Osibisa - Heads

...kocht auch hier das afrikanisch/karibische Feuer noch gewaltig.

 
firebyrd
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Osibisa - Heads

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Gepostet: 01.06.2022 - 18:49 Uhr  ·  #1
Osibisa - Heads

Osibisa's gleichnamiges Debütalbum von 1971 war ein wahrer Knüller! Mit der einzigartigen Mischung aus afrikanischer und westlicher Musik, mit einer perkussiven Basis auf der sich Bläsersätze türmten - war das seinerzeit eine angenehme Überraschung. Den Höhepunkt, so meine Meinung, erreichte die Band mit ihrer zweiten Platte, "Woyaya". Die sieben Musiker aus Nigeria, Ghana und der Karibik brachten die Tanzbeine gewaltig in Schwung und Anhänger von Santana hatten sicher vereinzelt auch ihre Freude an diesen unwiderstehlichen Rhythmen.

Diese dritte, noch in Originalbesetzung aufgenommene Platte von 1972, "Head", wurde erstmalig ohne den Starproduzenten Tony Visconti aufgenommen und vielmehr in Eigenregie mit Hilfe von John Punter produziert. Daher, so der Frontmann Osei, stamme dann auch der Titel der Platte, seien doch viele Köpfe bei der Gestaltung tätig gewesen. So klingt die Mischung der Musik auch nicht mehr so straff organisiert wie bisher. Einige Vorlieben gewannen Raum und schienen sich herausgeschält zu haben.

War die Musik bis dahin strikter afrikanisch, gab es nun Öffnungen hin zu anderen, weiteren oder verstärkten Einflüssen, seien es angedeutete jazzige Ausflüge oder überhaupt Annäherungen an die westliche Popkultur. Die eine oder andere Aufnahme erinnert auch an War, wie man das bei "Wango Wango" - dem Song, der obendrein noch einmal in der Singleversion als Bonustrack vorgelegt wird - feststellen kann.

Wenngleich die Musik auch etwas weniger spannend als bei den beiden ersten Scheiben ausfällt, kocht auch hier das afrikanisch/karibische Feuer noch gewaltig. Neben einigen Schwächen (u. a. "Sweet America") gibt es auch Höhepunkte, wobei mein persönlicher jener Song ist, der mit orientalischen Elementen angereichert großen Eindruck auf mich macht. Ich spreche von "Che Che Kule", das nach etwa zwei Minuten wie ein Märchen aus 'Tausend-und-einer-Nacht' klingt. Harmonisch wie bei den meisten Titeln fügt sich die leise Orgel ein. Die Gitarre unterstützt - perkussiv gespielt - den Rhythmus. Manchmal gesellt sich das aus der Disco- und Funkszene bekannte Wah Wah-Pedal hinzu und bringt (seinerzeit) moderne Elemente ein.

Wichtig ist der oft im Chor vorgetragene Gesang, der uns zusammen mit den Perkussionsinstrumenten nach Afrika führt. Doch auch Calypso und Pop haben verstärkt Einzug gehalten und halten in ihrer Mischung das Niveau dieser Musik recht hoch.
Auch wenn die beiden Cover der ersten Alben noch von Roger Dean gestaltet waren, so taucht auf der von Abdul Mati Klarwein gestalteten Hülle erneut der mittlerweile zum Markenzeichen avancierte fliegende Elefant auf.



Teddy Osei (tenor sax, flute, African drums, vocals)
Sol Amarfio (drums, fontomfron, African drums, bongos, cowbells, claves, vocals)
Mac Tontohn (cornet, trumpet, flugel, cowhorn, kabasa)
Spartacus R (bass guitar, prenprensua, assorted percussion)
Wendel Richardson (lead guitar, acoustic guitar, vocals)
Robert Bailey (organ, piano, electric piano, moog, bass, acoustic guitar, timbales, vocals)
Loughty Lasisi Amao (congas, tenor sax, baritone sax, flute, vocals - #8, 9)


1: Kokorokoo [Osei/Tontoh] (4:54)
2: Wango Wango [Richardson] (4:30)
3: So So Mi la So [Osibisa] (3:10)
4: Sweet America [Amao] (4:20)
5: Ye Tie Wo [Bedeau] (4:140
6: Che Che Kule [Amarfio] (6:19)
7: Mentumi [Amarfio/Osei/Richardson ] (3:52)
8: Sweet Sounds [Richardson] (5:05)
9: Do You Know [Bailey](4:43)
10: Wango Wango (single version) [Richardson] (3:20)
11: Ana-Bo [Osibisa] (3:18)


Triskell
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Re: Osibisa - Heads

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Gepostet: 01.06.2022 - 19:52 Uhr  ·  #2
Das ist fürwahr eine spezielle Band. :-D Ihre Frühwerke sind immer wieder hörenswert für mich. Vom Gitarristen, Wendell Richardson, gibt es ein Solo Album, "Pieces of a Jigsaw" das ich immer noch vergeblich suche. :'(
firebyrd
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Re: Osibisa - Heads

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Gepostet: 01.06.2022 - 20:06 Uhr  ·  #3
Zitat geschrieben von Triskell

Das ist fürwahr eine spezielle Band. :-D Ihre Frühwerke sind immer wieder hörenswert für mich. Vom Gitarristen, Wendell Richardson, gibt es ein Solo Album, "Pieces of a Jigsaw" das ich immer noch vergeblich suche. :'(


schreibe die hier mal an, die sammeln immer gern Informationen, vielleicht nehmen die das ja mal ins Programm...


https://musiconcd.eu/
Triskell
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Re: Osibisa - Heads

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Gepostet: 01.06.2022 - 21:04 Uhr  ·  #4
Danke für den Tipp. :-D
Stattmeister
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Re: Osibisa - Heads

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Gepostet: 02.06.2022 - 07:41 Uhr  ·  #5
Danke für die Vorstellung. Die Band ist mir natürlich namentlich bekannt, besitze aber keinerlei Tonträger von ihnen. Einige Stücke von ihnen kommen mir immer mal wieder unter und die gefallen auch. Man nimmt sich ja immer vor sich mit der ein oder anderen Band, die man interssant findet, zu beschäftigen. Aber: Zeit wo bist du? :-) Wird mir wahrscheinlich mit Osibisa ähnlich gehen.
frimp
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Re: Osibisa - Heads

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Gepostet: 02.06.2022 - 13:50 Uhr  ·  #6
Hier steht die "Best-Of" Doppel-CD, am besten finde ich sie live. Das Album hier kenne ich nicht, nur einzelne Titel, da muss ich mal nachhören und ggf. -legen. Danke für die Erinnerung und habt alle einen "Sunshine Day"
firebyrd
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Re: Osibisa - Heads

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Gepostet: 02.06.2022 - 14:23 Uhr  ·  #7
Jersch
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Re: Osibisa - Heads

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Gepostet: 02.06.2022 - 16:35 Uhr  ·  #8
Die Band lernte ich durch "Sunshine Day" kennen. später legte ich mir dann die ersten 3 Veröffentlichungen auf Lp zu. Kerniger Afrorock, schön mit Drive und Verve eingespielt. Das gefällt mir gut. Danach wurde es dann aber schon recht eintönig für mich.
Floyd Pink
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Re: Osibisa - Heads

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Gepostet: 02.06.2022 - 16:53 Uhr  ·  #9
Ich hatte mal die Neuauflage von Repertoire Records zum Rezensieren und habe auch was dazu geschrieben:

Osibisa - Heads
kraut-brain
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Re: Osibisa - Heads

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Gepostet: 10.06.2022 - 23:12 Uhr  ·  #10
Der musikalische Horizont wurde sicherlich Ende der 60er Jahre durch die Gründung zahlreicher Latin-, aber auch Afrorock Bands spürbar erweitert und neue musikalische Tore öffneten sich. Waren Santana für die Latin Musik der Gradmesser, so dürfte es Osibisa für den Afro Rock gewesen sein.

Gerade die Mischung von drei karibisch- und vier afrikanisch stämmigen Musiker ermöglichte die Stilvielfalt von Osibisa. Hier wurde Rock, R & B, Jazz und Latin zu einem feinen Mix entwickelt, der zumindestens auf den ersten beiden Alben viele Glanzlichter zu setzen vermochte.

Das Album "Heads" wandelt auf ähnlichen Bahnen, kommt aber in seiner Gesamtheit nicht mehr ganz an die druckvollen Musikstücke der ersten beiden Alben heran. Trotzdem ist ihnen erneut eine sehr hörenswerte Einspielung gelungen, weil es auch hier etliche Highlights gibt.
badMoon
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Re: Osibisa - Heads

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Gepostet: 07.09.2022 - 19:56 Uhr  ·  #11
Zitat geschrieben von firebyrd

HMC war für OSIBISA auch bereits aktiv:

forum/topic.php?t=10837


Aufgrund dieses Eintrages habe ich noch einmal die NAS durchforstet und - bin fündig geworden.

Afrikanischen Klängen gegenüber halte ich mich für recht aufgeschlossen. So kann ich sagen, dass mir auch diese Scheibe in weiten Teilen gefällt. Lediglich mit den jazzigen oder Lationo-Klängen werde ich nicht recht warm. Das Genre Jazz ist wenigstens ab und an hier vertreten, aber mit dem Latino stehe ich auf Kriegsfuß.

Besten Dank für den Reminder und die tolle Rezi.
holger_fischer
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Re: Osibisa - Heads

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Gepostet: 09.09.2022 - 19:33 Uhr  ·  #12
Danke für die Rezi. Hier muss ich noch einmal nachlegen, weil mir die Musik wirklich gut gefällt, aber irgendwie FAST in Vergessenheit geraten ist. Hier stehen Osibisa und Osibirock. Die 2. und eben diese hier sollten noch den Weg in mein Regal finden. Vor einigen Jahren habe ich sie live erlebt. Sehr schönes Open Air Konzert!
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