minuten lang darf sich dieser Song Zeit nehmen. Bluesig, groovend, leicht melancholisch und mit einem John Fogerty, der hier nicht ständig auf die Tube drücken muss. Für mich eine dieser kleinen Perlen, wegen derer man eine alte LP nicht einfach als "kenn ich, hab ich, brauche ich nicht mehr" abhakt.
Feelin' Blue
Ebenfalls nicht unerwähnt lassen möchte ich Side O' The Road. Was zunächst fast ein wenig simpel daherkommt, entwickelt sich gerade durch den beinahe stupiden, sich ständig wiederholenden Grundrhythmus des Basses zu einem richtig interessanten Instrumental. Darüber legt sich eine herrliche Solo-Gitarre, die sich immer wieder neue Wege sucht und dem ansonsten stoisch vor sich hin marschierenden Bass ordentlich Leben einhaucht. Gerade dieses Zusammenspiel gefällt mir ausgesprochen gut. Der Bass bleibt unbeirrbar auf seinem Kurs, während die Gitarre darüber ihre Kreise zieht. Nicht unbedingt der Song, den man als erstes mit CCR in Verbindung bringen würde – aber genau deshalb eine weitere dieser kleinen Perlen, die auf den Longplayern zu finden sind.
Side O' The Road
Und dann wäre da noch Effigy. Der wohl ungewöhnlichste Titel des Albums und gleichzeitig einer meiner persönlichen Favoriten. Sechs Minuten und ein paar Sekunden dauert das Stück und damit deutlich länger als die meisten anderen Titel. Die Stimmung wird dunkler, bedrohlicher, beinahe unheimlich. Hier zeigt sich, dass CCR weit mehr konnten als die knackigen Zwei- oder Dreiminüter, mit denen sie ihre Hits landeten. Effigy ist für mich genau so ein Beispiel dafür, was auf den Longplayern zu finden war, wenn man sich die Zeit nahm, tiefer einzusteigen.
Effigy
Auch Cotton Fields gehört für mich in diese Betrachtung. Ein Stück, das CCR nicht selbst geschrieben hat, sondern auf eine Komposition von Huddie Ledbetter, besser bekannt als Lead Belly, zurückgeht. Fogerty und seine Mannen machen daraus ihre ganz eigene Version und verpassen dem alten Folk-/Arbeitslied diesen unverwechselbaren CCR-Stempel. Interessant finde ich dabei gerade, wie selbstverständlich sich ein solches Stück in das Album einfügt. Es steht dort nicht wie ein Fremdkörper herum, sondern gehört einfach dazu. Auch The Midnight Special ist eine traditionelle Komposition, die CCR auf ihre Art interpretiert.
Cotton Fields
Überhaupt ist "Willy And The Poor Boys" für mich weniger eine Sammlung einzelner Songs als ein ziemlich geschlossenes Gesamtwerk. Die Stücke greifen ineinander, wechseln zwischen ausgelassener Stimmung, Blues, Folk, Rock und den politischeren Momenten, ohne dass dabei der typische CCR-Faden verloren geht. Genau diese Geschlossenheit ist es, die eine gute LP von einer bloßen Zusammenstellung guter Songs unterscheidet.
Und vielleicht sollte man sich dabei auch noch einmal vor Augen führen, in welchem Tempo CCR damals gearbeitet haben. Drei Alben allein 1969 – und keines davon war irgendein Schnellschuss. Die Band war geradezu unglaublich produktiv. Trotzdem findet man auf "Willy And The Poor Boys" nicht das Gefühl, dass hier Material auf Biegen und Brechen zusammengesucht wurde, damit die nächste LP fertig wird. Selbst die weniger bekannten Stücke haben ihren Platz. Genau das macht das Album für mich unverzichtbar.
Ich will also gar nicht behaupten, dass "Willy And The Poor Boys" die beste CCR-Platte ist. Für mich ist sie das nicht. Aber sie gehört zu dieser großartigen Reihe von Alben, die man als CCR-Freund einfach besitzen muss. Und wer bislang nur die großen Hits kennt, dem sei dringend empfohlen, sich einmal die komplette LP anzuhören. Denn zwischen Fortunate Son und Down On The Corner liegen eben jene kleinen musikalischen Schätzchen, die im Radio kaum eine Chance hatten und trotzdem zeigen, weshalb CCR für mich seit meinem 14. Lebensjahr die unbestrittene Nummer eins ist.
Noch eine kleine Randnotiz zu "Cotton Fields":
Lead Belly, also Huddie Ledbetter, war mir bislang völlig unbekannt. Erst bei der Beschäftigung mit "Willy And The Poor Boys" und der Frage nach dem Urheber dieses Stücks bin ich auf diesen bemerkenswerten Musiker gestoßen. Sein Leben war alles andere als geradlinig: 1918 wurde er wegen Mordes zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt, wobei er selbst von Notwehr sprach. Später kam er vorzeitig frei und wurde zu einer bedeutenden Figur der amerikanischen Folk- und Bluesgeschichte. Wieder einmal zeigt sich: Wer sich etwas genauer mit einem Album beschäftigt, stolpert manchmal über Geschichten, die mindestens so interessant sind wie die Musik selbst.
[Die Band]
John Fogerty – Gesang, Leadgitarre
Tom Fogerty – Rhythmusgitarre, Begleitgesang
Stu Cook – Bass
Doug Clifford – Schlagzeug
[Die Songs]
Down On The Corner
It Came Out Of The Sky
Cotton Fields
Poorboy Shuffle
Feelin' Blue
Fortunate Son
Don't Look Now
The Midnight Special
Side O' The Road
Effigy