ALCANTARA? Nie gehört. So lautete jedenfalls mein erster Gedanke, als mir der Name der italienischen Band begegnete. Umso größer war die Überraschung, als sich "Tamam Shud" nach den ersten Hörproben nicht als eine weitere Prog-Veröffentlichung entpuppte, sondern als ein Album, das ich nicht einfach nach zwei oder drei Songs wieder zur Seite legen wollte. Im Gegenteil – je häufiger ich die Scheibe auf Bandcamp hörte, desto neugieriger wurde ich darauf, was die Sizilianer hier eigentlich geschaffen haben.
Nun denn - was also gibt es auf die Lauscher? Wir werden sehen resp. hören.
ALCANTARA – "Tamam Shud" | Italien | Progressive Rock / Psychedelic Rock | VÖ Juni 2026
ALCANTARA verzichten erfreulicherweise auf jegliches musikalische Posergehabe. Hier wird nicht krampfhaft versucht, den Hörer mit möglichst vielen Taktwechseln oder instrumentaler Akrobatik zu beeindrucken. Die Band lässt ihrer Musik Luft zum Atmen. Gitarren, Keyboards und eine angenehme Portion Psychedelic verweben sich zu einem stimmungsvollen Gesamtbild, das irgendwo zwischen klassischem Progressive Rock und atmosphärischem Artrock seinen Platz findet. Trotz dreier Gitarristen wirkt nichts überladen oder gar selbstverliebt. Jeder Ton scheint dort zu stehen, wo er hingehört.
Stellvertretend für die Stimmung des Albums seien zwei Stücke genannt. ---> TerryG entwickelt sich ganz gemächlich, baut seine Atmosphäre ohne Eile auf und vermittelt genau jene entspannte Gelassenheit, die sich durch den gesamten Longplayer zieht. Demgegenüber wirkt ---> Distant Star etwas druckvoller und zeigt, dass ALCANTARA durchaus zupacken können, ohne dabei ihre melodische Linie zu verlassen. Gerade diese Mischung aus ruhigen Klanglandschaften und immer wieder leicht anziehender Dynamik macht für mich den besonderen Reiz des Albums aus.
Was mir besonders gefällt, ist die Gelassenheit, mit der ALCANTARA ihre Musik angehen. Da wird nichts überhastet, nichts mit der Brechstange durchgesetzt. Die Stücke entwickeln sich ganz natürlich, Melodien dürfen wirken, kleine instrumentale Feinheiten tauchen auf und verschwinden wieder, ohne ständig den dicken Max markieren zu müssen. (Zum ersten Lauschen wird, um diese ganzen Feinheiten zu entdecken, ein Kopfhörer empfohlen). Auch der Wechsel zwischen italienischen und englischen Texten verleiht dem Album eine ganz eigene Handschrift. Die italienische Sprache passt hervorragend zu dieser oft leicht melancholischen Grundstimmung und sorgt für zusätzliches Flair. Generell, so finde ich, besitzt die italienische Sprache einen schön perlenden Klang. Gerade auf Tamam Shud trägt sie viel zu der besonderen Atmosphäre des Albums bei.
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=VwJTdKbsaZc
Immer wieder werden im Internet Vergleiche mit PINK FLOYD gezogen. Ganz von der Hand weisen möchte ich diese nicht, allerdings wäre es der Band gegenüber unfair, sie darauf zu reduzieren. ALCANTARA besitzen genügend Eigenständigkeit, um sich aus diesem Schatten zu lösen. Wer genau hinhört, entdeckt vielmehr eine Band, die ihre Einflüsse kennt, daraus aber etwas Eigenes formt.
Diese Unaufgeregtheit, der manchmal vorhandene Hang zur Melancholie, macht "Tamam Shud" für mich so sympathisch. Das Album muss niemandem etwas beweisen. Es schreit nicht nach Aufmerksamkeit, sondern gewinnt ganz still seine Freunde. Wer den schnellen musikalischen Kick sucht, wird vermutlich woanders glücklicher. Wer dagegen Freude an melodischem Progressive Rock mit Atmosphäre, schönen Klangfarben und viel Gefühl für Stimmungen hat, sollte den Italienern ruhig einmal eine Chance geben.
Erhältlich ist "Tamam Shud" unter anderem über Bandcamp. Soweit ich weiß, bleibt dort im Vergleich zu vielen Streaming-Diensten und Download-Plattformen ein deutlich größerer Anteil des Erlöses bei den Künstlern und ihrem Label. Wer die Band also unterstützen möchte, dürfte dort eine gute Anlaufstelle finden.
Und auch wenn "Tamam Shud" bereits im Juni erschienen ist – für einen Tipp des Monats ist es aus meiner Sicht noch lange nicht zu spät. Gute Musik hat bekanntlich kein Verfallsdatum.
[Die Band]
Sergio Manfredi Sallicano – Gesang
Francesco Venti – Leadgitarre
Vittorio Distefano – Gitarre
Salvo Di Mauro – Gitarre
Delio Santi – Bass
Rosario (Saro) Figura – Schlagzeug
Gastmusiker
Alessandro Caltabiano – Keyboards (Song 1, 4 und 6)
Caterina Coco – Violine (Song 6)
[Die Songs]
1. TerryG (8:11)
2. Il Distacco (8:53)
3. Distant Star (5:31)
4. Tamam Shud (7:00)
5. Sail (6:25)
6. Wodwo/Vertigo (7:27)
Nun denn - was also gibt es auf die Lauscher? Wir werden sehen resp. hören.
ALCANTARA – "Tamam Shud" | Italien | Progressive Rock / Psychedelic Rock | VÖ Juni 2026
ALCANTARA verzichten erfreulicherweise auf jegliches musikalische Posergehabe. Hier wird nicht krampfhaft versucht, den Hörer mit möglichst vielen Taktwechseln oder instrumentaler Akrobatik zu beeindrucken. Die Band lässt ihrer Musik Luft zum Atmen. Gitarren, Keyboards und eine angenehme Portion Psychedelic verweben sich zu einem stimmungsvollen Gesamtbild, das irgendwo zwischen klassischem Progressive Rock und atmosphärischem Artrock seinen Platz findet. Trotz dreier Gitarristen wirkt nichts überladen oder gar selbstverliebt. Jeder Ton scheint dort zu stehen, wo er hingehört.
Stellvertretend für die Stimmung des Albums seien zwei Stücke genannt. ---> TerryG entwickelt sich ganz gemächlich, baut seine Atmosphäre ohne Eile auf und vermittelt genau jene entspannte Gelassenheit, die sich durch den gesamten Longplayer zieht. Demgegenüber wirkt ---> Distant Star etwas druckvoller und zeigt, dass ALCANTARA durchaus zupacken können, ohne dabei ihre melodische Linie zu verlassen. Gerade diese Mischung aus ruhigen Klanglandschaften und immer wieder leicht anziehender Dynamik macht für mich den besonderen Reiz des Albums aus.
Was mir besonders gefällt, ist die Gelassenheit, mit der ALCANTARA ihre Musik angehen. Da wird nichts überhastet, nichts mit der Brechstange durchgesetzt. Die Stücke entwickeln sich ganz natürlich, Melodien dürfen wirken, kleine instrumentale Feinheiten tauchen auf und verschwinden wieder, ohne ständig den dicken Max markieren zu müssen. (Zum ersten Lauschen wird, um diese ganzen Feinheiten zu entdecken, ein Kopfhörer empfohlen). Auch der Wechsel zwischen italienischen und englischen Texten verleiht dem Album eine ganz eigene Handschrift. Die italienische Sprache passt hervorragend zu dieser oft leicht melancholischen Grundstimmung und sorgt für zusätzliches Flair. Generell, so finde ich, besitzt die italienische Sprache einen schön perlenden Klang. Gerade auf Tamam Shud trägt sie viel zu der besonderen Atmosphäre des Albums bei.
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=VwJTdKbsaZc
Immer wieder werden im Internet Vergleiche mit PINK FLOYD gezogen. Ganz von der Hand weisen möchte ich diese nicht, allerdings wäre es der Band gegenüber unfair, sie darauf zu reduzieren. ALCANTARA besitzen genügend Eigenständigkeit, um sich aus diesem Schatten zu lösen. Wer genau hinhört, entdeckt vielmehr eine Band, die ihre Einflüsse kennt, daraus aber etwas Eigenes formt.
Diese Unaufgeregtheit, der manchmal vorhandene Hang zur Melancholie, macht "Tamam Shud" für mich so sympathisch. Das Album muss niemandem etwas beweisen. Es schreit nicht nach Aufmerksamkeit, sondern gewinnt ganz still seine Freunde. Wer den schnellen musikalischen Kick sucht, wird vermutlich woanders glücklicher. Wer dagegen Freude an melodischem Progressive Rock mit Atmosphäre, schönen Klangfarben und viel Gefühl für Stimmungen hat, sollte den Italienern ruhig einmal eine Chance geben.
Erhältlich ist "Tamam Shud" unter anderem über Bandcamp. Soweit ich weiß, bleibt dort im Vergleich zu vielen Streaming-Diensten und Download-Plattformen ein deutlich größerer Anteil des Erlöses bei den Künstlern und ihrem Label. Wer die Band also unterstützen möchte, dürfte dort eine gute Anlaufstelle finden.
Und auch wenn "Tamam Shud" bereits im Juni erschienen ist – für einen Tipp des Monats ist es aus meiner Sicht noch lange nicht zu spät. Gute Musik hat bekanntlich kein Verfallsdatum.
[Die Band]
Sergio Manfredi Sallicano – Gesang
Francesco Venti – Leadgitarre
Vittorio Distefano – Gitarre
Salvo Di Mauro – Gitarre
Delio Santi – Bass
Rosario (Saro) Figura – Schlagzeug
Gastmusiker
Alessandro Caltabiano – Keyboards (Song 1, 4 und 6)
Caterina Coco – Violine (Song 6)
[Die Songs]
1. TerryG (8:11)
2. Il Distacco (8:53)
3. Distant Star (5:31)
4. Tamam Shud (7:00)
5. Sail (6:25)
6. Wodwo/Vertigo (7:27)