Modest Mouse - An Eraser And A Maze

Indie Rock mit mehr Abwechslung, als man sich vorstellen kann...

 
firebyrd
Labelboss
Avatar
Geschlecht: keine Angabe
Herkunft: Hausgeburt (Ausgeburt?)
Beiträge: 48640
Dabei seit: 05 / 2006
Betreff:

Modest Mouse - An Eraser And A Maze

 · 
Gepostet: 28.06.2026 - 23:59 Uhr  ·  #1
Modest Mouse - An Eraser And A Maze


Bei der Band Modest Mouse handelt es sich um eine 1993 in Washington gegründete Indie-Rock-Band. Als wirklich festes Mitglied ist heute noch der Leadsänger und Gitarrist Isaac Brock an Bord. Auf einige durchaus erfolgreiche Alben kann man zurückblicken, mit auch unterschiedlichen musikalischen Ausrichtungen, auch durch Einbeziehungen verschiedener stilistischer Elemente.

Doch Eines ist geblieben, dieses „Unbequeme“ im Sound und in den Arrangements, so auch beim neuen, dem mittlerweile achten Album, "An Eraser And A Maze". So fließen in den fünfzehn Songs der Veröffentlichung recht verschiedene Stimmungen ineinander, so recht festmachen kann man das nicht. Der anfängliche Ausdruck von holprig wirkenden Ausführungen der mitunter recht einfach gestrickten Songs hat sich im Laufe der Zeit sehr geändert und nun zeichnet sich Modest Mouse durch Individualität, Kreativität und einen gesunden Schuß Verrücktheit aus. Dabei entdecke ich zwischen den Zeilen auch immer wieder „kommerzielle“ Elemente, aus denen man so manch erfolgreichen Indie-Pop-Song basteln könnte. Durch das „Schräge“ in der Musik wird aber wohl nichts daraus.

Und das wird sogleich demonstriert mit dem Auftaktsong „Picking Dragons’ Pockets“, hier werden gleich mehrere stilistische Ausprägungen vorgestellt. Donnernde dumpfe Drums, hektischer mehrstimmiger Gesang, Rockmusik trifft auf programmierte Rhythmen, eigentlich ohne eine übliche Struktur, bis auf den Refrain, an dem man sich vielleicht festmachen kann, um einen Wiedererkennungswert zu erhalten. „Remember Yourself“ ist nun wieder ganz anders, fast schon sprechender Gesang, nun aber ganz ruhig, das Spiel des Basses, das mich an einige Songs von The Cure erinnert, und die zart umgarnenden Klänge der ganz ruhigen Gitarre. Diese bleibt dann auf „Life's A Dream“ nicht mehr so ruhig, sondern präsentiert sich kraftvoller und schließlich wird hier ein Song vorgetragen, der mehr haften bleibt mit seinem relativ harmonischen Ausdruck.

Ja, erst drei Songs, die jeweils bereits verschiedene Seiten der Band beleuchten, da bleibt natürlich noch reichlich Potential für die restlichen zwölf Stücke! Und in der Tat könnte man hier jeden einzelnen Song näher beleuchten hinsichtlich der individuellen Gestaltung. Eines ist sofort klar, dass es mit Sicherheit nicht langweilig wird, sich den diversen Ausgestaltungen von "An Eraser And A Maze" zu widmen. „Dogbed In Heaven / Give It A Skeleton“ startet nun wieder ganz anders, ein wenig Rolling Stones der frühen Siebziger könnte man hier spüren, nur der Gesang klingt ein wenig „angetrunken“. Aber wie sollte es anders sein, auch hier setzt ganz plötzlich eine unerwartete Wendung ein, ein anderer Song scheint zu erklingen.

Mithin ist man bei Modest Mouse nie vor Überraschungen sicher. Einerseits mag das kompliziert sein für Hörer*innen, die es brauchen, einen durchgehend „zuverlässigen“ Sound abgeliefert zu bekommen, aber andererseits öffnet die Band Tür und Tor all Denjenigen, die sich gern auf Experimente einlassen wollen und auf Entdeckungsreise gehen möchten.

Ich ertappe mich dabei, wie mir „Third Side Of The Moon“ sehr angenehm entgegenspringt und ich mich spätestens jetzt unwillkürlich gepackt fühle und dazu berufen, doch genauer zuzuhören, was hier abläuft! So kommt „Rotten Fruit“ wieder ganz anders, knarzender Synthie-Sound, der sich mit der Rockgitarre paart, „Knocked Down By Waves“ mit verzweifelt klingendem Gesang, irgendwo, irgendwie klingend zwischen Dilettantismus und Verzweiflung, bis mich dann „Absolutely Necessary Never“ daran erinnert, dass es einst einen Song von Visage gab, „Fade To Grey“, irgendwie klingt das am wenigsten nach dem, was ich mir unter Modest Mouse vorgestellt habe. Auch „Song About Nothing“ klingt sehr elektronisch, ob der Rock nun nach und nach auf der Strecke bleibt?

„Stoner Party“, vielleich ein Hauch Zappa als Zwischenspiel, das zum anfänglichen Sound der Veröffentlichung zurückleitet, und mit dem Abschlusssong „Impossible Somedays“ wieder ein kleiner Hauch Popmusik, vielleicht Spuren von The Damned oder Talking Heads, könnte man meinen. Im Nachhinein betrachtet, bieten die fünfzehn Songs ein breites Spektrum zwischen Zartheit, Sanftheit, Lärm und frechen Ausbrüchen, sehr ungewöhnlich und außergewöhnlich, und das dürfte sich für eine breite Schar von Insider-Anhängern anbieten, diese Musik ist absolut nicht alltäglich!

Isaac Brock (vocals, guitars, bass, keyboards, Mellotron, percussion, synthesizer, background vocals, marimba)
Damon Cox (drums, electronic drums)
Russell Higbee (bass, Wurlitzer, drum programming, Mellotron, Farfisa, glockenspiel, vocals, keyboards, synthesizer, guitar, organ, percussion, horn, kalimba)
Keith Karman (keyboards, lap steel guitar, pedal steel guitar, 12-string guitar, Mellotron)
Ben Massarella (percussion, drums, vocals)
Simon O'Connor (guitars, concertina, vocals)
Jacknife Lee (keyboards, guitars, vibes, background vocals, vocals, bass, drums, percussion, synthesizer)
Jeremy Sherrer drums, sampler, synthesizer )
Suzy Shinn (vocals, bass, acoustic guitar)
Zach Carper (background vocals)
Justin Raisen (drum programming, synthesizer, vocals, whistling)
Ainjel Emme (bass, vocals, whistling)
Anthony Lopez(drums, percussion)
Joe Kennedy (guitar, synthesizer)
Benjamin Weikel (drums)
Jeremiah Green (drum programming)
Drew Tachine (drums)
Tom Peloso (synthesizer)
Brad Lauchert (vocals)
Daina Roberts (vocals)
Janet Weiss (drums)

1 Picking Dragons’ Pockets
2 Remember Yourself
3 Life's a Dream
4 Third Side of the Moon
5 Dogbed in Heaven / Give It a Skeleton
6 Interlude
7 I Can't Talk Right Now
8 Speak ’N Spell (Or Not)
9 Rotten Fruit
10 Knocked Down by Waves
11 Absolutely Necessary Never
12 Song About Nothing
13 Stoner Party
14 Look How Far...
15 Impossible Somedays

https://www.modestmouse.com/

Stattmeister
Produzent
Avatar
Geschlecht:
Herkunft: Meinerzhagen
Beiträge: 14256
Dabei seit: 08 / 2009
Betreff:

Re: Modest Mouse - An Eraser And A Maze

 · 
Gepostet: 29.06.2026 - 08:39 Uhr  ·  #2
Oh, hätte nicht gedacht, dass die noch existieren. Nach einer recht euphorischen Kritik im Musikexpress erwarb ich 2004 das Album "Good news for people who love bad news" (super Albumtitel). Aber irgendwie hat mich die Scheibe nie richtig gepackt. Ein oder zwei Stücke fand ich gut, aber ein ganze Platte, nö! Damit hatte sich die Maus den Faden abgebissen. ;-)
freaksound
Toningenieur
Avatar
Geschlecht:
Herkunft: Oberbayern
Alter: 62
Beiträge: 5751
Dabei seit: 05 / 2006
Betreff:

Re: Modest Mouse - An Eraser And A Maze

 · 
Gepostet: 30.06.2026 - 09:22 Uhr  ·  #3
tolle rezi, welche es wunderbar versteht neugierig zu machen.

Detaillierte, ausdrucksvolle "Klang"-Beschreibungen, welche in diesem speziellen Fall trotzdem (fast) alles offen lassen. :-/

Ist schon auf der Anhörenliste von Bandcamp gelandet.
Gewählte Zitate für Mehrfachzitierung:   0

Registrierte in diesem Topic

Aktuell kein registrierter in diesem Bereich

Die Statistik zeigt, wer in den letzten 5 Minuten online war. Erneuerung alle 90 Sekunden.