Peter Tosh wäre heute 70 Jahre alt

 
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Peter Tosh wäre heute 70 Jahre alt

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Gepostet: 19.10.2014 - 13:24 Uhr  ·  #1
"Wenn du weißt, dass dir jemand nach dem Leben trachtet - kill him first... Ich würde nie irgendwem die andere Wange hinhalten...Mit diesem pazifistischen Scheißdreck kannst du Afrikanischen Kriegern und Revolutionären gestohlen bleiben"

"Meine Songs sind keine Smiling Songs. Meine Songs handeln von Revolution. Wie kann man über eine ernstgemeinte Revolution singen, von der man weiß, dass diese Vorstellung die Gesellschaft in Schrecken versetzt und dann noch lächeln?"

"Unterdrückung gibt es in jeder Form, nicht nur in Jamaica, sondern weltweit....Aber Gott gibt mir die Inspiration zu meiner Musik....Das bedeutet ich bin auf der Welt um Musik zu machen um spirituell mit Gott zu kommunizieren, damit ich zu der Musik inspiriert werde mit der ich das bei den Menschen schlummernde Bewusstsein wecke"

Nach solchen Aussagen, mag es kaum verwundern, dass Tosh ins Visier des korrupten Jamaikanischen Regime geriet. Die gegnerischen Politiker Edward Seaga (JLP) und Michael Manley (PNP) hatten bei weitem nicht viel gemeinsam. Aber eine Gemeinsamkeit schienen sie doch zu haben: Reggae Musiker wie Peter Tosh waren ihnen ein Problem.

Ausgerechnet Seaga, der in den 60ern selbst in der jamaikanischen Musik tätig war, distanzierte sich in den 70ern (jedoch nicht öffentlich) vom Reggae. Die Gründe liegen auf der Hand: Edward Seaga schloss sich der JLP Partei an und die JLP repräsentierte die gehobene Mittelklasse sowohl auch die High Society. Somit waren Rastafarians nicht unbedingt die geeignete Wählerschaft für die JLP.

Manley hingegen verkaufte sich als sozialdenkender Demokrat mit leicht sozialistischen Tendenzen. Und tatsächlich gab es einige Rastas im Ghetto, die ihre Hoffnung in Manley setzten.

Reggae Sänger wie Max Romeo, Delroy Wilson, Clancy Eccles, Niney The Observer und Junior Byles unterstützten aktiv Michael Manley. So wie auch die Wailers es taten (Nach jahrelanger JLP Führung schrieb Peter den Song "Them A Fe Get A Beaten" 1972 um den erhofften politischen Wechsel zu bewirken).

Manley gewann die Wahl 1972, versäumte es aber die versprochenen Versprechen einzulösen. Statt sich um die Belange der Leute zu kümmern, kamen beide Parteien auf die glorreiche Idee Jugendliche ohne Perspektive um sich zu scharen und sie für sich zu instrumentalisieren. Nächster Schritt war sie ordentlich mit Waffen auszustatten und sie gegeneinander aufzuhetzen.

Manley und Seaga versicherten den Anhängern einen gehobenen Status, wo sie sich nicht über Nahrung, Kleidung, Autos usw sorgen mussten. Eine lukrative Alternative zu dem einseitigen Ghettoleben. Aufgegeilt durch ihre neue Macht, verhielten sich die Ghetto Youths wie berüchtigte Macho Gangster.

PNP bzw JLP Anhänger würden für ihre Partei bis in den Tod gehen, was leider viel zu oft passierte. In den 70ern war Jamaica ein Ort des Schreckens geworden, doch das bekamen die Touristen ja nicht mit. In Hotels wurden sie mit unterhaltsamen (keinem politischen) Reggaeklängen unterhalten und erfuhren nichts von dieser schreienden Ungerechtigkeit.

Jamaica verfiel währenddessen weiterhin in einem blutrünstigen Gang War und da mussten viele erschrocken dabei zu sehen, wie junge Männer in der Blüte ihrer Jugend ermordet, Frauen vergewaltigt wurden und Kinder als neue Anwärter im PNP/JLP Machtspielchen heranwuchsen. Und das nur weil die Politiker unfähig waren, ihnen eine Perspektive zu bieten.

Tosh wollte mit alldem nichts zu tun haben. Er sah lediglich Politiker, die sich ihrer Verantwortung entziehen und ihre Macht ausnutzen um die Menschen austricksen - Politricks (anstatt Politics). Tosh’s Antwort auf die Missstände Jamaikas waren seine Songs und Liveauftrite, die eine Kampfansage gegen Manley und Seaga sein sollten. Und mit Peter hatten sie einen hartnäckigen, kompromisslosen Feind.

Before The War

Man wird natürlich nicht als Revolutionär geboren und daher möchte ich gern einen Blick auf den spannenden und meines Erachtens nicht genug ausgeleuchteten Teil seines Lebens werfen. Nämlich auf den seiner Kindheit und Jugend.

Freunde und Verwandte haben Tosh meistens als Perfektionisten, wenn es um die Musik ging, und selbstsicheren Mann beschrieben. Vielleicht sogar zu selbstsicher und selbstverliebt. Zum Beispiel hörte er sich gern selber reden und mochte es, wenn er das Sagen hatte. Aber woran lag das alles?

Das ist der Zeitpunkt wo man auf seine Kindheit zu sprechen kommen sollte. Es war nicht unbedingt eine schöne Kindheit geprägt von Liebe und Zuneigung. Viel mehr kann man sie als Kindheit voller Enttäuschung und Ablehnung beschreiben. Von seinem Vater, der ihn nie wirklich als Sohn anerkannt hatte, war keine Spur und von seiner Mutter wurde er zu seiner Tante abgeschoben. Als diese verstarb kam er zu seinem Onkel.

Also sprechen wir hier von einem ca 12 jährigen Jungen, der niemals elterliche Geborgenheit kennen gelernt hatte und dessen Familienmitglieder, bei denen er unterkam, ihn nur aus Verantwortung und nicht aus Liebe zu sich nahmen.

Als Jugendlicher hat er schnell begriffen, dass Schwarze in Jamaica kaum eine Möglichkeit hatten ihre Träume zu verwirklichen. In einem Land wo ca 80 % Schwarze leben, sah er nie einen schwarzen Anwalt, Richter, Arzt oder einen ähnlichen gebildeten Beruf. Die meisten Schwarzen waren dazu verdammt im Ghetto ein jämmerliches Leben zu führen. Es sei denn sie verkauften ihre Ideale und wurden Polizisten (Die meisten Cops waren/sind Korrupt und die Jamaikanische Polizei hatte vorrangig die Aufgabe Rastas bzw schwarze Rebellen zu brechen und zu misshandeln). Eine andere Alternative war man wurde Musiker.

Dieser Weg war jedoch beschwerlich und schwer. Selbst wenn man gut war, konnte es passieren, dass die Regierung ein Boykott gegen bestimmte Künstler ausspricht. Das heißt die Songs werden nicht im Radio gespielt und die Singles bleiben Ladenhüter. Das Aus für viele Künstler.

Aber was hatte Peter für eine Wahl? Glücklicherweise hatte er ein großes Talent was Harmoniegefühl anging und lernte mit rasender Geschwindigkeit dazu. So lernte er das Gitarrespielen an nur einem einzigen Tag (er muss so um die 12 Jahre gewesen sein) beim Zuschauen eines Gitarrespielenden Landstreichers.

Als er mit Bunny Wailer und Bob Marley die Wailers gründete, sah er es als Selbstverständlich, dass er der Leader der Band sei. In jeder anderen Band wäre er es sicherlich auch gewesen. Doch hier musste er wohl oder übel zugunsten Marley zurückstecken. Es folgten Jahre voller Selbstzweifel, aufgestaute Frustration, Enttäuschung und Ablehnung. Gefühle, die er leider zu gut, seit seiner unschönen Kindheit, kennt.

Tosh musste erkennen, dass er bei den Wailers keinen Blumentopf gewinnt und auch niemals die verdiente Anerkennung bekommen wird. Darum verließ er 1974 die Band und das Trio ging seperate Wege.

In den Jahren 1974 und 75 hörte man nicht viel von ihm. Tosh war in dieser Zeit auf der Suche nach einem Label was sein Soloalbum veröffentlichen wollte. Er hatte wie sein Partner Bunny Wailer alles auf eine Karte gesetzt und musste bei Null anfangen. Anders als Marley war Tosh im Ausland weitgehend unbekannt.

Armageddeon Time

Sein Solodebüt 1976 für Columbia Recors sollte das ändern. "Legalize It" ist ein Album was sich größtenteils mit Jamaikanischen Problemen befasst. Zwar fordert er im Titelsong eine weltweite Legalisierung von Marijuana, spricht hier aber explizit die Jamaikanische Regierung an, die auf dem Album ihr Fett weg kriegt.

In "Watcha Gonna Do" macht er sie verantwortlich für die Zerstörung des harmonischen Zusammenlebens und zeigt was für eine Auswirkung die Kriminalisierung der Rastafarians für die Familie hat. Ohne einen Vater, weil dieser in der Regel wegen Marihuanakonsum im Gefängnis sitzt, ist die Standardfamilie instabil und arm. Die Söhne werden ohne männliche Aufsicht und aus Armut zu "Rude Boys", die dann ebenfalls eingebuchtet oder auf offener Straße erschossen werden. Im Endeffekt steht die Mutter/Ehefrau allein mit ihren Problemen da, ohne eine Hilfe der Regierung, die diese Probleme überhaupt erst ausgelöst hat.

Die "Legalize It" ist von einem Gitarrensound geprägt, der relativ wenig mit Reggae zu tun hat. Besonders ist es der düstere Song "Igziabeher", der für viele Reggae Hörer dieser Zeit garantiert irritierend war. Wenn Tosh sich musikalisch von Marley (bzw. vom Wailerssound den er sicherlich mitgestaltet hatte, aber hier war er Solokünstler und konnte seinen eigenen Ideen freien Lauf lassen) distanzieren wollte, ist ihm das mit der Legalize It mehr als gelungen.

Sein Nachfolger "Equal Rights" (welcher auch auf Columbia Records erschien) war weniger Gitarrenlastig und auch nicht so befremdlich, dafür aber vom Stil und Lyrics her militanter und offensiver (am Meisten untermauert wohl der Song "Stepping Razor" seine Militanz).

Mit dem Titelsong äußerte er einen umstrittenen Satz "I don’t want no peace, I want Equal Rights and Justice". Der Satz zeigt genau was Tosh von Frieden hält - nämlich gar nichts. Nicht weil er Krieg vorzieht. Er glaubt nur nicht an den Frieden und die Geschichte sollte ihm Recht geben. Das "One Love Peace Concert" im Jahre 1978 (ein Konzert was die verfeindeten Politiker Manley und Seaga zum Frieden bewegen sollte. Peter Tosh und viele andere Reggae Stars traten dort auf) brachte nicht den erhofften Frieden.

Seiner Auffassung nach kann es keinen Frieden ohne Gleichberechtigung und Gerechtigkeit geben. Der Song impliziert, dass es beides in Jamaica nicht gibt. Aber der Song geht noch viel weiter. Er sympathisiert mit Rebellen und Revolutionären aus anderen Ländern (Länder wie Palistina, Angola und Zimbabwe werden hier namentlich genannt).

"Legalize It" und "Equal Rights" werden von Fans gern als Schwesternalben gesehen, da beide für Columbia Records erschienen sind, aber auch wegen ihrer hochwertigen Qualität vom Sound und Lyrics her.

Sell Out?

Das darauffolgende Album "Bush Doctor" wurde von den Rolling Stones produziert und kam bei Roots Reggae Fans eher mittelmäßig an. Die Songs auf dem Album sind zwar ziemlich gut, aber das Peter Tosh/Mick Jagger Duett auf "Don’t Look Back"ist schon fast unverzeihlich. Der Temptations Klassiker, den Peter Tosh im Jahre 1966 schon mal interpretiert hatte, verkommt hier zu einem kurzlebigen Reggae Pop Song. Solo interpretiert wäre hier der Song sicherlich nicht so schlecht weggekommen. Aber mit Mick Jagger?

Tosh hat meiner Meinung nach mit der Stones Zusammenarbeit (es erschienen noch zwei weitere Alben für das Rolling Stones Label) eine schlechte Entscheidung getroffen. Dass seine Alben auf dem Rolling Stones Label erschienen sind, finde ich gar nicht mal so schlimm. Ich find eher die Vorstellung schlimm, dass Tosh mit ihnen auf Welttournee ging und im Vorprogramm spielte.

Eine unpassendere Show Kombination gabs nicht. Neben den unterhaltsamen Pop Rock Entertainer, die ihre flimmernde Light Show mit Luftballons und Nebelmaschinen aufwerteten, wirkte Peter Tosh sowas von deplatziert. Ich selber hätte ihn lieber in einem kleinen Club oder mit anderen ähnlichen Künstlern (wie z.B. Taj Mahal) auf Tour gesehen. Denn es ist für mich mehr als zweifelhaft, dass Tosh bei einem Stones Konzert die richtige Hörerschaft hatte. Diese waren nämlich vorwiegend dort um unterhalten zu werden und nicht um etwas über "Equal Rights" oder "Apartheid" zu hören. Irgendwie war man doch erleichtert, als die Wege der Stones und Tosh sich trennten.

An sich kann man über die Stones Alben ("Bush Doctor", "Mystic Man" und "Wanted Dread And Alive") nicht wirklich viel schlechtes sagen. Zum Beispiel sind in dieser Phase unglaublich viel innovative Songs wie "Creation", "Bush Doctor", "Fools Die" und "Rumours Of War" entstanden. Aber trotzdem haben die Alben nicht die majestätische Kraft, der beiden Columbia Alben.

In den 70ern waren Tosh und Marley (und natürlich Jimmy Cliff) die einzigen Großverdiener des Reggae und daher fing man natürlich an Vergleiche zu machen. Aber wer Marley Live gesehen hatte und bei Peter einen ähnlichen Auftritt erwartet, der wurde mit der Realität konfrontiert und enttäuscht. Bei Peter gab es keine "woyoyos" (Wer Bob Marley’s Live Versionen von "Get Up, Stand Up gehört hat, weiß was ich meine) oder langen Tanzeinlagen.

Peters Auftritte waren trockener, direkter und auf jeden Fall aggressiver. Er erschien z.B. in afrikanischen Gewändern oder in Karateanzügen (Peter Tosh hatte den schwarzen Gurt in Karate) und hatte einige Gegenstände, die seine Militanz (z.B. mit einem echten Säbel oder seiner legendären Gitarre in Form eines M16 Gewehres) und Prophetenstatus (z.B. mit einem Zepter) unterstreichten.

Weiter war er bekannt dafür, dass er bei Auftritten lange Monologe hielt. Er philosophierte, sprach über Rastafari, Reggae, Africa oder über die Misere, in der sich die Menschheit befindet. Und bei seiner Live Version von "Rastafari Is" gab es eine endlose Percussionsequenz. Garantiert keine leichte Show und viele verließen kopfschüttelnd das Konzert.

Es gibt mehrere Begebenheiten, wo man merkt, dass Fan und Künstler nicht auf einem Level sind. In einem Konzert äußerte Tosh, bevor er seine Songs spielte "Ihr werdet gleich etwas bezeugen, was eure winzigen Gehirne nicht verstehen werden". Tosh glaubte, dass seine Musik bzw seine Show einfach zu gewaltig ist für John Public (Otto Normalverbraucher).

Bei einem weiteren Konzert hielt Tosh eine Rede über "Righteousness" und "Egoismus", als mehrere Fans immer wieder "play the music" riefen. Sie sind ja nicht gekommen um Reden zu hören, sondern Musik. Aber Tosh redete ungeachtet weiter. Schon allein dafür hat Tosh meinen Respekt verdient, da er sich nicht dem beugt was die Fans wollen, sondern ihnen das gibt, was er für Aufrichtig und Ehrlich hält.

Times Are Changing

In den 80ern machte Tosh sich mit Studioalben eher rar. Tosh wurde vom Wechsel des Reggae Stils hart getroffen. Die Musikstile wie Rub A Dub und der spätere Dancehall gingen gänzlich an ihm vorbei. Außerdem erschwerte Marley’s Tod seine Karriere, die langsam zu stagnieren begann.

Marley wurde nach seinem Tod von Musikern, Fans, Politikern und Kritikern heilig gesprochen, während Peter die undankbare Aufgabe hatte Fragen über Marley zu beantworten, anstatt über seine eigene Musik zu sprechen. Einen Punkt, der ihn mehr als kränkte, denn er sah sich nicht als Marley Promoter. Daher kam es nicht selten vor, dass Journalisten harsche Antworten bekamen, wenn sie ihn über Marley ausfragten.

Da sich seine Alben in den 80ern kaum verkauften und seine Songs im jamaikanischen Radio kaum gespielt wurden, war Tosh oft Live wieder zu finden. Er hatte sich bislang immer noch nicht mit den neuen Trends (Rub A Dub, Dancehall) anfreunden können und begann diesbezüglich abfällige Bemerkungen zu diesen Musikstilen zu äußern.

Zu seinen finanziellen und musikalischen Problemen sollten weitere folgen. Zum Beispiel die Funkstille zu seinem Ex Bandkollegen Bunny Wailer, ein böser Prozess mit seiner Exfrau um das Sorgerecht seiner Kinder und ein Magengeschwür, was dafür sorgte, dass er seine Tournee abbrechen musste und auch die Arbeit an seinem geplanten Album "No Nuclear War" für unbestimmte Zeit verlegen musste.

Um sein Magengeschwür zu behandeln, verließ er Jamaica und lebte in Afrika. Dort ließ er sich von einem Naturmediziner behandeln. Ca. Zwei Jahre dauerte es bis er zurückkam und sein "No Nuclear War" Album vervollständigen konnte.

Von Geistern heimgesucht?

Nach seiner Rückkehr aus Afrika hatte man es mit einem erfrischten Peter Tosh zu tun, der zwar sein Magengeschwür los geworden ist, aber dafür mit Geisterstorys und schaurigen Geschichten sein Umfeld verstörte.

Aberglaube in Jamaica ist nicht ungewöhnlich. Und die meisten Jamaikaner - vor allem die Armen - wachsen mit Geisterstorys, Obeahmagie usw auf. Obwohl er auch in den 70ern an die Existenz von Geistern glaubte, befasste er sich in den 80ern äußerst intensiv mit Geistertheorien und Praktiken - vielleicht ein bisschen zu viel.

Tosh behauptete, dass in seinem neuen Anwesen der Plymouth Avenue, sich Geister aufhalten, die ihn täglich heimsuchten und planten ihn zu töten. Was genau an diesen Storys wahr ist, sollte jeder für sich selbst raus finden. Fakt ist, dass Peter Tosh am 11. September 1987 von drei Personen (unter anderem einer seiner Freunde Leppo) heimgesucht und ermordet wurde.

Hintergründe

Gewalt hat Peter Tosh’s Leben bestimmt. Während Peter Tosh seine Musik als geeignete und friedliche Waffe gegen Ungerechtigkeit empfand, bekam er vom jamaikanischen System eine Antwort der Gewalt und Hass. Korrupte Polizisten misshandelten Peter Tosh mindestens zwei Mal.

Die erste Begebenheit passierte ca 1973, als er noch Wailers Mitglied war. Polizisten traten seine Tür ein und schlugen ihn halb tot. Als er sein Bewusstsein wieder erlangte, fand er sich auf dem Fußboden eines Kingstoner Krankenhauses wieder. Er blutete stark, hatte mehrere Rippen gebrochen und hatte schlimme Verletzungen im Unterleib.

Dennoch blieb er von Ärzten und Krankenschwestern ignoriert und kauerte auf dem Boden herum. Am Haupteingang des Krankenhauses konnte jeder erkennen, wer dort am Boden lag (Peter Tosh war natürlich durch seine Musik eine Berühmtheit) und von Polizisten verhöhnt wurde. Dieser Akt war eine Warnung an Peter Tosh und alle die ihm nacheifern möchten. Die Regierung bzw die Polizei wollte damit ausdrücken: Ihr denkt ihr könnt euch mit uns anlegen. Fuck you! Schaut her, dort liegt Peter Tosh am Boden. Überlegt euch gut was ihr macht, sonst liegt ihr da, wo er liegt.

Das zweite Ereignis passierte im September 1978. Dort wurde er von ca 8-10 Polizisten in einer Polizeistation mit Schlagstöcken, Fußtritte und anderen nicht definierbaren Gegenständen mit Schlägen übersät. Doch diesmal sollte es nicht bei einer Verwarnung bleiben. Tosh lag in seiner eigenen Blutlache, sein Schädel durch die Schläge halbgeöffnet, als er es für klüger empfand sich tot zu stellen. Dann hauchte einer der Polizisten "Ja er ist endlich tot.

Peter Tosh und auch andere Kenner sehen einen Zusammenhang zu seiner Rede auf dem One Love Peace Concert des selben Jahres. Dort attackierte er beide anwesenden Politiker Seaga und Manley. Im Backstage Bereich sollen beide Politiker vor Wut gekocht haben. Der Vorfall im September war also nur eine logische Konsequenz dafür, dass er beide Politiker öffentlich vorgeführt hat.

Obwohl Tosh hart am Tod vorbeigeschrammt ist, blieb er der unangenehme Revolutionär und machte dort weiter wo er aufgehört hat. Er muss für die Jamaikanische Regierung wie Freddy Krueger oder noch ein schlimmerer Alptraum gewesen sein. Diesen Menschen konnte man nicht einschüchtern und, wie es schien, wohl auch nicht töten.

Leider stimmte das nicht ganz, denn wie wir bereits wissen, konnte man ihn doch töten. Was genau der Anlass seiner Ermordung war ist nicht ganz geklärt. Offiziell war es ein Raubmord ausgeführt von Dennis "Leppo" Lobban und zwei weiteren Gestalten.

Doch die meisten Rastas und Reggae Musiker gehen, davon aus, dass es ein Mord aus politischen Gründen war. Anscheinend gefiel den Politikern die Idee nicht, dass Tosh und Free I Dixon einen Rasta Radiosender gründen wollten. War das der Grund, dass in der Horrornacht des 11. September 1987 drei unschuldige Menschen (Peter Tosh, Free I Dixon und Doc Brown) ihr Leben verloren? Dank der ungenauen Arbeit der Jamaikanischen Behörden werden wir das wohl nie erfahren.

Peter Tosh’s musikalische Erbe und seine Bedeutung für die Reggae Musik

Peter Tosh wird niemals annähernd an Marley’s Bekanntheitsgrad herankommen. Das kann man zum Beispiel sehr gut daran erkennen, dass in Deutschland Leute wie Inner Circle oder Gentleman weitaus bekannter sind als der 1987 ermordete Rastaman.

In Jamaica tut die Regierung weiterhin ihr Möglichstes, dass man Peter Tosh vergisst. Tosh wurde weder mit dem Order Of Merit ausgezeichnet noch gibt es eine Statue von ihm in Jamaica. Und es ist auch unwahrscheinlich, dass er in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen wird. Auf ihn lastet der typische Bob Marley Fluch. Das bedeutet jeder gute Reggae Musiker wird mit ihm verglichen. Einem Fluch, den er zu Lebzeiten vergeblich versucht hat zu entkommen.

Bedeutet das, dass man Peter Tosh bald vergessen wird? Niemals! Peter Tosh ist mit Bob Marley, Jacob Miller, Dennis Brown, Garnet Silk und Hugh Mundell (und einigen anderen Musikern) in einer erstklassigen Riege von verstorbenen Reggae Musikern, die niemals in Vergessenheit geraten werden.

Sein Erbe ist es wohl die undankbare Aufgabe gehabt zu haben Reggae eine gewisse Ernsthaftigkeit zu geben. Denn wenn es um einen Beliebtheitswettbewerb gehen würde, wäre Tosh sicherlich bei vielen ganz weit hinten. Tosh wollte keine Sympathien bzw wenn er sie wollte bekam er sie nicht. Man höre den Song "No Sympathy" oder man schaue sich das "Wanted Dread And Alive" Cover an.

Es ist ein Mann, der sich im Strudel von Verlogenheit findet und angewidert ist. Er ist der unumstößliche Rasta, der wie ein Mahnmal vor Babylons Imperium steht und für diejenigen spricht, die keine Stimme haben.

Traurig über seine Ermordung möchte ich gern mit etwas Positivem abschließen und da möchte ich gern einen Menschen zu Wort kommen lassen, den ich sehr schätze - Lee Perry:

"Peter ist ein fabelhafter Songschreiber. Wenn er einen Song schreibt, dann schreibt er ihn, weil es einen bestimmten Grund dafür gibt. Er tut es nicht bloß, weil er mal eben einen Song singen will, sondern weil es ihm was bedeutet...Nicht fürs schnelle Geld oder sonstiges, er will eine Botschaft in seinem Song überbringen."

http://reggae-legenden.chapso.de

Nachtrag meinerseits : laut Wikipedia wurde Peter 2012 doch noch mit einem jamaikanischen Orden ausgezeichnet.
Scoot
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Re: Peter Tosh wäre heute 70 alt

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Gepostet: 19.10.2014 - 17:10 Uhr  ·  #2
Danke Meister P. !
So geballt und gebündelt hatte ich die gesamte Probematik nicht mehr vor Augen.
Es ist gut, immer wieder daran erinnert zu werden.
Meister Proper
 
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Re: Peter Tosh wäre heute 70 Jahre alt

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Gepostet: 19.10.2014 - 18:01 Uhr  ·  #3
Gern geschehen.
Triskell
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Re: Peter Tosh wäre heute 70 Jahre alt

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Gepostet: 19.10.2014 - 19:03 Uhr  ·  #4
Hut ab "junger" Mann und dickes Dankeschön für diese Infos. ://
Immer wieder beängstigend, wie schnell die Zeit verrinnt. :-/
Meister Proper
 
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Re: Peter Tosh wäre heute 70 Jahre alt

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Gepostet: 19.10.2014 - 19:31 Uhr  ·  #5
den text habe nicht ich geschrieben. ich habe es mir nur zum ziel gemacht,hier und da ein paar informationen zu verbreiten
sunny
 
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Re: Peter Tosh wäre heute 70 Jahre alt

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Gepostet: 20.10.2014 - 07:18 Uhr  ·  #6
Peter Tosh einer der ganz Großen im Raggae-Zirkus.
Für die Erinnerung-besten Dank.
Mr. Upduff
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Re: Peter Tosh wäre heute 70 Jahre alt

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Gepostet: 20.10.2014 - 17:01 Uhr  ·  #7
Zitat geschrieben von Meister Proper

den text habe nicht ich geschrieben...

...nicht das wir bei so einer massiven Übernahme Probleme bekommen...
Meister Proper
 
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Re: Peter Tosh wäre heute 70 Jahre alt

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Gepostet: 20.10.2014 - 18:53 Uhr  ·  #8
Quellenangabe steht dabei.
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