Als die ewig streitenden Brüder Liam und Noel Gallagher 2009 das Ende ihrer überaus erfolgreichen Band Oasis bekanntgaben, war das Entsetzen der Fans groß. Hatten sie doch mit den Megasellern „Definitely Maybe“ und „(What’s the story) Morning Glory“ für die Etablierung des Brit-Pop in den 90ern gesorgt. Gespannt warteten die Fans dann auf die schon bald angekündigten Soloprojekte der Brüder. Bereits 2011 legte Noel, unterstützt von namhaften Session-Musiker, wie beispielsweise Keyboarder Mike Rowe (Travis, Mick Jagger, Oasis), von ihm als „loses Kollektiv“ bezeichnet, sein Werk „Noel Gallagher’s High Flying Birds“ vor. Und hatte, noch einhelliger Meinung der Kritiker und des Publikums, hiermit die Nase vorn.
Schon der Opener verdeutlicht, dass Oasis ihren Erfolg im wesentlichen dem Songwriting von Noel zu verdanken hatten (und nicht der Stimme von Liam). „Everbody’s on the run“ knüpft für mich nahtlos an die starken Songs von „Morning Glory“ an. Auf seinem Solodebüt (mit oben genanntem Kollektiv) präsentiert er in gut 42 Minuten zehn nahezu epische Songs. Auffällig ist, dass Noel hier auf teilweise sehr komplexe Orchesterarrangements setzt, die seine kleinen Hymnen und perfekte Melodien gut in Szene setzen. Und ja, die Stimme von Liam ist schon außergewöhnlich und passte perfekt zu den Oasis-Songs, aber Noel fällt hier nicht deutlich ab und weist in der Tonalität durchaus Parallelen zu seinem Bruder auf.
Zunächst mag der ein oder andere Songtitel martialisch oder düster („The death of you and me“) anmuten, aber wenn man sich den Inhalten nähert merkt man schnell er setzt nicht auf Aggressivität sondern auf die Liebe „If I had a gun, I'd shoot a hole into the sun and love would burn this city down for you“.
Insgesamt ist es aus meiner Sicht ein sehr gutes Album, welches sich vor den Großtaten der 90er nicht zu verstecken braucht. Gut, dass ich es am Dienstag bei einer längeren Autofahrt mal wieder in der Playlist hatte. Als ich es vor mehr als zehn Jahren erwarb hatte ich eine andere Meinung.
Tracklist:
01. Everybody's On The Run
02. Dream On
03. If I Had A Gun
04. The Death Of You And Me
05. (I Wanna Live In A Dream In My) Record Machine
06. AKA... What A Life!
07. Soldier Boys And Jesus Freaks
08. AKA... Broken Arrow
09. (Stranded On) The Wrong Beach
10. Stop The Clocks
Zum Glück war ich bereits zweimal dort. Habe auch vorhin schon einen Anruf vom Kulturminister Irlands erhalten. Der bestätigte das Einreiseverbot.