Nach dem Review des Albums Miles From Nowhere des schwedischen Multiinstrumentalisten Jonas Lindberg wusste ich vorab, was mich erwartet. Schon bei den ersten Klängen hatte er mich gefangen und nahm mich mit in seine Fragmente der Zeit.
Vier Jahre ist es her, dass sein dritter Longplayer bei den 2022er Prog Report Awards zum Durchbruch des Jahres gekürt wurde. Mittlerweile ist vieles passiert, der Alltag wurde stressiger und in der Rolle eines vierfachen Vaters kamen neue Inspirationen dazu, und diese wurden in den meisten Songs verarbeitet und als eine Art Zeitrahmen gestaltet, daher auch der Albumtitel "Time Frames".
Mit einer warmherzigen Melodie und einer progressiven Sequenz eröffnet Lindberg seinen ersten und 12-minütigen Longtrack "End Of The Road" auf dem Album. Treibend geht es voran, die fordernde Hammond drängt sich mit der Zeit wohlwollend in den Vordergrund und so begibt sich der Song auf eine Reise mit schönen Sangesstimmen von Jonas Sundquvist und Jenny Storm, die den besonderen Reiz ausmachen. Dass Jonas Lindberg schon immer ein Händchen für schöne harmonisierte Melodien hatte, zeigt beeindruckend "Someone Like Me"; es sprüht regelrecht die (Spiel-)Freude aus dem Stück – mit akustischer Gitarre und bestechender Stimme in unterschiedlichen Tonlagen und außergewöhnlicher Instrumentierung, für die er bis auf die Violine (Conny Lindgren) alles selbst zeichnet.
Im Pressebericht zu den Aufnahmen sagt Jonas: »Was ich spielen kann, spiele ich auch. Aber ich habe vieles, von dem ich wusste, dass die anderen es viel besser können als ich, ihnen überlassen (haha)«. Und Lindberg kommentiert weiter: »Das ist das Schöne daran, wenn andere Leute an der Musik mitwirken: Es klingt einfach besser und lebendiger. Sie kommen auf Ideen, auf die ich nie gekommen wäre!«
Und diese Ideen hört man gerade an den starken Instrumental "Gruvan", in dem sich Calle Schönning, Micklas Thelin und Joel Lindberg ihre Gitarren heiß spielen und den einen oder anderen Wow-Effekt in das durchgängig lockere Treiben des progressiven Keyboard-Themas einreihen; und es wirkt wie eine kleine Jamsession, die quittiert wird mit einem kleinen Kinderlächeln! Erwähnenswert in diesem Frame ist auf jeden Fall "Runnin Out Of Time". Eine leicht folkloristische Stimmung wird heraufbeschworen, die später leichte Metal-Anleihen enthält. Dies alles in einem Rahmen aus lockerem flotten Tempo mit allerlei kleinen Höhepunkten. Wie das sagenhafte Gitarrensolo von Nicklas Thelin, das vom Synthesizerklang heraus, gefühlt ohne Übergang, loslegt; als ob er der Zeit entkommen möchte.
Ein fabelhaftes Beispiel dafür, wie man in einem acht Minuten langen Song die wichtigsten Elemente des Songwritings umsetzt. Das Gefühl für Songaufbau, Stimmungen erzeugen, Timing und Überraschungsmomente bezüglich Instrumente einbauen ist hier im vollem Umfang gegeben und Jonas Lindberg beherrscht dies ohne Zweifel.Das unterstreicht er in dem fast 18minütigen Opus aus drei Teilen nochmals!
Mystisch, ruhig, akustisch erzählt er aus dem Tag heraus seine Träume – wie ihn die Realität einfängt und fortreißt in einem Sog verschiedenster Gefühle. Ich bin gefangen in dieser Melodie, die ein feiner Hauch Progressive umwickelt, dann zu einem wahren Rocker heranwächst, in dem sich Jonas und Rockröhre Jenny die Gesangsparts teilen. Die restlichen Musiker liefern ein fettes Feuerwerk mit ihren Instrumenten ab. Da kommt wahrlich keine Langeweile auf.
Jonas Lindberg And The Other Side haben sich seit dem vorigen Album "Miles From Nowhere" nochmals gesteigert und ein kompakteres Album mit vielen Facetten aufgenommen. Trotz der stellenweise sehr komplexen Instrumentierung, wirkt es locker und leicht. Bei den Songkompositionen hat man hier trotz der Länge der gesamten Spielzeit ein gutes positives Gefühl dabei.
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=wFHk7wbWYIKUBiZQ
Line-up Jonas Lindberg & The Other Side:
Jonas Lindberg (bass, keyboards, guitars, mandolin, backing vocals, lead vocals – #2,6,7)
With:
Jonas Sundqvist (lead vocals – #1,3,7)
Jenny Storm (lead vocals- #1,4,7)
Calle Schönning (guitars – #1,3-5,7)
Nicklas Thelin (guitars – #1,4-7)
Joel Lindberg (guitars – #5,6)
Jonathan Lundberg (drums)
Maria Olsson (percussion)
Conny Lindgren violin – #2)
Tracklist "Time Frames".
End Of The Road (12:47)
Someone Like Me (5.42)
Faces Of Stone( 7:26)
Galactic Velvet (9:41)
Gruvan (8:24)
Running Out Of Time (8:00)
The Wind (17:30)
Gesamtspielzeit: 68:10, Erscheinungsjahr: 2025
Quelle: @ www.rocktimes.de
Erinnert mich oft an die ollen Spock's Beard noch mit Morse, das ist dann auch meine Hauptkritik, zu viel, zu voll, mir ist das zu geschwollen, es fehlen mir Ecken und Kanten, ruhigere Passagen, das originäre.