Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte ich hier im Forum das Album "Spellbinder!" der Band THE THIRD MIND (Rezension siehe hier) vorgestellt. Normalerweise vermeide ich es, mich näher mit den einzelnen Mitwirkenden eines Albums zu beschäftigen. Nicht etwa aus Desinteresse, sondern vielmehr deshalb, weil ich mich sonst allzu leicht in immer neue musikalische Entdeckungsreisen verliere.
Diesmal machte ich jedoch eine Ausnahme. Der Grund war ein Gitarrist namens Dave Alvin, von dem ich bis dahin noch nie gehört hatte. Auf "Spellbinder!" war jedoch eine derart phantastische Gitarrenarbeit zu hören, dass meine Neugier geweckt war. Also begann ich, mich ein wenig näher mit dem Mann hinter diesen großartigen Gitarrenklängen zu beschäftigen.
Wie so oft führte eine Entdeckung zur nächsten. Die Spurensuche brachte mich zunächst zu den BLASTERS, schließlich zu seiner umfangreichen Solokarriere – und letztendlich zu einem Album, das sich nach mehreren Durchläufen als eine meiner schönsten Neuentdeckungen der letzten Zeit herausstellen sollte.
Bevor ich auf das Album selbst eingehe, vielleicht noch ein kurzer Hinweis: Dave Alvin ist für mich tatsächlich eine ganz frische Entdeckung. Anders als viele Künstler, die mich seit Jahren oder gar Jahrzehnten begleiten, begegne ich seinem Werk erst seit kurzer Zeit. Entsprechend habe ich für diese Rezension neben meinen eigenen Höreindrücken auch zahlreiche Hintergrundinformationen aus Interviews, Artikeln und Albumbesprechungen zusammengetragen. Die Einschätzungen zum Album selbst sind jedoch meine ganz persönlichen.
Dave Alvin – Eleven Eleven | USA 2011 | Americana, Roots Rock, Blues
Wer sich ein wenig mit amerikanischer Roots-Musik beschäftigt, wird früher oder später über den Namen Dave Alvin stolpern. Gemeinsam mit seinem Bruder Phil gründete er Anfang der 80er Jahre die Band THE BLASTERS, die mit ihrer Mischung aus Rock'n'Roll, Blues, Rockabilly und Rhythm & Blues erheblichen Anteil daran hatte, die amerikanische Musik wieder stärker an ihre Wurzeln heranzuführen. Während vielerorts Synthesizer und elektronische Klänge den Ton angaben, setzten die Blasters auf handgemachte Musik voller Energie und Leidenschaft.
Nach dem Ende der Band entwickelte sich Dave Alvin zu einem der angesehensten Songwriter der amerikanischen Roots-Szene. Zahlreiche Soloalben folgten, von denen kaum eines wirklich schwach geraten sein soll. Mit "Eleven Eleven", veröffentlicht im Jahr 2011, gelang ihm nach Meinung vieler Fans und Kritiker eines seiner stärksten Werke. Nach mehreren Durchläufen kann ich diese Einschätzung durchaus nachvollziehen.
Dave Alvin sagte einmal, die Songs dieses Albums handelten von den üblichen Dingen: Leben, Liebe, Verlust, Familie, Freundschaft, Arbeit, Glaube und Zweifel. Tatsächlich fühlt sich "Eleven Eleven" an wie eine Sammlung kleiner Kurzgeschichten. Alvin begegnet Arbeitern, Musikern, Außenseitern, Gestrandeten und Träumern. Er erzählt ihre Geschichten mit einer Wärme und Glaubwürdigkeit, die man heute nur noch selten findet.
Dabei profitiert das Album enorm von seiner rauen, tiefen Stimme. Alvin singt diese Geschichten nicht einfach – man hat vielmehr das Gefühl, er habe viele davon selbst erlebt. Genau das verleiht dem Album seine besondere Authentizität.
Gleich mehrere Songs basieren auf realen Ereignissen oder historischen Figuren. Besonders beeindruckt hat mich ---> Johnny Ace Is Dead. Der Song erzählt die tragische Geschichte des jungen R&B-Sängers Johnny Ace, der sich Weihnachten 1954 unter bis heute nicht vollständig geklärten Umständen selbst erschoss. Aus dieser Geschichte macht Alvin weit mehr als eine bloße Nacherzählung. Das Lied wird zu einer nachdenklichen Betrachtung über Ruhm, Vergänglichkeit und die Zerbrechlichkeit des Lebens.
Nicht minder eindrucksvoll gerät ---> Murrieta's Head. Hier beschäftigt sich Alvin mit dem legendären Joaquín Murrieta, einer bis heute umstrittenen Figur der kalifornischen Geschichte. Besonders spannend finde ich, dass Alvin die Geschichte nicht aus der Sicht des Gejagten, sondern aus der Perspektive eines seiner Verfolger erzählt. Solche Blickwinkel machen seine Songs immer wieder interessant.
Mit ---> Harlan County Line folgt einer der bekanntesten Titel des Albums. Der Song wurde später sogar in der Fernsehserie Justified verwendet, in der Dave Alvin selbst einen Gastauftritt absolvierte. Musikalisch verbindet das Stück Blues, Americana und Roots Rock zu einer Mischung, die förmlich nach staubigen Highways, endlosen Landstraßen und nächtlichen Truck Stops klingt.
Hier eine Liveversion des Songs:
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=lSU9vIzFCzk
Ein weiteres Highlight ist für mich ---> Gary, Indiana 1959. Der Song erzählt vom Leben eines alternden Gewerkschafters und blickt zurück auf die Blütezeit der amerikanischen Stahlindustrie. Wenngleich hier eine gewisse Nostalgie mitschwingt, verfällt Alvin nie in sentimentale Verklärung. Vielmehr beschreibt er die Menschen hinter diesen Geschichten mit Respekt und Würde.
Deutlich humorvoller wird es anschließend mit ---> What's Up With Your Brother?. Für Fans der BLASTERS dürfte dies ohnehin einer der Höhepunkte des Albums sein. Gemeinsam mit seinem Bruder Phil nimmt Dave Alvin hier augenzwinkernd die legendäre Rivalität der beiden aufs Korn. Über Jahre hinweg wurden die Brüder immer wieder nach ihrem Verhältnis zueinander gefragt. Irgendwann machten sie daraus einfach einen Song. Das Ergebnis ist ebenso witzig wie sympathisch und sorgt zwischen den oftmals nachdenklichen Geschichten für eine willkommene Auflockerung.
Zu den schönsten Stücken des Albums zähle ich ---> Black Rose Of Texas. Eine melancholische Ballade über Erinnerung, Verlust und vergangene Liebe. Gerade solche Songs zeigen, dass Dave Alvin weit mehr ist als ein hervorragender Gitarrist. Er besitzt die seltene Gabe, große Gefühle ohne Pathos auszudrücken.
Überhaupt zieht sich das Thema Verlust wie ein roter Faden durch das Album. Freunde sind gestorben, Beziehungen zerbrochen, Lebensabschnitte vergangen. Dennoch wirkt "Eleven Eleven" niemals hoffnungslos. Besonders deutlich wird dies im abschließenden ---> Two Lucky Bums, einem Duett mit Chris Gaffney, das kurz vor dessen Krebstod aufgenommen wurde. Trotz aller Melancholie bleibt am Ende ein Funken Hoffnung. Vielleicht ist genau das die eigentliche Stärke dieses Albums.
Bei aller Wertschätzung für die Geschichten und die oftmals nachdenklichen Texte sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass Dave Alvin auch als Gitarrist mehrfach eindrucksvoll auf sich aufmerksam macht. Freunde eines kräftigen, erdigen Blues kommen auf "Eleven Eleven" ebenfalls auf ihre Kosten. Besonders ---> Signal Hill und ---> Never Trust A Woman haben es mir hierbei angetan. Beide Stücke besitzen ordentlich Druck, werden von Alvins markanter Gitarre vorangetrieben und erinnern daran, dass hier ein Musiker am Werk ist, der seine Wurzeln nicht nur im Folk und Americana, sondern ebenso tief im Blues und Rock'n'Roll verankert hat. Gerade diese etwas raueren Momente sorgen dafür, dass das Album trotz seiner oftmals melancholischen Grundstimmung nie Gefahr läuft, zu beschaulich zu werden.
Musikalisch bewegt sich Dave Alvin zwischen Folk, Blues, Country, Rockabilly und Americana. Mal dominiert die elektrische Gitarre, mal treten akustische Klänge in den Vordergrund. Spektakuläre Experimente sucht man vergeblich. Aber genau darin liegt ein Teil der Faszination. "Eleven Eleven" versucht nicht, das Rad neu zu erfinden. Es setzt vielmehr auf starke Songs, glaubwürdige Geschichten und hervorragende Musiker.
Interessanterweise war mein erster Eindruck nach den ersten Hördurchgängen noch recht zurückhaltend. Die Songs wirkten solide, gut gemacht und handwerklich über jeden Zweifel erhaben. Erst mit der Zeit begann das Album seine eigentliche Stärke zu entfalten. Die Geschichten blieben hängen, die Figuren wurden vertraut, die Songs gewannen an Tiefe. Es ist eines jener Alben, die nicht beim ersten Hören alle Karten auf den Tisch legen.
"Eleven Eleven" ist deshalb kein Album für den schnellen Konsum. Es lebt von seinen Figuren, seinen Geschichten und seiner Menschlichkeit. Wer bereit ist, sich auf diese Reise einzulassen, entdeckt ein Werk voller Wärme, Weisheit und großer Songs. Für mich zählt es ohne Zweifel zu den stärksten Americana- und Roots-Alben, die ich in den vergangenen Jahren neu für mich entdeckt habe.
Noch ein kurzer Hinweis zur hier besprochenen Ausgabe: Mir liegt die erweiterte Version von "Eleven Eleven" mit insgesamt 23 Titeln vor. Neben den Songs des ursprünglichen Albums – dessen Cover hier zu sehen ist – enthält sie zusätzlich einige Liveaufnahmen. Da sich die Reihenfolge der Stücke dadurch gegenüber der Originalveröffentlichung mit ihren 14 Titeln verändert hat, habe ich die Trackliste für diese Vorstellung an die ursprüngliche Albumfassung angepasst. Die ersten 14 Songs entsprechen somit dem Originalalbum, anschließend folgen die Livetracks.
Unterhalb der Trackliste habe ich die Studioaufnahmen und die Liveaufnahmen durch eine Leerzeile voneinander getrennt. Außerdem habe ich beispielhaft zwei der Liveversionen eingefügt, die einen schönen Eindruck davon vermitteln, wie kraftvoll und lebendig diese Songs auch auf der Bühne funktionieren.
Ich wünsche euch viel Freude mit diesen Aufnahmen – und natürlich mit dem Album selbst.
[Die (angepasste) Tracklist:]
01 - Harlan County Line
02 - Johnny Ace is Dead
03 - Black Rose of Texas
04 - Gary, Indiana 1959
05 - Run Conejo Run
06 - No Worries Mija" (Chris Gaffney)
07 - Beautiful City 'Cross the River
08 - What's Up with Your Brother? (Duet with Phil Alvin)
09 - Murrietta's Head
10 - Signal Hill
11 - Never Trust A Woman (Duet with Candye Kane)
12 - Manzanita" (Christy McWilson) (Duet with McWilson)
13 - Dirty Nightgown
14 - Two Lucky Bums (Duet with Chris Gaffney)
15 - Rio Grande
16 - Johnny Ace is Dead
17 - Out of Control
18 - Dry River
19 - Run Conejo Run
20 - Fourth of July
21 - Harlan County Line
22 - Boss of the Blues
23 - Long White Cadillac
Long White Cadillac
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=uUAzRGYA8og
Out of Control
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=WjcUXAvPUd0
Diesmal machte ich jedoch eine Ausnahme. Der Grund war ein Gitarrist namens Dave Alvin, von dem ich bis dahin noch nie gehört hatte. Auf "Spellbinder!" war jedoch eine derart phantastische Gitarrenarbeit zu hören, dass meine Neugier geweckt war. Also begann ich, mich ein wenig näher mit dem Mann hinter diesen großartigen Gitarrenklängen zu beschäftigen.
Wie so oft führte eine Entdeckung zur nächsten. Die Spurensuche brachte mich zunächst zu den BLASTERS, schließlich zu seiner umfangreichen Solokarriere – und letztendlich zu einem Album, das sich nach mehreren Durchläufen als eine meiner schönsten Neuentdeckungen der letzten Zeit herausstellen sollte.
Bevor ich auf das Album selbst eingehe, vielleicht noch ein kurzer Hinweis: Dave Alvin ist für mich tatsächlich eine ganz frische Entdeckung. Anders als viele Künstler, die mich seit Jahren oder gar Jahrzehnten begleiten, begegne ich seinem Werk erst seit kurzer Zeit. Entsprechend habe ich für diese Rezension neben meinen eigenen Höreindrücken auch zahlreiche Hintergrundinformationen aus Interviews, Artikeln und Albumbesprechungen zusammengetragen. Die Einschätzungen zum Album selbst sind jedoch meine ganz persönlichen.
Dave Alvin – Eleven Eleven | USA 2011 | Americana, Roots Rock, Blues
Wer sich ein wenig mit amerikanischer Roots-Musik beschäftigt, wird früher oder später über den Namen Dave Alvin stolpern. Gemeinsam mit seinem Bruder Phil gründete er Anfang der 80er Jahre die Band THE BLASTERS, die mit ihrer Mischung aus Rock'n'Roll, Blues, Rockabilly und Rhythm & Blues erheblichen Anteil daran hatte, die amerikanische Musik wieder stärker an ihre Wurzeln heranzuführen. Während vielerorts Synthesizer und elektronische Klänge den Ton angaben, setzten die Blasters auf handgemachte Musik voller Energie und Leidenschaft.
Nach dem Ende der Band entwickelte sich Dave Alvin zu einem der angesehensten Songwriter der amerikanischen Roots-Szene. Zahlreiche Soloalben folgten, von denen kaum eines wirklich schwach geraten sein soll. Mit "Eleven Eleven", veröffentlicht im Jahr 2011, gelang ihm nach Meinung vieler Fans und Kritiker eines seiner stärksten Werke. Nach mehreren Durchläufen kann ich diese Einschätzung durchaus nachvollziehen.
Dave Alvin sagte einmal, die Songs dieses Albums handelten von den üblichen Dingen: Leben, Liebe, Verlust, Familie, Freundschaft, Arbeit, Glaube und Zweifel. Tatsächlich fühlt sich "Eleven Eleven" an wie eine Sammlung kleiner Kurzgeschichten. Alvin begegnet Arbeitern, Musikern, Außenseitern, Gestrandeten und Träumern. Er erzählt ihre Geschichten mit einer Wärme und Glaubwürdigkeit, die man heute nur noch selten findet.
Dabei profitiert das Album enorm von seiner rauen, tiefen Stimme. Alvin singt diese Geschichten nicht einfach – man hat vielmehr das Gefühl, er habe viele davon selbst erlebt. Genau das verleiht dem Album seine besondere Authentizität.
Gleich mehrere Songs basieren auf realen Ereignissen oder historischen Figuren. Besonders beeindruckt hat mich ---> Johnny Ace Is Dead. Der Song erzählt die tragische Geschichte des jungen R&B-Sängers Johnny Ace, der sich Weihnachten 1954 unter bis heute nicht vollständig geklärten Umständen selbst erschoss. Aus dieser Geschichte macht Alvin weit mehr als eine bloße Nacherzählung. Das Lied wird zu einer nachdenklichen Betrachtung über Ruhm, Vergänglichkeit und die Zerbrechlichkeit des Lebens.
Nicht minder eindrucksvoll gerät ---> Murrieta's Head. Hier beschäftigt sich Alvin mit dem legendären Joaquín Murrieta, einer bis heute umstrittenen Figur der kalifornischen Geschichte. Besonders spannend finde ich, dass Alvin die Geschichte nicht aus der Sicht des Gejagten, sondern aus der Perspektive eines seiner Verfolger erzählt. Solche Blickwinkel machen seine Songs immer wieder interessant.
Mit ---> Harlan County Line folgt einer der bekanntesten Titel des Albums. Der Song wurde später sogar in der Fernsehserie Justified verwendet, in der Dave Alvin selbst einen Gastauftritt absolvierte. Musikalisch verbindet das Stück Blues, Americana und Roots Rock zu einer Mischung, die förmlich nach staubigen Highways, endlosen Landstraßen und nächtlichen Truck Stops klingt.
Hier eine Liveversion des Songs:
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=lSU9vIzFCzk
Ein weiteres Highlight ist für mich ---> Gary, Indiana 1959. Der Song erzählt vom Leben eines alternden Gewerkschafters und blickt zurück auf die Blütezeit der amerikanischen Stahlindustrie. Wenngleich hier eine gewisse Nostalgie mitschwingt, verfällt Alvin nie in sentimentale Verklärung. Vielmehr beschreibt er die Menschen hinter diesen Geschichten mit Respekt und Würde.
Deutlich humorvoller wird es anschließend mit ---> What's Up With Your Brother?. Für Fans der BLASTERS dürfte dies ohnehin einer der Höhepunkte des Albums sein. Gemeinsam mit seinem Bruder Phil nimmt Dave Alvin hier augenzwinkernd die legendäre Rivalität der beiden aufs Korn. Über Jahre hinweg wurden die Brüder immer wieder nach ihrem Verhältnis zueinander gefragt. Irgendwann machten sie daraus einfach einen Song. Das Ergebnis ist ebenso witzig wie sympathisch und sorgt zwischen den oftmals nachdenklichen Geschichten für eine willkommene Auflockerung.
Zu den schönsten Stücken des Albums zähle ich ---> Black Rose Of Texas. Eine melancholische Ballade über Erinnerung, Verlust und vergangene Liebe. Gerade solche Songs zeigen, dass Dave Alvin weit mehr ist als ein hervorragender Gitarrist. Er besitzt die seltene Gabe, große Gefühle ohne Pathos auszudrücken.
Überhaupt zieht sich das Thema Verlust wie ein roter Faden durch das Album. Freunde sind gestorben, Beziehungen zerbrochen, Lebensabschnitte vergangen. Dennoch wirkt "Eleven Eleven" niemals hoffnungslos. Besonders deutlich wird dies im abschließenden ---> Two Lucky Bums, einem Duett mit Chris Gaffney, das kurz vor dessen Krebstod aufgenommen wurde. Trotz aller Melancholie bleibt am Ende ein Funken Hoffnung. Vielleicht ist genau das die eigentliche Stärke dieses Albums.
Bei aller Wertschätzung für die Geschichten und die oftmals nachdenklichen Texte sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass Dave Alvin auch als Gitarrist mehrfach eindrucksvoll auf sich aufmerksam macht. Freunde eines kräftigen, erdigen Blues kommen auf "Eleven Eleven" ebenfalls auf ihre Kosten. Besonders ---> Signal Hill und ---> Never Trust A Woman haben es mir hierbei angetan. Beide Stücke besitzen ordentlich Druck, werden von Alvins markanter Gitarre vorangetrieben und erinnern daran, dass hier ein Musiker am Werk ist, der seine Wurzeln nicht nur im Folk und Americana, sondern ebenso tief im Blues und Rock'n'Roll verankert hat. Gerade diese etwas raueren Momente sorgen dafür, dass das Album trotz seiner oftmals melancholischen Grundstimmung nie Gefahr läuft, zu beschaulich zu werden.
Musikalisch bewegt sich Dave Alvin zwischen Folk, Blues, Country, Rockabilly und Americana. Mal dominiert die elektrische Gitarre, mal treten akustische Klänge in den Vordergrund. Spektakuläre Experimente sucht man vergeblich. Aber genau darin liegt ein Teil der Faszination. "Eleven Eleven" versucht nicht, das Rad neu zu erfinden. Es setzt vielmehr auf starke Songs, glaubwürdige Geschichten und hervorragende Musiker.
Interessanterweise war mein erster Eindruck nach den ersten Hördurchgängen noch recht zurückhaltend. Die Songs wirkten solide, gut gemacht und handwerklich über jeden Zweifel erhaben. Erst mit der Zeit begann das Album seine eigentliche Stärke zu entfalten. Die Geschichten blieben hängen, die Figuren wurden vertraut, die Songs gewannen an Tiefe. Es ist eines jener Alben, die nicht beim ersten Hören alle Karten auf den Tisch legen.
"Eleven Eleven" ist deshalb kein Album für den schnellen Konsum. Es lebt von seinen Figuren, seinen Geschichten und seiner Menschlichkeit. Wer bereit ist, sich auf diese Reise einzulassen, entdeckt ein Werk voller Wärme, Weisheit und großer Songs. Für mich zählt es ohne Zweifel zu den stärksten Americana- und Roots-Alben, die ich in den vergangenen Jahren neu für mich entdeckt habe.
Noch ein kurzer Hinweis zur hier besprochenen Ausgabe: Mir liegt die erweiterte Version von "Eleven Eleven" mit insgesamt 23 Titeln vor. Neben den Songs des ursprünglichen Albums – dessen Cover hier zu sehen ist – enthält sie zusätzlich einige Liveaufnahmen. Da sich die Reihenfolge der Stücke dadurch gegenüber der Originalveröffentlichung mit ihren 14 Titeln verändert hat, habe ich die Trackliste für diese Vorstellung an die ursprüngliche Albumfassung angepasst. Die ersten 14 Songs entsprechen somit dem Originalalbum, anschließend folgen die Livetracks.
Unterhalb der Trackliste habe ich die Studioaufnahmen und die Liveaufnahmen durch eine Leerzeile voneinander getrennt. Außerdem habe ich beispielhaft zwei der Liveversionen eingefügt, die einen schönen Eindruck davon vermitteln, wie kraftvoll und lebendig diese Songs auch auf der Bühne funktionieren.
Ich wünsche euch viel Freude mit diesen Aufnahmen – und natürlich mit dem Album selbst.
[Die (angepasste) Tracklist:]
01 - Harlan County Line
02 - Johnny Ace is Dead
03 - Black Rose of Texas
04 - Gary, Indiana 1959
05 - Run Conejo Run
06 - No Worries Mija" (Chris Gaffney)
07 - Beautiful City 'Cross the River
08 - What's Up with Your Brother? (Duet with Phil Alvin)
09 - Murrietta's Head
10 - Signal Hill
11 - Never Trust A Woman (Duet with Candye Kane)
12 - Manzanita" (Christy McWilson) (Duet with McWilson)
13 - Dirty Nightgown
14 - Two Lucky Bums (Duet with Chris Gaffney)
15 - Rio Grande
16 - Johnny Ace is Dead
17 - Out of Control
18 - Dry River
19 - Run Conejo Run
20 - Fourth of July
21 - Harlan County Line
22 - Boss of the Blues
23 - Long White Cadillac
Long White Cadillac
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=uUAzRGYA8og
Out of Control
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=WjcUXAvPUd0