Ocean Fanfare - Third Nature

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firebyrd
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Ocean Fanfare - Third Nature

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Gepostet: 13.06.2026 - 23:32 Uhr  ·  #1
Ocean Fanfare - Third Nature

Die Geschichte dieses dänisch-polnischen Projekts, Ocean Fanfare, geht zurück bis in das Jahr 2012. Seinerzeit arbeitete man zusammen mit dem Schlagzeuger Tyshawn Sorey, der die Band bis zu ihrem Debütalbum „Imagine Sound, Imagine Silence“ begleitete. Im Zuge einer Reihe mit der Bezeichnung "Nature Trilogy" wurden die Alben "First Nature, Ecological Relations"(2019) und "Second Nature, Capitalist Transformation" (2021) eingespielt,

Und nun wird das aktuelle Album "Third Nature" als dritter Teil dieser Trilogie vorgelegt, mit Musik, die sich recht offen gestaltet, mit einem hohen Anteil an kollektiver Improvisation. So ist bereits der Eröffnungssong „Kritisk Stadie“ für Hörer*innen, die harmonische und schöne Klänge gewohnt sind, möglicherweise nicht gerade entgegenkommend, also wird Jenen das „Unbequeme“ und „Störrische“ dieser Musik wohl nicht passen, und für Einige mag das, was das Quartett hier bietet, bereits in den Bereich des Free Jazz zu packen sein. Doch soweit geht es hier nicht.

Vielmehr klingt die Musik recht avantgardistisch, recht losgelöst und intellektuell und dabei wenig emotional, halt schwer zugänglich für Harmoniesüchtige. Das heißt wiederum, dass man sich nicht auf das Oberflächliche verlassen, sondern sich gezwungen fühlen sollte, in die Tiefe dieser Musik zu schweifen oder sich hier einzugraben, um zu schauen, ob und welcher Zugang hier überhaupt möglich sein wird.

Hierbei mag dann auch diese Angabe aus dem Pressetext hilfreich sein:
„Das Album ist von „The Mushroom at the End of the World“ von Anna Lowenhaupt Tsing inspiriert, deren Ideen über „zeitliche Polyphonie“ – das gleichzeitige Vorhandensein mehrerer Zeitlinien und Möglichkeiten – die Konzeption des Projekts maßgeblich beeinflusst haben. Das Quartett übersetzt diese Ideen in flexible Kompositionen, die Mehrdeutigkeit, Überlagerungen und intuitive Entscheidungen in den Vordergrund stellen. Anstelle von festen Formen entwickeln sich die Stücke durch Interaktion und lassen dabei unterschiedliche zeitliche Ebenen auf organische Weise während der Aufführung entstehen.“

Nun, das klingt auf diese Art relativ „wissenschaftlich“ und erleichtert einen Zugang nicht unbedingt. So mag der Satz “Love or hate, there is no in between“ möglicherweise zutreffen. Wer einen solchen Aufbau der Musik mag, dürfte begeistert und hingerissen sein, eine eng verwobene Klangwelt zwischen Rhythmus- und Solo-Instrumenten, die jeweils nicht den ihnen generell „zugewiesenen“ Aufgaben nachkommen, man erzeugt gemeinsam breitflächige Texturen, die mitunter einen recht abstrakten Charakter aufweisen. Der Wiedererkennungswert der jeweiligen Songs ist somit „gleich Null“.

Polyrhythmische Schwingungen, pulsierende Ausflüge in freie Gefilde, das wirkt mitunter wie gedankenverloren und dann in einigen Passagen in Verbindung damit schon fast melancholisch, mithin ist es mitunter dann doch wieder ein kleiner Anflug von Emotionen, nur – man benötigt wirklich Zeit für eine Annäherung. Und spätestens dann, wenn man sich nach etwa fünf Songs dieser Wirkung nicht mehr entziehen kann, wird man in der Lage sein, diesen Sound nachvollziehen zu können.

Mitunter erinnert mich der Gesamteindruck ein ganz wenig an das damalige Debüt von Weather Report aus 1971, die seinerzeit versuchten, auch einen neuen fließenden Sound zu kreieren. Doch ich empfinde bei Ocean Fanfare dann doch mehr Nüchternheit und Sachlichkeit, und mit einem höheren Grad einer Dramaturgie ausgestattet, mit einigen Anklängen an die Phase von Cool Jazz inklusive, oder aber auch eine leichte Richtung hin zu Musik, wie sie seinerzeit von Musikern wie Alexander Von Schlippenbach vorgestellt wurde, jedenfalls stark an der avantgardistischen Richtung ab den Sechzigern orientiert, etwa wie von Ornette Coleman vorgestellt.

Tomasz Dąbrowski (trumpet)
Sven Meinild (alto & tenor saxophone & bass clarinet)
Richard Andersson (double bass)
Peter Bruun (drums)

1 Kritisk Stadie (5:02)
2 Circular One (5:29)
3 Paper Mountains (5:37)
4 Long Time (4:22)
5 Circular Two(3:34)
6 Natskygge Ordnen (5:42)
7 Quantum (4:17)

https://www.oceanfanfare.com/

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