Post-Rock! Dass das nun kein Bekleidungsstück einer dhl-Angestellten ist, hat sich zumindest in Kreisen rockaffiner Musikfreunde herumgesprochen. Nach einigen Bands dieses Genres befragt, wird meist mit MOGWAI, GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR, TORTOISE, MONO oder SIGUR RÓS aufgetrumpft. Auch TALK TALK findet Erwähnung, zumindest darf deren 91er Album „Laughing Stock“ diesem Genre zugeschlagen werden. Gemein ist allen Bands, dass diese erst nach 1989 die musikalische Landschaft erblickten - das war das Jahr, in dem das Debütalbum "Tweez" der hier vorgestellten Band erschien. So wird diese zumindest als Mitbegründer des Genre Post-Rock genannt. Nun also - auf zu deren Zweitwerk
SLINT - Spiderland | Rock, Post-Rock | USA 1991
SLINT, das ist eine US-amerikanische, vierköpfige Rockband aus Louisville, Kentucky, die 1986 gegründet wurde. Hervorgegangen ist sie aus den beiden lokalen Bands SQUIRREL BAIT und MAURICE, nachdem diese sich auflösten.
Die Mitglieder der SLINT bewegten sich zu dieser Zeit in der Altersgruppe +/- 17 Jahre. Wann die Songs des Albums aufgenommen wurden, lässt sich wohl nicht mehr feststellen. Vor Veröffentlichung von "Spiderland" löste sich die Band auf, eine erste Version des Titels "Washer" habe ich im Liveauftritt einer Tour in Chicago aus 1989 gefunden. Zu dieser Zeit dürften die Mitglieder wohl noch als Teenager bezeichnet werden. Was mich angesichts des Alters der vier Akteure in Erstaunen versetzte war, wie cool, abgeklärt und professionell "Spiderland" durch die Membranen schallt.
Wie dem auch sei - Spiderland hat das Genre Post-Rock (mit)begründet und gilt heute mit zu den einflussreichsten Alben der letzten 30 Jahre. Wechselnde, düstere Klanglandschaften durchziehen die Songs, Sprechgesang wechselt zu hysterisch-lautem Geschmetter, welches mich fast an das heutige Growlen erinnert. Knochentrockene Bass- und Drumläufe führen durch fast jedes Stück des Albums. So sollte man sich beispielsweise durch den Beginn des Openers ---> Breadcrump nicht in die Irre führen lassen: nach gemächlich-rhythmischem Start folgen der erste laute Gesangseinsatz sowie kreischende Gitarrenorgien.
„Sie haben diese Art von psychischem Spiel kultiviert“, sagt Stuart Braithwaite von MOGWAI. „Es ist weit über dem, was andere Bands bieten, und wirklich emotional. Als ich „Spiderland“ hörte, war es anders als alles, was ich je zuvor gehört hatte. Ich weiß bis heute nicht, ob ich jemals wieder etwas Vergleichbares gehört habe.“
Eine gewisse, nicht beschreibbare Spannung durchzieht ---> Nosferatu Man, auch hier wechselt sich der Sprechgesang mit laut geschrienen Vocals ab, auch hier legen Drum und Bass den Grundrhythmus, und auch hier grätscht die E-Gitarre heftig durch den Song. Ein Highlight des Albums.
"Don stepped outside - It felt good to be alone / He wished he was drunk / He thought about something he just said", mit diesen Zeilen startet ---> Don Aman erst sehr verhalten. Aber auch hier - plötzliche Ausbrüche, verzerrte Klänge, Sprechgesang, eine geheimnisvolle Atmosphäre durchzieht "Don Aman".
Weiter geht es mit dem amateurhaft gesungenen, geflüsterten ---> Washer. Leicht bedrohlich flirren im Hintergrund leise die Gitarrensaiten, düster treibt der Bass, begleitet von den Drums, den Song voran. Und immer wieder, nach den geflüsterten Tönen, reißen einen die geschrienen Worte aus der vermeintlichen Ruhe.
Das Album habe ich nun mehrere Male intensiv durchgehört - und jedes Mal entdecke ich neue Feinheiten, mit jedem Durchgang wird das Album vertrauter, wirkt jedes Mal ein wenig düsterer und intensiver. Und jedes Mal bin ich von --- > Good Morning, Captain, dem basslastigen Finale des Albums, hin- und hergerissen. Brian McMahon erzählt singend-sprechend die Geschichte eines verrückten Seemanns, der einer geisterhaften Erscheinung begegnet. Regelmäßig mündet der Song in einen krachenden „Refrain“, verzerrte Gitarrenklänge sägen in den Ohren. Am Ende schreit McMahon „Ich vermisse dich!“, die Band läutet einen furiosen Höhepunkt ein, alles endet in einem fulminanten Soundgewitter. Ein atemberaubender und würdiger Abschluss eines hervorragenden Albums.
Was bleibt zu sagen? Spendiert dem Album einige Hördurchgänge, ihr werdet es mögen. Freunde der Rockmusik sollten sich das Werk nicht entgehen lassen. Und Post-Rock-Liebhaber haben vielleicht Freude daran, die Ursprünge dieses Genres zu erkunden.
Noch eine Anmerkung:
Das Album ist in der Remaster-Version auf Bandcamp zum Download unter anderem in hochwertigem flac-Format erhältlich. Bei Interesse: ---> Spiderland auf "Bandcamp"
[Die Band]
* Brian McMahan – Gesang, Gitarre
* David Pajo – Gitarre
* Britt Walford – Schlagzeug, Gitarre, Gesang
* Todd Brashear – Bass
[Die Songs]
* Breadcrumb Trail – 5:55
* Nosferatu Man – 5:35
* Don, Aman (Brian McMahan, David Pajo, Britt Walford) – 6:28
* Washer (McMahan) – 8:50
* For Dinner... – 5:05
* Good Morning, Captain – 7:38
Demoaufnahme "Good Morning, Captain"
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=96MxID3GK4c
SLINT - Spiderland | Rock, Post-Rock | USA 1991
SLINT, das ist eine US-amerikanische, vierköpfige Rockband aus Louisville, Kentucky, die 1986 gegründet wurde. Hervorgegangen ist sie aus den beiden lokalen Bands SQUIRREL BAIT und MAURICE, nachdem diese sich auflösten.
Die Mitglieder der SLINT bewegten sich zu dieser Zeit in der Altersgruppe +/- 17 Jahre. Wann die Songs des Albums aufgenommen wurden, lässt sich wohl nicht mehr feststellen. Vor Veröffentlichung von "Spiderland" löste sich die Band auf, eine erste Version des Titels "Washer" habe ich im Liveauftritt einer Tour in Chicago aus 1989 gefunden. Zu dieser Zeit dürften die Mitglieder wohl noch als Teenager bezeichnet werden. Was mich angesichts des Alters der vier Akteure in Erstaunen versetzte war, wie cool, abgeklärt und professionell "Spiderland" durch die Membranen schallt.
Wie dem auch sei - Spiderland hat das Genre Post-Rock (mit)begründet und gilt heute mit zu den einflussreichsten Alben der letzten 30 Jahre. Wechselnde, düstere Klanglandschaften durchziehen die Songs, Sprechgesang wechselt zu hysterisch-lautem Geschmetter, welches mich fast an das heutige Growlen erinnert. Knochentrockene Bass- und Drumläufe führen durch fast jedes Stück des Albums. So sollte man sich beispielsweise durch den Beginn des Openers ---> Breadcrump nicht in die Irre führen lassen: nach gemächlich-rhythmischem Start folgen der erste laute Gesangseinsatz sowie kreischende Gitarrenorgien.
„Sie haben diese Art von psychischem Spiel kultiviert“, sagt Stuart Braithwaite von MOGWAI. „Es ist weit über dem, was andere Bands bieten, und wirklich emotional. Als ich „Spiderland“ hörte, war es anders als alles, was ich je zuvor gehört hatte. Ich weiß bis heute nicht, ob ich jemals wieder etwas Vergleichbares gehört habe.“
Eine gewisse, nicht beschreibbare Spannung durchzieht ---> Nosferatu Man, auch hier wechselt sich der Sprechgesang mit laut geschrienen Vocals ab, auch hier legen Drum und Bass den Grundrhythmus, und auch hier grätscht die E-Gitarre heftig durch den Song. Ein Highlight des Albums.
"Don stepped outside - It felt good to be alone / He wished he was drunk / He thought about something he just said", mit diesen Zeilen startet ---> Don Aman erst sehr verhalten. Aber auch hier - plötzliche Ausbrüche, verzerrte Klänge, Sprechgesang, eine geheimnisvolle Atmosphäre durchzieht "Don Aman".
Weiter geht es mit dem amateurhaft gesungenen, geflüsterten ---> Washer. Leicht bedrohlich flirren im Hintergrund leise die Gitarrensaiten, düster treibt der Bass, begleitet von den Drums, den Song voran. Und immer wieder, nach den geflüsterten Tönen, reißen einen die geschrienen Worte aus der vermeintlichen Ruhe.
Das Album habe ich nun mehrere Male intensiv durchgehört - und jedes Mal entdecke ich neue Feinheiten, mit jedem Durchgang wird das Album vertrauter, wirkt jedes Mal ein wenig düsterer und intensiver. Und jedes Mal bin ich von --- > Good Morning, Captain, dem basslastigen Finale des Albums, hin- und hergerissen. Brian McMahon erzählt singend-sprechend die Geschichte eines verrückten Seemanns, der einer geisterhaften Erscheinung begegnet. Regelmäßig mündet der Song in einen krachenden „Refrain“, verzerrte Gitarrenklänge sägen in den Ohren. Am Ende schreit McMahon „Ich vermisse dich!“, die Band läutet einen furiosen Höhepunkt ein, alles endet in einem fulminanten Soundgewitter. Ein atemberaubender und würdiger Abschluss eines hervorragenden Albums.
Was bleibt zu sagen? Spendiert dem Album einige Hördurchgänge, ihr werdet es mögen. Freunde der Rockmusik sollten sich das Werk nicht entgehen lassen. Und Post-Rock-Liebhaber haben vielleicht Freude daran, die Ursprünge dieses Genres zu erkunden.
Noch eine Anmerkung:
Das Album ist in der Remaster-Version auf Bandcamp zum Download unter anderem in hochwertigem flac-Format erhältlich. Bei Interesse: ---> Spiderland auf "Bandcamp"
[Die Band]
* Brian McMahan – Gesang, Gitarre
* David Pajo – Gitarre
* Britt Walford – Schlagzeug, Gitarre, Gesang
* Todd Brashear – Bass
[Die Songs]
* Breadcrumb Trail – 5:55
* Nosferatu Man – 5:35
* Don, Aman (Brian McMahan, David Pajo, Britt Walford) – 6:28
* Washer (McMahan) – 8:50
* For Dinner... – 5:05
* Good Morning, Captain – 7:38
Demoaufnahme "Good Morning, Captain"
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=96MxID3GK4c
und schön, dass euch die Scheibe gefällt.