Im Tal von Elah
USA 2007 / 120 Minuten
Darsteller:
* Tommy Lee Jones: Hank Deerfield
* Charlize Theron: Detective Emily Sanders
* Josh Brolin: Chief Buchwald
* Susan Sarandon: Joan Deerfield
Regie:
* Paul Haggis
Dieser Film kann im weitesten Sinne als ein (Anti-) Kriegsfilm betrachtet werden, wenngleich fast keine kriegerischen Handlungen zu sehen sein werden. Vielmehr beschäftigt sich der Film mit dem, was der Krieg aus einem Menschen macht bzw. machen kann. Und darf ohne weiteres als ein Stückchen amerikanischer Aufarbeitung des Irak-Krieges betrachtet werden.
Nach einem fast einjährigen Irakaufenthalt kehrt der Soldat Mike Deerfield nicht an seinen Heimatstützpunkt in den USA zurück. Seinem Vater Hank (T.L.Jones) wird lediglich die Mitteilung überbracht, dass sein Sohn offensichtlich desertiert sei.
Deerfield, selber ein honoriger Kriegsveteran und Militärbefürworter durch und durch, will dies nicht glauben und sich nicht damit abfinden. So macht er sich auf die Suche nach seinem Sohn und der Wahrheit nach dessen Verschwinden. Seine Suche beginnt in der Einheit seines Sohnes, in der er einige Kameraden und Freunde seines Sohnes, aber auch Vorgesetzte findet und befragt. Schnell begegnet er einer Mauer des Schweigens, was sein Misstrauen schürt und düstere Ahnungen heraufbeschwört.
Erst als er in den Besitz des zerstörten Handys seines Sohnes kommt, wird in Bruchstücken die ganze Wahrheit seines Verschwindens offenbar. Ein Computerfreak ist in der Lage, eine Videoaufzeichnung des zerstörten Handys Stück für Stück zu restaurieren. Und dieser Film bringt den Suchenden erst auf die richtige Spur.
Mit Hilfe der Polizistin Emily Sanders schafft er es, dass die Untersuchung des Falles dem Militär aus den Händen genommen und die Verantwortung der Polizei überstellt wird. So ist die Militätpolizei nicht mehr in der Lage, ihre Vertuschungspolitik fortzusetzen. Was nun im Laufe des Filmes immer mehr ans Tageslicht kommt, zerstört nicht nur das Andenken des Vaters an seinen Sohn, sondern auch seinen Glauben an sein Land und seine hundertprozentige Loyalität dem Militär gegenüber. Er erhält Einblicke in Entmoralisierung, Verrohung und menschenverachtendes Verhalten, welches ihm seinen grundfesten Glauben an Moral und Anstand raubt. Auch das Bild, welches er von seinem Sohn hat, wird einer starken Prüfung unterzogen.
Paul Haggis, der bereits mit "L.A.Crash" ein Meisterwerk ablieferte, ist hier wieder ein grandioser Film gelungen. Alles heroische wird hier entzaubert, Begriffe wie Kameradschaft, Vaterland werden entmystifiziert. Und mit Tommy Lee Jones hat er einen Top-Hauptdarsteller gewonnen. Die Verwandlung, vom überzeugten Militarist über diese ob der Grausamkeiten ungläubigen Figur bis zum trauernden Vater und Kriegsgegner hätte wohl niemand besser spielen können. Und als er am Ende des Filmes die Stars And Stripes - Flagge kopfüber hisst, ist dies wohl als Symbol dafür zu verstehen, dass er nun auch mit seinem Land auf Kriegsfuß steht.
Ein Film, der trotz seiner stillen Erzählweise fast keine Sekunde ohne Spannung ist. Absolut empfehlenswert.
Und als kleiner Tipp zum Schluss: dieser Film läuft heute abend im Fernsehen. Ohne Werbung, wie er es verdient:
ARD, 22:15 Uhr - Im Tal von Elah