Keine Autofahrt ohne Musik – so auch auf der Fahrt von Oberjoch nach Sonthofen. Nicht streng nach Interpreten sortiert, sondern im Shuffle-Modus springen die Töne aus den Boxen. Und plötzlich ist er da – der Song, der mich spontan an eine bestimmte Scheibe erinnert und mich nach der Ankunft in der Ferienwohnung direkt zum mobilen Player führt. Kurz eingeschaltet, nach der Band gesucht, dann nach dem Album – und los geht es:
BLACK SABBATH – Sabbath Bloody Sabbath | Metal / Hardrock | GB 1973
Gerade einmal ein Jahr war vergangen, seit mit "Vol. 4" das vorherige Album erschienen war. Auf vier folgt fünf – und im typischen Sabbath-Rhythmus wurde den Süchtigen 1973 das nächste Werk serviert. Dem Vernehmen nach knirschte es damals gewaltig innerhalb der Band, Drogen und Alkohol standen praktisch auf der Tagesordnung. Am Ende soll es Tony Iommi gewesen sein, der BLACK SABBATH mit dem Riff zu Sabbath Bloody Sabbath vor dem kreativen Untergang bewahrte.
War dies nun das letzte große Album der klassischen Ozzy-Ära? Hier gehe ich sogar noch einen Schritt weiter: Für mich gehört dieses fünfte Album der Band nicht nur zu ihren besten Veröffentlichungen überhaupt – es markiert gleichzeitig auch das Ende meiner persönlichen „großen Sabbath-Zeit“. Danach kam aus meiner Sicht nichts mehr, was qualitativ an diese ersten fünf Alben heranreichen konnte.
Was mir schon beim ersten Hören auffiel, war der deutlich bessere Sound. Alles wirkte voluminöser, druckvoller und klarer als bei den Vorgängern. Und dann diese neuen Zutaten: mehr orchestrale Stimmung, mehr Synthesizer, sogar Streicher sind zu hören. Dazu wirkt Ozzy Osbournes' Stimme noch eine Spur prägnanter und eindringlicher als zuvor. Bereits der Titelsong ---> Sabbath Bloody Sabbath zeigt die Band in Hochform. Iommis' rattenscharfe Gitarrenriffs erzeugen eine fast aggressive Grundstimmung, während Butlers' Bass den Song gnadenlos nach vorne treibt. Im letzten Drittel überschlägt sich Osbournes' Stimme beinahe, Butler drückt noch einmal zusätzlich aufs Gaspedal – und das Album startet mit so viel Schmackes, dass die Vorfreude auf die folgenden Stücke sofort riesig wird.
Und diese Vorfreude ist – zumindest für mich – vollkommen berechtigt. Denn nun folgt mein Lieblingsstück des Albums: ----> A National Acrobat. Ein Heavy-Juwel, das mich bis heute komplett packt und fesselt. Der Song wartet mit einem der besten Riffs auf, die Iommi jemals geschrieben hat: eine perfekte Melodie, sofort verdoppelt von einer höher klingenden Gitarre, bevor Ozzy Osbournes' majestätischer, markerschütternder Gesang einsetzt. Bis etwa Minute 2:17 wirkt alles fast noch kontrolliert und gemächlich – doch dann leitet Iommis Gitarrenspiel gemeinsam mit dem Hall auf Ozzys' Stimme die Wende ein. Jetzt geht endgültig die Post ab, und zum Finale wird noch eine ordentliche Schüppe draufgelegt. Ein dickes Pfund unter Pfunden.
Mag mein Lieblingssong manchem vielleicht etwas zu zahm erscheinen, dürfte für genau diese Sabbath-Fans wohl ---> Sabbra Cadabra die richtige Wahl sein. Hier nimmt das Album noch einmal mächtig Fahrt auf, Osbourne singt in Bestform, und Gastmusiker Rick Wakeman jagt sein Keyboard durch das entstehende Klanggewitter. Fantastisch! Und direkt danach folgt mit Killing Yourself To Live gleich das nächste schwere Geschütz. Der Song startet mit einem gnadenlosen Riff, Ozzy übertrifft sich fast selbst, und die Nummer entwickelt einen derart treibenden Druck, dass kaum Zeit zum Durchatmen bleibt. Das abrupt endende Finale setzt dem Ganzen die Krone auf. Killing Yourself To Live ist zugleich der Song, der mich am stärksten an die frühe Sabbath-Zeit erinnert.
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=jCehccEZzX4
Nach dem leicht flockig-poppigen, beinahe radiotauglichen Looking for Today folgt mit ---> Spiral Architect schließlich ein zunächst sehr melodischer, später aber gewaltig anschwellender Abschluss eines fantastischen Albums.
"Sabbath Bloody Sabbath" ist in jeder Hinsicht ein experimentierfreudiges und mitreißendes Album. Wurde BLACK SABBATH von der Presse zuvor häufig eher belächelt oder verspottet, heimste die Band diesmal endlich die Anerkennung ein, die ihr zustand. Iommis' Riffs sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben, doch was Ozzy Osbourne hier gesanglich abliefert, ist schlicht gnadenlos gut. Butler entlockt seinem Bass gewaltige Klangwände, und Bill Ward trommelt sich mit ungeheurer Energie durch die Songs.
Ach so – weshalb hatte ich dieses Album eigentlich wiederentdeckt? Man erinnere sich an die Fahrt nach Sonthofen: Der Shuffle-Modus warf plötzlich ---> Fluff aus den Lautsprechern – und augenblicklich war das ganze Album wieder da. Dieses kurze, wunderschön verträumte Instrumentalstück bildet zwischen A National Acrobat und Sabbra Cadabra eine fast friedliche Atempause, ehe BLACK SABBATH erneut sämtliche Verstärker aufreißen.
So schnell kann das gehen mit einer schönen Wiederentdeckung.
Mein Fazit:
Für mich ist "Sabbath Bloody Sabbath" nicht nur ein weiteres starkes BLACK-SABBATH-Album, sondern der kreative Höhepunkt der klassischen Besetzung. Härte, Atmosphäre, Melodie und Experimentierfreude greifen hier perfekt ineinander. Vielleicht nicht ganz so roh wie die frühen Werke, dafür aber reifer, vielseitiger und stellenweise regelrecht majestätisch. Ein Album, zu dem ich immer wieder zurückkehre – und das auch nach all den Jahren nichts von seiner Wucht verloren hat.
[Die Musiker]
Tony Iommi (guitars, acoustic and steel guitars, piano, harpsichord, synthesizer, flute, organ)
Ozzy Osbourne (vocals, synthesizer)
Geezer Butler (bass, fuzz bass, synthesizer, Mellotron)
Bill Ward (drums, percussion, timpani, fuzz bass-drum)
Will Malone (conductor, string arrangement)
The Phantom Fiddlers (strings)
Rick Wakeman (piano & synthesizers auf Sabbra Cadabra)
[Die Songs] (LP-Reihenfolge)
A1. Sabbath, Bloody Sabbath (5:35)
A2. A National Acrobat (6:20)
A3. Fluff (4:10)
A4. Sabbra Cadabra (5:55)
B1. Killing Yourself to Live (5:35)
B2. Who Are You (4:10)
B3. Looking for Today (5:00)
B4. Spiral Architect (4:40)
BLACK SABBATH – Sabbath Bloody Sabbath | Metal / Hardrock | GB 1973
Gerade einmal ein Jahr war vergangen, seit mit "Vol. 4" das vorherige Album erschienen war. Auf vier folgt fünf – und im typischen Sabbath-Rhythmus wurde den Süchtigen 1973 das nächste Werk serviert. Dem Vernehmen nach knirschte es damals gewaltig innerhalb der Band, Drogen und Alkohol standen praktisch auf der Tagesordnung. Am Ende soll es Tony Iommi gewesen sein, der BLACK SABBATH mit dem Riff zu Sabbath Bloody Sabbath vor dem kreativen Untergang bewahrte.
War dies nun das letzte große Album der klassischen Ozzy-Ära? Hier gehe ich sogar noch einen Schritt weiter: Für mich gehört dieses fünfte Album der Band nicht nur zu ihren besten Veröffentlichungen überhaupt – es markiert gleichzeitig auch das Ende meiner persönlichen „großen Sabbath-Zeit“. Danach kam aus meiner Sicht nichts mehr, was qualitativ an diese ersten fünf Alben heranreichen konnte.
Was mir schon beim ersten Hören auffiel, war der deutlich bessere Sound. Alles wirkte voluminöser, druckvoller und klarer als bei den Vorgängern. Und dann diese neuen Zutaten: mehr orchestrale Stimmung, mehr Synthesizer, sogar Streicher sind zu hören. Dazu wirkt Ozzy Osbournes' Stimme noch eine Spur prägnanter und eindringlicher als zuvor. Bereits der Titelsong ---> Sabbath Bloody Sabbath zeigt die Band in Hochform. Iommis' rattenscharfe Gitarrenriffs erzeugen eine fast aggressive Grundstimmung, während Butlers' Bass den Song gnadenlos nach vorne treibt. Im letzten Drittel überschlägt sich Osbournes' Stimme beinahe, Butler drückt noch einmal zusätzlich aufs Gaspedal – und das Album startet mit so viel Schmackes, dass die Vorfreude auf die folgenden Stücke sofort riesig wird.
Und diese Vorfreude ist – zumindest für mich – vollkommen berechtigt. Denn nun folgt mein Lieblingsstück des Albums: ----> A National Acrobat. Ein Heavy-Juwel, das mich bis heute komplett packt und fesselt. Der Song wartet mit einem der besten Riffs auf, die Iommi jemals geschrieben hat: eine perfekte Melodie, sofort verdoppelt von einer höher klingenden Gitarre, bevor Ozzy Osbournes' majestätischer, markerschütternder Gesang einsetzt. Bis etwa Minute 2:17 wirkt alles fast noch kontrolliert und gemächlich – doch dann leitet Iommis Gitarrenspiel gemeinsam mit dem Hall auf Ozzys' Stimme die Wende ein. Jetzt geht endgültig die Post ab, und zum Finale wird noch eine ordentliche Schüppe draufgelegt. Ein dickes Pfund unter Pfunden.
Mag mein Lieblingssong manchem vielleicht etwas zu zahm erscheinen, dürfte für genau diese Sabbath-Fans wohl ---> Sabbra Cadabra die richtige Wahl sein. Hier nimmt das Album noch einmal mächtig Fahrt auf, Osbourne singt in Bestform, und Gastmusiker Rick Wakeman jagt sein Keyboard durch das entstehende Klanggewitter. Fantastisch! Und direkt danach folgt mit Killing Yourself To Live gleich das nächste schwere Geschütz. Der Song startet mit einem gnadenlosen Riff, Ozzy übertrifft sich fast selbst, und die Nummer entwickelt einen derart treibenden Druck, dass kaum Zeit zum Durchatmen bleibt. Das abrupt endende Finale setzt dem Ganzen die Krone auf. Killing Yourself To Live ist zugleich der Song, der mich am stärksten an die frühe Sabbath-Zeit erinnert.
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=jCehccEZzX4
Nach dem leicht flockig-poppigen, beinahe radiotauglichen Looking for Today folgt mit ---> Spiral Architect schließlich ein zunächst sehr melodischer, später aber gewaltig anschwellender Abschluss eines fantastischen Albums.
"Sabbath Bloody Sabbath" ist in jeder Hinsicht ein experimentierfreudiges und mitreißendes Album. Wurde BLACK SABBATH von der Presse zuvor häufig eher belächelt oder verspottet, heimste die Band diesmal endlich die Anerkennung ein, die ihr zustand. Iommis' Riffs sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben, doch was Ozzy Osbourne hier gesanglich abliefert, ist schlicht gnadenlos gut. Butler entlockt seinem Bass gewaltige Klangwände, und Bill Ward trommelt sich mit ungeheurer Energie durch die Songs.
Ach so – weshalb hatte ich dieses Album eigentlich wiederentdeckt? Man erinnere sich an die Fahrt nach Sonthofen: Der Shuffle-Modus warf plötzlich ---> Fluff aus den Lautsprechern – und augenblicklich war das ganze Album wieder da. Dieses kurze, wunderschön verträumte Instrumentalstück bildet zwischen A National Acrobat und Sabbra Cadabra eine fast friedliche Atempause, ehe BLACK SABBATH erneut sämtliche Verstärker aufreißen.
So schnell kann das gehen mit einer schönen Wiederentdeckung.
Mein Fazit:
Für mich ist "Sabbath Bloody Sabbath" nicht nur ein weiteres starkes BLACK-SABBATH-Album, sondern der kreative Höhepunkt der klassischen Besetzung. Härte, Atmosphäre, Melodie und Experimentierfreude greifen hier perfekt ineinander. Vielleicht nicht ganz so roh wie die frühen Werke, dafür aber reifer, vielseitiger und stellenweise regelrecht majestätisch. Ein Album, zu dem ich immer wieder zurückkehre – und das auch nach all den Jahren nichts von seiner Wucht verloren hat.
[Die Musiker]
Tony Iommi (guitars, acoustic and steel guitars, piano, harpsichord, synthesizer, flute, organ)
Ozzy Osbourne (vocals, synthesizer)
Geezer Butler (bass, fuzz bass, synthesizer, Mellotron)
Bill Ward (drums, percussion, timpani, fuzz bass-drum)
Will Malone (conductor, string arrangement)
The Phantom Fiddlers (strings)
Rick Wakeman (piano & synthesizers auf Sabbra Cadabra)
[Die Songs] (LP-Reihenfolge)
A1. Sabbath, Bloody Sabbath (5:35)
A2. A National Acrobat (6:20)
A3. Fluff (4:10)
A4. Sabbra Cadabra (5:55)
B1. Killing Yourself to Live (5:35)
B2. Who Are You (4:10)
B3. Looking for Today (5:00)
B4. Spiral Architect (4:40)
15 Kommentare bisher, das lässt an alte Zeiten erinnern.