Billy Boy Arnold - The Blues Soul Of Billy Boy Arnold

So ist ein hervorragendes Bluesalbum gelungen

 
firebyrd
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Billy Boy Arnold - The Blues Soul Of Billy Boy Arnold

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Gepostet: 20.10.2023 - 13:12 Uhr  ·  #1
Billy Boy Arnold - The Blues Soul Of Billy Boy Arnold

William "Billy Boy" Arnold wurde am 16.September 1935 in Chicago geboren, war also keiner der zugereisten Blueser, die sich der Bluesszene der Stadt anschlossen.
Er ist einer der letzten noch lebenden legendären Musiker aus Chicago, Einer, der den Sound der Fünfziger und frühen Sechziger mitgeprägt hat.
Er spielte nicht den satten Sound von Little Walter, sondern eher in der Tradition von John Lee “Sonny Boy“ Williamson, also der erste der beiden Sonny Boys. Von diesem hatte er, kurz vor dessen Tod im Jahre 1948, die ersten Lektionen auf der Blues-Harp erhalten. Der damals 13Jährige Billy Boy hatte all seinen Mut zusammengenommen, um an die Tür seines Idols zu klopfen. Nun, es hatte sich gelohnt, denn er sollte schon bald zu den führenden Bluesern der Windy City gehören.

Doch, wider Erwarten, wie so viele andere, schloss er sich nicht dem Chess Label an, sondern zeichnete beim Konkurrenten Vee –Jay. Dennoch war er zu hören auf etlichen Aufnahmen von Chess, als er zum Beispiel bei Bo Diddley mitspielte. Hier gab es noch eine andere Verbindung, nämlich jene des auch mit Bo spielenden Jody Williams, mit dem und dem Bruder Jerome Arnold er 1957 eine eigene Band gegründet hatte. Mit Jody verband ihn bis zu dessen Tod eine Freundschaft. Beiden gemein war auch, dass sie einst das Musikbusiness verließen, um sich anderen Berufen zu widmen. Beide erlebten dann auch ein Comeback, so Arnold mit seinem 1993 für Alligator Records eingespielten Album "Back Where I Belong". In loser Folge gibt es seitdem neue Veröffentlichungen, und diese ist nun die aktuelle.

Ich bin wirklich froh, dass es auch noch heute solche Platten gibt, die die Musik der wichtigen Jahre in Chicago präsentieren, solche, die für mich noch wahren Blues darstellen und nicht auf Superlative zielen, die durch mittlerweile viele Künstler dargeboten werden, stets unter dem Deckmäntelchen des Blues. Dabei ist das in der Regel ganz simpler Rock, angereichert mit Elementen des Blues.
So klingt diese Musik sehr authentisch, jedoch nie altbacken, sondern sehr modern arrangiert vom bleichgesichtigen Produzenten und Mitmusiker Duke Robillard.

Das hier ist feinster Blues, mit einer kräftigen Zutat Soul, wie sich der Blues bereits in seiner Entwicklungsphase ab Ende der Siebziger darstellte, als Künstler wie zum Beispiel Jimmy Johnson das Genre modernisierten.
"I'd Rather Drink Muddy Water" swingt gewaltig und Duke spielt eine ‘dreckig‘ angezerrte Gitarre wie einst Willie Johnson, als dieser in den frühen Fünfzigern Gitarrist bei Howlin‘ Wolf war.
Der Slowblues "Worried" ist eine Feature für den sensibel und gefühlvoll agierenden Robillard und der Jazztitel Work Song, bei dem einst Arnolds Bruder Jerome in der Version von Paul Butterfield beteiligt war, ist hier kürzer als jenes Stück gehalten, wird aber dem Anspruch, jazzige Atmosphäre zu versprühen, durchaus gerecht.
Im Übrigen fällt Billy Boy auf durch seine jugendlich wirkende Stimme. So ist ein hervorragendes Bluesalbum gelungen, das für mich zu den Besten des Genres in diesem Jahr zählen wird. (2014)

Billy Boy Arnold (vocals and harmonica)
Duke Robillard (guitars and background vocals)
Bruce Bears (piano, Hammond organ)
Brad Hallen (acoustic and electric bass)
Mark Teixeira (drums, background vocals)
Rich Lataille (alto and tenor sax)
Mark Earley (tenor and baritone sax)
Doug Woolverton (trumpet)
Anita Suhanin (background vocals)
Jack Gauthier (background vocals)

1 Coal Man [Mack Rice] (2:55)
2 I'd Rather Drink Muddy Water [Eddie Miller] (4:01)
3 You Give Me Nothing To Go On [Ted Taylor] (3:37)
4 99 Lbs. [Donald Bryant] (3:07)
5 A Mother's Prayer [Joe Tex] (3:11)
6 St. James Infirmary [Trad., arranged/adapted by Billy Boy Arnold] (4:35)
7 Don't Set Me Free [A.Jones/F.James] (3:03)
8 What's On The Menu Mama [Billy Boy Arnold] (6:15)
9 Worried Dream [Riley (B.B.) King] (7:37)
10 Nadine (Is It You?) [Chuck Berry] (3:26)
11 Work Song [Oscar Brown Jr./Nathaniel Adderley](4:29)
12 Dance For Me Baby [Billy Boy Arnold] (3:50)
13 Ain't That Just Like A Woman [F.Moore/C.Demetrius] (4:17)
14 Keep On Rubbing [Billy Boy Arnold] (6:06)

badger
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Re: Billy Boy Arnold - The Blues Soul Of Billy Boy Arnold

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Gepostet: 23.10.2023 - 17:20 Uhr  ·  #2
jetzt mal eine scheibe, die ich weder besitze noch kenne und dazu eine besprechung mit infos, die mir
ebenfalls (teils) Neues verkünden. Das der alte Billy Boy vor ca. zehn jahren immer noch unterwegs war, überrascht...,
positiv natürlich.

wie üblich sinds die sachen aus der frühzeit, die mir am besten gefallen und die Yardbirds würden mich wohl
in dieser meinung bestärken. selbst der junge rotzlöffel Jagger (von dem es vor ein paar tagen ein sehr langes
interview gab) konnte nicht umhin, neben anderen urgesteinsnamen auch diesen als prägend für seine
damalige garagencombo zu nennen.

und natürlich; harmonika geht IMMER und da spielts noch nicht mal eine rolle, auf welchem tabellenplatz
der Besten Harpspieler Aller Zeiten Billy Boy einzuordnen ist. ich hab da eh keine ahnung und behelfe mir mit
'sehr gefühlvoll aber wenn nötig auch kräftig röhrend'.

schön, schön, daß du sowas auflegst.
badMoon
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Re: Billy Boy Arnold - The Blues Soul Of Billy Boy Arnold

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Gepostet: 25.10.2023 - 12:52 Uhr  ·  #3
Von allen Bluesvorstellungen der letzten Tage hat mich diese zuerst zu einem Klick verführt - die abgebildete Bluesharp war Schuld. Zwar steht hier einiges unter dem Genre "Blues" - auch von dem in der Rezension erwähnten Alligator-Label - , jedoch nicht sehr viel, was zeitlich weit zurückreicht. Manches wirkt mir zu antiquiert und angestaubt.

Was hier auf die Ohren trifft, hört sich alles andere als verstaubt an. Eine schöne Mischung aus Blues, Swing und Soul, als wären die Künstler gerade erst in das Studio gegangen. Eine CD, die gefällt und ins Regal muss.

Meine Favoriten auf der Scheibe waren, wenn überhaupt ein Favorit bei all dem guten Zeugs auszumachen war:

What's on the Menu Mama

Worried Dream
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