Wir schreiben das Jahr 1964. Wir befinden uns in Greenwich Village. Elektra Records veröffentlicht einen Unplugged-Blues-Sampler mit Musikern aus der Nachbarschaft. Einer davon heißt Danny Kalb, welcher für seine 2 Songs 75$ bekommt. Kurz darauf tauscht er seine Akkustische gegen eine E-Gitarre ein. Schuld waren mal wieder die Beatles, welche kurz zuvor in den USA einschlugen und damit das Ende der akkustischen Folk-/Blues-Bewegung einläuteten.
Im darauf folgenden Jahr gründet Danny seine erste Rock&Roll-Band, welche er nach einigen Umbenennungen Blues Project tauft, in Anlehnung an seinen musikalischen Start. Nach einem Aufenthalt in Europa erweckte er die Band im September '65 wieder zum Leben. Mit dabei waren nun Danny Kalb (Guitar), Steve Katz (Guitar / Even Dozen Jug Band), Andy Kulberg (Bass, Flute), Roy Blumenfeld (Drums) und Tommy Flanders (Vocals). Die Jungs wurden sofort zu einer der besten Bands im Village. Wenige Wochen später durften sie bei Columbia Records vorspielen und wurden trotz guter Darbietung nicht unter Vertrag genommen. Dafür kamen sie so an den Session-Musiker Al Kooper. Er hatte an der Gitarre begonnen, war aber gerade mehr an der Orgel interessiert, welche er bei den Sessions zu Like A Rolling Stone für Bob Dylans Highway 61 schon gespielt hatte. Um sich an seinem neuen Instrument zu verbessern schloss er sich sofot dem Blues Project an, um mit ihnen aufzutreten.
Wenig später erhielten sie einen Vertrag bei Verve Records und es ging sofort an die Aufnahmen zu ihrem Debut-Album, einem Live-Mittschnitt eines Auftritts im Café Au Go Go im Village. Die Aufnahmen ersteckten sich über eine Novemberwoche 1965 und einer weitern Woche im Januar 1966. Zu der Zeit stieg Flanders aus der Band aus, weil er nur auf ein paar der Songs zu hören war. Das Album erzielte mittelmäßige Verkaufszahen und die Band ging zur Promo auf eine landesweite Tournee.
Im April '66 spielten sie im Fillmore Auditorium in San Francisco und wussten sofort zu überzeugen. Sogar Mitglieder der Grateful Dead waren von den Improvisationen der Jungs beeindruckt.
Nachdem die Band nach New York zurückgekehrt war ging es an die Aufnahmen zu ihrem zweiten Album, welche im Herbst '66 begannen.
Projections enthält eine Reihe an starken Songs zwischen Blues, R&B, Jazz, Psych und Folk-Rock. Im Zentrum steht das gut 11-minütige Two Trains Running, in welchem, neben ein paar anderen Nummern, die jamqualitäten der Band zum vorschein kommen. Flute Thing wäre ein weiteres Beispiel. In dem von Kooper verfassten Stück brilliert Kulberg an der Flöte.
Kurz nach Ende der Aufnahmen begann die Band zu zerfallen. Im Frühjahr '67 verließ Kiiper die Band, welche nun ohne das dritte Album Live At The Town Hall fertigstellte. Witzigerweise stammt nur ein Song von dem Auftritt in der Town Hall, der Rest der Live-Songs wurde auf anderen Konzerten mitgeschnitten. Die restlichen Stücke sind Outtakes, welche mit Live-Applaus zu Livestücken gemacht wurden :roll:
Koopers No Time Like The Right Time wurde die einzige Chart-Single der Band.
Das letzte Aufbäumen war dann das Monterey International Pop Festival im Juni 1967. Hier war bereits die Hälfte des alten Line-Ups ausgeschieden und Kooper trat bereits mit seiner eigenen Band auf. Kurz darauf verließen Katz und Kalb ebenfalls die Band. Planned Obsolescence wurde mit den beiden letzten Gründungsmitgliedern Blumenfeld und Kulberg aufgenommen und musste aus vertraglichen Gründen unter dem Namen Blues Project veröffentlich werden, bevor die beiden mit anderen Musikern unter dem Namen Seatrain weitermachen konnten.
1968 vereinten Kooper und Katz ihre musikalischen Kräfte um Koopers Traum einer Rockband mit Bläsern zu verwirklichen und so entstand Blood, Sweat & Tears. Nachdem Kooper die Band auf ihrem Debut Child Is Father To The Man noch geführt hatte verließ er die Band. Katz blieb B,S&T bis in die 70er treu.
In modifizierter Form vereinte sich das Blues Project zu Beginn der 70er nochmal und es entstanden die Alben Lazarus (1971) und ein selbstbetiteltes Werk (1972). The Original Blues Project Reunion In Central Park wurde 1973 mit Al Kooper aufgenommen, jedoch ohne Flanders. Aber all diese Veröffentlichungen stießen nicht gerade auf eine breite Hörerschaft und somit erlebt man die Jungs nur noch selten, beispielsweise auf Veranstaltungen für wohltätige Zwecke.
Diese Band hat in meinem musikalischen Kosmos einen bleibenden Eindruck hinterlassen, nicht zuletzt wegen ihrer Mischung aus den genannten Genres. Sicher auch wegen meiner großen Freude an B,S&T. Wahrscheinlich waren sie wegen der künstlerischen Spannungen so gut, welche sie vielleicht später auseinandergetrieben haben, aber genau diese Konstellation hat eben schon häufiger großes hervorgebracht. Dazu waren sie eine der ersten Jam-Bands, neben Grateful Dead. Bisher kenne ich nur die ersten 3 Aufnahmen und die Sachen von Seatrain, aber diese Alben kann man sich bedenkenlos zulegen, da auch die Soundqualität der Live-Aufnahmen mehr als passabel ist.
Hörproben:
Flute Thing (06-18-1967 - Monterey Pop Festival)
Two Trains Running
Im darauf folgenden Jahr gründet Danny seine erste Rock&Roll-Band, welche er nach einigen Umbenennungen Blues Project tauft, in Anlehnung an seinen musikalischen Start. Nach einem Aufenthalt in Europa erweckte er die Band im September '65 wieder zum Leben. Mit dabei waren nun Danny Kalb (Guitar), Steve Katz (Guitar / Even Dozen Jug Band), Andy Kulberg (Bass, Flute), Roy Blumenfeld (Drums) und Tommy Flanders (Vocals). Die Jungs wurden sofort zu einer der besten Bands im Village. Wenige Wochen später durften sie bei Columbia Records vorspielen und wurden trotz guter Darbietung nicht unter Vertrag genommen. Dafür kamen sie so an den Session-Musiker Al Kooper. Er hatte an der Gitarre begonnen, war aber gerade mehr an der Orgel interessiert, welche er bei den Sessions zu Like A Rolling Stone für Bob Dylans Highway 61 schon gespielt hatte. Um sich an seinem neuen Instrument zu verbessern schloss er sich sofot dem Blues Project an, um mit ihnen aufzutreten.
Wenig später erhielten sie einen Vertrag bei Verve Records und es ging sofort an die Aufnahmen zu ihrem Debut-Album, einem Live-Mittschnitt eines Auftritts im Café Au Go Go im Village. Die Aufnahmen ersteckten sich über eine Novemberwoche 1965 und einer weitern Woche im Januar 1966. Zu der Zeit stieg Flanders aus der Band aus, weil er nur auf ein paar der Songs zu hören war. Das Album erzielte mittelmäßige Verkaufszahen und die Band ging zur Promo auf eine landesweite Tournee.
Im April '66 spielten sie im Fillmore Auditorium in San Francisco und wussten sofort zu überzeugen. Sogar Mitglieder der Grateful Dead waren von den Improvisationen der Jungs beeindruckt.
Nachdem die Band nach New York zurückgekehrt war ging es an die Aufnahmen zu ihrem zweiten Album, welche im Herbst '66 begannen.
Projections enthält eine Reihe an starken Songs zwischen Blues, R&B, Jazz, Psych und Folk-Rock. Im Zentrum steht das gut 11-minütige Two Trains Running, in welchem, neben ein paar anderen Nummern, die jamqualitäten der Band zum vorschein kommen. Flute Thing wäre ein weiteres Beispiel. In dem von Kooper verfassten Stück brilliert Kulberg an der Flöte.
Kurz nach Ende der Aufnahmen begann die Band zu zerfallen. Im Frühjahr '67 verließ Kiiper die Band, welche nun ohne das dritte Album Live At The Town Hall fertigstellte. Witzigerweise stammt nur ein Song von dem Auftritt in der Town Hall, der Rest der Live-Songs wurde auf anderen Konzerten mitgeschnitten. Die restlichen Stücke sind Outtakes, welche mit Live-Applaus zu Livestücken gemacht wurden :roll:
Koopers No Time Like The Right Time wurde die einzige Chart-Single der Band.
Das letzte Aufbäumen war dann das Monterey International Pop Festival im Juni 1967. Hier war bereits die Hälfte des alten Line-Ups ausgeschieden und Kooper trat bereits mit seiner eigenen Band auf. Kurz darauf verließen Katz und Kalb ebenfalls die Band. Planned Obsolescence wurde mit den beiden letzten Gründungsmitgliedern Blumenfeld und Kulberg aufgenommen und musste aus vertraglichen Gründen unter dem Namen Blues Project veröffentlich werden, bevor die beiden mit anderen Musikern unter dem Namen Seatrain weitermachen konnten.
1968 vereinten Kooper und Katz ihre musikalischen Kräfte um Koopers Traum einer Rockband mit Bläsern zu verwirklichen und so entstand Blood, Sweat & Tears. Nachdem Kooper die Band auf ihrem Debut Child Is Father To The Man noch geführt hatte verließ er die Band. Katz blieb B,S&T bis in die 70er treu.
In modifizierter Form vereinte sich das Blues Project zu Beginn der 70er nochmal und es entstanden die Alben Lazarus (1971) und ein selbstbetiteltes Werk (1972). The Original Blues Project Reunion In Central Park wurde 1973 mit Al Kooper aufgenommen, jedoch ohne Flanders. Aber all diese Veröffentlichungen stießen nicht gerade auf eine breite Hörerschaft und somit erlebt man die Jungs nur noch selten, beispielsweise auf Veranstaltungen für wohltätige Zwecke.
Diese Band hat in meinem musikalischen Kosmos einen bleibenden Eindruck hinterlassen, nicht zuletzt wegen ihrer Mischung aus den genannten Genres. Sicher auch wegen meiner großen Freude an B,S&T. Wahrscheinlich waren sie wegen der künstlerischen Spannungen so gut, welche sie vielleicht später auseinandergetrieben haben, aber genau diese Konstellation hat eben schon häufiger großes hervorgebracht. Dazu waren sie eine der ersten Jam-Bands, neben Grateful Dead. Bisher kenne ich nur die ersten 3 Aufnahmen und die Sachen von Seatrain, aber diese Alben kann man sich bedenkenlos zulegen, da auch die Soundqualität der Live-Aufnahmen mehr als passabel ist.
Hörproben:
Flute Thing (06-18-1967 - Monterey Pop Festival)
Two Trains Running