1975 erschien James Taylors sechstes Album mit dem Titel Gorilla.
Gorilla kommt sicher nicht an die Klasse der ersten JT-Alben wie "Sweet Baby James" oder "Mud Slide Slim" heran, aber mir gefällt es durchgehend gut.
Während seine ersten Alben deutlich schwermütiger waren, klingen die meisten Songs hier nun unbeschwerter und hoffnungsvoller, und das macht gleich der Opener Mexico deutlich. Nach den einleitenden Tönen der Akustikgitarre könnte man meinen, es wird Taylor-typisch melancholisch. Aber nein, Mexico ist dann doch schon fast ein fröhliches Lied, dessen Melodie sich bei mir als Ohrwurm in den Gehörgängen festgesetzt hat. Der Text klingt nach Hoffnung und Zuversicht und dem Traum, den täglichen Druck hinter sich zu lassen und an einen besseren Ort zu gelangen. Graham Nash und David Crosby steuern ganz wunderbar die Backing Vocals bei.
Weiter geht es mit Music, einem ruhigen, nachdenklichen Song über die Macht der Musik. Die Instrumentierung ist zurückhaltend, fast schwebend.
Es folgt eine entspannte Interpretation des Hits von Marvin Gaye aus dem Jahr 1964 How Sweet It Is (To Be Loved By You). Mutig, sich an diesen Mega-Hit zu wagen. Ich finde die Version gelungen. Seine damalige Ehefrau Carly Simon steuert den Hintergrundgesang bei. Toll das leider zu kurze Saxophonsolo von David Sanborn.
Mit Wandering folgt ein traditionelles Volkslied. James Taylors gefühlvoller Gesang wird hier nur von Akustikgitarre und Akkordeon begleitet. Mehr braucht es nicht, um diese melancholische Stimmung zu erzeugen. Hier zur Abwechslung auch einmal eine alte Version.
Der titelgebende Song Gorilla kommt ein wenig seltsam daher. Sicher steht der Gorilla als Metapher. Wofür genau, da bin ich mir nicht sicher. Der starke Mann, der schwache Mann, Rauschgift oder beschreibt er sich selbst in dem Song?
You Make It Easy fühlt sich vielleicht etwas weichgespült an. Es ist trotzdem eine schöne eindringliche Ballade, intensiv vorgetragen und mit starker Saxophonbegleitung endend.
I Was a Fool to Care und Lighthouse sind zwei typische James Taylor Songs, eingängig und melodisch. Lighthouse ist mein persönlicher Top-Titel auf diesem Album. Das liegt auch an dem schönen Harmoniegesang, für den wieder Crosby und Nash verantwortlich sind. Unter "Hornorgan" (was auch immer das ist) wird Randy Newman aufgeführt.
Angry Blues, klingt nicht unbedingt nach einem Blues, sondern eher funky. Lowell George spielt hier die Slidegitarre. Und so kommt es wohl, dass der Song auch etwas härter als üblich rüberkommt.
Love Songs beginnt zurückhaltend mit Klarinette und akustischer Gitarre. Angenehmes Arrangement, aber nicht einer der stärksten Songs. Am besten gefällt mir hier Victor Feldmans Arbeit an den Percussions.
Ein wirkliches Liebeslied schließt dann das Album ab. Mit Sarah Maria hat James Taylor seiner im Jahr zuvor geborenen Tochter ein Denkmal gesetzt. Ich kann mir hier gut vorstellen, wie Papa James am Bett seines Töchterchens sitzt und es leise in den Schlaf singt.
1975 war James Taylor mit Carly Simon verheiratet. Die beiden hatten gerade ihre Tochter Sarah Maria (Sally) Taylor bekommen. Seine Drogensucht hatte er noch lange nicht überwunden, aber er schaute vielleicht hoffnungsvoller in die Zukunft. Und so muss man dieses Album wohl im Kontext zu seiner persönlichen Entwicklung sehen. Während seine ersten Alben eine tieftraurige, sentimentale Stimmung verbreiten, klingt "Gorilla" deutlich positiver. Man kann es vielleicht am ehesten als Folk-Pop-Album bezeichnen, mit einprägsamen Melodien und immer wieder zum Mitsingen einladend.
Die Besetzungsliste, einige Namen habe ich im Text schon genannt, ist so lang, dass ich sie mir erspare.
Titelliste:
01. Mexico – 2:57
02. Music – 3:46
03. How Sweet It Is (To Be Loved by You) (Holland-Dozier-Holland) – 3:33
04. Wandering (Traditional; arrangement and additional lyrics: James Taylor) – 2:40
05. Gorilla – 3:10
06. You Make It Easy – 4:10
07. I Was a Fool to Care – 3:19
08. Lighthouse – 3:15
09. Angry Blues – 3:25
10. Love Songs – 5:45
11. Sarah Maria – 2:46