Kaurna Cronin - Make Light

Ja, Kaurna, mit "Make Light" hast Du Licht in die Dunkelheit gebracht.

 
firebyrd
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Kaurna Cronin - Make Light

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Gepostet: 20.10.2023 - 17:50 Uhr  ·  #1
Kaurna Cronin - Make Light

Sieben Jahre ist es bereits wieder her, als sich der australische Musiker Kaurna Cronin aus Adelaide einem Interview stellte. Etliche Platten spielte der Musiker zwischenzeitlich ein, zuletzt im letzten Jahr mit "Harsh Beauty" . Dieses Album war für mich sein bislang bestes, bestach es doch dadurch, dass sich der Musiker noch weiter entwickelt hatte, mit einer Steigerung von Kreativität, Harmonie, Melodik, Poesie, dazu perfekt umgesetzte Song-Ideen, die sich noch immer bewundernswert und gleichzeitig dankenswert vom Mainstream absetzten.

Ja, und nun ist der Nachfolger erschienen, "Make Light", dem voraus gegangen waren die Vorab-Singles "CON ARTIST" und "Hold On You & Me". Allein die erste Single, Nummer Eins des Albums, trifft bereits voll ins Mark, "CON ARTIST" mit seinen mysteriösen Worten "Hum dum dim baa do di", welche Bedeutung mag es haben? In etwa stellt auch der Song Fragen, und betont, wie seltsam es doch ist, das man einen Weg finden muss, um jemanden zu überzeugen, sich selbst zu überzeugen. ("Ain't it strange I must find a way to convince you to convince myself") "Und was wird sein, wenn meine Wände grau werden, was ist, wenn die Maskerade fällt, welcher Inhalt wird dann noch bleiben für mich?"

Ja, und so in etwa kann man sich veranlasst sehen, jedem einzelnen Text der elf neuen Songs ganz besonders auch den Texten Aufmerksamkeit zu schenken. Die zweite Vorab-Single, "Hold On You, & Me", angereichert mit Background Vocals und der Mundharmonika, die wieder ein wenig nach Dylan klingt, dazu die stets vordergründig prägend eingesetzte und hervorragend ausfüllende Gitarrenarbeit von Tom Kneebone, dass Alles ergibt wieder etwas, dass man als als absolut typisch bezeichnen kann, genauer gesagt, als typisch Kaurna Cronin. Ja, denn meiner Meinung nach ist genau das vollbracht, was ich oft bei früheren Rezensionen bemerkte, nämlich die sich nach und nach fortsetzende Individualität und der hohe Wiedererkennungswert der Musik des Protagonisten.

Genau - man hört die ersten Takte, die ersten Worte und schon weiss man, worum es hier geht! Grundsätzlich haben sich etliche Attribute etabliert, sehr intim klingende Musik, oft voller sanfter Melancholie und viel Schönheit, mit viel Leidenschaft und Wärme vorgetragen, wohltuend für die Seele. Dieses findet statt auf hohem Niveau und anhand der durchdachten Kompositionen und raffinierten Arrangements wird man unweigerlich dazu unbewusst aufgefordert, jedem Song aufmerksam zu lauschen, könnte Einem doch etwas entgehen. Denn oft sind es Nuancen, die nicht vordergründig, aber eindringlich wirken, sei es zum Beispiel der Einsatz von Streichinstrumenten oder durch den geschickten Einsatz der Background Vocals an bestimmten Stellen.

Kyrie Anderson ist auch bei "Make Light" abwesend, doch Kaurna hat erneut den Schlagzeugpart selbst übernommen und stellt sich zudem als Multiinstrumentalist vor, man werfe einen Blick auf das Line-up. Ansonsten pausiert auch Stammgitarrist Tom Kneebone bei einigen Songs, an seiner Stelle hören wir den sehr guten Gitarristen Kai Kampf, den ich von Kaurna's eruropäischer Tourband kenne und der sich sehr gut in den Gesamtsound eingefügt hat. Auf "Soothsayer" greift Kaurna dann selbst auch zur E-Gitarre, mit der er sich jedoch dezent im Hintergrund hält.

Als besonders gelungen halte ich die Idee und schließlich die Umsetzung, mit Lucinda Grace eine Cellistin und Frank Giles einen Violinisten einzusetzen, letztlich gibt es sieben Songs, die mit Streicherklängen ausgekleidet wurden, und genau das ist es, was perfekt zur Musik des Protagonisten passt!

In der Presseinformation von "popuprecords" wird darauf verwiesen, dass das neue Album die Schönheit der alltäglichen Dinge beschreiben soll, sei es das Anzünden einer Kerze oder das Öffnen der Fenster. Einige Songs beschreiben das Gefühl von Liebe - egal ob romantischer, familiärer oder nostalgischer Art. Und so möchte ich Kaurna auch hier wieder selbst zu Wort kommen lassen, welche Absicht hinter der Produktion des Albums steckt: "This album is an exploration of many facets of life – relationships, childhood memories, unexpected experiences and personal development - and how all of these intertwine. I wanted to explore how multifaceted our experiences can be through a spectrum of light and shade. We all carry our shadows, our flaws and our vulnerabilities. But for all this darkness, there is an innate desire to create light and connection. This album is a look into that spectrum and our attachment to it."

Bei diesen Worten wird mir ganz warm ums Herz und in der Seele, habe ich Kaurna doch mittlerweile öfter getroffen und sich mittlerweile eine schöne Freundschaft entwickelt hat, und gerade darum kann ich vollumfänglich das, was er schreibt, nachvollziehen. Erneut hat er es verstanden, Musik mit Texten voller Weisheit und persönlicher Erfahrung und individueller Anschauung vorzulegen, oft mit zartem, aber kraftvollem Ausdruck. Und wiederum sind es die Texte, die auf poetische Weise berühren, erneut introvertiert strahlen und vielfach sicher nicht gleich beim ersten Lesen zu verstehen sind.

Fazit: Eindeutig ein weiterer Volltreffer, denn diese Musik strahlt durch ihr hohes Mass an Individualität, Güte und Wärme, voller Zugewandheit und Herzlichkeit, Kaurna präsentiert sich sehr menschlich und ehrlich in seinem Auftreten, so, wie man ihn von Live-Auftritten kennt. Mit "Is Everything Alright" wird der Songreigen sehr zärtlich und rührend beendet, und recht bewegend fragt er, als wäre er besorgt, vielleicht uns Alle: "I only want to know, I only want to know, that everything’s alright with you". Und gleichzeitig bietet er an: "If you ever need reminding, if you ever need a friend, to sit with you in darkness". Ja, Kaurna, mit "Make Light" hast Du Licht in die Dunkelheit gebracht.

Kaurna Cronin (vocals, harmonica, drums, percussion, piano, organ, acoustic guitars, electric guitar - #9)
Tom Kneebone (electric guitar - #1-4, 6, 7, 10)
Kiah Gossner (bass - #2-4, 6-10)
Frank Giles (violin - #2, 4, 6-10)
Kai Kampf (electric guitar - #5, 6, backing vocals - #5)
Lucinda Grace (cello - #2, 4, 7, 10, 11, backing vocals - #2-4)
Jamie Lena (backing vocals - #1, 6-11)
Luka Küssner (backing vocals - #2, 5, piano - #3)
Milush Piochard (bass - #1)
Matt Morison (piano - #1)

1 CON ARTIST (3:43)
2 Shapes & Sizes (3:21)
3 Hold On You, & Me (3:07)
4 ERASER (4:03)
5 Childish Things (2:52)
6 When Love Ain't Long Enough (3:44)
7 Everybody Wants (3:09)
8 Too Many Words For Us (3:22)
9 Soothsayer (3:21)
10 The Answer (3:19)
11 Is Everything Alright? (3:43)

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Re: Kaurna Cronin - Make Light

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Gepostet: 23.10.2023 - 08:48 Uhr  ·  #2
Zitat geschrieben von firebyrd

Etliche Platten spielte der Musiker zwischenzeitlich ein, zuletzt im letzten Jahr mit "Harsh Beauty" . Dieses Album war für mich sein bislang bestes, bestach es doch dadurch, dass sich der Musiker noch weiter entwickelt hatte, mit einer Steigerung von Kreativität, Harmonie, Melodik, Poesie, dazu perfekt umgesetzte Song-Ideen, die sich noch immer bewundernswert und gleichzeitig dankenswert vom Mainstream absetzten.


Da bin ich absolut bei dir. Von allen Alben die ich von Kaurna besitze lief "Harsh Beauty" bislang am häufigsten. Kann aber sein, dass es durch dieses Licht-Album Konkurrenz bekommt. Die Vorab-Appetizer ließen die Vorfreude schon steigen und in gänze gehört überzeugt mich das Album schon nach dem ersten Hördurchgang. Weitere werden bald folgen. Warst du eigentlich in diesem Jahr bei irgendeinem Auftritt zugegen? Spielte er dort bereits einige der neuen Songs? 2024 will ich ihn auf jeden Fall wieder live sehen.
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